The Witcher 2: Assassins of Kings (2011)

The Witcher 2: Assassins of Kings (2011)

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PC-Review: Die Rückkehr des gedächtnislosen Gigolos

Geralt von Riva und seine Katzenaugen sind zurück!
Geralt von Riva und seine Katzenaugen sind zurück! © Entwickler / Publisher

Geralt da Riva ist wieder da! Vier Jahre nach ihrem Überraschungshit bringen die Entwickler von CD Project den weisshaarigen und gedächtnislosen Hexer mit einem neuen Abenteuer zurück. Der Mix aus Fantasy und Mittelalter des ersten The Witcher wusste zu seiner Zeit mit einer guten Story, abwechslungsreichem Gameplay und dem charismatischen Helden wirklich zu gefallen und erfreut sich noch jetzt einer grossen Fangemeinde.

In der Fortsetzung The Witcher 2: Assassins of Kings hat der mächtige Weisse Wolf seine Erinnerung noch immer nicht wiedererlangt. Alpträume plagen den Hexer, es herrscht Krieg, und als wäre das nicht genug, hat es sich ein unbekannter Killer zur Aufgabe gemacht, Könige zu töten. Als Geralt am Ende des kurzen Prologs selbst zu Unrecht des Königsmords angeklagt wird, macht er sich mit Hilfe der schönen Triss und weiteren Verbündeten gleich selbst daran, den Attentäter zu jagen und seine Unschuld zu beweisen.

The Witcher 2 : Assassins of Kings ist im Endeffekt eine grossartige Fortsetzung und wird der langen Wartezeit mehr als gerecht. Geralt da Riva ist nicht nur optisch, sondern auch spielerisch reifer geworden. Das Rollenspiel überzeugt dank düsterer Story, konsequenter Verbesserung und Ausweitung aller Gameplayelemente und grosser Liebe zum Detail. Es macht einfach in jeder Hinsicht eine gute Figur und liefert trotz gewisser Abzüge in der B-Note viele Stunden fesselnde Unterhaltung.

Eine Warnung ist dennoch angebracht, denn während sich Kenner und Fans über das Wiedersehen freuen dürfen, ist es für Neueinsteiger empfehlenswert, erst den Vorgänger zu spielen, da man sonst von der facettenreichen Story und den vielen spielerischen Elementen und Nuancen schnell mal überfordert wird.

Story

Der Mutant und die sexy Zauberin, garantiert nicht jugendfrei.
Der Mutant und die sexy Zauberin, garantiert nicht jugendfrei. © Entwickler / Publisher

Was die Jungs von CD Project in den drei Akten geschichtstechnisch und erzählerisch zusammengestellt haben, ist schlichtweg atemberaubend. Das Abenteuer mit Mittelalter-Flair wird nicht nur spannend erzählt, sondern genauso geschickt und grandios inszeniert. Von den tiefgründigen Charakteren über die Dramaturgie bis hin zur düsteren Atmosphäre wirkt alles wunderbar aufeinander abgestimmt und vermittelt so ein waschechtes cineastisches Erlebnis. Durch tiefgreifende Entscheidungsmöglichkeiten, welche den Verlauf folgenschwer beeinflussen, bleibt das Spiel zudem stets flexibel und lädt auch gern zu einem erneuten Durchgang ein. Dies ist auch bitter nötig, denn die Story und Figuren haben so viel zu bieten, dass man kaum nach dem ersten Durchspielen alles gesehen haben kann.

Gameplay

Nicht nur sexy Frauen, der Hexer muss zwischendurch auch fiese Monster jagen.
Nicht nur sexy Frauen, der Hexer muss zwischendurch auch fiese Monster jagen. © Entwickler / Publisher

Eine gute Geschichte nützt nichts, wenn spielerisch nicht entsprechend nachgelegt werden kann. Glücklicherweise besteht hierfür bei The Witcher 2 kein Grund zur Sorge, denn das Gameplay kann ebenfalls vollends überzeugen. Die Kampfmechanik erscheint auf den ersten Blick zwar simpel und anspruchslos, da auf Haltung und Verkettungen verzichtet wurde und lediglich einfache oder schwere Angriffe (Maustasten) nebst Zaubern (Q-Taste), Tränken und Gegenständen (R-Taste) zur Auswahl stehen. Diese Änderung hat jedoch ihre Vorzüge, denn im Vergleich zum Vorgänger sind die Kampfeinlagen weitaus dynamischer und abwechslungsreicher.

Selbstverständlich findet man in Assassins of Kings alle erfolgreichen Elemente des ersten Teils wieder. Dementsprechend dürfen sich Fans erneut - zumindest im mittleren Teil des Epos - auf viele Nebenaufgaben, allerlei sammelbare Gegenstände und Waffen sowie eine Vielzahl an Rezepten und Tränken freuen. Zudem sind diverse gute (z.B. Meditation, Handwerkssystem) sowie auch paar weniger gute (z.B. Quicktime-Events) Verbesserungen und Neuerungen anzutreffen.

Alles in allem hinterlässt The Witcher 2: Assassins of Kings im Endeffekt einen weitaus ernsteren und solideren Eindruck als der ebenfalls gute Vorgänger und liefert so ein noch überzeugenderes Gesamtergebnis.

Technik

Beängstigend realistischer Wald - die Gebrüder Grimm lassen grüssen.
Beängstigend realistischer Wald - die Gebrüder Grimm lassen grüssen. © Entwickler / Publisher

Der grosse Hardwarehunger dürfte vielen (vorerst) ein Dorn im Auge sein, da die Anforderungen - wie im Übrigen schon seinerzeit beim Vorgänger zu - enorm sind. Was jedoch Hoffnung macht, ist, dass das Spiel sogar bei niedriger Auflösung und ohne jegliche Details immer noch sehr gut aussieht und durchaus dezent läuft. Will man aber in dem Genuss des wahren Hexers kommen, ist eine leistungsstarke Maschine unabdingbar, denn nur so kann man die gesamte Pracht des Spiels tatsächlich erkennen.

Auch wenn man die misslungene Mund-Ton-Synchronität in den Zwischensequenzen durchaus bemängeln kann, machen Musik und Sprachausgabe insgesamt einen respektablen Eindruck, so dass letztendlich einzig und allein die haklige und unpräzise Steuerung aus der Reihe tanzt und stellenweise das Spielvergnügen mindert. Weiter dürfte es dem einen oder anderen etwas sauer aufstossen, dass weder Grafik noch Tastenbelegung im Spiel selbst eingestellt werden können und zudem keine zusätzlichen Kameraperspektiven geboten werden.

/ Antonio Prosperati [pan]