Crysis 2 (2011)

Crysis 2 (2011)

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PS3-Review: Läuft Crysis?

Bleib mir vom Leib, Blechdose!
Bleib mir vom Leib, Blechdose!

PC-Spieler zu sein ist dieser Tage nicht einfach. Ärgerliche Kopierschutzsysteme, verspätete Erscheinungen oder gar fehlende Games sind nur einige der Schwierigkeiten, die diese Plattform plagen. Doch auf etwas konnten die PC-Spieler immer stolz sein: Mit Crysis durften sie das Spiel mit der besten Grafik exklusiv auf ihrem System geniessen. "Läuft Crysis?" war schliesslich der Running Gag, um die Leistungsfähigkeit eines PCs nachzufragen. Mit der Ankündigung von Crysis 2 für Konsolen brach für die Anhänger von Maus und Tastatur eine Welt zusammen. Kleinere Areale, entschlackte Nanosuit-Features und eine grafische Anpassung zeugen vom Kniefall vor den Couch-Potatoes. Wurde wirklich alles verschlimmbessert?

Ein Alien-Virus hat sich im Big Apple ausgebreitet und dient als roter Teppich für die Invasion der Ausserirdischen. Wir schlüpfen in die Haut von Marinesoldat Alcatraz, der sich an Bord eines U-Boots gerade auf seinen Einsatz gegen die grünen Männchen vorbereitet, als ein Torpedo ihn und seine Kollegen ins Wasser befördert. Schwerverletzt werden wir von einem alten Bekannten aus dem kühlen Nass gefischt. Der gefährlich aussehende Mann nennt sich Prophet und ist mit seinen Kräften am Ende. Er übergibt uns seinen Nanosuit und schickt uns auf Mission. So stehen wir da, alleine auf weiter Flur gegen eine Übermacht aus Aliens und einer konkurrierenden Söldnereinheit, die an unseren schönen Anzug will...

Crysis 2 ist der erwartete Hit geworden. Weitläufige Areale, enorme Spieltiefe und eine superbe Technik lassen die Shooter-Konkurrenz alt aussehen. Mit zehn bis zwölf Stunden Spielzeit dauert der Singleplayer sogar fast doppelt so lange wie der Genreprimus Black Ops. Abgerundet wird das Ganze durch einen motivierenden Multiplayer, dessen Umfang einen erschlagen kann. In diesem Zusammenhang wirkt Kritik beinahe kleinlich. Kleinere K.I.-Schwächen und die teilweise ruckelige Grafik auf Konsolen sollen nicht unerwähnt bleiben, fallen aber kaum ins Gewicht. Deutliche Kaufempfehlung!

Story

Netter Pyjama!
Netter Pyjama!

Crytek engagierte Sci-Fi-Autor Richard Morgan, um eine packende Geschichte auf die Beine zu stellen. Diese Entscheidung hat sich als richtig herausgestellt. Werft ihr die Zutaten "Aliens", "Virus" und "verrückte Wissenschaftler" in einen Topf, wird zwar schnell deutlich, was dabei herauskommt. Besonders originell ist die Story somit nicht, aber der gut geführte Spannungsbogen vermag das Spiel zehn Stunden lang zu tragen, was nach heutigen Kriterien eine ordentliche Leistung darstellt.

Leider bleiben die Figuren grösstenteils blass. Der Protagonist selbst gibt mit Ausnahme von kleinen Ächzern keinen Mucks von sich. Einziger Lichtblick ist der quirlige Wissenschaftler Dr. Nathan Gould, der die Sympathien des Spielers für sich zu gewinnen weiss. Die Inszenierung hingegen bleibt konstant auf sehr hohem Niveau. Kleine Zwischensequenzen ergänzen immer wieder die Spielabschnitte und treiben so die Handlung voran.

Gameplay

NY sah noch nie schöner aus... in einem Spiel.
NY sah noch nie schöner aus... in einem Spiel.

Nennt man Crysis, denken alle sofort an die fantastische Optik. Allzu leicht vergisst man, dass es sich hierbei nicht einfach um einen reinen Grafikporno handelt. Bereits der erste Teil bot eine spielerische Freiheit, die kaum ein anderer Shooter mitbringt. Crysis 2 hat zwar keine offene Welt mehr, kann aber weiterhin mit vielen Lösungswegen auftrumpfen. Wollen wir nun wie Rambo alle niedermetzeln, wie Snake an den Gegnern vorbeischleichen oder als Scharfschütze aus sicherer Entfernung den Weg frei ballern? Das grosszügige Leveldesign erlaubt uns, so zu spielen, wie es uns beliebt.

Der Star des Spiels ist nicht etwa Alcatraz, sondern sein Anzug. Erst der Nanosuit ermöglicht uns die Wahl der Spielweise und hebt Crysis 2 von herkömmlichen Shootern ab. Im Vergleich zum ersten Teil wurde er sinnvoll entschlackt. Der Stärke-Modus muss nicht erst über das Menü aktiviert werden, und auch das Einschalten der anderen Features wurde über Hotkey-Zugriff erleichtert. Hierfür zeigt sich wahrscheinlich die Portierung auf Konsolen verantwortlich.

Woher kenne ich diese Hand?
Woher kenne ich diese Hand?

Im Grossen und Ganzen spielt sich das Game sehr flott und individuell. Kleinere K.I.-Schwächen wie das Hängenbleiben an Objekten oder etwaige Aufmerksamkeitsdefizite trüben das Gesamtbild, stören den Spielverlauf allerdings nur selten. Ansonsten ist die Reaktion der Feinde insbesondere in den höheren Schwierigkeitsgraden angenehm dynamisch und fordernd. Sie suchen aktiv Deckung, fordern Verstärkung an, flankieren uns, und hin und wieder schleichen sie sich sogar perfide von hinten an uns heran. Aufmerksamkeit ist gefragt!

Multiplayer

Ein Mehrspielerpart darf in Crysis 2 natürlich nicht fehlen. Ein Dutzend Karten, sechs Spielmodi und tonnenweise Freischaltbares garantieren Langzeitspass. Zunächst sind aber nur zwei Spielvarianten zugänglich, denn hier müssen wir uns von unten nach oben arbeiten. Der Fairness halber kann man im Anfängermodus beginnen, wo noch niemand Level 10 übersteigt. Die tollen Fähigkeiten des Nanoanzugs wurden gut ausbalanciert: Zum Beispiel wird der Tarnmodus sofort deaktiviert, wenn man anfängt zu schiessen. Die rasanten Kämpfe laufen grösstenteils lagfrei ab, was man sich mit einer langen Ladedauer und gelegentlich aufpoppenden Texturen erkauft hat. Ein kleiner Preis, den man für die tollen Gefechte zahlen muss.

Technik

Boah, fliegende Autos!
Boah, fliegende Autos!

Ja, auch Crysis 2 ist ein Grafikmonster - zumindest auf dem PC. Allerdings vermisst man schmerzlich eine DirectX11-Kompatibilität. Die Konsolen müssen sich aber nicht verstecken. Ohne ganz an die Perfektion eines Uncharted 2 oder Killzone 3 heranzukommen, sieht das Spiel auch hier phänomenal aus. Abwechslungsreiche Umgebungen mit vielen Details und schönem Artdesign können plattformübergreifend bestaunt werden. Dafür müssen sich Konsolenbesitzer mit einer instabilen Bildrate abgeben, die in hektischen Situationen bis an die Schmerzgrenze gehen kann. Wer die Wahl hat, greift daher zur PC-Version.

Crytek konnte Hans Zimmer für den Soundtrack gewinnen - und dieser hat es in sich. Die Musikuntermalung wurde konsequent dem Spielgeschehen angepasst und setzt epischen Momenten die Krone auf. Zimmer war zwar nicht an allen Stücken beteiligt, doch das Gesamtbild aus emotionalen Melodien und knackigen Soundeffekten wirkt enorm stimmig und rund.

/ ale