WET (2009)

WET (2009) Xbox 360-Review

Jeder Schuss ein Treffer

Jeder Schuss ein Treffer

Rubi Malone ist "Problemlöserin": Für Geld nimmt sie jeden Auftrag an - von Diebstahl bis zu "Wetwork" ist alles machbar. Wenn es dabei blutig werden kann, macht ihr das gar nichts aus, im Gegenteil: Erst dann fängt die Sache an, ihr Spass zu machen. Ausgestattet mit ihren zwei Revolvern, einem Schwert und der Akrobatik eines persischen Prinzen, schmeisst sie sich ins Gefecht, am liebsten gegen mehrere Feinde gleichzeitg - nur, damit die Anderen nicht im Nachteil sind.

Trevor Ackers ist das Herz seines Vaters gestohlen worden: Bei einem geplatzten Deal hat sich der hinterlistige Simmens das Transplantat unter den Nagel gerissen und ist damit verduftet. Währenddessen liegt Trevors Vater im Krankenhaus und stirbt langsam. Jetzt soll Rubi die neue Pumpe des alten Herrn wieder auftreiben. Genau der richtige Job für sie, denn mit Widerstand ist zu rechnen...


Rating: Microsoft Xbox 360

Story

WET (von Wetwork) bedeutet sich die Hände schmutzig machen - mit feuchten Blut. Es beschreibt die Arbeit von Söldnern und Killern, die angeheuert werden, um jemanden endgültig aus dem Weg zu räumen. Rubi Malone ist jemand, der Wetwork macht. Sie trinkt Whiskey für die Gesundheit, wohnt auf einem Flugzeugfriedhof und erledigt mit ihrem Schwert und zwei Revolvern jeden Auftrag, für den man ihr Geld bietet. Rubi soll für den Vater eines ihrer Kunden ein Herz-Transplantat besorgen, das sich ein widerlicher Chinese unter den Nagel gerissen hat. Die Story beginnt also ziemlich originell und interessant. Es erwarten einen einige Wendungen und schräge Charaktere, die allesamt den Fortgeschrittenenkurs im Arschtreten besucht haben. Ist das Herz erst einmal abgeliefert, beginnt eine Reise um die halbe Welt.

Gameplay

WET ist ein Amalgam aus allem, was Actiongames in den letzten Jahren richtig gemacht haben: Ballereien in Bullet-Time, Sprungpassagen in schwindelerregenden Höhen, akrobatische Kampfmanöver und jede Menge Kannonenfutter. Das Ganze gibt es verpackt in der Optik der Siebzigerjahre-Grindhouse-Kinos.

Matrix 2 grüsst...

Matrix 2 grüsst...

Ihr ballert euch durch die Levels und springt dabei auf allem rum, was nicht festgeschraubt ist. Rubi hat eine unglaubliche Palette von akrobatischen Moves auf Lager: Ihr hechtet durch die Luft, rutscht auf den Knien unter Tischen durch, rennt an der Wand entlang, schwingt euch an Stangen, klettert auf eure Feinde rauf, und das alles während ihr mit zwei Knarren wild um euch schiesst - 360 Grad um euch herum. Nebenbei schlitzt ihr die aufdringlichen Handlanger noch mit eurem Säbel auf und verteilt ihr Blut auf dem Boden. Dabei kommt es ganz auf den Style an: Je akrobatischer ihr die Tötungsorgie veranstaltet, desto mehr Punkte gibt es, mit denen sich am Ende des Levels neue Moves und Upgrades für die Waffen kaufen lassen. Zwischendurch gilt es Abgründe zu überwinden, an Mauern entlang zu klettern und an Fahnenmasten zu schwingen, um die Distanz zum nächsten Kampf zu überbrücken. Die Mischung aus Action und Jump'n'Run ist ausgewogen und macht den Ablauf weniger eintönig.

Weitere Abwechslung kommt durch regelmässige Actionpassagen ins Spiel. In einer Sequenz hüpft ihr, ähnlich wie in The Matrix, während einer Verfolgungsjagd auf dem Highway von Auto zu Auto, während Rubi brennende Tanklaster um die Ohren fliegen. Quicktime-Events entscheiden dabei über Erfolg und "Zurück zum Savepoint". Rubis Aktionen sind dabei manchmal so übertrieben krass, dass es einfach nur Spass macht, sie mit anzusehen.

Rubi sieht rot

Rubi sieht rot

Ausserdem kommt zwischenzeitlich immer wieder ein Punkt, an dem sich Rubi richtig "wet" macht - ihr blutverschmiertes Gesicht verzieht sie zu einer teuflischen Fratze und fängt erst richtig mit dem Gemetzel an. Der Bildschirm taucht sich in Rot, die Optik ist auf einmal in Cell Shading, und massenhaft Frischfleisch kommt auf Rubi zugerannt, um sich zerlegen zu lassen. Diese Abschnitte gehören zu den Highlights des Spiels und machen mit der freakigen Präsentation durchaus Laune. So reizvoll das alles auch klingt, WET hat einige Schwächen, die den Spass an der Metzelorgie trüben. Die Steuerung ist teilweise ungenau und fehlerhaft. An manchen Passagen beisst man sich in die Finger, weil ein einfacher Sprung schon wieder nicht gelingt und man sich zum dritten Mal wieder am Anfang des Abschnitts wiederfindet. Das hätte eindeutig besser geregelt werden können. Glücklicherweise lassen sich die meisten Cutscenes überspringen.

"Nein, ich weiss nicht, wer der Prince of Persia ist!"

"Nein, ich weiss nicht, wer der Prince of Persia ist!"

Die Palette der Gegner ändert sich im Verlauf des Spiels kaum: Es sind immer die gleichen Handlanger, die auf euch losballern, nur mit anderen Waffen, und früher oder später taucht der gleiche wildgewordene Macho mit der Gatling auf und will euch ans Leder. Das kann schnell langweilig werden. Auch den Kletter- und Springeinlagen fehlt es einfach an Ideenreichtum, so, dass sie bisweilen als künstliche Verlängerung der Spielzeit wirken. Das Grindhouse-Feeling schafft es leider auch nicht wirklich vom Fernseher ins Wohnzimmer. Die fiktiven Movie-Trailer und Werbeeinlagen während der Ladezeiten zwischen Kapiteln wirken erzwungen und fehl am Platz. Hier wurde eindeutig Potenzial verschenkt, denn die Idee ist eigentlich gut.

Technik

Die Grafik reizt bei weitem nicht aus, was die XBox 360 zu bieten hat. Die Gesichter der Figuren haben zu viele Kanten, die Haare von Rubi wirken in den Nahaufnahmen eckig. Insgesamt könnte das Spiel noch ein oder zwei neue Texturebenen gebrauchen. Die Idee mit dem Grindhouse-Look ist nett, das Filmknacken auf dem Bildschirm hat man aber schon mal besser hinbekommen und es nervt nach einiger Zeit. Dafür läuft alles flüssig. Der Sound ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht die musikalische Untermalung, die mit den eingängigen Rocksongs durchaus überzeugen kann und bisweilen sogar Ohrwurmpotential hat. Andererseits wird die Musik leider zu selten gespielt. Ausserdem ist die deutsche Synchronisation kaum mehr als zweckdienlich: Rubis Kommentare während der Schiessereien reichen von gut übersetzt ("Ich hoffe ihr bumst nicht so schlecht, wie ihr schiesst!") bis irgendwie peinlich ("Ihr seid wohl blind, ihr Blödmänner?!?").


Fazit

Insgesamt wirkt WET wie ein uninspiriertes Patchwork erfolgreicher Elemente aus dem Actiongenre. Es weiss nicht, ob es nun gerne Max Payne, Prince of Persia, Devil May Cry oder vielleicht doch lieber ein Tarantino-Film wäre. Die guten Ideen der Konkurrenz liegen gemeinsam im Topf, ohne dass die Zubereitung stimmt. Ein paar originelle Ansätze sind zwar da, aber das war es dann auch schon. Keine Frage, das Game macht Spass und bietet Action in Mengen. Aber wer ein wirklich gutes Actiongame haben will, der sollte sich besser an eine der bekannten Grössen halten.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

30.09.2009 / grf

Community:

Bewertung: 3.4 (4 Bewertungen)

 

 

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