Kane & Lynch: Dead Men (2007)

Kane & Lynch: Dead Men (2007)

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Xbox 360-Review: Psychos on the run

[publisher]Eidos Interactive[/publisher] veröffentlichte dieses Frühjahr zur Abwechslung wieder einmal ein Spiel, basierend auf einer frischen Marke. Kane & Lynch: Dead Men. So lahm der Titel auch klingen mag, die Idee hinter dem Spiel ist es nicht. Ihr schlüpft nämlich, nicht wie so oft, in die Rolle eines liebenswerten Helden in Not, sondern spielt vielmehr einen Antihelden in Form des Schwerbrechers Kane (Im Co-Op darf auch der zweite Hauptcharakter Lynch gesteuert werden). Nach einem turbulenten Gefangentransport bei dem beide entfliehen können, kommt die düstere Geschichte hinter Kane‘s Charakter erst zum Vorschein.

Versuch bloss nicht mich zu verarschen!
Versuch bloss nicht mich zu verarschen! © Entwickler / Publisher

Die beiden Hauptcharakteren Kane und Lynch entkommen wie gesagt, bei dem oben genannten Transport. Während Kane versucht das volle Bewusstsein wieder zu erlangen, ballert Lynch unbeeindruckt des Unfalls, fröhlich um sich. Dem Spieler sollte schnell klar werden, dass die beiden Sträflinge nicht etwa welche von der guten Sorte sind. Der "Unfall" war nämlich von Kanes früherem Mafiaring geplant. Kane, so sollte spätesten jetzt klar sein, hat mächtig Dreck am Stecken. So auch Lynch, der verwirrte Psychopath. Er soll seine eigene Frau ermordet haben. Kanes Retter, The 7, tat dies nur, um ihn zu erpressen. Er soll innert einer gesetzten Frist das vermisste Raubgut aus guten alten Zeiten wieder auftreiben, ansonsten werden Frau und Tochter "leiden" müssen.

Dieses Ereignis schweisst die beiden durchaus nicht unähnlichen Typen unwillentlich zusammen, da Lynch dem Ex-Mitglied von The 7 helfen muss. Obwohl Lynch wie wild mit Fluchwörtern, aber auch sprichwörtlich um sich schiesst, so verneint er doch den Mord an seiner Frau, respektive wisse er nichts mehr davon. Kane dagegen wirkt, seiner misslichen Lage wegen, eigentlich nicht unsympathisch. Doch nach kurzer Zeit im Spiel fällt auf, dass er kein Deut besser ist. Er war einer von The 7, hat jene hintergangen und scheut ebenfalls nicht vorm Töten zurück. Der Fakt, dass seine Familie mit ihm den Kopf hinhalten muss, macht ihn handkehrum ein wenig sympathischer. Im Spielverlauf "besucht" ihr ein paar typische Mafia-/Schurken-Schauplätze wie, eine Bank, die es auszurauben gilt, eine voll belebte düstere Disco, die Wälder auf Kuba und einige weitere Orte.

Wer actiongeladene und unkomplizierte 3rd-Person-Shooter mag, kann bei Kane & Lynch: Dead Men getrost zugreifen. Auch bei jenen von euch, welche schon immer (oder wieder) einmal in der virtuellen Welt eine Bank ausrauben wollten, hätte der Titel einen Platz in der Spielesammlung verdient. Wer allerdings einen Gräuel gegen zutiefst vulgäre Sprache hegt, dem muss von diesem Titel abgeraten werden, da die Wörter sh** und f*** in jedem Dialog ihren Platz auf sicher haben. Bleibt nur zu sagen, dass der Titel alles in allem mehr als ordentlich Spass macht und durch den Co-op-mode (nur offline möglich) zusätzlich an Reiz gewinnt,

Gameplay

Als ob er tanzen könnte
Als ob er tanzen könnte © Entwickler / Publisher

Die Storyline ist recht simpel: Eigene Haut und die der Familie retten. Die Steuerung ist dies eigentlich auch. Ein klassischer 3rd-person-shooter, aus ähnlicher Perspektive wie Gears of War. Doch das ist nicht der einzig gemeinsame Nenner. Euer Ziel ist es, abgesehen von den story-treibenden Elementen (Geld rauben, Geisel nehmen, Tochter retten etc.), alle Feinde umzulegen die gerade vor die Flinte laufen. Klar ist, die Action ist der Kernpunkt des ganzen Spiels.

Die Steuerung hierzu ist wahrscheinlich bewusst simpel gehalten, um die Action nicht unnötig zu bremsen. Allerdings ist dies die grösste Schwäche des Verbrecher-Spektakels. Beispielsweise sollte der Charakter, bei Annäherung an Objekten automatisch (fast wie in Gears of War) in Deckung gehen. Dies funktioniert jedoch nur in einem Bruchteil der Fälle. So lässt sich an einigen Objekten gar keine Deckung suchen, an anderen geht ihr dafür in Deckung ohne dies überhaupt zu beabsichtigen. Das kann natürlich ein übermässiges Ableben verursachen. Auf "Aspirin", dem leichtesten Schwierigkeitsgrad, könnt ihr euch aber von Teamkollegen mittels Adrenalin-Spritzen wieder auf die Beine helfen lassen. Leider geht das nur 1-2 Mal. Danach müsst ihr einen neuen Versuch vom letzten Checkpoint (ja, es gibt nur Checkpoints, kein freies Speichern) in Angriff nehmen.

Das Zielen wirkt eigentlich simpel, doch fliegen die Kugeln nicht immer an den gewünschten Zielort. Dieses Missgeschick könnte man als "realistischerer wirkend" bezeichnen, wären da nicht die Antagonisten, welche euch mit gezielten Kopftreffern schneller ins Jenseits befördern, als euch lieb ist. Hier wäre ein Patch von Nöten, doch scheint dieser auf sich warten zu lassen, oder wird gar nicht mehr herausgegeben.

Technik

Mehr Schein als Sein
Mehr Schein als Sein © Entwickler / Publisher

Zuerst mal vorneweg: Die Präsentation der Zwischensequenzen und die Dialoge während den recht langen Ladezeiten sind weitaus mehr als solide. Die Beiden Protagonisten sorgen bei Dialogen vor allem in der englischen Sprachversion für echtes Kino-Flair. Wer den Film "The Departed" kennt, ahnt vielleicht wie vulgär, aber immer noch authentisch die Dialoge sind. Auf der grafischen Seite jedoch merkt man recht schnell, dass bei der Entwicklung nicht für jeden Level gleich viel Zeit aufgewendet wurde. Sieht der Büroraum im Wolkenkratzer noch nach Current-Gen-Grafik aus, mit schönem Bump-Mapping und knackigen Texturen versetzt, so sieht das Treppenhaus im darauf folgenden Abschnitt eher aus, als wäre der Titel für die Xbox oder PS2 entwickelt worden.

Wie Star Wars
Wie Star Wars © Entwickler / Publisher

Was die Grafik-Engine allerdings wieder leisten kann, ist die Darstellung einer Unmenge von tanzenden Discocracks ohne dabei in die Knie zu gehen. Im Gegenzug dazu wurde bei den Lichteffekten gespart und dies nicht nur bei der Discoszene. Hier machen sogar ältere Titel wie Hitman: Bloodmoney, vom selben Entwicklerteam, noch eine bessere Figur. Hier bleibt jedoch anzumerken, dass die Grafik keinesfalls als miserabel zu betiteln wäre. Sie schafft es einfach nicht, sich vom Durchschnittstitel abzuheben.

/ dad