Madagascar Kartz (2009)

Madagascar Kartz (2009)

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PS3-Review: Tierisch auf dem Gaspedal

Pinguine fliegen also doch!
Pinguine fliegen also doch! © Entwickler / Publisher

Es ist neben der Anleitung zum "Guetzlibache" das wohl bewährteste vorweihnachtliche Rezept: Man nehme ein erfolgreiches Gamekonzept wie das von Mario Kart und ersetze die Charaktere des Nintendo-Klempners durch die Figuren aus einer anderen kindergerechten Lizenz. Das Ganze verkaufe man zu einem Budget-Preis im Dezember und auf Multiplattform-Basis. Dann darauf hoffen, dass genügend nichtsahnende Omas und Opas das Spiel als Weihnachtsgeschenk für ihre Enkel kaufen - fertig! Der 13. Monatslohn der Mitarbeiter ist gerettet!

Solche oder ähnliche Überlegungen hat wohl auch [publisher]Activision[/publisher] angestellt und präsentiert mit Madagascar Kartz einen Fun-Racer mit den Protagonisten aus der gelungen Dreamworks-Animation (...ihr habt es geahnt...) Madagascar. Wer die Filme kennt, weiss: "We like to move it, move it!" Aber ob dabei wohl eine lahme Ente oder wilde Pistensau rausgekommen ist?

Gemessen an einem Budget-Titel-Standard ist das Spiel eigentlich ganz solide gemacht. Leider zerstören die Items den Spielspass erheblich: Die Waffen sind beinahe alle nur ungerichtet einsetzbar und nicht individuell auf bestimmte Mitspieler anzuwenden. Als Folge entfällt jegliche Taktik während den Rennen, da ohnehin alle Spieler davon betroffen sind. Hat man ein Item, verwendet man es gleich - das war's auch schon! Noch problematischer ist hingegen die Tatsache, dass man als Opfer die Attacken nicht kommen sieht und auch keine Chance hat diesen zu entgehen. So versucht man stets seine Runden abzudrehen, löst die Items aus, sobald man eines hat, und hofft darauf, selbst nicht im falschen Moment (zum Beispiel in einer Kurve) erwischt zu werden. Der Spielspass leidet merklich darunter und schlägt schnell in Frust um, wenn man zum wiederholten Male unausweichlich aus der Bahn geworfen wird ohne jegliche Möglichkeit zur Gegenwehr. Zudem sind die Unterschiede beim Fahrstil der einzelnen Charaktere gering bis gar nicht spürbar.

Vermutich wird die Zielgruppe der Unter-Zehnjährigen nicht ganz so streng sein mit den Mängeln des Spiels wie der böse Kritiker aus der dunklen OutNow.CH-Dimension. Trotzdem ist Madagascar Kartz eher nicht zu empfehlen. Deshalb die alternative Kaufempfehlung für alle Omas und Opas bzw. Personen in vergleichbarer Gschänkli-Position: Lieber zum ebenfalls kindergerechten Mario Kart Wii für Nintendos Konsole greifen - dann klappt's auch mit dem Christkindli!

Gameplay

Zebrastreifen im Verkehr
Zebrastreifen im Verkehr © Entwickler / Publisher

Wenn es jemals einen Prädikat-Aufkleber "Mario-Kart-Klon" geben würde, dieses Spiel müsste ihn quer über das ganze Cover tragen: Das Spielprinzip unterschiedet sich nämlich kaum vom bekannten Design. Man fährt mit ulkigen Go-Kart-Racern durch quitschbunte Strecken und sammelt dabei Items nach dem Zufallsprinzip, um seine Gegner damit aus der Bahn zu werfen oder ihnen das Leben schwer zu machen. Dabei befinden sich auf der Strecke zahlreiche Booster-Felder, die man tunlichst überrollen sollte, da sie das eigene Fahrzeug kurzfristig beschleunigen und so einen Vorteil im Kampf um den ersten Platz verheissen. Die Items beinhalten fiese Waffen wie zum Beispiel eine Disco-Attacke, bei der das Opfer vor lauter Schwung in den Hüften nicht mehr geradeaus steuern kann.

Als kleine Variante hat man in Madagascar Kartz einen Turbo-Meter, welchen man mit Powerslides in den Kurven oder durch Stunts auf Rampen auffüllen kann. Den Turbo setzt man wiederum für zusätzlichen Distanzgewinn ein und ist damit der Zielgeraden ein Stücklein näher. Dem Powersliden kommt eine zentrale Rolle zu, da man damit nicht nur die Kurven besser nehmen kann, sondern auch mehr Schwung und damit Geschwindigkeit erhält. Die Steuerung per Wii-Neigungsempfindlichkeit funktioniert dabei einwandfrei, generell ist die Knopfbelegung einfach und intuitiv.

Tier am Steuer, Ungeheuer?
Tier am Steuer, Ungeheuer? © Entwickler / Publisher

Insgesamt stehen neun unterschiedliche Charaktere zur Auswahl, darunter Alex der Löwe oder die Special-Ops-Pinguine. Aber auch Figuren aus anderen Dreamworks-Produktionen wie Shrek oder Bob aus Monsters vs. Aliens finden sich im Roster. Unterschiedliche Stärken und Schwächen in den Bereichen Geschwindigkeit, Handling und Turbo unterscheiden die Charaktere. Auf den Rennstrecken, die ebenfalls an bekannte Dreamworks-Filme angelehnt sind, finden sich zudem überall Mangos verstreut, die man einsammeln kann, um damit Fahrer, Strecken oder Goodies wie Concept Art freizuschalten.

Multiplayer

Flotter 4er
Flotter 4er © Entwickler / Publisher

Der Multiplayer hat selbstverständlich das grösste Spasspotential. Bis zu vier Spieler können sich per Splitscreen den Staub ins Getriebe blasen und um den Platz auf dem Siegerpodest kämpfen. Leider gibt es keinen Online-Multiplayer, doch da der Vierer-Split stets flüssig läuft, lässt sich das verzeihen.

Technik

Die Grafik ist gerade noch passabel und ganz knapp am Boxenstopp vorbeigekommen. Der Sound hingegen ist jedoch ein auditiver Totalschaden - Die Musik plätschert dröge vor sich hin, und auch die unspektakulär geratenen Soundeffekte lassen kein echtes Renn- oder Funfeeling aufkommen. Zum Glück hat es der wiederauferstandene Ohren- Zombie "I like to move it" von Reel 2 Real auch in das Spiel geschafft und versprüht gute Laune.

/ fab

Trailer Englisch, 00:49