Call of Juarez: The Cartel (2011)

Call of Juarez: The Cartel (2011)

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Xbox 360-Review: Infamer Rückenschuss tötet guten Ruf

High Noon in den Strassen von Los Angeles
High Noon in den Strassen von Los Angeles © Entwickler / Publisher

Call of Juarez und der Nachfolger Call of Juarez: Bound in Blood wussten mit ihrem kurzweiligen Spielprinzip und der tollen Westernatmosphäre trotz diverser Mankos zu unterhalten. Mit The Cartel soll die erfolgreiche Serie nicht nur einen weiteren Ableger bekommen, sondern auch gleich einen Zeitsprung in die Moderne wagen. Statt Indianern, Bürgerkrieg und Schätzen stehen im neusten Spiel nun Cops, Drogen und Kartelle im Vordergrund.

Nachdem ranghohe Beamten und Ermittler bei einem Attentat den Tod finden, sieht sich die US-Regierung gezwungen, dem verantwortlichen Kartell einen Gegenschlag zu versetzen. Um aber keine diplomatische Krise mit Mexiko zu riskieren, wird eine eigens dafür ins Leben gerufene Task Force, bestehend aus der FBI-Agentin Kim Evans, dem DEA-Beamten Eddie Guerra und dem Detektiv Ben McCall, auf die Sache angesetzt. Die drei schiessfreudigen Hauptcharaktere sind jedoch alles andere als vorbildliche Gesetzeshüter, und so beginnt eine chaotische Jagd voller Action und mit rauchenden Colts.

Der Versuch, die Serie vom Wilden Westen in die Moderne zu transferieren, ist mehr als deutlich missglückt. Insbesondere die Technik und die fast schon peinlichen Fahrpassagen werfen Fragen auf und sorgen dafür, dass The Cartel im Endeffekt eine wirklich herbe Enttäuschung ist. Obwohl man als Fan der Serie zwischenzeitlich durchaus gewillt ist, bei der laschen Story, den nervigen Charakteren sowie dem anspruchslosen Gameplay ein Auge zuzudrücken, bleibt das Spiel einfach nur schlecht und dem Namen "Call of Juarez" in keiner Wiese würdig.

Story

In bester Familientradion - Ben McCall bewaffnet und erbarmungslos
In bester Familientradion - Ben McCall bewaffnet und erbarmungslos © Entwickler / Publisher

Call of Juarez: The Cartel ist weder originell noch wirklich gut in Szene gesetzt. Die Geschichte ist gespickt mit Klischees und Stereotypen und vermag dadurch mangels Glaubwürdigkeit, Spannung und Atmosphäre nie wirklich zu überzeugen. Geschichtstechnisch kann das Spiel zu keiner Zeit an die intensiven Vorgänger anknüpfen, so dass die Story letztendlich von treibender Kraft eher zum Pausenfüller zwischen einer willkürlichen Aneinanderreihung von chaotischen und schiessfreudigen Episoden verkommt.

Gameplay

Mad Max lässt grüssen - Verfolgungsjagd in der Wüste
Mad Max lässt grüssen - Verfolgungsjagd in der Wüste © Entwickler / Publisher

Dass die Entwickler beim neuen Call of Juarez fast ausschliesslich auf brachiale Action gesetzt haben, fällt sofort auf. Statt mit einem Tutorial und einen sanften Einstieg wird man nämlich gleich zu Beginn mit dem ersten chaotischen Schusswechsel begrüsst. Alles, was man im weiteren Verlauf des Spieles zu tun hat, ist Checkpunkte abzulaufen bzw. abzufahren und eine Welle an hirnlosen Gegnern nach der anderen zu überwältigen. Zugegeben, unterhaltsam ist das Spiel schon, auch weil der eine oder andere Einfall wirklich positiv überrascht.

Auf lange Sicht bleibt jedoch The Cartel aufgrund misslungener Kernelemente (u.a. Deckungssystem) und grotesken Fahrpassagen trotz anständigen Umfangs äusserst schwach auf den Beinen - auch, weil jeglicher Anspruch fehlt.

Multiplayer

Hände hoch oder ich langweilig dich zu Tode!
Hände hoch oder ich langweilig dich zu Tode! © Entwickler / Publisher

Der Mehrspielermodus bietet einiges an Inhalt, leidet aber unter den gleichen Schwächen wie das Hauptspiel. Positiv hervor sticht einzig und allein der unkomplizierte Koop-Modus der Kampagne. Die Story mit Freunden zu bestreiten macht Spass, besonders weil individuelle Ziele für etwas Spannung und Konkurrenzdenken sorgen. Ansosten wird lediglich Standardkost geboten, welche qualitativ nicht überzeugt, aber zumindest dafür sorgt, dass man kurzzeitig über all die vielen Probleme des Spiels hinwegsehen kann.

Technik

Alles cool? Bei solch schaurigen Charaktermodellen wohl kaum.
Alles cool? Bei solch schaurigen Charaktermodellen wohl kaum. © Entwickler / Publisher

Was The Cartel in Sachen Technik zu bieten hat, grenzt fast schon an Frechheit. Die Optik vermag aufgrund altbackener Darstellung, schauriger Charaktermodelle sowie lebloser und langweiliger Umgebungen nie wirklich zu überzeugen, und auch akustisch macht das Spiel mit schwacher Sprachausgabe und vielen nervigen Soundunterbrüchen keine gute Figur. Die zickige Steuerung und unzählige weitere Ungereimtheiten und Probleme geben dem Spiel schliesslich den Rest und legen eine fast schon erschreckend miserable Umsetzung an den Tag.

/ Antonio Prosperati [pan]