Hitman: Absolution (2012)

Hitman: Absolution (2012)

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PS3-Review: Für einmal der Böse sein.

Hasch mich, ich bin der Mörder!
Hasch mich, ich bin der Mörder! © Entwickler / Publisher

Mit Agent 47 schuf Entwickler IO Interactive im Jahr 2000 einen klassischen Antihelden. Glatze, Strichcode-Tattoo auf dem Nacken und ein schwarzer Anzug mit roter Krawatte sind die Markenzeichen des Hitman. Nach sechsjähriger Abwesenheit meldet sich der Auftragsmörder zurück und verrichtet wieder sein blutiges Handwerk. Verraten von jenen, denen er vertraut hat und von der Polizei gejagt, findet er sich mitten im Zentrum einer dunklen Verschwörung wieder und muss sich bei seiner Suche nach der Wahrheit auf eine Reise durch eine korrupte und verdorbene Welt einlassen.

Agent 47 feiert mit Hitman: Absolution ein feuriges Comeback, das kaum Wünsche offen lässt. Das Gameplay hat sich im Vergleich zu den Vorgängern kaum verändert, was für einmal aber kein Nachteil ist. Im Gegenteil, die einzelnen Missionen fordern dem Spieler einiges an Geduld und Kreativität ab. Jeder Einsatz erfordert ein gewisses Mass an Planung und Übersicht, bevor es dann ans Eingemachte geht. Sich den Weg zum Ziel einfach freizuschiessen, ist zwar eine Möglichkeit, verdirbt letztlich aber nur den Spielspass. Das hervorragende Spielprinzip, die dichte Atmosphäre und der ordentliche Umfang machen das Spiel zum bislang besten Teil der Serie. Welcome back, Agent 47!

Story

Die Macher von Hitman: Absolution haben beim neuesten Ableger der Serie mehr Wert darauf gelegt, eine spannende Geschichte zu erzählen als noch in früheren Teilen, wo eine Vielzahl der Missionen lediglich aneinandergereiht wurde. Die Hauptgeschichte des Spiels wird in zahlreichen spektakulär inszenierten Cutscenes vorangetrieben, die es so in den Vorgängern noch nicht zu bestaunen gab. Die Geschichte wird zwar in bester Hollywood-Manier präsentiert, jedoch verpassen es die Entwickler, Neueinsteiger in die Welt von Agent 47 einzuführen, weshalb diese schnell einmal Google und Co. bemühen müssen, um herauszufinden, weshalb der Hitman denn nun so stinksauer ist. Dafür aber wartet der Titel mit einigen schrillen und herrlich schrägen Bösewichten auf, die gewissermassen das Salz in der blutigen Suppe sind und denen man nur allzu gerne den virtuellen Hals umdrehen will.

Gameplay

Gefährliche Pinkelpause!
Gefährliche Pinkelpause! © Entwickler / Publisher

Das Hauptaugenmerk von Hitman: Absolution liegt schon wie bei den Vorgängern auf den Auftragsmorden. Zu Beginn jeder Mission erhält Agent 47 den Aufenthaltsort einer Zielperson, die es anschliessend auszuschalten gilt. Das Gelungene an diesen zugegebenermassen eintönigen Zielvorgaben sind die spielerischen Freiheiten, die dem Spieler dabei gewährt werden. So ballert man sich als Hitman nicht einfach in plumper Manier durch zahlreiche Schlauchlevels und erledigt zu guter Letzt den Oberboss. Der Titel verlangt ein gewisses Mass an Planung und Kreativität, damit man einen Auftrag erfolgreich abschliessen kann. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels leistet besonders ab der Stufe "schwer" ebenfalls seinen Beitrag dazu, dass man möglichst beherrscht an eine Mission herangeht und sich einen mehrstufigen Plan zurecht legt, wie man ans Ziel kommen will. Die Fehler-Toleranz ist dabei sehr niedrig angesetzt, und Timing spielt eine eminent wichtige Rolle für den erfolgreichen Abschluss eines Auftrags. So kann es vorkommen, dass man einen Kontrollpunkt mehrere Male neu starten muss, bevor man einen geeigneten Weg gefunden hat, sich an den Wachen und dergleichen vorbeizuschmuggeln. Dies kann teilweise zwar etwas frustrierend sein, unfair ist das Missionsdesign aber zu keiner Zeit. Weit mühsamer sind da die nur spärlich verteilten Speicherpunkte.

Als gewissenhafter Auftragsmörder gilt es deshalb stets die Umgebung im Auge zu behalten, sich eine Tarnung zuzulegen, Wachen abzulenken und sich einen Weg auszudenken, wie man am besten in die Nähe der Zielperson kommt und wie man ihr Lebenslicht auspusten will. Besonders in dieser Sparte zeigen die Entwickler einiges an Kreativität und lassen dem Spieler stets die Möglichkeit, jeden Mord wie einen Unfall aussehen zu lassen. So kann eine defekte Stromleitung einen pinkelnden Bösewicht genauso um die Ecke bringen wie ein zweckentfremdetes Bügeleisen. Die Möglichkeiten, einen Gegner ins Jenseits zu befördern, sind bei Hitman: Absolution wie schon in den Vorgängern ziemlich makaber und definitiv nicht für ein jüngeres Publikum geeignet.

Ein wahrer Sympathieträger
Ein wahrer Sympathieträger © Entwickler / Publisher

Wer für eingehende Observations- und Schleicheinlagen nicht allzuviel übrig hat, kann sich auch eines gut ausgestatteten Waffenarsenals bedienen, um sich aus brenzligen Situationen zu ballern. Eine Silent-Assassin-Auszeichnung kriegt man dafür aber bestimmt nicht. Als Hilfestellung haben die Entwickler den Instinktmodus implementiert, der beispielsweise die Laufwege der Wachen anzeigt oder einsetzbare Gegenstände und Waffen hervorhebt, damit sie im Level leichter zu finden sind. Ebenfalls Teil des Instinkt-Modus ist die Bullet-Time. Dabei braucht man ähnlich wie in Red Dead Redemption lediglich einige Ziele zu markieren, und der Computer mäht die Ziele nacheinander um. Der Einsatz des Instinktmodus wird in den höheren Schwierigkeitsstufen gänzlich abgeschaltet, wodurch man punkto Planung ganz auf sich alleine gestellt ist.

Multiplayer

Einen Multiplayer-Modus sucht man in Hitman: Absolution vergebens, was ob der ausgeprägten Einzelgänger-Attitüde des Protagonisten aber auch nicht wirklich verwundert. Immerhin kann man seine Leistungen als Auftragskiller aber mit Hilfe eines Punktesystems und einer Online-Rangliste mit Spielern auf der ganzen Welt vergleichen.

"Setz dir einen Schuss, oder ich tu's!"
"Setz dir einen Schuss, oder ich tu's!" © Entwickler / Publisher

Ebenfalls mit an Bord ist der sogenannte Auftragsmodus, bei dem theoretisch jeder ans Internet angeschlossene Spieler einen Auftragsmord inszenieren kann, um diesen der Community zum Nachspielen zur Verfügung zu stellen. Um einen Auftrag zusammenzustellen, muss man innerhalb einer Mission eine oder mehrere vorgegebene Personen markieren und ausschalten. Das Szenario, wie man diese Personen ausschaltet und anschliessend entkommt, ist dabei dem Spieler selbst überlassen. Durch sein eigenes Vorgehen setzt man dabei die Richtlinien fest, an welche sich die Community zu halten hat, wenn sie den selbst kreierten Auftrag erfolgreich absolvieren will. Der Auftragsmodus bietet zwar nicht die Komplexität des Hauptspiels, ist aber dennoch eine gelungene Erweiterung, die aufgrund der tadellosen Spielbarkeit und der vielen Möglichkeiten nicht einfach die Spielzeit künstlich zu strecken versucht.

Technik

Grafisch vermag Hitman: Absolution voll und ganz zu überzeugen und kreiert mit zahlreichen Effekten und Lichtspielereien eine tolle Atmosphäre. Die Detailverliebtheit der Entwickler ist lobenswert und macht die einzelnen Szenarien zu einem perfekten Spielplatz für kreative Auftragsmörder. Ob man nun in einem Stripclub nach einer Zielperson sucht oder sich durch den Markt von Chinatown schleicht, das Spiel macht in jeder Lebenslage eine gute Figur und strotzt nur so von bluttriefender Atmosphäre. Abgerundet wird dieses Bild von einem stimmungsvollen Soundtrack und einer guten Synchronisation - zumindest in Englisch.

/ Andreas Mutzner [am]