Nier (2010)

Nier (2010)

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Xbox 360-Review: Von fliegenden Büchern und kranken Töchtern

"Was hast du später noch so vor?"
"Was hast du später noch so vor?" © Entwickler / Publisher

Niers Tochter leidet an der Runenpest. Schwarze Schriftzeichen breiten sich auf ihrem Körper aus und machen sie krank. Es ist nicht gut um sie bestellt. Um für sie zu sorgen, arbeitet ihr Vater als Handlanger und Abenteurer im Dorf. Bei einem seiner Aufträge trifft er auf ein seltsames sprechendes Buch, das "Grimoire Weiss". Dieses verfügt über mächtige Magie - und kann womöglich Niers Tochter vor der Pest retten. Mithilfe des Buches macht sich Nier auf die Suche, um die verschlüsselten Verse in dem gesprächigen Folianten zu entschlüsseln und eine Heilung für seine todkranke Tochter zu finden. Dabei streifen sie durch eine Welt, die von den sogenannten Schatten geplagt wird und sich langsam aber sicher dem Abgrund nähert.

Nier ist das Werk des japanischen Entwicklers Cavia, der bekannt sein dürfte für die Drakengard-Serie. Veröffentlicht wird das Werk von niemand Geringerem als [publisher]SquareEnix[/publisher] - ob der grosse Name hält, was er verspricht?

Nier ist ein Spiel das alles versucht und nichts richtig hinkriegt: Als Rollenspiel ertränkt es dankbare Charakter- und Storykonzepte in unbeholfenem Storytelling und belanglosen Side-Quests; für ein Action-Adventure sind die Sprung- und Rätseleinlagen einfach zu flach; für ein Action-Game fehlt es der Action an Wumms. Wer unbedingt mit einem sprechenden Buch durch Fantasylande streifen will ist besser beraten sich mit einem Audio-Book von Herr der Ringe ins Auto zu setzen und einmal von Zürich nach Berlin zu fahren.

Story

Whoops...
Whoops... © Entwickler / Publisher

Die Story braucht eine ganze Weile bis sie mal in Fahrt kommt. Der Erzählfluss zieht sich die ersten zehn Stunden daher, nur um dann in kürzester Zeit vollen Anlauf zu nehmen und alles bisher etablierte zu verändern. Vom Standpunkt des Geschichtenerzählens nicht gerade gelungen. Als Highlight erweist sich das Grimorie Weiss, euer schwebender Begleiter. Das neunmalkluge Buch mit seinem britischen Akzent und schmunzelnden Kommentaren weiss zu überzeugen. Abgesehen vom allwissenden Buch verblasst der Rest des Casts allerdings. Niers Tochter Yonah wird grösstenteils zu einem MacGuffin reduziert, den es immer wieder zu retten gilt, während der Protagonist zwar Sympathien einfahren kann, aber im weitesten Sinne nur eine Spielfigur bleibt.

Gameplay

Schafs-Jagd!
Schafs-Jagd! © Entwickler / Publisher

Das Gameplay gestaltet sich als eine Mischung aus Action-RPG und Action-Adventure. Ausgedehnte Teile in denen ihr in Dungeons hinabsteigt und Monster bekämpft und Aufträge erledigt, werden immer mal wieder durch Jump'N'Run-Passagen und Rätseleinlagen unterbrochen. Gespielt wird aus der Dritten Person und die Steuerung geht gut von der Hand. In Kämpfen steht euch nebn eurem Schwert auch noch die Magie des Grimoires zur Verfügung, mit der ihr magische Speere auf Feinde schleudert, oder sie mit dämonischen Händen zerquetscht. Natürlich macht euch jeder Kampf etwas stärker, bis ihr dann ein neues Level erreicht. Die werdet ihr auch brauchen für die gewaltigen Bosskämpfe. Auch wenn die Kämpfe an sich nicht sonderlich anspruchsvoll sind machen sie doch Spass. Eure magischen Fähigkeiten sorgen für ein wenig Abwechslung, die bei den einfallslosen und eintönigen Gegnern dankbar angenommen wird.

Sieht nicht gesund aus!
Sieht nicht gesund aus! © Entwickler / Publisher

Die Adventure-Einlagen von NIER wären prinzipiell eine willkommene Abwechslung und machen zwischendrin auch richtig Freude. Nur leider schiesst sich das Game oft selbst ins Bein, wenn es versucht verschiedene Interessen gleichermassen zu bedienen und die Mängel im Action-RPG Sektor wett zu machen. Irgendwann im Spielverlauf kommt ihr doch tatsächlich in einen Wald in dem ihr Dorfbewohner aus ansteckenden Träumen retten müsst - nur bestehen diese Träume einzig und allein aus bildschirmfüllendem Text, den ihr lesen sollt um ein paar Fragen zu beantworten. Da werden selbst eingefleischte RPG Fans der ersten Stunde sauer.

Prinzipiell dürft ihr euch frei in der Welt bewegen. Die Quests, die ihr als notorischer Gutmensch immer wieder annehmt, führen euch von einem Ort zum anderen und halten euch ständig auf Trab, auch wenn die Botengänge nach der Zeit ziemlich öde werden können. Falls euch gerade nicht nach Kampf und Klopperei zu Mute ist, dürft ihr euch auch beim Angeln und in der Landwirtschaft abkühlen. In eurem Garten neben dem Haus könnt ihr z.B. das ein oder andere Pflänzchen züchten und mit unterschiedlichen Düngern veredeln. Beim Angeln dürft ihr an Flüssen die Rute ins Wasser halten - nur leider ist das System so unglücklich gelöst, dass es eine Weile dauert, bis man mal etwas fängt. Diese Nebenaktivitäten sorgen allerdings für etwas Auflockerung im Spielgeschehen und dürften auch zur Sammelwut beitragen.

Shazam!
Shazam! © Entwickler / Publisher

Bevor ihr euch nach der Entspannungsphase dann wieder in den Kampf stürzt, könnt ihr noch euer Equipment etwas aufputzen. Von besiegten Gegnern erhaltet ihr immer wieder magische Wörter, die ihr an eure Waffen, Zaubersprüche, oder an euch selbst binden könnt, um damit positive Effekte auszulösen. Die Wörter verbessern z.B. eure Eigenschaften, oder verleihen eurem Werkzeug die Fähigkeit Gegner zu lähmen. Das System an sich ist interessant, es kommt nur nicht wirklich zur vollen Blüte, da die Kombinationsmöglichkeiten zu gering sind und das Handling nicht wirklich übersichtlich gestalt ist. Allerdings seid ihr dadurch stets motiviert aufs Neue ins Schlachtfeld zu ziehen und auch mal zwischendurch etwas Level-Grinding zu betreiben, um zu sehen was ihr so auftreiben könnt.

Technik

Feueralarm!
Feueralarm! © Entwickler / Publisher

Die technische Präsentation von Nier hinkt. Zwar sind einzelne Areale durchaus schön zusammengestellt worden, aber das kann nicht über den vorherrschenden Mangel an Details hinwegtäuschen. Die Grafik wirkt spröde und bietet nicht viel für das Auge. Auch wenn die Charaktere grösstenteils gelungen sind herrscht Mittelmass. Die musikalische Untermalung zeigt einen deutlichen Fetisch für chorale Gesänge. Leider fehlt der Musik der Arsch in der Hose und selbst in energiegeladenen Situationen bleiben die Klänge sanft. Soundeffekte und Sprachausgabe kann man als solide Leistung bezeichnen.

/ grf

Kommentare Total: 3

grf

Zitat spo (2010-06-29 16:55:55)

Hm, meiner Meinung nach eine etwas gar tiefe Wertung.

Interessant. Nier scheint nach dem was man so auf anderen Seiten und Foren liesst eine etwas gespaltene Meinung hervorzurufen. Das kommt vermutlich auf die Perspektive an. 😉 Aus meiner Reviewer-Perspektive muss ich aber leider sagen: die Wertung ist verdient. Nier bekommt Respekt für den Versuch etwas neu zu machen, doch für jeden Pluspunkt den es sich damit holt, gibt es zwei Abzüge für Designschnitzer.

spo

Hm, meiner Meinung nach eine etwas gar tiefe Wertung. Hab das Spiel durchgezockt (PS3) und hat mir eigentlich schon ziemlich Spass gemacht. Vorallem die Bosskämpfe und die Wechsel der Kameraperspektiven haben mir gefallen.

grf

Xbox 360-Review: Von fliegenden Büchern und kranken Töchtern

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