Golden Axe: Beast Rider (2008)

Golden Axe: Beast Rider (2008)

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Xbox 360-Review: Zurück zu alter Stärke?!

Darth Adder ist böse. Das zeigt bereits sein Name. Doch da Namen allein nun mal keine kleinen Kinder erschrecken, schart Adder ein paar ganz finstere Gesellen um sich und tut das, was alle Bösewichter zu Beginn eines düsteren Fantasyabenteuer tun: Irgendwen überfallen!

Was für ein Ungetüm!
Was für ein Ungetüm! © Entwickler / Publisher

Und so kommt, was kommen muss, die liebreizende Schwesternschaft der sexy Amazone Tyris Flare wird dahingerafft, und der Götterdrache entführt. Tyris bleibt bewusstlos aber beinahe unverletzt liegen. Als sie endlich erwacht, streift sie den Staub von ihrem Bikini und das Blut von ihrem Schwert und tut das, was alle Helden zu Beginn eines düsteren Fantasyabenteuer tun: Rache schwören!

Auf ihrem blutgetränkten Pfad der Rache trifft Tyris zwar auch Zwerg Gilius Thunderhead sowie Axe Battler, doch viel nützlicher sind einige Tiere, auf denen man reiten kann, denn der Weg ist lang, die Feinde zahlreich, und überdies gibt es noch die Einzelteile einer vor langer Zeit zerbrochenen goldenen Axt wiederzubeschaffen.

Ihr liebt raue, harte Fantasy? Ihr seid Fans von Conan? Dann wartet ihr bestimmt sehnsüchtig auf ein tolles, ebenso düsteres wie blutiges Hack n'Slay, eingebettet in ein ähnliches Fantasykleid, wo Männer noch echte Barbaren, Monster noch teuflisch böse und Frauen vorwiegend nackt sein durften. Sorry Jungs, ihr müsst weiter warten. Das einzig Brauchbare an Golden Axe ist die DVD-Hülle, die sich auch anderweitig noch nutzen lässt.

Das Spiel selbst ist leider nach kurzer Zeit langweilig oder nervend. Und manchmal auch beides zugleich. Ja, okay... das prähistorische Boxenluder-Schnuckelchen Tyris ist überaus sexy, genauso wie ihr stöhnen, aber das soll harmlose Gamer wohl nur davon abhalten, ihre Augen nicht auf die detailarmen Levels und ihre Ohren nicht auf den lustlosen Sound zu lenken. Halbnackte Frauen und eine Menge abzuschlachtender Gegner mögen mit reichlich Blut die Zutaten für ein deftiges Spiel sein, doch mit Wasser allein lässt sich auch kein Brot backen. Wenigstens sind die hübschen Renderfilmchen überaus lecker.

Gameplay

Nach einem kleinen, flotten Tutorial metzelt man sich in typischer Hack'n Slay-Manier durch Dörfer, Wachposten, Wüsten, Küstengebiete etc. Ingesamt erfreut sich der Spieler an dreizehn Levels mit durchwegs flüssigem Spielfluss. Die Gesamtspielzeit dürfte bei etwa 8 bis 10 Stunden liegen.

Ein Mann gegen die Wildnis!
Ein Mann gegen die Wildnis! © Entwickler / Publisher

Das Kampfsystem ist, wie bei solchen Genrevertreter üblich, so einfach wie möglich gehalten. Man hat zwei Angriffsknöpfe zur Verfügung, welche sich auch kombinieren lassen. Dazu gesellen sich mit fortschreitender Handlung einige nette Manafähigkeiten, die mehr schlecht als recht einsetzbar sind. Wenn ein Gegner zu einem Schlag ansetzt, erscheint eine Aura (blau, orange, grün) um ihn herum, die dem Spieler anzeigt, ob er jetzt blocken oder ausweichen sollte oder schlicht beides könnte. So simpel das nun klingt, es setzt perfektes Timing voraus und wird besonders dann schwierig (bzw. fast schon unmöglich), wenn sich um euch herum eine ganze Horde todeswütiger Barbaren tummelt. Das Aufblitzen verschiedenster Farben, hintereinander oder gleichzeitig, wird hektischer als in der Disco, kommt hinzu, dass euch oftmals noch feindliche Magier aus der Entfernung beharken. Dank der eher durchwachsenen Kameraführung sind solche Feinde erst nach wertvollen Sekunden sichtbar. Wer das schafft, ohne drauf zu gehen, darf sich zu Recht Held nennen.

Unser bester Freund!
Unser bester Freund! © Entwickler / Publisher

Das Leveldesign ist schwach. Wie auf Schienen wird man durch die Levels geführt, die sogar zuweilen noch enger sind als in einem durchschnittlichen Racer. Meistens kann man nur ein paar Schritte zur Seite tun, und schon stösst man auf unsichtbare Barrieren. Manchmal ist dies unfreiwillig komisch. Dem Spieler mögen sich die fiesesten Kerle im Dutzend in den Weg stellen, er befördert sie locker ins digitale Nirvana, doch eine schlichte Wiese entpuppt sich als unüberbrückbare Hürde. Ausserdem kann Tyris zwar springen, aber eine Steinmauer leicht höher wie ein Trottoir schafft sie nicht. Wie cool wäre es gewesen, wenn Tyris wenigstens ihre Gegner an den Rand eines Abgrunds drängen und dann wie in Dark Messiah of Might and Magic mit einem beherzten Kick ins Jenseits befördern könnte, aber die Designer schienen mehr wert auf gewaltige Blutfontänen gelegt zu haben. Schade, denn Kämpfe an Abgründen mit ihren unsichtbaren Wänden wirken zuweilen arg irritierend und hässlich.

Technik

Auf der Flucht vor dem Bösen!
Auf der Flucht vor dem Bösen! © Entwickler / Publisher

Von der Technik-Front gilt festzuhalten, dass Tyris ein hübsches Fahrgestell aufweist. Doch was nützt einem ein Porsche, wenn er fährt wie ein Trabbi? Ähnlich verhält es sich nämlich mit der Hauptfigur, die mit ihrem viel zu grossen Metzelwerkzeug so seltsam durch die Gegend spurtet, als würde man Bart Simpsons kleiner Schwester, Maggie, eine Kettensäge in der Hand drücken und sie herumrennen lassen. Einfach albern. Doch immerhin nicht so albern wie die zahlreichen Feinde, die ständig aus dem steinigen (!) Boden spriessen. Dafür sind die fünf unterschiedlichen Reittiere durchaus gelungen. Klar, sie gewinnen nicht unbedingt einen Originalitätswettbewerb und vertragen trotz ihrer mächtigen Grösse, ihrem grimmigen Aussehen und ihrer dicken Haut nur wenig Haue, aber was soll's?! Sie sind das coolste Gimmick am ganzen Spiel.

Die Grafik ist zwar hübsch, gleichzeitig aber schlicht und detailarm. So als wollten die Entwickler das knallrot spritzende Blut noch deutlicher herausstreichen. Der Kontrast ist enorm, der Effekt geht jedoch nach hinten los. Etwas übertrieben formuliert, aber stellt euch vor, ihr quetscht eine Tintenpatrone aus, und es spritz soviel blaue Farbe, dass man damit sein ganzes Schlafzimmer neu streichen könnte - willkommen bei Golden Axe.

Wem dieses Gerippe wohlt gehört hat?
Wem dieses Gerippe wohlt gehört hat? © Entwickler / Publisher

Die Akustik mag nicht jedermanns Sache sein, passt jedoch gut zum Setting. Mit harten Trommeln und mystischen, wortlosen Gesängen wirken die martialischen Soundeffekte gleich doppelt. Tyris Gestöhne nervt zwar irgendwann, dafür passen die knurrenden Reit-Biester umso besser.

/ ras