Grand Theft Auto IV (2008)

Grand Theft Auto IV (2008)

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PS3-Review: Leben in Liberty City

Welcome to Liberty City
Welcome to Liberty City © Entwickler / Publisher

Gibt es den amerikanischen Traum? Dieser Frage jagt Niko Bellic, ein osteuropäischer Einwanderer, ständig nach. Denn von seinem hinterhältigen Cousin wird er in die USA gelockt. Wegen dem versprochenen Reichtum, den superscharfen Frauen und den protzigen Autos zieht es Niko nach Liberty City, der aufregendsten und schönsten Stadt, in der je ein Pixelmann seine Wege zog.

Von schicken Autos, grossen Villen und dicken Titten wird Niko Bellic in die Stadt, die niemals schläft gelockt. Denn Roman nimmt es nicht so ernst mit der Wahrheit. Sein Cousin übertreibt gerne hie und da, so zieht er Niko nach Liberty City. Doch was ihn dort erwartet ist alles andere, als er erwartet hat. Anstatt in eine Luxusvilla ziehen zu können, verschlägt es ihn in eine von Kakerlaken verseuchte Wohnung. Anstatt vom vielen Geld Leben zu können, muss er sich mit den schlimmsten Typen rumschlagen. Denn auf der Suche nach dem Mann, der ihn vor Jahren im Krieg verraten hatte und deswegen viele Menschen starben, kreuzt er so manchen Weg in Liberty City...

Man nehme ein Grand Theft Auto: San Andreas, verbessere alles was schlecht war, packt eine geniale Story mit genialen Charakteren zusammen und verpackt das in der dynamischsten Spielwelt, die je entwickelt worden ist und schon hat man GTA IV. Ein Spiel, das nicht nur die Spitzenposition in den Charts sondern auch einen Platz im Louvre verdient hat.

Die immergleiche Geschichte? Nicht ganz. Bisher kämpfte man sich aus dem Dreck zum Helden. In GTA IV steckt Niko ständig in der Scheisse, nur die Tiefe ändert sich. Und alles beginnt damit, dass Roman einem Kredithai viel Geld schuldet und Niko ihm helfen will. Das tut er und zu übermotiviert und legt sich mit den immer mächtigeren Typen an.

Dieser düstere Hintergrund macht die Charaktere und deren Handlungen verständlich, ja sogar menschlich. Und obwohl Nikos Gesicht zernarbt und zerfurcht ist, zeigt man sofort Mitleid mit dem vom Leben geprägten Serben. Jahren von Krieg, Verrat und Reinfälle hinterliessen ihre Spuren am Hauptdarsteller. Und obwohl er kühl und nüchtern handelt, zeigt er immer wieder sein wahres Inneres. Niko Bellic ist in der Tat einer der tiefgründigsten Charakteren in der Spielgeschichte.

Gameplay

Leben in Liberty City
Leben in Liberty City © Entwickler / Publisher

Doch in Wahrheit ist Niko nur ein kleiner Spieler in GTA IV. Der eigentliche Hauptdarsteller ist Liberty City. Noch nie war es so aufregend dem Treiben der Stadt zuzusehen. Gauner treiben ihr Unwesen, Polizisten jagen sie, Jugendliche hängen herum, Arbeiter hetzen zum Arbeitsplatz und Einkäufer schlendern durch die Strassen. Eine unglaubliche Dynamik wirkt auf euch ein. Immer wieder klingeln Handys, streiten sich Leute oder hupen Fahrzeuge. Es ist eine reine Freude zu sehen, wie der Verkehr zur Rush Hour hin zunimmt und wie er danach wieder abnimmt. So viele Details, auf jeder Strasse wieder neues zu entdecken. Keine Ecke gleicht einer anderen. Wie schon gemeinhin bekannt ist das Vorbild für die drei Stadtteile die Stadt New York. Und jeder einzelne Stadtteil hat seinen ganz eigenen Charakter. Nur schon das Entdecken Liberty City's ist ein Spiel für sich. So viele Details, Kleinigkeiten, die uns immer wieder ins Staunen versetzen.

Dank GPS-System müsst ihr sie aber nicht erkunden, wenn ihr es nicht wollt. So seid ihr dank Strasseneintrag immer auf der richtigen Strecke zum nächsten Auftrag. Gegen Bezahlung fährt euch ein Taxi auch an jede x-beliebige Stelle. So könnt ihr euch auf das wirklich wichtige konzentrieren. Nämlich das Aufrechterhalten von Freundschaften und das Erfüllen der Missionen. Ersteres ist ein wichtiger Bestandteil.

Mit dem Taxi zur Arbeit
Mit dem Taxi zur Arbeit © Entwickler / Publisher

Dank Handy könnt ihr jederzeit eure Freunde erreichen und euch mit diesen Treffen. Ob ihr lieber etwas mit der süssen Michelle oder eurem Cousin Roman unternehmt ist völlig euch frei gestellt. Es gibt genug zu sehen in der Stadt, wobei ihr euch stets überlegen müsst, wo ihr euer Date hinführen könnt, denn auch sie hat Vorlieben. Zur Auswahl steht genug. Bowlingbahnen, Dartspiele, Kabaretts und Bars sind nur eine kleine Anzahl von dem, was ihr tun könnt. Für Roman darf es dann aber doch schon den Strip-Club sein. Wenn ihr euch nicht all zu dumm angestellt, laden euch die Damen zu einer heissen Versuchung in ihrer Wohnung ein. Ein Patch, wie er für San Andreas auf PC vorhanden war, ist momentan noch nicht in Aussicht...

Andere aber schenken euch ihr Vertrauen. So könnt ihr nach einer Weile für Roman Taxi-Fahrten machen, Little Jacob vertraut euch Weedlieferungen an. Diese Missionen sind zusätzlich zu der eigentlichen Handlung, bieten aber eine reife Abwechslung und behalten den Spielwert hoch. So wurden die Nebenmissionen in die eigentliche Handlung integriert.

Wichtigstes Feature des ganzen Spiels ist das unabdingbare Handy. Ihr erhält dauernd Anrufe derer, die ihr im Laufe der Geschichte kennen gelernt habt. Doch auch ihr könnt stets darauf zugreifen und alle anrufen die ihr kennt. Das ist auch nötig, da ihr oftmals die Handlung mit einem Anruf wieder in Gang bringen könnt. Ihr könnt aber auch den Gratis-Taxidienst von Roman anrufen oder die Nebenmissionen starten.

Was in den letzten GTA-Titel immer gefehlt hat, ist jetzt endlich im Spiel mit dabei. Sobald euch eine Mission misslingt, erhält ihr eine SMS, mit der ihr dann die Mission sofort beginnen könnt. Diese Kleinigkeit sorgt für zusätzliche Motivation, da ihr sehr viel Zeit einspart.

Dahinter der Tote, da vorne die Cops
Dahinter der Tote, da vorne die Cops © Entwickler / Publisher

Die Missionen sind ,so wie das ganze Spiel, viel realistischer geworden. Neben den brisanten Fahrten durch die Stadt werdet ihr vielerorts in Keilereien und Schiessereien verwickelt. Der Rambo-Style der früheren Titel wurde endgültig vernichtet. Ihr kämpft nicht mehr gegen hunderte Gegner, sondern tut euch mit weniger Prügel schwer. Das Kampfsystem hat sich aber verändert. Sobald ihr jemanden mittels L2-Taste anvisiert habt, könnt ihr mit mehreren Knöpfen auf ihn draufhauen. Wenn ihr genug nahe dran seid, könnt ihr ihn auch direkt ausknocken, dies erfordert jedoch viel Feingefühl.

Auch das Schiessen muss neu gelernt sein. Denn in GTA IV ist ein wichtiges, neues Element integriert worden. Mit Druck auf die R1-Taste sucht Niko sich die nächste Deckung und hält sich dort bereit. Deckung ist ein zentrales und wichtiges Element in den Schusswechseln. Ohne Deckung zu suchen werdet ihr Mühe haben die Schüsse zu überleben. Die saumässig guten Animationen versüssen aber das Benutzen der Deckung. Bei durchgedrückter L2-Taste fixiert euer Ziel einen Feind an, nur halb gedrückt kann das Ziel frei bewegt werden. Auch das ist eine wichtige Neuerung, die sofort Einzug ins Spiel findet. Denn bei einer frühen Mission ist das Ziel einen Gangster einzuschüchtern und ihm dafür ins Bein zu schiessen. Bei dieser Gelegenheit seht ihr zudem, wie genial sie auf die Treffer in den verschiedenen Körperzonen reagieren.

Am Schluss ist zu sagen, dass die Kämpfe um ein vielfaches verbessert wurden. Zwar wurden sie träger, doch das passt perfekt in das realistische und düstere Prinzip des Spiels. Wo früher nur noch Bazookas Abhilfe schaffen konnten, könnt ihr nun aus der Deckung gezielte Schüsse auf eure Kontrahenten abfeuern und dabei eine super Dynamik und Spannung geniessen.

Auf dich ist geschi...ssen
Auf dich ist geschi...ssen © Entwickler / Publisher

Dieser Realismus zieht sich durch das ganze Spiel. Das bemerkt ihr, sobald ihr in das erste Auto steigt. Das Verhalten unterscheidet sich von Auto zu Auto. Ein amerikanischer Schlitten schaukelt behaglich um die Kurven, ein Europäer flitzt driftend über den Asphalt. Viel Beachtung braucht der Bremsweg, denn der wurde viel länger, ihr müsst nun ganz schön früh bremsen, wenn ihr die Kurve noch kriegen wollt, notfalls steht euch immer noch die bekannte Handbremse zur Verfügung, die, richtig dosiert, euer Auto um die Kurve gleiten lässt. Überlegt euch also gut, was für ein Auto ihr für die nächste Verfolgungsjagd stehlen wollt.

Den Autoklau muss man sich sowieso gut überlegen. Ein verschlossenes Auto wird von Niko einfach aufgebrochen und kurzgeschlossen. Damit stellt er aber gelegentlich die Alarmanlage an und dann ist die Polizei hinter euch her. Diese ist in Liberty City nervend. Die Skala reicht immer noch von einem bis sechs Sterne. Sobald Niko von der Polizei gesucht wird, seht ihr auf dem Radar einen blau-rot leuchtender Kreis, der den Radius des Fahndungsgebietes der Polizei symbolisiert. Euer Ziel ist nun, aus diesem Kreis verschwinden zu können, was sich aber nur schon bei zwei Sternen als eine echte Herausforderung entpuppt. Die Polizisten agieren geschickt, versuchen euch immer wieder von der Strasse zu rammen und zu umzingeln. Mit geschicktem zick-zack fahren ist es aber möglich, der Streife zu entkommen.

So ein Polizeiwagen kann sich aber auch als sehr nützlich erweisen, nämlich dann, wenn ihr jemanden suchen müsst. Mit dem Bordcomputer könnt ihr alle Leute suchen.

Die Stadt der Träume
Die Stadt der Träume © Entwickler / Publisher

Selbst Frauen kann Niko suchen, nämlich auf der Flirtseite von GTA IV. Im Internetcafe kann er neben dem checken der E-Mails auch die neuesten Singles checken und mit denen ein Date verabreden. Typisch für die heutige Zeit: Ihr könnt für euer In-Game Handy Klingeltöne downloaden und diese abspielen. Findet ihr das piepsende Ding nervend, könnt ihr es auf "Vibration" stellen, der Controller dazu kommt noch auf den Markt... Oder ihr stellt es einfach aus. So erhaltet ihr keine Nachricht mehr und die Geschichte ist vorübergehend auf Eis gelegt. Nettes Tool, wenn ihr mal ein bisschen Unruhe stiften wollt.

Einziger Nachteil ist das Schiessen aus dem Fahrzeug heraus. Praktisch jeder Finger wird dazu benötigt, das Auto zu fahren und das Ziel auf den Gegner zu richten. Ein Fahrfehler wirkt sich dann mühsam aus und ihr könnt leicht das Ziel aus den Augen verlieren. Gemessen an dem, was das Spiel alles richtig macht, ist dies ein kleiner Wehrmutstropfen auf dem genialen Titel.

Technik

Motorräder sind wieder am Start
Motorräder sind wieder am Start © Entwickler / Publisher

Über und über ist Detailverliebtheit zu erkennen. Die Stadt ist überfüllt von Details, die das Spiel so unglaublich realistisch und interessant machen. Immer wieder brennen andere Lichter in den Häusern, die Menschen bewegen sich unterschiedlich, keiner ähnelt einem anderen, die Strassen füllen sich zu Rush Hour und und und. Es ist schwer begreiflich wie [publisher]Rockstar[/publisher] es hinbekommen hat, die Stadt so abwechslungsreich zu gestalten. Die gelegentlichen Pop-Up's und der selten verschwommene Hintergrund ist vergessen, wenn erst einmal diese unheimliche Spieltiefe entstanden ist. Und diese kommt schnell. Die vielen Zwischensequenzen helfen dabei. Mit genialer englischer Synchro ist jede Zwischensequenz interessant, sei sie nun witzig, unwichtig oder Spiel entscheidend. Dank den tiefgründigen Charakteren wird man von ihrem Schicksal und ihren Entscheiden mitgerissen.

Auf die Knie!
Auf die Knie! © Entwickler / Publisher

In Sachen Musik muss sich GTA IV vor niemandem verstecken. Unzählige Radiosender spielen jede erdenkliche Musikrichtung. Doch auch auf der Strasse herrscht eine riesige Soundkulisse wie vorher schon erwähnt.

Die geschmeidigen Animationen machen das Spiel so echt, egal ob es die Einschusslöcher in den Autos, die von einer Explosion zerrissene Mauer oder das Schadensmodell eines Wagens ist. Nettes Detail, eine Wand bleibt für das ganze Spiel über zerstört, passt also auf, wo ihr eine Granate fallen lässt.

Wer sich früher über das nervige Speichersystem aufgeregt hat, wird das Neue nun lieben. Nach jeder Mission wird das Spiel automatisch gespeichert, beim Laden fangt ihr dennoch immer in seiner Unterkunft an.

/ eb

Kommentare Total: 5

mih

PC-Review: Ballern auf Vista

db

Wird langsam Zeit, dass die GTA-Serie auf dem PC mit etwas zeitgemässer Grafik anrückt, nachdem sich die letzten Beiträge kaum von der hässlichen Grafik von GTA 3 unterschieden haben...

daw

Grafikvergleich PC gegen Xbox 360

Hier ein Link zum Vergleich.
Die Unterschiede sind zum Teil so krass, dass ich der Sache nicht ganz traue...

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