Saw II: Flesh & Blood (2010)

Saw II: Flesh & Blood (2010)

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Xbox 360-Review: Came, Saw and Survived

Es darf wieder geschrien werden!
Es darf wieder geschrien werden!

Als vor rund einem Jahr das erste Saw-Videospiel herauskam, wurde schon angekündigt, dass die Reihe nun zu einer Videospiel-Franchise ausgebaut werden solle. Das Spiel setzte damals zwar keine neuen Massstäbe im Genre des Survival-Horrors, bot aber solide Unterhaltung trotz einiger Macken. Ob nun im zweiten Anlauf alles besser geworden ist?

Nachdem ihr im ersten Teil die Rolle von Detective David Tapp (Danny Glover aus dem ersten Film) übernommen habt, schlüpft ihr im zweiten Spiel in die Rolle dessen Sohnes, Michael Tapp. Chronologisch gesehen spielt sich Saw II: Flesh & Blood zwischen dem zweiten und dem dritten Teil der Filmreihe ab. Nach dem Selbstmord seines Vaters wird Michael selbst plötzlich zum Ziel von Jigsaw. Bevor er sich versehen kann, findet sich Michael inmitten eines von Jigsaws tödlichen Spielen wieder und muss nicht nur zahlreiche Fallen überleben, sondern auch noch Jigsaws Beteiligung am Selbstmord seines Vaters klären...

Saw 2 zieht sprichwörtlich die Schrauben noch etwas stärker an als der Vorgänger, ganz nach der Maxime "grösser, blutiger, böser". Die neuen Fallen und Rätsel sind einfallsreich und mit einem idealen Schwierigkeitsgrad ausgestattet. Dies ist leider nahezu der einzige Punkt, in dem das Spiel wirklich Fortschritte gemacht hat. Das überarbeitete Kampfsystem verdient kaum die Bezeichnung. Grafisch schlecht, atmosphärisch gut, Gameplay Mittelmass - so lässt sich Saw 2 zusammenfassen.

Wie der Vater, so der Sohn: Die Fortsetzung von Saw hat massig Potential und vergibt fast alles. Zwar macht das Spiel durchaus Spass, jedoch wäre so viel mehr drin gewesen. So ist uns erneut ein potentieller Hammertitel durch die Lappen gegangen. Na ja, der dritte Teil kommt bestimmt...

Story

Hinter dir!!
Hinter dir!!

Die Geschichte des Spiels ist ähnlich verzwickt erzählt wie das Leinwand-Pendant. Es verfolgt einen drastisch anderen Erzählfaden als die Filme. Während Detective Tapp im Film nur eine Randfigur ist, dreht sich hier alles um ihn, seinen Sohn und die Leute um ihn. Selbstverständlich finden zahlreiche andere Charaktere aus den mittlerweile schon sieben Filmen ebenfalls Einzug. Unglücklicherweise fehlt der Gamestory die Eigenständigkeit, und so verliert man allzu oft die Übersicht.

Gameplay

Yes, there will be blood
Yes, there will be blood

Frei nach Saw-Manier startet man als Spieler inmitten eines dunklen Kellers mit der berüchtigten Venus-Fliegenfalle umgeschnallt, welche Saw-Kennern sicherlich ein Begriff ist. Hat man sich einmal aus der Falle befreit, geht das Spiel erst richtig los. Ihr seid in einem riesigen Gebäudekomplex gefangen und müsst einen Weg raus finden und währenddessen gleich noch Jigsaws "Lektion" lernen. In jedem Kapitel muss Michael eine Person aus einer Falle retten. Dies gestaltet sich natürlich schwerer als gedacht. Meistens bedeutet das, dass es unzählige kleine Aufgaben und Rätsel zu lösen gilt, bevor ihr überhaupt eine Chance erhaltet, die Person teilweise aus der Falle zu befreien. Dies geht so weit, dass ihr das Level auf und ab läuft und dabei fast schon vergesst, dass es überhaupt gilt, eine Person zu retten.

Barbecue à la Jigsaw.
Barbecue à la Jigsaw.

Wie schon beim ersten Teil sind die Rätsel beziehungsweise die tödlichen Fallen Hauptbestand des Gameplays. Die Rätsel sind dabei nicht zu schwer, aber trotzdem schön herausfordernd. Die Aufgaben bestehen beispielsweise darin, einen Schaltkreis zu verbinden oder Zahnräder zusammenstellen. Visuell, genauso wie spielerisch ist das Knacken von Schlössern ausgefallen: Ihr navigiert mit der Kamera durch das Schloss und weicht den Bolzen aus, um ans Ende des "Tunnels" zu kommen. Ansonsten ist ein grosser Teil des Spiels wieder mit QTEs (Quick Time Events) vollgepflastert. Dabei muss der angegebene Knopf schnell genug gedrückt werden, damit man dem Unheil entgeht. So ist es bei verminten Türen genauso wie bei unstabilem Untergrund. Das geht sogar so weit, dass das beim ersten Teil oft bemängelte Kampfsystem einfach mit QTE ersetzt wurde.

Sieht nach Action aus - ist es aber nicht.
Sieht nach Action aus - ist es aber nicht.

Trefft ihr also auf andere, eher aggressivere Jigsaw-Opfer, sprich Gegner, heisst es, so schnell wie möglich den Angriffsknopf zu drücken, um anzugreifen. Danach folgt man einfach den Bildschirmkommandos. Falls es nicht geklappt hat mit dem Erstschlag, muss man einfach im richtigen Moment den Knopf drücken und schon kommen wieder die Bildschirmkommandos. Ob wirklich das gemeint war, als man sich ein besseres Kampfsystem gewünscht hatte? Damit ist fast schon alles gesagt, und genau das ist das grosse Problem: Saw 2 verlässt sich nahezu nur auf die Rätsel und die Atmosphäre. Das fehlende Kampfsystem und die damit verbundene fehlende Action sowie die starke Repetition der Rätsel lassen das Spiel endgültig als uninspirierte Massenware erscheinen.

Technik

Dich hab' ich aber anders in Erinnerung
Dich hab' ich aber anders in Erinnerung

Blutig, düster, dreckig und erdrückend: Das Videospiel fängt die Essenz der Filme ausgesprochen gut ein. Die Texturen, Gegenstände, Fallen und ganz allgemein die Umgebungen stammen direkt aus dem Saw-Universum. Nur schade, dass die Grafik hier gewaltig hinterherhinkt. Die Charaktermodelle sind nicht nur zu künstlich, sondern wirken in ihren Bewegungen etwas gar steif und unecht. Bei all den Texturen fehlt einfach die hochauflösende Qualität, wie man sie bei anderen Titeln kennt. Die Soundeffekte, genauso wie die filmgetreue Musik, sind schaurig gut und der Hauptgrund, dass das Spiel trotzdem noch diese schön schauderliche Atmosphäre erhält.

/ seb

Trailer: Launch Englisch, 00:35