PS2-Review: 16 zu besteigende Riesen

Wunderschöne Brachlandschaft
Wunderschöne Brachlandschaft © Entwickler / Publisher

Spiele können durchaus eine Form von Kunst darstellen, dies haben bereits diverse Titel in der Geschichte der Videospiele bewiesen. Nun machten sich die Entwickler des mehrfach preisgekrönten, aber relativ unbekannten ICO, daran das Genre der Adventures mit Shadow of the Colossus neu zu definieren, und ein Spiel zu kreieren, dass es so noch nie gegeben hat.

Dem "ICO" Entwickler-Team ist mit ihrem neuesten Titel "Shadow of the Colossus" ein künstlerisches Meisterwerk gelungen. Bei einem Ritt durch die wunderschöne Landschaft, kann es gerne einmal vorkommen, dass ihr euch in eurer eigenen Fantasie verliert. Spätestens nach den ersten erlegten Kolossen, verliert man sich total in der riesigen Welt und will seinen Controller fast nicht mehr aus der Hand geben.

Dies nicht zuletzt wegen der einmaligen Spielmechanik sich auf einem riesigen Koloss zu bewegen und ihn in die Knie zu zwingen. Um dieses Spiel aber in seiner vollen Pracht zu geniessen, ist es wichtig sich in die Welt der Kolosse einsaugen zu lassen, ansonsten könnte einen das eigentlich abwechslungsarme Gameplay schnell einmal langweilen. Dennoch ist "Shadow of the Colossus" eines der speziellsten und dabei besten Spiele der letzten Jahre.

Geschichte

Auch wenn sich die Geschichte zu Beginn des Spiels als ziemlich eintönig und langweilig herausstellt, darf man sie nicht als nebensächlich abstempeln. Ihr ganzer Charme und der eigentliche Sinn unserer Odyssee, werden nämlich erst nach Zerstörung des letzten Kolosses offenbart. Denn im verwunschenen Tal der Kolosse ist nichts so wie es scheint...

Gameplay

Beeindruckend!
Beeindruckend! © Entwickler / Publisher

Bitte recht freundlich!Das Gameplay von "Shadow of the Colossus" setzt sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich die Suche nach den gigantischen Zeitgenossen und der anschliessende Kampf. Haben wir den Aufenthaltsort der meist friedlichen Kolosse entdeckt, so müssen wir sie nun zur Strecke bringen. Da die Kolosse meist haushohe Giganten sind und unser Held Wanda ein kleinwüchsiger Asiate ist, besteht seine einzige Chance auf einen Sieg darin, die Riesen zu besteigen, um ihre Schwachstellen zu suchen. Das Ganze klingt dabei einfacher, als es wirklich ist. Als erstes müsst ihr eine geeignete Stelle finden, an der ihr, auf den Koloss hinaufsteigen könnt.

Dabei wartet ihr beispielsweise bis euer Gegner seine Waffe in den Boden rammt, um an seinen Arm hochzuklettern, oder ihr wartet bis sich der Riese in den Sturzflug begibt, um euch dann im richtigen Moment an einem seiner Flügel festzuhalten. Natürlich merken die Kolosse das, und versuchen euch mit aller Kraft wieder abzuschütteln. Dank seiner ausgeprägten Ausdauer, kann sich unser Held jedoch mühelos an bestimmten Stellen festklammern und so fällt ihr erst herunter wenn der Ausdauerbalken komplett leer ist. Um dies zu vermeiden, solltet ihr daher immer wieder nach Stellen auf den Riesen Ausschau halten, an denen ihr euch kurz ausruhen könnt.

Nun müsst ihr die wunden Punkte der Kolosse finden. Dies schafft ihr entweder mit eurem Schwert, welches mit gebündelten Lichtstrahlen, die Schwachstellen eurer Feinde offenbart, oder ihr klettert so lange auf den Ungetümen herum, bis deren Achillessehnen anfangen zu glühen. Problematischer wird es, sobald euer Gegenüber mehrere Schwachstellen an seinem Körper hat. In solchen Fällen liegen nämlich mehrere komplizierte Kletterpartien vor euch. Habt ihr die verwundbaren Punkte erst einmal gefunden, so müsst ihr nun mit eurem Schwert kräftig zustechen, um den Koloss endgültig in die Knie zu zwingen. Im Laufe des Spiels müsst ihr 16 Kolosse bezwingen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Denn jeder stellt tatsächlich eine einzigartige Herausforderung dar, was die Kämpfe mit ihnen so spannend aber mitunter auch recht langwierig macht.

So kommt es gerne mal vor, dass ihr eine halbe Stunde am gleichen Rücken herumkrabbelt, bis ihr dem Riesen endlich den gar ausgemacht habt. Trotz ihren erstaunlichen Kräften wirken die Giganten oft ganz zahm, so als ob sie besiegt werden wollen. Was es damit aber auf sich hat, müsst ihr schon selbst in Erfahrung bringen.

Das sieht böse aus!
Das sieht böse aus! © Entwickler / Publisher

Wenn ihr euch nicht gerade an einem eurer Feinde festklammert, so klammert ihr euch an der Mähne eures treuen Gefährten Agro fest, während ihr durch das weitläufige Land galoppiert, stets auf der Suche nach den Kolossen.

Diese sind nämlich in alle Himmelsrichtungen über das gigantische Land verteilt. Mit Hilfe unseres magischen Schwertes, das wir ins Licht der Sonne halten und welches seinen Lichtschein dann in Richtung des nächsten Kolosses wirft, stellt die Suche aber kein sonderliches Problem dar. Was einen mit der Zeit aber ein bisschen nerven kann, ist unser störrischer Begleiter Agro, der sich zwar super schnell über Wiesen und Felder Treiben lässt, aber dafür umso schwerer zu bremsen ist. Nicht selten kommt es vor, dass ihr meilenweit davon galoppiert, wenn ihr eigentlich so schnell wie möglich stehen bleiben wollt. Hier hätte ein bisschen mehr Feingefühl bei der Programmierung sicher nicht geschadet.

Technik

Kuck mal 'n Monster
Kuck mal 'n Monster © Entwickler / Publisher

Einfach märchenhaft!Auch technisch ist den Entwicklern zum Ausklang der PS 2 Ära ein richtiges Meisterwerk gelungen. Zwar wirkt die Landschaft auf den ersten Blick alles andere als belebt, bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch seine wahre Schönheit. Egal, ob ihr im sumpfigen Wald, in luftigen Hochebenen oder in einer Wüste unterwegs seid, die Landschaft sieht einfach umwerfend aus.

Denn besonders das Lichtspiel der verschiedenen Örtlichkeiten ist mehr als gelungen und sorgt für den herrlichen Eindruck den das Spiel hinterlässt. Dazu gehören auch die schlichtweg genialen Animationen der Kolosse und die, unseres Helden Duos, Wanda und Agro. Leider hat auch dieses Spiel mit einigen Mankos, wie beispielsweise der recht unwilligen Kamera und dem mühsamen Zielsystem mit dem Bogen, zu kämpfen.

Leider ist es auf soundtechnischer Seite auch nicht möglich, das Spiel in sattem 5.1 Dolby Surround Sound ertönen zu lassen, was die atmosphärische Orchestermusik noch besser zur Geltung gebracht hätte. Nichtsdestotrotz gehört "Shadow of the Colossus" zu den technisch beeindruckendsten Titeln auf Sonys PS 2.

/ Andreas Mutzner [am]