Pro Evolution Soccer 2014 (2013)

Pro Evolution Soccer 2014 (2013)

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PS3-Review: Götterdämmerung!

PES 2014 ist auch ein Karaoke-Spiel!
PES 2014 ist auch ein Karaoke-Spiel! © Entwickler / Publisher

Entwickler Konami läutet eine neue Ära für seine Fussballsimulation PES ein. Unter Zuhilfenahme der Fox-Engine verspricht der Entwickler, ein neuartiges Fussball-Gefühl auf die heimischen Konsolen zu zaubern. Dazu bedarf es neben einem neuen Look auch einer neuen Ballphysik-Engine und neuer Spielermodelle. Bei all dem Marketing-Gedöns hat sich eines jedoch nicht verändert: Das Runde muss noch immer ins Eckige, ein Spiel dauert 90 Minuten, wir spielen 11 gegen 11, und Konami verfügt noch immer über kein umfangreiches Lizenzen-Set.

PES 2014 verfügt über zahlreiche neue und vielversprechende Ansätze und legt insgesamt eine gute Basis für den kommenden Generationenwechsel. Die erstmals verwendete und extrem potente Fox-Engine sieht fantastisch aus und leistet punkto Spieleranimation und Ballgefühl sehr gute Arbeit.

Dennoch wird man während des gesamten Spiels das Gefühl nicht los, eine nur halbgare Fussballsimulation zu zocken. Irgendetwas stimmt nicht, und das ist schwer in Worte zu fassen. Selbst nach einigen Stunden Eingewöhnungszeit und Training will keine richtige Spielfreude aufkommen, was durch die noch sichtlich unausgereifte Technik zusätzlich verstärkt wird. Vielleicht liegt es an der neuen Engine, vielleicht am ungewohnt andersartigen Spielerhandling, vielleicht auch einfach am zähen Spielaufbau. Wer die bisherigen Titel der PES-Reihe enthusiastisch gespielt hat, sollte die Demo vorgängig unbedingt anspielen, denn PES 2014 ist definitiv anders.

Gameplay

Intensive Zweikämpfe stehen im Mittelpunkt.
Intensive Zweikämpfe stehen im Mittelpunkt. © Entwickler / Publisher

Eines vorweg: Konami hat tatsächlich Wort gehalten! Schon nach dem ersten Ballkontakt wird klar, dass sich die PES-Serie im Umbruch befindet. Alles fühlt sich neu und anders an - angefangen beim Ball, der den Spielern nicht mehr an den Füssen klebt und nach Belieben über das Spielfeld geschoben werden kann. Noch markanter fallen die Unterschiede in der Steuerung der einzelnen Kicker auf. Punktgenau lassen sie sich übers Feld dirigieren und fühlen sich dabei erstmals wie richtige Spieler an. Das Bewegungsrepertoire ist extrem umfassend und wird situativ angepasst. Erstmals beeinflussen dabei auch Faktoren wie das Körpergewicht und die Grösse eines Spielers sein Auftreten auf dem Rasen. Zugegebenermassen fühlte sich die Steuerung während der ersten Partien etwas träge, ja gar holprig an. Erst mit etwas Übung lernt man, das Potenzial, das in dieser aufwändigen Bewegungsphysik steckt, freizusetzen und auch zumindest zu einem gewissen Grad auch zu schätzen. Besonders gefallen haben dabei die Zweikämpfe, die durch das erweiterte Handling spannender und vor allen Dingen realistischer geworden sind. Haken, Tricks und kurze Sprints scheinen erstmals einen Unterschied zu machen und sind die hilfreichsten Mittel, um einen hartnäckigen Verteidiger abzuschütteln.

So gut das neue Spielgefühl im Sturm funktioniert, um so schlechter funktioniert es dafür in der Verteidigung. Auf weiten Strecken bleiben die Störaktionen der eigenen Verteidiger schlicht unwirksam gegen herannahende Stürmer. Gerade körperlich robuste Spieler sind kaum vom Ball zu trennen, und es bedarf einer Menge Gestochere und letztlich auch einer Portion Glück, um den Gegner im Mittelfeld vom Ball trennen zu können. Teilweise fühlt sich die Verteidigungsarbeit so an, als würde man mit einem Fiat Panda gegen einen Panzer antreten. Ihren Beitrag zu diesem Manko leistet die Steuerung, die zeitweise nur suboptimal funktioniert und gerade bei schnellen Dribblings etwas träge, ja sogar willkürlich wirkt. Die zahlreichen Schuss-, Pass- und Laufhilfen vermögen daran ebenfalls nichts zu ändern und stiften in erster Linie Verwirrung. Die logische Konsequenz sind zahlreiche Fehlpässe und ungewollte Fouls.

Einmarsch der Gladiatoren!
Einmarsch der Gladiatoren! © Entwickler / Publisher

Abseits vom Spielfeld bietet PES 2014 noch immer zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, mit denen die jeweilige Taktik bis ins kleinste Detail abgestimmt werden kann. In der diesjährigen Neuauflage sieht allerdings auch hier alles etwas anders aus, und auch die Spielerwerte wurden um einige Aspekte erweitert. Die Tagesform der einzelnen Spieler ist wichtiger als je zuvor und bestimmt den Spielverlauf in prägender Weise mit. Wer die Werte seiner Spieler nicht genügend berücksichtigt, wird gegen jeden Gegner einen schweren Stand haben.

Multiplayer

PES 2014 bietet wie seine direkte Konkurrenz auch einen umfangreichen Mehrspieler-Modus, in dessen Zentrum die Master League Online steht. In dieser Online-Karriere stellt man sein Team zusammen, legt eine Taktik fest und spielt mit andern Usern um den Spitzenplatz in der Liga. Dass einige Spieler noch Schwierigkeiten damit bekunden, sich an das grundlegend neue Spielgefühl zu gewöhnen, fällt bereits nach den ersten Partien auf. Ein schöner Spielaufbau kommt nur mühsam zustande, weshalb sich die meisten Spieler auf die Dribblingkünste ihrer Stars verlassen und versuchen, sich mit der Dampfhammer-Methode durch die Abwehrreihen zu tanken. Dass Konami in dieser Hinsicht noch ein besseres Balancing nachreichen kann und wird, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Technik

Schwierig, aber effektiv!
Schwierig, aber effektiv! © Entwickler / Publisher

Auf den ersten Blick sieht PES 2014 fantastisch aus. Die Spielermodelle wirken extrem detailliert, und sogar die Fans sehen erstmals halbwegs lebendig aus. Die beeindruckenden Spielermodelle und die teils faszinierenden Animationen vermögen allerdings nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die Fox-Engine ganz offensichtlich für die nächste Konsolengeneration geschaffen wurde. Immer wieder kommt es während des Spiels zu Framerate-Einbrüchen, und zeitweise friert das Bild sogar für eine oder zwei Sekunden ein. Besonders ärgerlich ist es, wenn in brenzligen Situationen das grosse Ruckeln einsetzt und man daraufhin ein Tor kassiert. Das ist zwar nicht an der Tagesordnung, kommt aber durchaus einmal vor.

/ Andreas Mutzner [am]

Trailer: E3 2013 Englisch, 02:04