East India Company (2009)

East India Company (2009)

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PC-Review: Die Currywurst ruft

Cross the sea!
Cross the sea! © Entwickler / Publisher

Hoist the colors! Herzlich willkommen in einer Welt, in der es noch keine Wirtschaftskrise gab und man dem Kapitalismus noch frönen konnte, ohne gleich in die Hölle zu kommen. Willkommen im 17. respektive im 18. Jahrhundert. Setzt die Segel und stecht in See auf der Suche nach den Schätzen des Orients. Willkommen bei der East India Company! Lest in den folgenden Zeilen, ob ihr euch auf dieses Abenteuer freuen oder lieber einen Bogen darum machen sollt.

Für all jene, welche in Geschichte einen Fensterplatz hatten, respektive sich nie gross dafür interessierten, hier eine kleine Einführung. Wir befinden uns im 17. Jahrhundert. Die Blütezeit der Kolonien in Afrika geht langsam zu Ende, und die grossen Handelsmächte brauchen ein neues Opfer, das sie ausbeuten können. Ziele der Reise sind Indien und Ostasien. Diesmal nicht, wie bei den Spaniern, um Gold oder Ländereien zu erbeuten, sondern um einen möglichst grossen Handelsgewinn zu erzielen. Dabei gehen die Handelsmächte nicht gerade zimperlich vor. Was sich nicht mit diplomatischen Mitteln und Bestechung erledigen lässt, wird kurzerhand mit Waffengewalt geregelt. Im Lauf der Zeit sind mehrere solche Kompanien entstanden. Die ältesten sind die englische und die niederländische, welche schon im Jahr 1600 gegründet worden sind. Die Schweden, Dänen, Portugiesen und Franzosen sind erst später nachgezogen, nachdem sie begriffen haben, wie lukrativ das Geschäft in Übersee ist. Ihr wollt nun auch Teil dieser spannenden Zeit werden? Mit East India Company könnt ihr darin eintauchen.

East India Company ist kein schlechtes Spiel. Aber auch kein wirklich gutes. Grafisch ist es ok, kommt aber nicht an das Niveau anderer aktueller Spiele heran. Spielerisch lässt es auch zu wünschen übrig. Wer Spass an Seeschlachten hat und zudem nicht über eine Höllenmaschine von PC verfügt, kann hier ruhig zugreifen. Man kann mit dem Spiel sicher einige tolle Stunden verbringen. Wer aber etwas mehr Tiefe und ein etwas besseres Gameplay will, greift doch lieber zu Empire: Total War.

Gameplay

Ganz schön neblig hier
Ganz schön neblig hier © Entwickler / Publisher

Im Spiel des finnischen Entwicklers Nitro Games übernimmt man als aufstrebender Unternehmer und Seefahrer die Kontrolle über eine der frisch gegründeten Ostindien-Kompanien. Anfangs muss man sich jedoch aber noch für eine von acht spielbaren Nationen entscheiden, unter deren Flagge man fortan munter die Weltmeere unsicher machen möchte. Zur Auswahl stehen dazu England, Holland, Frankreich, Portugal, Dänemark, Schweden, Spanien und das Heilige Römische Reich.

Nach dieser Entscheidung bekommt man neben dem begehrten Handelsfreibrief ein wenig Geld und zwei winzige Nussschalen samt Kapitän. Deren Bugräume werden bis an den Rand mit Exportgütern gefüllt. Damit macht man sich auf die lange Reise nach Afrika, Indien und Asien, um neue Kolonien zu entdecken, seine Ware zu verkaufen und dafür von dort Tee, Gewürze, Gold, Diamanten und eine Vielzahl von anderen, ökonomisch sinnvollen, Waren nach Europa zu verschiffen. Wie immer, wenn's ums Geld geht, ist man in dem Streben nach Macht und Reichtum nicht allein.

Hier das grosse Geld machen
Hier das grosse Geld machen © Entwickler / Publisher

Die anderen Kompanien geben sich nicht mit einem kleinen Anteil an dem Gewinn zufrieden, sondern wollen den gesamten Gewinn selbst einfahren. Also dauert es nicht lange, bis man sich gezwungen sieht, seine Handelsrouten und Schiffe zu verteidigen beziehungsweise mit Nachdruck andere Schiffseigner davon zu überzeugen, warum es besser wäre, diese oder jene Handelsniederlassung doch euch und euren von Kanonen starrenden Kriegsschiffen zu überlassen. Als ob man damit nicht schon genug zu tun hätte, gibt es noch Piraten, welche ernsthaft das Gefühl haben, im ganzen Spiel mitzumachen und die Idee in ihre Köpfe gesetzt haben, eure Schiffe zu kapern.

Die Spielsteuerung ist sehr intuitiv bedienbar. Jeder, der nicht kompletter Spielanfänger ist, kommt wahrscheinlich sogar ohne die drei mitgelieferten Tutorials aus. Die lohnen sich jedoch trotzdem, um später Frustmomente zu vermeiden. Im Einzelspielermodus kann man zwischen vier unterschiedlichen Kampagnen wählen, am besten gelungen ist dabei der Freie Modus. Dort kann man sich ohne Zeitdruck nach Herzenslust austoben. Der Rest des Spiels gestaltet sich nach dem einfachen Kaufen-Verkaufen-Prinzip: die Waren günstig im Ausland einkaufen und zu Hause zu exorbitanten Preisen wieder verkaufen. Natürlich immer im Hinblick auf die im Moment gewinnbringendsten Güter, um so die eigenen Kassen klingeln zu lassen. Export und Import in seiner reinsten Form.

Technik

Endlich am Ziel
Endlich am Ziel © Entwickler / Publisher

Man kommt nicht umhin, das Spiel mit Empire: Total War zu vergleichen. Diesem hält das Spiel leider nicht stand. Weder spieltechnisch noch grafisch. Es sieht zwar alles hübsch aus, aber an die bombastische Atmosphäre von Total War kommt das Spiel nicht heran. Die Seeschlachten wirken träge und greift man einen Hafen an, lohnt es sich, vorher zu speichern, denn das Ergebnis der Schlacht wird ziemlich willkürlich vom Spiel berechnet. Auch der Multiplayer-Modus lässt zu wünschen übrig. Einzig und allein Seeschlachten lassen sich mit anderen Mitspielern geniessen. Dies ist am Anfang noch spassig, wird aber ziemlich schnell langweilig.

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Trailer 1 Englisch, 01:40