LEGO Indiana Jones (2008)

LEGO Indiana Jones (2008)

PC-Review: Archäologie mal anders

Klötzchen Archäologie
Klötzchen Archäologie © Entwickler / Publisher

Sie sind klein, bunt, eckig und es tut weh wenn man drauf tritt! Jeder kennt die süchtig machenden Steinchen. Man kann einfach alles aus ihnen bauen, auch virtuell. In ihrem neusten Streich verpassen Traveler Tales den Abenteuern von Indy den Lego Look und lassen den Spieler durch achtzehn, in drei Kampagnen verpackte, Missionen rätseln, hüpfen und prügeln.

Es gibt ein Meer aus Spielen auf dem Markt, die Lizenzen mit grossem Potenzial zu Softwaremüll verarbeiten. In diesem Ozean ist LEGO Indiana Jones eine blühende Insel. Das Szenario ist stimmig umgesetzt und wirkt nicht all zu künstlich obwohl die Protagonisten aus Polygon Plastik bestehen. Die Neuerungen sind sinnvoll und steigern die Schwierigkeit des Spiels, ohne es zu schwer zu machen. So tragen die meisten Hauptcharaktere keine Waffen, können jedoch die aufheben, welche die Gegner verloren haben. Die Gags sind witzig und passen gut ins nicht sowieso schon nicht allzu ernste Indy Szenario. Die Gewalt hält sich insgesamt in Grenzen und wurde im Vergleich zu den Vorgängern eher ein wenig bescheidener eingesetzt. So rollen nur noch die Köpfe die auch im Film rollen, was auch gut ist, da auch die Lego-Figuren menschlich genug wirken, wenn sie mit einem abstrakten Grinsen im Gesicht in ihre Einzelteile zerspringen. Im Allgemeinen kann ich das Spiel jedoch jedem Indy-Fan empfehlen der auch schon an den bunten Steinchen Freude hatte oder immer noch hat.

Gameplay

Ist das Hauptmenü endlich verschwunden, findet man sich in einer grossen Halle wieder, die Eingangshalle der Universität, oder die Haupthalle des Hauptquartiers. Von hier aus kann man entweder in eine der drei Kampagnen einsteigen und Indy's Abenteuer nachspielen oder man erforscht den Rest der Uni. Im Korridor vor der Halle befinden sich weitere Räume. Namentlich sind das die Bibliothek, das Mathezimmer und das Kino auf der einen Seite oder der Innenhof, der Postraum oder Indys Büro auf der anderen.
In diesen Zimmern kann man dann zum Beispiel neue Charaktere kaufen oder Extras frei schalten. Der letzte Raum ist der Artefaktraum. Dieser enthält die achtzehn Artefakte, die man in den jeweiligen Level sammeln kann. Das Sammeln ist jedoch keine Sache, die sich in einem Durchgang erledigen lässt, was den Widerspielwert enorm erhöht.

Wo geht's lang?
Wo geht's lang? © Entwickler / Publisher

Es gibt zwei Spielmodi: Den Storymodus und das Freie Spiel. Im Storymodus spielt man, wie der Name schon sagt, die Geschichte nach. Diese wird in kurzen Filmschnippseln erzählt, wobei erzählt übertrieben ist. Wer die Geschichte nicht kennt, wird es schwer haben die Handlungen nachzuvollziehen. Die Charaktere sprechen nur unverständliches Kauderwelsch, machen jedoch durch Mimik und Gestik verständlich um was es geht. Die Szenen sind immer bekannte Schlüsselszenen der Filme, wobei scheinbar darauf geachtet wurde, nur die Sequenzen zu benutzen, welche nicht schon durch die Filme legendär wurden.

Humor spielt im Allgemeinen eine grosse Rolle. So hat Indy mehrfach Kontakt mit Figuren aus Star Wars, veräppelt Nazischergen am laufenden Band oder zieht ulkige Gegenstände aus seinen Taschen. Dabei wurde jedoch sehr aufs Detail geachtet und den Filmen so gut wie möglich nachempfunden, nur falls es das Leveldesign nicht erlaubte, wurden die Sequenzen soweit abgeändert bis es passte. Das Freie Spiel ermöglicht dem Spieler alle geheimen Winkel zu erkunden und die Gegenstände zu holen, die man im Story-Modus entweder verpasst hat, oder nicht erreichen konnte.

Die Levels sind vielseitig und abwechslungsreich, haben jedoch einige Dinge gemeinsam. Sie sind allesamt linear, haben viele geheime Winkel und sind wunderschön gestaltet. Die Szenarien sind immer stimmig und entweder mit soliden Gegenständen oder mit zerstörbaren Objekten glaubwürdig eingerichtet. Die soliden Objekte und die Landschaft sind dabei meistens auf "Echt" getrimmt, haben also keinen Lego-Look, was jedoch die Atmosphäre nicht stört, da sie nicht zu echt wirken und sich ziemlich gut in die Gesamtstruktur einfügen. Die zerstörbaren Objekte bilden die Haupteinnahmequelle des Spiels. Zerstört man die zahlreichen Gebüsche, Steine, Marktstände, Fässer oder was sonst noch herumsteht, zerspringen diese mit viel Krach in ihre Einzelteile und legen Münzen frei. Sammelt man eine bestimmte Menge erreicht man den "Abenteurerstatus" was einem näher an die 100% Marke bringt und das Kaufen von Extras und neuen Charakteren ermöglicht.

Lauf Indy, lauf!
Lauf Indy, lauf! © Entwickler / Publisher

Die Charaktere sind in gewisse Gruppen gegliedert, die einen sind klein genug um in kleine Öffnungen zu kriechen, andere können mit besonders hoch springen oder mit ihrer Stimme Glas zerspringen lassen. Darauf sind die Rätsel auch aufgebaut, so muss man mit Hilfe von Indys Peitsche Orte erreichen um da eine Brücke für die anderen Charakteren zu sich zu holen oder man springt mit Salah über eine Schlangengrube um eine Fackel in dieselbige zu werfen damit dieser sie passieren kann. Einige Charaktere haben Ängste, Indy die bekannte Angst vor Schlangen, Elsa und Henry Jones Sr. vor Ratten oder Willie vor Käfern, die bringen weitere Spannung ins Spiel, wenn sie auch leider nur selten zum Einsatz kommen.

Multiplayer

Der zweite Spieler kann während des laufenden Spiels direkt per Knopfdruck einsteigen und übernimmt dann die zweite Spielfigur und ähnlich problemlos kann man den Koop-Modus auch wieder ausschalten. Obwohl die KI meist einwandfrei agiert, macht es deutlich mehr Spass mit einem Freund durch die Gegnerhorden zu prügeln und haufenweise Inventar zu zerlegen. Auch die witzigen Animationen und die zwangsläufig ziemlich verrückten Aktionen sorgen für Spass pur bis ans Ende.

Technik

Nur nicht runter fallen!
Nur nicht runter fallen! © Entwickler / Publisher

Das Spielprinzip ist das Gleiche wie schon in den beiden indirekten Vorgängern, LEGO Star Wars und LEGO Star Wars II und gleich verhält es sich auch mit der Grafik. Das Grafikgerüst wurde wenn dann nur minimal aufgemotzt, was aber völlig ausreicht. Der Lego-Look gepaart mit dem Indy Szenario bietet eine herrlich trashige Retroatmosphäre ohne dabei schäbig oder kindlich zu wirken und pass somit ideal zum Spiel. Die KI des Spiel ist wie auch schon in den Vorgängern solide, weist jedoch Mängel auf, wenn gemeinsam Rätsel gelöst werden sollen.

So muss man zum Beispiel sehr gut darauf achten das man am richtigen Punkt auf der Plattform steht, damit man diese mit dem anderen Charakter verschieben kann, ohne dass der Andere wieder herunter springt. Nicht ganz so unfähig stellen sich die Computer Mitstreiter jedoch bei den Sprungpassagen an, die sie meistens ohne grössere Probleme bewältigen. Es kann jedoch vorkommen das sie mehrfach in eine Spalte stürzen, das hat aber keine negative Auswirkung auf das restliche Spiel. Die Hintergrundmusik wurde 1:1 aus den Filmen übernommen und während des Spiels dezent eingespielt, ohne abzulenken. Ansonsten wirken die Explosionen nicht zu übertrieben und auch sonstige Effekte wirken unterstützend und nicht aufdringlich.

/ mih