The Godfather (2006)

The Godfather (2006)

Der Pate: Das Spiel
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PC-Review: Sie sind dem Don eine Gefälligkeit schuldig...

Wilkommen in der Familie!
Wilkommen in der Familie! © Entwickler / Publisher

Das Leben ist so hart wie eine rohe Spaghetti, dass muss unser angehender Mafioso schon in früher Jugend erkennen. Bereits als kleines Kind musste er miterleben, wie sein Vater von einer verfeindeten Familie hingerichtet wird. Nun da unser, vom Leben gebeutelter, Protagonist erwachsen ist, gerät er diesmal selbst ins Netz des Verbrechens und wird vom Paten höchstpersönlich unter seine Fittiche genommen und beginnt eine Karriere in der Familie Corleone. Vom Laufburschen arbeiten wir uns immer mehr an die Spitze der Mafia, mit dem Ziel, Boss der fünf Familien in New York zu werden, und den Tod unseres Vaters zu rächen.

Trotz einigen Anleihen an die Genre Verwandtschaft, entwickelt Der Pate: Das Spiel eine ganz eigene Spieldynamik, mit diversen Features, die es so in noch keinem Spiel gegeben hat. Zwar ist auch diese Lizenzumsetzung nicht über alle Zweifel erhaben, und so lässt sich darüber streiten, ob die Steuerung nun innovativ, oder einfach nur lästig ist. Auch auf der technischen Seite, was Grafik und Fahrphysik angeht, schafft es EA nicht die volle Punktzahl zu erreichen.

Aber dennoch hat dieses Spiel etwas ganz besonderes, nämlich Flair. Während des ganzen Spiels, schaffen es die Entwickler eine wunderbare Atmosphäre zu kreieren, die einen komplett in den Bann der Mafia zieht und dies nicht im negativen Sinn. Die Stimmung der Filmvorlage wurde super eingefangen und die Idee, die Geschichte einmal aus einer anderen Sicht nachzuspielen, ist komplett aufgegangen. Allen Nachwuchs Ganoven und Fans der alten Mafia Filme, ist Der Pate: Das Spiel trotz kleinerer Mängel, wärmstens zu empfehlen.

Die Geschichte

Ein Spiel zu einem Kultfilm wie Der Pate zu machen ist sicherlich keine leichte Aufgabe, zumal die Erwartungen der Käufer einfach enorm hoch sind. Die dramatische Geschichte rund um die Familie Corleone ist äusserst komplex und bietet enorm viele Möglichkeiten in spielbare Form gebracht zu werden. Die Entwickler haben sich jedoch gegen eine filmgetreue Umsetzung entschieden, und lassen euch ein eigenes, aber stark vom Original inspiriertes Abenteuer erleben.

Im New York der goldenen 50er Jahre trefft ihr immer wieder auf die wichtigsten Mitglieder des Mafiaclans, wie Don Vito, Michael Corleone, Santino Corleone, den Familienanwalt Tom Hagen und den Problemlöser Luca Brasi. Langsam werdet ihr in die wohl behüteten Geheimnisse der Familie eingeführt, wobei ihr immer wieder an wichtigen Ereignissen des Films teilnehmen könnt. Diese Mischform aus Filmumsetzung und eigenständiger Story ist den Entwicklern wirklich gut gelungen und bringt das Flair des Films hervorragend rüber.

Gameplay

You ask me a favor?
You ask me a favor? © Entwickler / Publisher

Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch, [publisher]EA[/publisher]-typisch, erst mal einen eigenen Mafioso zusammenbasteln. Dabei steht euch eine ganze Latte von Optionen zur Verfügung. So dürft ihr von Frisur und Augenfarbe über Leberflecke, Narben und Gesichtsform bis hin zur Bekleidung alles selbst gestalten. Im Laufe des Spiels werden ausserdem noch viele weitere Kleidungsstücke verfügbar, und so wächst euer Charakter vom schmierigen Laufburschen langsam zum Oberhaupt der Familie heran. Aber nicht nur Kleider machen Leute, und so müsst ihr mit eurem Nachwuchs Mobster verschiedenste Aufträge erledigen, um in der Nachbarschaft Respekt zu erhalten.

Von eurem Mentor Luca Brasi lernt ihr im Rahmen von kurzen Trainingsmissionen das grundlegende Mafia-Handwerk. Dazu gehören diverse Finanzierungsmöglichkeiten wie Schutzgelderpressungen, Geschäftsübernahmen und Banküberfälle. Natürlich sind das nicht alle Missionstypen, und ihr werdet vom Don höchstpersönlich immer wieder um kleine Gefälligkeiten gebeten.

Die Steuerung eures Mafia Aspiranten ist dabei ziemlich ungewöhnlich ausgefallen. Wollt ihr beispielsweise einen Geschäftsinhaber um Schutzgeld erpressen, so müsst ihr diesen zuerst mit der rechten Maustaste anvisieren und könnt zuerst versuchen ihn mit Worten dazu zu bringen, euch monatlich ein wenig Kohle rüber zu schieben. Spricht er auf eure Verhandlungskünste nicht an, so dürft ihr ihn mit der linken Maustaste packen und festhalten. Durch Mausbewegungen droht ihr nun Schläge an, schlagt zu, versetzt Tritte und Kopfstösse oder schleudert euer Opfer durch die Gegend. Während ihr euer Gegenüber foltert, könnt ihr es mit der Leertaste immer wieder ansprechen, um es langsam gefügig zu machen.

Ist eine Kooperation unmöglich, gebt ihr dem Kameraden mit einem überaus brutalen Finishing Move kurzerhand den Rest. Ähnlich läuft es auch bei Schiessereien ab, auch hier visiert ihr zunächst euer Ziel mit der rechten Maustaste an. Durch Bewegen des Fadenkreuzes und Drücken der linken Maustaste könnt ihr gezielt auf Körperteile schiessen, um beispielsweise euren Feind zu entwaffnen, oder um ihn per Knie Schuss auf den Boden zu zwingen. Die Steuerung ist in der Tat ziemlich ungewöhnlich und könnte hart gesottene Genre Fans im ersten Moment abschrecken, denn nicht immer verlaufen Konfrontationen so ab wie man gerne hätte, weil die Steuerung einfach ein bisschen überladen und verkrampft wirkt. Dafür bietet sie dem Spieler mit all seinen Möglichkeiten und Variationen auch Freiheiten, die man in der GTA Reihe nicht kannte und die vielen Schlägereien und Schusswechsel kommen somit wirklich cool rüber. Deshalb mein Rat: Dran bleiben lohnt sich.

Neben Respekt und Geld verdient ihr euch nach erfolgreichem Abschluss einer Mission auch Skillpunkte, die ihr dann beliebig auf Werte wie "Cleverness", "Schiessen", "Kampf" oder "Gesundheit" aufteilen könnt. Das eigentliche Gameplay orientiert sich stark an Genre Konkurrenten wie GTA oder Mafia. So habt ihr auch in Der Pate die Möglichkeit jederzeit ein Auto zu stehlen und damit eine Runde durch die Stadt zu drehen. Wobei anzumerken ist, dass Lenkverhalten und Fahrphysik im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich schwammig ausgefallen sind. Ansonsten bietet das Spiel einige weitere bekannte

Ein Mann ein Cocktail!
Ein Mann ein Cocktail! © Entwickler / Publisher

Elemente. In eurer Wohnung beispielsweise, könnt ihr das Spiel abspeichern und erhaltet Telefonanrufe. Eine Minimap sowie eine Übersichtskarte der diversen Stadtviertel mit ihren wichtigen Gebäuden sorgen für Orientierung, welche in dieser gigantischen Spielumgebung auch bitter nötig ist. Braucht ihr einmal eine Waffe, so bekommt ihr diese entweder bei einem Waffenhändler, von getöteten Gegnern oder im Rahmen von Missionen. Kommt es mitten auf der Strasse zu wilden Schiessereien, so ist auch euer Freund und Helfer nicht weit und versucht euch dingfest zu machen. Landet ihr im Knast, kommt ihr gegen Zahlung eines Strafgeldes wieder frei. Zur Prävention solch unangenehmer Aufenthalte, könnt ihr versuchen die Polizisten entweder mit Bestechungsgeldern oder mit ein wenig Überzeugungskunst dazu zu bringen in die andere Richtung zu schauen.

Wie es sich für ein Spiel dieser Grössenordnung nun einmal gehört, findet das Ganze in einer riesigen Welt statt, in diesem Fall im New York der 50er Jahre. Die Weltmetropole wurde in fünf verschiedene Gebiete aufgeteilt, Little Italy, Hell's Kitchen, New Jersey, Midtown und Brooklyn, welche alle von verschiedenen Familien tyrannisiert werden. Als Handlanger der Corleones kann es an den falschen Plätzen daher oft sehr ungemütlich werden. Habt ihr aber trotzdem vor, einer gegnerischen Familie ans Bein zu pinkeln, seid Vorsichtig, die lassen sich das nicht gefallen und so steigt ihr Vendetta-Wert. Steigt dieser Wert zu hoch, könnt ihr einen Bandenkrieg auslösen und im Krieg sind all eure Freunde und Geschäfte potenzielle Ziele, die von den verfeindeten Familien angegriffen werden. Um diesen Konflikt zu beenden, könnt ihr entweder ein paar Polizisten schmieren, oder einige illegale Geschäfte aufgeben und der Vendetta-Wert nimmt wieder ab.

Technik

Der italienische Q-Tip
Der italienische Q-Tip © Entwickler / Publisher

Technisch zeigt sich Der Pate zwar nicht revolutionär, aber durchaus solide. Vor allem die verschiedenen Charaktere sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden und bieten einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Auch die Gestaltung der verschiedenen Stadtteile ist den Entwicklern gut gelungen und vermag die Stimmung des New Yorks der goldenen 50er prächtig einzufangen. Leider hat das Spiel jedoch zeitweise mit nervigen Rucklern und Framerate-Einbrüchen zu kämpfen, welche sich besonders bei den zahlreichen Fahreinlagen unangenehm bemerkbar machen.

Doch was wäre Der Pate ohne seine unverkennbare Titelmelodie? Auch diese wurde von den Machern originalgetreu ins Spiel übernommen und lässt das Herz eines jeden Fans der Filme höher schlagen. EA hat auch bei der Synchronisation keine Kosten und Mühen gescheut und so wurden die zahlreichen Zwischensequenzen mit den original Stimmen der Schauspieler untermalt, was auch akustisch für ein kinoreifes Ambiente sorgt.

/ Andreas Mutzner [am]