World of WarCraft: Wrath of the Lich King (2008)

World of WarCraft: Wrath of the Lich King (2008 / Addon)

  1. ,

PC-Review: Hail to the King!

Ein Weihnachtself?
Ein Weihnachtself? © Entwickler / Publisher

Vier Jahre ist es her, seit World of WarCraft einen Siegeszug startete, der bis heute 11 Millionen Abonnenten in seinen Bann zieht. Seit zwei Jahren dürfen die Spieler neben Azeroth auch die Scherbenwelt erkunden. Und nun folgt eine weiterer Kontinent. Innerhalb von vier Jahren nur zwei Erweiterungen mag auf den ersten Blick kümmerlich wirken, wer [publisher]Blizzard[/publisher] kennt, weiss aber, dass in diese Erweiterungen mehr Energie und Feinschliff fliesst, als in viele Vollpreistitel. Das Warten auf den neuen Kontinent, Nordend hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Wrath of the Lich King setzt die in Warcraft 3 und Warcraft 3: Frozen Throne erzählte Geschichte rund um die Geisel, Arthas und den Lichkönig fort. Letztere schmolzen am Ende von Frozen Throne zu einer Person zusammen und versuchen mithilfe der Geisel, die Welt zu unterjochen. Dies wollen sowohl Allianz, als auch Horde verhindern und machen sich daran, nach Nordend, der neue Kontinent nördlich der "alten Welt", zu reisen, um dem Lichkönig das Handwerk zu legen. Waren früher die Hintergrundgeschichte und die Bösewichte noch eher nebensächlich für Nicht-Raid-Spieler oder diejenigen, die sich weniger auf die High-End-Inhalte konzentrierten, so hat sich dies in der neuen Erweiterung geändert. Der Lichkönig begegnet euch schon recht früh im Spielverlauf, auch der einfache WoW-Spieler bekommt den Bösewicht mit der eigentlich tragischen Geschichte zu Gesicht. Todesritter, die neue Klasse, erhalten sogar die ersten Aufträge von Arthas persönlich.

Mehr vom Selben, mehr von dem was diesen Titel so gross gemacht hat, dürfte in etwa die Zusammenfassung von Wrath of the Lich King sein. Das Spielprinzip und die Balance wird mit dezent weiterentwickelt. Wer sich bisher in Azeroth heimisch gefühlt hat, wird sich auch in Nordend zu Hause wägen. Vom Umfang her kann sich die Erweiterung ebenfalls sehen lassen, so dass den vielen Abonnenten viel mehr Spass gegönnt ist, als mit manch einem Vollpreistitel. Die Empfehlung steht: Kaufen!

Gameplay

Hübsche Kulisse!
Hübsche Kulisse! © Entwickler / Publisher

Wer sich in Azeroth und der Scheibenwelt auskennt, wird sich in Nordend schnell zurechtfinden, denn Wrath of the Lich King ist eine Erweiterung, die die Spielerfahrung zwar weiterentwickelt, aber keine gewohnten Konventionen über den Haufen wirft. Ihr kommt in einem von zwei Startgebieten in Nordend an. Entweder beginnt ihr das kalte Abenteuer in der Boreanischen Tundra oder am Heulenden Fjord. Dort angekommen, erspäht man schnell die ersten Ausrufezeichen über den Köpfen der NPCs, bei denen ihr euch eure Quests abholen könnt. Schnell lernt man die neuen Rassen und Feinde kennen, die der kalte Kontinent Nordend zu bieten hat. Die Vrykul zum Beispiel sind zu grossgewachsene Wikinger, welche euch gegenüber feindlich gesinnt sind. Dasselbe gilt für Schaufelhauer oder Eisenzwerge. Verbessert wurde bei den Gegnern die künstliche Intelligenz. Greift ihr eine Herde Schaufelhauerkälber an, rennen die nichtkämpfenden Tiere der Herde weg und versuchen euch zu meiden. Die Bullen der Schaufelhauer kämpfen sogar gegenseitig um die Weibchen. Solche Details lassen die Gebiete von Wrath of the Lich King lebendiger wirken. Lebendig scheinen auch die baulichen Konstruktionen zu sein. Überall bewegt sich etwas, ob in der Nähe oder in der Ferne, seien dies Schiffe, Aufzüge oder riesige Elitegegner. Diese Welt lebt und zieht den Spieler schnell in seinen Bann.

Ganz schön kalt hier!
Ganz schön kalt hier! © Entwickler / Publisher

Der eigentliche Spielablauf ist derselbe geblieben. Ihr erhaltet Quests, meist von den Bewohnern der Siedlungen. Diese Aufträge führt ihr in der Regel im selben Spielgebiet aus. Die Quests von World of Warcraft waren anfangs einer der grössten Kritikpunkte, da sie sich sehr schnell wiederholten und die Variation vielmals nicht all zu gross war. Ob man zehn Worgmägen im Teufelswald oder in Nordend sammelte, machte nun mal keinen grossen Unterschied. Mit dieser Kritik hatte sich Blizzard bereits in Burning Crusade auseinandergesetzt und den Spielaublauf mit mehr Abwechslung um einiges spannender gemacht. Dieser Trend setzt sich in Wrath of the Lich King fort. Vor allem die Geschichten, die innerhalb der Questreihen erzählt werden, vermögen es den Spieler stärker in ihren Bann zu ziehen. Die typischen Farmquests sind aber immer noch vorhanden.

Ein Reiz den bereits das Urspiel ausmachte, war die Erkundung der Spielwelt. Die neuen Gebiete sind recht abwechslungsreich, wenn auch nicht ganz so unterschiedlich im Spektrum, wie diejenigen aus Burning Crusade. Grund dafür ist ein etwas realistischerer Grundton. Die teilweise extrem bunten Areale der ersten Erweiterung sind Wäldern, Tundren und eisigen Hügeln gewichen. Die Welt wirkt zudem viel organischer, als so manches Gebiet in den östlichen Königreichen oder in Kalimdor. Sanfte Erhebungen, steile Klippen und eisige Berge erwarten euch.

Was für ein Ausblick!
Was für ein Ausblick! © Entwickler / Publisher

Das Konzept der Fraktionen wird ebenfalls weitergesponnen. So dürft ihr euch sogar einer von zwei sich gegenseitig bekämpfenden Fraktionen anschliessen, ohne pseudofeindschaft, wie es sie in Shattrath zwischen den Sehern und den Aldor gab, sondern mit echtem Konflikt. Ebenfalls bekannt, sind die Instanzen. Neben Naxxramas, welche nach Nordend umgezogen ist und nun auch für 10 Spieler zugänglich ist, dürft ihr euch in diversen weiteren Instanzen austoben. Das interessante ist, dass sämtliche 25er-Raids auch mit Gruppen von 10 Spielern bezwingbar sind. So können auch solche Spieler Instanzen geniessen, die vorher nur Hardcorezocker zu Gesicht bekamen. Freunde des Player versus Player-Konzeptes freuen sich übrigens über ein ganzes PvP-Gebiet, auch auf PvE-Servern. Keine neue Idee im Bereich der Online-Rollenspiele, das Gebiet fügt sich aber fliessend in die Welt ein.

Völker gibt es im Gegensatz zu Burning Crussade keine neuen. Dafür hat eine neue Klasse Einzug gehalten; der Todesritter. Dieser steht zu Beginn noch in den Diensten des Lichkönigs, sagt sich aber davon los. Der Todesritter kann mit allen Rassen gespielt werden und startet auf Level 55. Das Startgebiet befindet sich im Osten der östlichen Pestländer. Spielerisch bietet der Todesritter ein neues Konzept. Fähigkeiten werden mit einer Kombination verschiedener Runen ausgelöst. Letztere besitzen dabei eine bestimmte Abklingzeit. Der Todesritter spielt sich gegenüber den alten Klassen recht frisch und vermag zu überzeugen. Welche Rolle er genau im PvP-Kampf oder in Instanzen übernehmen wird, muss sich jedoch noch zeigen.

Technik

Hallo Fremder!
Hallo Fremder! © Entwickler / Publisher

Vier Jahre sind in der Spielebranche eine sehr lange Zeit. Erstaunlicherweise hat Blizzard recht viel aus der alten Grafikengine herausgeholt. Viele Texturen sind deutlich schärfer als in der alten Welt und diverse Effekte sind sichtlich ausgereifter. Die Schatten wurden komplett überarbeitet und sind nun dynamisch. Neue Beleuchtungseffekte, bessere Animationen für die NPCs und eine stark erhöhte Weitsicht verschönern Nordend (von der grösseren Weitsicht profitiert auch Burning Crusade, die alte Welt jedoch nicht). All diese Effekte machen Wrath of the Lich King aber sicherlich noch nicht zu einem graphischen Spitzenreiter. Man merkt dem Spiel die alte Technik an. Man merkt aber auch, dass die Entwickler ihre Werkzeuge im Griff haben. Die graphischen Defizite werden in World of Warcraft durch die grandiose Atmosphäre und die Liebe zum Detail innerhalb der Spielwelt wettgemacht. Lieber eine derartige Welt, als lieblos hingeklebte Bump-Maps.

Soundtechnisch knüpft die neue Erweiterung an alten Traditionen an: Die sehr schön komponierte Musik hält sich meist dezent im Hintergrund, gewisse Geräusche dürften etwas plastischer klingen und Sprachausgabe gibt es immer noch sehr selten. Umso überraschender, wenn man vor Arthas steht und dieser nicht nur über Sprechblasen plaudern darf.

/ dak

Trailer: Intro Englisch, 03:23