66a Mostra Internazionale dell'Arte Cinematografica

Das Tagebuch vom Lido

Die OutNow-Crew berichtet vom Lido. Das Tagebuch - ehrlich, schonungslos, unzensiert.


Sonntag, 13. September 2009 - Arrivederci e alla prossima

Das war's mal wieder von Triggs und Gäggs - die OutNow-Festival-Crew verabschiedet sich von Venedig.

Zurück von der nicht soo einsamen Insel in der schönen Schweiz sagt die OutNow-Mannschaft Adieu und auf Wiedersehn. Mit Lebanon als Sieger können wir leben, auch wenn wir etwas traurig sind, dass unser Favorit Mr. Nobody leer ausgegangen ist.

Ansonsten sei an dieser Stelle allen gedankt, die unser wertes Geschreibsel vom aufregenden Leben als lesenswert erachtet haben. Es geht zurück in den grauen Schweizer Alltag - der aber ja zum Glück schon bald vom Zurich Filmfestival aufgehellt wird... In diesem Sinne: Arrivederci e alla prossima...


Samstag, 12. September 2009 - Wer gewinnt?

Wie immer weiss OutNow.CH immer alles besser - und im Voraus

Traditionellerweise wird der Goldene Löwe jeweils vergeben, während die OutNow-Crew auf der Heimreise ist. Was aber insofern verzeihlich ist, als wir jeweils sowieso immer schon wissen, wer warum den Preis gewinnt und wer eben nicht. Wir verweisen deshalb an dieser Stelle auf unser Löwenorakel und machen uns auf die Reise.


Freitag, 11. September 2009 - Offenbarungen und Autogramme

Der letzte Festivaltag, bevor's an die Abreise geht - ein erstes Fazit der OutNow.CH-Venedig-Firsttimerin.

So langsam neigt sich das diesjährige Filmfestival in Venedig dem Ende zu, und die OutNow-Crew packt ihre Siebensachen. Wir haben erfahren, dass Matt Damon sehr grossen Spass am Zunehmen hatte, Colin Firth gut Italienisch spricht, Ewan McGregor eigentlich keine Ahnung hat, was ein Jedi ist und George Clooney nicht homosexuell ist. Im Gegenteil, er marschierte mit seiner neuen Flamme (dem italienischen Showgirl Elisabetta Canalis) über den roten Teppich.

Inzwischen wissen wir auch, dass Journalisten auch nur Menschen sind und zu hysterischen und rangelnden Fans werden, wenn es darum geht, nach einer Pressekonferenz das wertvolle Autogramm ihrer Lieblingspromis zu ergattern. Und das Gefühl, wenn man das Presseheft mit der Unterschrift in den Fingern hält, ist unbeschreiblich. Klar, es ist nur eine Unterschrift wie jede andere, und trotzdem bedeutet es für einen Filmliebhaber die Welt. Ich werde jedenfalls voller Freude an die Zeit in Venedig zurückdenken, und zwar jedes Mal wenn ich mein eingerahmtes Autogramm von Colin Firth anschaue.


Donnerstag, 10. September 2009 - Deutsch ist cool!

Bald ist Schluss, doch der Wettbewerb ist noch in vollem Gange - wobei Vertreter unseres nördlichen Nachbars für Aufsehen sorgen.

In den letzten Tagen des Festivals gilt es, nochmals richtig Stoff zu geben. Denn es wartet noch ein letzter Schub an Wettbewerbsbeiträgen auf die wackeren Kritiker. Da sich die Venedig-Organisatoren den Spass erlaubt haben, dieses Jahr gleich zwei Überraschungsfilme im Wettbewerb laufen zu lassen (was Werner Herzog die Ehre beschert, mit Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans und My son my son, what have ye done gleich zweifach im Wettbewerb vertreten zu sein), kämpfen dieses Jahr rekordverdächtige 25 Filme um den Goldenen Löwen.

Der Favorit in der Gunst der Kritiker (und wohl auch des Publikums) ist aber ein anderer Deutscher: Fatih Akins Soul Kitchen (Review coming soon) erhielt mehrfachen Szenenapplaus und wurde frenetisch gefeiert. Ob's wohl nach Cannes bereits der zweite deutschsprachige Film zu höchsten Ehren schafft?


Mittwoch, 9. September 2009 - Geoooooorge!

Weil's so schön war gleich nochmals: OutNow.CH an Pressekonferenzen, Teil 2

Wenn der Clooneyschorsch ruft, kommen sie alle. In den gestopft vollen Pressekonferenzsaal konnte sich auch die OutNow-Crew einschmuggeln, wie folgendes Beweisbild belegt. Neben dem Nespressomann sollen die Herren Ewan McGregor (l.) und Grant Heslov (r.), Regisseur von Men Who Stare At Goats nicht unerwähnt bleiben. Der Typ, der die Ehre hat, zwischen den beiden Stars zu sitzen, ist unwichtig.

Die Journalistenfragen waren übrigens wie erwartet langweilig bis doof bis peinlich. Höhepunkt war ein schwuler italienischer Selbstdarsteller, der sich bis auf die mit "George - choose me!" beschrifteten Hotpants auszog. Nun ja. Nächstes Mal werde ich das ebenfalls tun, aber selbstverständlich werden meine Unterhosen mit dem OutNow-Logo bedruckt sein. Aberschosicher!


Dienstag, 8. September 2009 - Damon war durstig

Lasst Bilder sprechen! OutNow.CH geht unter die Paparazzi.

Was tun, wenn man vor lauter Filmeschauen keine Zeit hat, irgendwelche interessanten Dinge zu erleben? Richtig: Man hockt in eine Pressekonferenz und schnappschiesst die Stars. So sollen hier auch nicht zu viele Worte verloren werden:

Morgen gibt's dann - damit man sich schon mal freuen kann - Neues vom Clooney Schorsch. Wir bleiben dran!


Montag, 7. September 2009 - Gier und Geifer im Pressesaal

Hat jemals jemand behauptet, wir Journalisten seinen privilegiert? Das Gegenteil ist der Fall!

Journalisten sind schon arme Schweine. Da müssen sie den ganzen Tag vom einen Film zum nächsten hetzen (und sich währenddessen lautstark darüber aufregen, dass der Hollywoodfilm schon wieder ohne Untertitel in der geliebten Sprache Dantes angefangen hat), Stars interviewen, Pressekoferenzen besuchen... Für die schönen Dinge im Leben wie beispielsweise das Essen bleibt da einfach keine Zeit.

Diesen Eindruck erhält man zumindest, wenn man mittags so gegen 12:30 im Pressesaal sitzt. Dann wird jeweils nämlich ein kleines gesponsertes Buffet aufgebaut, wo den wässrigen Mäulern Käse- und Schinkenhäppchen offeriert werden. Wie hungrige Tiere stürzen sich die Herren und Damen Journis darauf, und wer jemals Zweifel an der These gehegt hat, dass der Mensch ein Egoist sei - hier ist sie definitiv widerlegt. Oder lag's wohl nur daran, dass es gratis ist? In Zeiten der Finanzkrise muss halt überall gespart werden!

Ich meinerseits beteilige mich munter am gierigen Buhlen um die letzten Schinken- und Käsehäppchen, denn in wenigen Minuten muss ich in den nächsten Film. Dann aber biddeschön mit italienischen Untertiteln, mi raccomando!


Sonntag, 6. September 2009 - Früher war alles besser

Wie ein alteingesessener OutNow.CH-Lido-Korrespondent die 66. Ausgabe der Mostra erlebt.

Mittlerweile ist auch das zweite OutNow.CH-Crewmitglied am Lido eingetroffen, weshalb wir unserer geneigten Leserschaft als literarisches Experiment einen vorübergehenden Perspektivenwechsel zumuten. Das "Ich" dieses Tagebuchs ist nun - zumindest heute - keine junge, talentierte und motivierte Venedig-Firsttimerin mehr, sondern ein abgebrühter Das-Hab-Ich-Doch-Alles-Schon-Gesehen- und Früher-War-Sowieso-Alles-Besser-Venedig-Habitué.

Aber auch für den Habitué ist an diesem Festival vieles neu. So ist der heiss geliebte, wunderbar elegante Betonkoltz des Casino-Palastes von einer Art Mauer eingezäunt, hinter der sich eine riesige Baustelle für den neuen Festivalpalast befindet. Dementsprechend ist nichts mehr so, wie es einmal war, so dass man sich unangenehmerweise wieder als blutiger Neuling und "Entschuldigen-Sie-Bitte-Wo-ist-denn-Hier-das-Klo" fühlt. Iiiek!

Eine Hiobsbotschaft gitbt's leider auch bezüglich der letztes Jahr eingerichteten OutNow.CH-Lounge. Diese musste leider einem edlen italienischen Restaurant weichen. Sagt' ich's doch: Früher war alles besser!


Samstag, 5. September 2009 - Herzstillstand und Kindheitserinnerungen

Nicht nur auf dem Roten Teppich gibt's in Venedig Starsichtungspotenzial, wie OutNow.CH heute erfahren durfte.

Leute, ich glaub’ mich knutscht ein Elch! Da laufe ich völlig nichts ahnend im Pressebereich herum, auf der Suche nach einem Kissen, um mich darauf zu setzen, dreh mich um, und wer läuft mir entgegen? GEORGE LUCAS!! Mein Herz rast, als würde ich in einem Star Fighter sitzen und in Lichtgeschwindigkeit quer durch die Galaxis fliegen, im Hintergrund ein unverkennbares Atemgeräusch. Der Regisseur, der Generationen zum Träumen gebracht hat, der Schöpfer des ultimativen Bösewichts mit Asthmaproblem, der kleine, rundliche Typ mit Nerdbrille und leicht abstehenden Ohren – nur wenige Meter neben mir. Ich muss so verduzt aus der Wäsche geschaut haben, dass sich eine der Begleiterinnen zu mir umgedreht und mich angegrinst hat wie um mir zu sagen: "Ja, das ist er, und du hast nicht etwa Halluzinationen weil dein Mittagessen verdorben war". Heute war die Kamera zwar mit im Gepäck, aber das ist so schnell gegangen, da hätte jeder Griff in die Tasche zuviel kostbare Zeit in Anspruch genommen.


Freitag, 4. September 2009 - Viggo und Viagra

Am dritten Tag erfuhr OutNow.CH eine interessante Möglichkeit, sich in den prallvollen Kinosaal einzuschmuggeln.

Ich weiss, ich wiederhole mich, aber das Anstehen ist hier wirklich ein zeitintensiver und manchmal nervenraubender Teil des Tagesablaufs. Doch trotz Rückenschmerzen und geschwollener Füsse kann man eine lustige Wartezeit haben. So geschehen gestern Abend in der Schlange zu The Road. Eine Truppe wartender Leute steht vor geschlossener Tür und hofft auf ein Wunder. Unter dieser Kämpfertruppe befindet sich – nennen wir ihn mal so – Giovanni. Giovanni hat ein ausgeprägtes Stimmorgan, und ob man will oder nicht, man muss sich sein Gerede anhören. Wie er uns erzählt, sitzt sein Vater in dem Moment im Saal, und es sind noch sehr viele Plätze leer. Auf die Frage woher sein Vater einen Platz gekriegt habe, schaut uns Giovanni verunsichert an und beginnt zu flüstern. Sein Vater arbeite in der Chemiebranche und habe bei einem, der was zu sagen habe, Viagra gegen einen Platz eingetauscht. Okay, fürs nächste Festival weiss ich, was zu tun ist.

Übrigens, ich war die Letzte, die noch in den Saal reindurfte, nach mir war „finito“. Viagra sei Dank, denn wäre Giovannis Vater nicht im Saal gewesen, hätten wir nicht gewusst, dass es noch leere Plätze hat und wären gegangen. Und wenn ich meine Fotokamera nicht vergessen hätte, wäre hier ein Foto vom winkenden Viggo Mortensen.


Donnerstag, 3. September 2009 - Anstehen für einen guten Zweck

OutNow.CH lebt sich langsam ein am Lido und lässt sich auch von fehlenden Untertiteln nicht aus der Ruhe bringen.

Der heutige Tag steht bisher im Zeichen des Anstehens. Irgendwie scheint Punta Sabbioni vor allem von deutschen Touristen bevölkert zu sein, die zudem alle zur gleichen Zeit auf die Fähre nach Venedig wollen. Okay, so lange musste man nicht anstehen – aber wieso müssen die Leute in einem rappelvollen Motorschiff ständig von einem Ende zum anderen laufen? Und dann erst noch im Weg stehen bleiben, wenn die armen gestressten Journalisten und Festivalbesucher am Lido aussteigen wollen?

Auf dem Festivalgelände herrscht ein buntes Treiben. Und alle pilgern magischerweise zu den selben Filmen. Wer einen kleinen Platz im Kinosaal ergattern will, muss frühzeitig hin und Stehvermögen beweisen. Wobei in der Schlange stehen ohne Geländer eine Frage der Ansicht ist. Beim Mittagessen kann man sich zu Fremden an den Tisch setzen und Filmtipps austauschen. Und mit manchen kann herrlich diskutiert werden, warum denn Baarìa nun gut ist oder eben nicht.

Auch die Operateure an der Biennale sind nicht sicher vor technischen Pannen. So startete heute Vormittag einer der Wettbewerbsfilme mit über 30 Minuten Verspätung. Und um das Ganze zu krönen, kam die Untertitelung jeweils um eine Minute verzögert zum Bild. Trotz Buhrufen einiger erboster Presseleute konnte der Untertitel-Skandal nicht vollumfänglich gelöst werden.

Mister Cage ist mir bis jetzt noch nicht begegnet. Peinlich ist dafür, dass mir der Name des italienischen Promis entfallen ist, den ich gestern beim Anstehen gegrüsst habe. Dafür kamen die Journalisten gestern Abend in den Genuss, die Vorstellung von [REC] 2 in Anwesenheit der Regisseure, Produzenten und der Hauptdarstellerin zu erleben. Dies tröstet aber kaum darüber hinweg, dass ich dann geschlagene 1.5 Stunden auf das nächste Motorboot warten musste und im Auftrag von OutNow.CH als Touristenguide und Übersetzerin tätig war. Mal sehen was der heutige Abend bringt.


Mittwoch, 2. September 2009 - Velos top, Duschvorhänge flop

Das Festival hat begonnen, und OutNow richtet sich ein in der Lagunenstadt.

Inzwischen ist die halbe OutNow-Vertretung vor Ort eingetroffen - also meine Wenigkeit. Trotz erstmaligen Besuches in Venedig kommt man hier recht schnell hin, wo man hingehört, indem man einfach den grossen Massen folgt. Bis jetzt bin ich glücklicherweise nicht seekrank geworden. Dafür mache ich mir langsam Gedanken über meine Schuhsohlen…

Bei manchen Journis lagen bereits am ersten Morgen die Nerven blank - was auch nicht weiter erstaunlich ist: Hier wird nicht nur um die besten Plätze in den Kinos gekämpft, sondern auch um freie Steckdosen im Pressezentrum. Tja, Mehrfachstecker wären schon ein praktisches Utensil. Nichts Neues also - mit ähnlichen Problemen hatte die OutNow-Crew auch schon in den vorigen Jahren zu kämpfen. Sehr wohl neu ist aber die OutNow-Unterkunft. Diese ist zwar klein, und über den Duschvorhang sollte nicht zuviel nachgedacht werden, aber dafür ist dort Signora Marisa, und die ist echt freundlich. Die Gäste kriegen sogar Fahrräder, um die Gegend zu erkunden. Schade, dass das Körbchen nicht einkaufsresistent ist.

Promis wurden leider noch keine gesichtet, aber es wird gemunkelt, dass heute noch Nicholas Cage eintreffen soll. Schaut sich der Mann auch Filme an? Wer weis, vielleicht habe ich Glück und laufe dem „Bad Lieutenant“ irgendwo über den Weg. Ich halte euch auf dem Laufenden.

02.09.2009 / ebe, faz