Final Fantasy XIV (2010)

Final Fantasy XIV (2010)

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PC-Review: Wer will im Internet leben?

Vielen Dank... für die Blumen...
Vielen Dank... für die Blumen... © Entwickler / Publisher

Es scheint, als ob in der Spielbranche die Entwickler alle etwas vom grossen Kuchen der Onlinespiele abhaben wollen. In letzter Zeit spriessen die Online-Versionen, ähnlich wie die 3D-Verfilmungen in den Kinos, regelrecht aus dem Boden. Square Enix, das Studio hinter Final Fantasy, hat vor acht Jahren bereits ein Onlinespiel herausgegeben. Final Fantasy XI ist mittlerweile eines der ältesten erfolgreichen Onlinespiele auf dem Markt. Jetzt bringt Square Enix einen neuen Ableger auf den Markt - mit aktueller Technik und Ambitionen, dem grossen Konkurrenten World of Warcraft die Kunden streitig zu machen.

Das Ganze findet auf Eorzea statt, einem Planeten, auf dem in den letzen Jahrzenten ständig Krieg herrschte. Seit 15 Jahren jedoch herrscht Frieden im Land, und dieser hat dazu geführt, dass Tausende von Söldnern und Händlern arbeitslos geworden sind. Diese schliessen sich nun zu Gilden zusammen und erkunden als Abenteurer die Welt. Ihr übernehmt die Kontrolle eines dieser Abenteurer und erkundet zusammen mit anderen Spielern den gefährlichen Planeten.

Insgesamt hinterlässt Final Fantasy XIV einen unfertigen und unausgereiften Eindruck. Der Spieler wird zu Beginn völlig alleine gelassen und so gezwungen, die ersten Stunden damit zu verbringen, sich durch das Interface zu kämpfen. Dazu kommen das bisweilen langweilige Questsystem und die Story, welche viel zu schnell abflacht. Nichtdestotrotz hat Final Fantasy XIV noch enorm viel Potenzial. das ausgenützt werden kann. Wir werden sehen, ob Square Enix aus seinen Fehlern lernt und in kommenen Updates die Fehler beheben kann. Schaffen die Entwickler das, könnte das Spiel durchaus zu einem Erfolg werden. Schliesslich sind bis jetzt praktisch alle Mehrspieler-Online-Rollenspiele zu Beginn im besseren Betastadium und verbessern sich erst mit dem Lauf der Zeit.

Story

Wo geht's hier durch?
Wo geht's hier durch? © Entwickler / Publisher

Wie bei allen über das Internet spielbaren Computer-Rollenspielen darf der Spieler, bevor er loslegen kann, seinen Charakter auswählen. Nachdem man sich durch die diversen Einstellmöglichkeiten gekämpft hat, wählt man zum Schluss aus, wo man das Spiel starten möchte. Zur Auswahl stehen drei Anfangspunkte in Eorzea: zum einen die Hafenstadt Limsa Lominsa, wo der Abenteurer dem Geheimnis einer versunkenen Schatzinsel auf den Grund geht. Wer es lieber trockener hat, wählt die Wüstenstadt Ul'dah und untersucht dort die Minen, in welchen unerklärliche Zwischenfälle auftreten. Als dritte Möglichkeit kann sich der Spieler für Gridanias, eine Stadt im Wald, entscheiden, um sich des Problems von erzürnten Schutzgeistern sowie spurlos verschwundenen Einwohnern anzunehmen.

Gameplay

Je nach Ort beginnt das Spiel mit einer anderen Anfangssequenz. Diese sind wunderschön gemacht. Auch die musikalische Untermalung sowie die gute Sprachausgabe können sich sehen lassen. Leider hört da der Spass ziemlich schnell auf. Nach dem pompösen Einstieg müht man sich zu Beginn erstmal mit der Steuerung ab, denn das Spiel unterlässt es komplett, in die durchaus komplexe Steuerung einzuführen. So werden die ersten Momente im Spiel eher zum Frust als zum Genuss.

Die glorreichen Krieger auf dem Vormarsch
Die glorreichen Krieger auf dem Vormarsch © Entwickler / Publisher

Hat man sich einmal mit der Steuerung vertraut gemacht, geht es an die ersten Questreihen. Diese sind jedoch zu Beginn absolut lächerlich gestaltet: Die Gegner gehen meistens schon nach einem Schlag zu Boden, und überhaupt ist man mehr damit beschäftigt nicht aus dem Zielkreis zu treten, um die Mission erfolgreich abschliessen zu können. Auch die anfänglich grossartige Sprachausgabe der NPC fehlt im weiteren Verlauf der Storyline, bis auf einige wenige Ausnahmen, komplett. Weiterer Minuspunkt ist die fehlende Varianz in den Questinhalten.

Die meiste Zeit verbringt man damit, X Gegenstände zu sammeln und diese nach Y zu bringen oder X Monster für Y zu töten. Klar gehören Quests dieser Art in den normalen Verlauf eines solchen Rollenspiels, aber auf Dauer die ewig gleichen Quests zu erfüllen, raubt schnell die Spiellust. Bis jetzt ist es auch noch nicht möglich, die Storyquests mit anderen Mitstreitern zu erledigen. Einzig spezielle Aufträge, in welchen es darum geht, grosse Monster zu erledigen, lassen sich mit bis zu 14 Spielern bestreiten.

Du schummelst, ich hab's gehört!
Du schummelst, ich hab's gehört! © Entwickler / Publisher

Neben den ungenügend abwechslungsreichen Quests ist auch das Handelssystem verbesserungswürdig. Im Spiel fehlt ein zentraler Marktplatz, wo der Spieler die gewünschten Items suchen und finden kann. In Final Fantasy XIV wird jeder Spieler von einem Marktgehilfen vertreten, welcher seine Waren auch bei seiner Abwesenheit verkauft. Dies ist im Prinzip eine innovative Idee, artet jedoch komplett aus, da jegliche Suchfunktion fehlt. Sich durch jeden einzelnen Händler durchzuklicken, um schliesslich das gewünschte Item zu finden, ist schlicht unzumutbar.

Das Game bietet bei allen Minuspunkten jedoch auch ein paar interessante Neuigkeiten. So muss der Spieler bei der Ausübung des gewählten Berufes jeweils ein kleines Minispiel absolvieren. Ein Fischer muss so zum Beispiel seinen Köder richtig platzieren und ein Bergarbeiter die richtige Schlagkraft wählen. Diese Minispiele machen wirklich Spass und verleihen den Berufen eine gewisse Authentizität. Ein grosses Plus von Final Fantasy XIV ist zudem die Möglichkeit, im Verlauf des Spiels die Klasse zu wechseln. Es genügt ein Waffen- oder Werkzeugwechsel, um die betreffende Profession zu wechseln.

Des weiteren lassen sich die erlernten Fähigkeiten auch klassenübergreifend nutzen. Dies verleiht den Charakteren eine ungemeine Vielseitigkeit, welche bisher in keinem vergleichbaren Spiel vorhanden ist. So bleibt bei der Charakterwahl zu Beginn einzig die Entscheidung ob man Magier oder Klingenträger sein möchte von Bedeutung. Alles andere lässt sich im Verlauf des Spiels verändern.

Technik

Mist, Sonnenbrille vergessen
Mist, Sonnenbrille vergessen © Entwickler / Publisher

Der vielleicht grösste Pluspunkt von Final Fantasy XIV ist die implementierte Technik. Rein die Graphik ist Final-Fantasy-typisch wunderschön gestaltet. Vor allem die cineastischen Anfangssequenzen rauben einem den Atem. Untermahlt wird die wunderschöne Optik von einem aufwendig Produzierten Soundtrack, welcher die Szenen filmreif untermauert. Um diese Pracht jedoch Anzeigen zu können, braucht es einen Computer, welcher mit der Technik auf dem neuesten Stand der Zeit ist. Allein die empfohlene Hardware um das Spiel auf mittleren Werten zu spielen (4GB Arbeitsspeicher, neuste Grafikkarten- und Prozessor-Technologie) spricht hier Bände.

/ dag