Weiter zu OutNow.CH »
X

Assassin's Creed 3 (2012)

Assassin's Creed 3 (2012) PS3-Review

Run, Forrest!

Run, Forrest!

Fast dachten wir, der Moment käme nie. Nach Brotherhood und Revelations erwarteten wir vielleicht ein "Assassin's Creed: Redemption" oder "Assassin's Creed: Ultimate". Man kann sagen, dass es langsam Zeit war für den dritten Teil, für den Abschluss einer Saga, die möglicherweise ein Spiel zu spät kommt. Zwar ist Revelations ein äusserst gutes Spiel geworden, doch viel mehr ist aus Ezios Geschichte nicht herauszuholen. Es ist Zeit für etwas Neues.

Mit Assassin's Creed 3 schliesst Ubisoft eine prägende Reihe dieser Konsolengeneration. Glänzte der erste Teil noch hauptsächlich aufgrund des unverbrauchten Settings und der wunderschönen Grafik, vollzog man im Nachfolger den Schritt zu mehr Abwechslung, besseren Nebenmissionen und einen charismatischeren Charakter. Dieser kam derart gut an, dass man ihm zwei weitere Spiele schenkte. Dabei vergass man leicht, dass er nur der Vorfahre der eigentlichen Hauptperson ist: Desmond Miles. Seine Geschichte findet nun seinen Abschluss. Ist es ein würdevoller Abgang?


Rating: Sony Playstation 3

Story

Das Schweizer Taschenbeil

Das Schweizer Taschenbeil

Der Spieleinstieg ist ernüchternd. Nur sehr langsam kommt die Geschichte in Fahrt. Keine Frage, die Kombination von historischen Tatsachen und Fiktion gelingt Ubisoft so gut wie noch nie. Connor ist eine äusserst glaubwürdige und vielschichtige Figur, zu der man gut eine emotionale Bindung aufbauen kann. Ein paar Widersprüche und Ungereimtheiten trüben zwar den Gesamteindruck, doch diese wurden vom tollen Storyaufbau überdeckt, der Desmonds Finale miteinbezieht. Trotzdem dauert es drei bis vier Stunden, bis es wirklich interessant wird. Da heisst es durchbeissen, denn Ubisoft tut herzlich wenig, um den Spieler bei der Stange zu halten.

Gameplay

Der zähe Beginn ist nicht nur der Geschichte geschuldet. Im fünften Teil der Serie werden euch abermals alle Basics in einem hässlichen Tutorial gezeigt. Dabei hat sich seit Revelations gar nicht so viel geändert. Auffallend ist vor allem das modifizierte Kampfsystem. Connor kann aus einem Block keinen Konter ausführen. Stattdessen wartet ihr auf den richtigen Moment, um via Tastendruck den Gegner zu entwaffnen und niederzuringen. Hm... Déjà-vu? Dennoch gewinnt der Kampf dadurch nicht an Abwechslung. Hat man einmal den Dreh raus, ist der Schlagabtausch simpel wie eh und je. Zwar habt ihr theoretisch verschiedene Waffen zur Verfügung, doch deren Einsatz ist nie notwendig, denn Connor wird locker mit einer halben Armee fertig. Einzig auf schiessende Gegner müsst ihr hin und wieder achtgeben.

Unfallversicherung: eine neuere Errungenschaft

Unfallversicherung: eine neuere Errungenschaft

Eine grössere Herausforderung und wesentlich mehr Spass bringen die Schleicheinsätze. Die Wachen haben eine bessere KI spendiert bekommen und sehen euch bereits aus einiger Entfernung. Zudem könnt ihr optionale Ziele beim Lösen der Mission verfolgen, welche die Schwierigkeit noch etwas anheben. Ebenfalls sehr toll gelungen sind die neuen Seeschlachten. Hier gilt es Wind, Wellengang und Segel zu beachten, sonst geht ihr schnell unter. Dabei wurden Kämpfe auf hoher See sehr cineastisch umgesetzt - grossartig!

Abseits der Hauptgeschichte könnt ihr Nebenbeschäftigungen schwankender Qualität nachgehen. Manche Missionen bereichern das bereits spektakuläre Setting um Hintergrundinformationen und spannende Nebengeschichten. Andere wiederum strecken lediglich die Spielzeit wie beispielsweise das Jagen, das seinen Reiz verliert, sobald ihr euren ersten Bären in einem einfachen Quick Time Event erledigt. Trotzdem bringt die neue Umgebung eine wohltuende Frische mit sich. Diese ist nicht nur schön anzusehen, sondern bietet auch spielerisch andere Vorzüge als die Städte. So könnt ihr zwischen Bäume klettern, Spuren verfolgen und Fallen legen.

Multiplayer

In Venedig war's romantischer!

In Venedig war's romantischer!

Eigentlich braucht die "Assassin's Creed"-Reihe keinen Multiplayer, doch wenn er derart gut umgesetzt wird, wollen wir auch nicht nörgeln. Die Abwandlungen der aus Shootern bekannten Spielmodi "Deathmatch" und "Capture the Flag" fügen sich sehr gut in die Spielmechanik der Assassinen und bieten viele Stunden Mehrspielerspass. Mit dabei sind die obligaten Erfahrungspunkte und Cash-Belohnungen, mit denen ihr eure Figur nach und nach verbessern und stärker machen könnt. Sehr gut!

Technik

Assassin's Creed 3 wird durch eine neue Engine bewegt, die das Ruckeln der Vorgänger deutlich mildert. An seine Grenze kommt der neue Motor, wenn es um die Darstellung von Details oder Bugs geht. Manche Abschnitte sind spektakulär schön, während andere wiederum matschige und unansehnliche Texturen zeigen. Ebenfalls schwankt die Qualität zwischen den detaillierten Hauptfiguren mit ihren glaubwürdigen Mienen und den eher starren Nebencharakteren.

Stealth im Tageslicht

Stealth im Tageslicht

Soundtechnisch lässt Ubisoft nichts anbrennen und bietet sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprachausgabe tolle Sprecher. Die unaufdringliche Musik passt sich wie ein Chamäleon an die jeweilige Spielsituation an und lässt den tollen Soundeffekten genügend Raum zum Brillieren.


Fazit

Desmond und seine Vorahnen erleben ein wahrlich angemessenes Finale im dritten Teil der "Assassin's Creed"-Reihe. Die simplen Kämpfe und den generell niedrigen Schwierigkeitsgrad zu kritisieren erscheint müssig, sind das doch Altlasten der fünf Vorgänger. So bekommen Fans der Serie genau was sie wollen, während das Spiel für Einsteiger (erst jetzt?) eine gewohnt gute Zugänglichkeit bietet. Der Umfang ist ausserdem enorm. Wenn ihr nicht gleich durch die Hauptgeschichte rast, seid ihr locker 20 Stunden beschäftigt. Erwartet keine Revolutionen; stattdessen erfreut euch an der stärksten Geschichte und den am besten gezeichneten Figuren des Universums Assassin's Creed.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

11.11.2012 / ale

Community:

Bewertung: 4.6 (13 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

6 Kommentare