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Sid Meier's Railroads! (2006)

Sid Meier's Railroads! (2006) PC-Review

Nette Brücke

Nette Brücke

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines aufstrebenden Eisenbahnunternehmers und darf seine Karriere in einer von 15 mitgelieferten Karten starten. Im Einzelspielermodus gilt es dabei bis zu einem bestimmten Jahr verschiedene Aufgaben zu erfüllen, wobei aber grundsätzlich immer bis zum Ende der voreingestellten Zeitspanne gespielt wird. Schafft man es nicht alle Aufgaben zu erfüllen, ist das kein Beinbruch, da dies nicht zu Erfüllung der Szenarien notwendig ist, sondern nur zusätzliche Bonuspunkte in der Endabrechnung gibt. Übersteht man das Spiel, ohne von der Konkurrenz aufgekauft zu werden, wird man in der aus dem Vorgänger oder aus Civilization bekannten Manier mit einem Rang entsprechend der Endpunktezahl ausgezeichnet.

Die 15 verschiedenen Szenarien, aus denen ihr wählen dürft, teilen sich in fiktionale und historische Szenerien auf. Die historischen Missionen sind in den amerikanischen Südstaaten, im Nordwesten der USA, in Grossbritannien, Frankreich und Deutschland angesiedelt und beginnen zeitlich bei den Wurzeln der Eisenbahngeschichte im frühen 19. Jahrhundert und reichen bis in die heutige Zeit. Dementsprechend ändern sich natürlich auch die Züge, Güter, Stadtgrössen und vieles andere mehr. So müsst ihr in einem Szenario zum Beispiel in Europa den Fokus auf den Stahlhandel für die Rüstungsindustrie legen, während ihr in einem anderen möglichst viele Personen durch eure Bahnhöfe befördern sollt. Abwechslung ist das A und O von Railroads! In jedem Szenario bekommt man verschiedene Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Manche gestalten sich dabei einfacher als andere. Zwei Städte miteinander zu verbinden ist nicht schwer.


Rating: PC Games

Gameplay

Ingenieurskunst

Ingenieurskunst

Der Einstieg ins Schienengeschäft gestaltet sich einigermassen benutzerfreundlich. Schnell sind ein paar Gleise verlegt, die ersten Bahnhöfe gebaut und ein paar Züglein gekauft, mit denen man seinen Wirtschaftskreislauf ankurbelt. Im weiteren Verlauf steigt allerdings die Komplexität zügig an und damit auch die Gefahr, sich mit eklatanten Fehlentscheidungen um Kopf und Kragen zu spekulieren. Insofern sollte man bereits von Beginn an eine gewisse Sorgfalt in der Planung seiner nächsten Schritte walten lassen.

Das eigentliche Bauen gestaltet sich einfach. Man legt mit der linken Maustaste einen Startpunkt fest, zieht eine Strecke bis zum gewünschten Endpunkt, klickt erneut - und fertig ist die Laube. Brücken, Tunnels und Kurven werden dabei vom Programm automatisch gebaut. Allerdings hat die Sache einen grossen Haken: Wie alles im Leben kosten auch Bahnkilometer Geld. Und je länger eine Strecke ist, desto teurer ist nicht nur ihre Anschaffung, auch die Kosten für den laufenden Betrieb steigen. Je weiter ein Zug fahren muss, desto teurer wird der Waren- und Personentransport.

Wer also einen längeren Streckenabschnitt verlegen möchte, sollte dies vernünftigerweise in kleinen Häppchen tun und so die Bahntrasse optimieren und unnötige Umwege eliminieren. Zwar kann man falsch verlegte Abschnitte auch wieder löschen, doch muss man dies einzeln für jedes Gleisstück tun. Das hält - zumindest bei längeren Streckenabschnitten - ungemein auf. Immerhin bekommt man seine investierte Kohle zurück, was den Ärger über das Fehlen einer vernünftigen Rückgängig-Funktion etwas relativiert.

Der Weg des Geldes

Der Weg des Geldes

Ob ein Streckenabschnitt ein- oder zweigleisig verlegt werden soll, spielt in den Überlegungen zum Glück keine grosse Rolle, denn die Erweiterung vom Einfach- zum Doppelgleis gestaltet sich ebenfalls erfreulich simpel, da das Programm auch in diesem Fall alle notwendigen Verbreiterungen der Trasse automatisch vornimmt. Einzig bei fiesen Felsvorsprüngen oder engen Tälern funktioniert das nicht, so dass man dort eine Alternativroute finden muss. Auch hier sollte man nichts dem Zufall überlassen und sich nicht auf die automatische Wegplanung des Programms verlassen.

Durch diese einfache Bauweise geht jedoch der grosse Reiz, welcher beim letzten Railroad Tycoon fesselte verloren. Im Railroad Tycoon waren das die grossen Ingenieursleistungen, die man vollbringen musste. Eine Eisenbahn über die Alpen, die Rocky Mountains oder gar den Kilimandscharo war mit allergrössten Anstrengungen verbunden. Man musste zuerst in der Ebene das Geld verdienen, um es dann in die Grossprojekte zu stecken. Oft genug drohte die Pleite, weil man zu früh an die himmelsstürmenden Schienenbauten wagte. Eine Bahnlinie zu bauen, dauerte daher fast genauso lang wie eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn.

In Railroads! verbindet man kurz mal Los Angeles mit San Diego, als wäre das gar nichts. Unter Gebirgen baut man einfach Tunnels durch, die nicht mal viel kosten. Riesige Flüsse überspannt man ebenso wie Meeresarme schon 1830, wenn man das will. Eine Pleite ist in weiter Ferne gerückt, da man beim Transport Millionen scheffelt, ohne einen Finger krumm zu machen. Für Anfänger mag der schnelle Erfolg zunächst nett sein, aber wo ist denn da die Herausforderung?

Multiplayer

Das Spiel beinhaltet verschiedene Karten wie Flusslauf, Insel oder Spiralwelt, die speziell für den Multiplayer gedacht sind, der im LAN oder Internet stattfindet. Wie im Singleplayer spielen dort bis zu vier Tycoons gegeneinander, wobei es allerdings nur den Modus "der Letzte, der übrig bleibt, gewinnt" gibt. Ausserdem ist es gar nicht so einfach, passende Spiele zu finden, da ihr nur mit der deutschen Version spielen könnt. Ansonsten findet keine Anmeldung statt.

Technik

Quer durchs wilde Land

Quer durchs wilde Land

Der Pseudo-Modellbahnlook ist zwar Absicht, sorgt aber leider dafür, dass alles recht unspektakulär wirkt. Die Rocky Mountains sind irgendeine Hügelkette wie viele andere, auf denen alibimässig etwas Schnee klebt. Wälder, Flüsse und Seen sehen irgendwie unbedeutend aus. Landmarken sind kaum auszumachen, da alles grob wirkt und kaum eine Ähnlichkeit mit Wirklichkeit aufweist. Viele Städte wie gibt es einfach nicht, hinzu kommt dass jede Stadt gleich aussieht, obwohl es immerhin einen Unterschied zwischen Europa und Nordamerika gibt. Die Loks und Wagons gehen optisch in Ordnung, da sie historischen Vorbildern wie dem Adler von 1835 gleichen. Ihr könnt sogar erkennen, was ihr geladen habt. Leider ist es nicht möglich, bis ganz runter zu zoomen.


Fazit

Sid Meier's Railroads! eignet sich hervorragend für die Einsteiger. Schnell verdient man viel Geld und hat Erfolg. Doch für die ambitionierten Eisenbahnfreaks ist der Spass schnell vorbei, denn dafür ist das Spiel schlicht und ergreifend zu anspruchslos. Die comichafte Grafik passt meiner Ansicht nach, überhaupt nicht in das Spielgenre. Dass einzige tolle an der Grafik sind die Züge, welche wirklich liebevoll bis ins Detail designet wurden. Schlussendlich hab ich von einem Spiel das den berühmten Spieleentwickler Sid Meier im Namen hat, mehr erwartet.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

13.11.2006 / dag

Community:

Bewertung: 3.7 (2 Bewertungen)

 

 

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