Hellboy: The Science of Evil (2008)

Hellboy: The Science of Evil (2008)

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PS3-Review: Was für eine Enttäuschung

Cool! Ein Spiel zum kultigen Antihelden mit tatkräftiger Unterstützung des Hellboy Schöpfers Mike Mignola und Regiemeister Guillermo del Toro (Blade 2, Hellboy, Pan's Labyrinth). Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn dieses Game kein Kracher werden sollte, oder nicht?

Gleich setzt's was!
Gleich setzt's was! © Entwickler / Publisher

Das Spiel beginnt etwa 25 Jahre vor den aktuellen Ereignissen (siehe Hellboy 2: The Golden Army) in den Karpaten, und unser guter alter Zyniker ist auf der Jagd nach einer gar üblen Kreatur, genannt die Krähe. In filmtypischer Manier schlagen und schiessen wir uns durch schwache Horden von Gegnern. Das tun wir im ersten Level in dunklen Katakomben, in dunklen Wäldern und dank der charismatischen Stimme von Ron Pearlman, der den Teufelskerl auch in den beiden Filmen verkörpert hat, durchaus noch amüsiert. Fünf Minuten und ein Gähnen später fragen wir uns jedoch bereits, welch kreative Spasskanonen hier noch gezündet werden mögen und wissen sechs Stunden später und bereits beim Ende angelangt: Keine! Hellboy: The Science of Evil entpuppt sich als banales, schlichtes und viel zu einfaches Geklopfe. Nach einer guten Story sucht man hier vergebens.

Zur Hölle mit dem Titel. Ein dummes, dröges wie ödes Faust-Rumgefuchtel. Ein dumpfes X-Knopf-Gehämmere ohne den geringsten Hauch von Originalität. Mag ja sein, dass sich das Game keine allzu grossen Patzer erlaubt, aber wie auch, bei dem schlichten Leveldesign und anspruchslosen Gameplay?

Was sich die Macher dabei gedacht haben, wissen vermutlich nur die Dämonen, die dieses im digitalen Fegefeuer brutzelnde Stück Software vermutlich aus einer sadistischen Laune heraus auf den Markt geschmissen haben.

Wenigstens ist der Titel mit einem Kumpel spielbar, aber dies zieht den Karren auch nicht mehr aus dem Sumpf der verpassten Chancen und dem Dreck der hingeschluderten Lizenzspiele. Was bleibt, ist eine Riesenenttäuschung.

Gameplay

In sechs in sich geschlossenen Levels metzeln wir uns mit dem dämonischen Pfundskerl von Rumänien durch Japan, Tunesien und die Unterwelt. Rein optisch durchaus abwechslungsreich, obschon manche Levels irgendwie viel zu dunkel sind.

Höllisch hässlich
Höllisch hässlich © Entwickler / Publisher

Wir folgen dabei einer Story, die zwar dem Comic nahe kommen mag, aber in Wahrheit zu uninteressant ist, um hier auch nur ein bisschen davon zu spoilern und damit Rest an (möglicher) Spannung zu verderben. Jedenfalls taucht dabei allerhand übles Gesocks auf, das es mit dem X-Knopf zu verhauen gilt.

Nebst Dämonen, Werwölfen, Gnome und Nazi-Zombies sogar mutierte Affen. Unsere Riesenfaust wird unser liebster Freund, die Knarre nettes Beiwerk. Mehr brauchen wir nicht bis zum Abspann.

Selbst auf ein bisschen Hirn können wir gänzlich verzichten, um die wenigen Vorschul-Rätsel lösen zu können. Es empfiehlt sich von Anfang an, die Levels von sämtlichen Gegner zu befreien, da sich ansonsten nicht alle Türe öffnen und man wieder zurücklatschen muss. Das Schwingen der Steinfaust macht etwa 90 % des gesamten Spiels aus, daneben entfallen ein paar Prozente auf die BFG und die zu Hilfenahme von Gegenständen, die ebenfalls herumgeschwungen oder geworfen werden dürfen.

Daneben werden Türen eingetreten, Sargdeckel geschoben etc. (dies alles, in dem man noch schneller auf den X-Knopf hämmert, wohl eine Art von Minispiel).

Geh endlich zu Boden!
Geh endlich zu Boden! © Entwickler / Publisher

Überdies befinden sich einige Special-Moves im Repertoire des roten Recken, die darf man jedoch getrost vergessen, da sie viel zu träge sind und nicht unbedingt der Laune des Spielers entgegenkommen. Die Steuerung ist halbwegs in Ordnung und geht zwar locker von der Hand, dafür ist die Kollisionsabfrage und die Perspektivenführung ein Punkt, der von der Qualitätssicherung als unwichtig erachtet wurde.

Eine nette Idee sind die versteckten Artefakte. Wer sie findet, schaltet unterhaltsame Boni frei. Böse Zungen mögen behauten, dass dies die erwähnte Mithilfe von Mignola, Del Toro und Pearlman sei, die sich hier in Interviews zu Wort melden. Ach ja, Selma Blair (Hellboys schnuckelige Filmfreundin) darf ebenfalls mitreden.

Technik

Es geht sogar in die Wüste
Es geht sogar in die Wüste © Entwickler / Publisher

Wenig Gutes gibt's von der technischen Seite zu vermelden, also beginne ich mit dem Besten zuerst: der Sprachausgabe und dem Sound. Pearlmans Stimme hatten wir schon, die trägt viel zur Atmosphäre bei, ist cool und sowieso über alle Zweifel erhaben, doch auch die Soundeffekte wissen durchaus zu gefallen.

Weniger überragend die zwar halbwegs gelungene Musik, doch warum sich diese in heutigen Zeiten nicht dem Geschehen anpasst, bleibt mir schleierhaft.

Und was ist mit dem Rest? Nun, die Levels sind detailliert, dennoch sind manche Texturen teilweise arg verwaschen, die Figuren einen Tick zu klobig, die KI ein Witz. Versöhnlicher stimmen mich da nur noch die Effekte.

/ ras