Kirschblüten - Hanami (2008)
Interview mit Hannelore Elsner

Hannelore Elsner
In Kirschblüten sieht man Hannelore Elsner weder als Kommissarin noch als Unberührbare, sondern als ganz normale bayrische Frau Trudi. Diese Woche wurde sie dafür für den Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin nominiert. Anlässlich der Premiere an der Berlinale sprach sie mit OutNow.CH über Japan, Routine und Träume.
OutNow.CH (ON): Kirschblüten ist ein wunderbarer Film über Liebe und Tod geworden. Mit all ihrer Routine: Wenn Sie jetzt ein Drehbuch in die Hand bekommen: Spüren Sie bereits beim Lesen, dass sie etwas besonderes in der Hand halten?
Hannelore Elsner (HE): Ich bin überhaupt nicht routiniert. Wenn ich routiniert wäre, dann wäre ich tot. Das ist so ein Wort ... man meint damit immer meine Erfahrung oder mein Alter. Aber es war in der Tat so: Ich habe dieses Buch gelesen und fand es umwerfend. Natürlich stocke ich, als darin die Trudi sterben musste. Ich rief sofort die Doris Dörrie an und meinte: „Nein! Ich will nicht dass sie schon stirbt!“ Aber sie sagte es muss sein. Ich wusste was das für ein Film wird. Diese Trudi ist sofort in mir drin gewesen, ist richtig in mich eingedrungen. Ein sehr schönes Gefühl.
ON: Um mit Verlaub doch noch mal kurz auf die Routine zu kommen. Im Film gibt es ja auch viel Alltagsroutine, bei diesem älteren Paar.
HE: Nein das ist keine Routine, das sind Rituale. Das ist ein ganz grosser Unterschied. Das sind Lebensrituale, sozusagen Gerüste. Gerade so ein Mensch wie der Rudi kann ohne ein solches Gerüst nicht leben.
ON: Der Tod spielte in Kirschblüten eine grosse Rolle. Beschäftigen Sie sich mit diesem Gedanken?
HE: Ich finde nicht, dass der Film sich mit dem Tod beschäftigt. Der Film beschäftigt sich mit dem ganz normalen Leben. Und zum ganz normalen Leben gehört auch das Sterben. Überhaupt sind all diese grossen Dinge wie Liebe, Schmerz und Tod ganz normale Dinge. Und wie hier der Tod gezeigt wird finde ich sehr, sehr anrührend, sehr innig und sehr versöhnlich. Es ist ein Film über die Liebe und die Zärtlichkeit des Herzens.
ON: Waren Sie vorher je in Japan?
HE: Nein.
ON: Die Doris Dörrie scheint eine grosse Schwäche für dieses Land zu haben. Können Sie dies nach den Dreharbeiten nachvollziehen?
HE: Ich gebe zu, ich war immer schon von Japan fasziniert. Ich habe all die Romane von Haruki Murakami gelesen. Wenn man in sein Schaffen einsteigt, dann kennt man Japan. Und natürlich liebe ich die japanische Filme: Rashomon von ganz früher etwa. Ich mag auch den Zen-Buddhismus, dieses achtsame
ON: Ihr Japandreh beschränkte sich auf eine kurze Szene. Hätte ihnen etwas gefehlt, wenn sie nicht nach Japan mitgegangen wären?
HE: Es ist so: Als ich das Drehbuch gelesen hatte, konnte ich mir alles vorstellen. Die Dinge kommen dann einfach so in mich rein. Natürlich war ich glücklich, dass ich mit nach Tokio fliegen durfte. Und das schönste war dort, dass sich der Mount Fuji wirklich nur einen Tag gezeigt hat – und dann war er weg. Da haben Leute schon vier Wochen lang gewartet, Filmteams haben sich schon ruiniert für diese eine Einstellung.
ON: Wie ist es, mit Doris Dörrie zusammenzuarbeiten?
HE: Toll. Sie schafft eine magische Atmosphäre. Ich bewundere sie grenzenlos. Die Idee, mit einem kleinen Team zu arbeiten, ohne viel Aufwand, das war schon fantastisch. Sie hat dem Elmar und mir jeden Morgen die Haare grau gemacht – das war die einzige Maske, die wir hatten.
ON: Der Film spricht die Vergänglichkeit des Lebens an.
HE: Auch, aber sie haben wohl gemerkt, dass ich lieber über die positiven Sachen rede, und nicht über die negativen. Auf jeden Fall ergreift er.
ON: Der Kinogänger soll also aus dem Saal kommen und sagen: Das Leben ist schön, ich lebe den Tag nun intensiver.
HE: Klar, die meisten kamen mit verheulten Augen heraus. Trotzdem sagen viele, sie finden den Film einfach schön.
ON: Zu lachen gibt es ja auch was: In den Dialogen von Elmar Wepper blitzt immer wieder Humor auf.
HE: Ach, ich liebe wenn der Elmar Wepper sagt: „Ah mei, der Fuji is’ au nur a Berg“. (lacht) Und auch die Szene mit dem Ticketautomaten in Berlin ist grossartig. So Sachen findet man ja im normalen Leben beschämend, auch wenn da ja gar nichts dabei ist.
ON: Haben Sie noch einen Traum, den Sie verwirklichen wollen?
HE: Nein. Die Dinge kommen auf einen zu. Ich träume vielleicht von denen, aber es ist nicht so das ich sage: Das muss ich unbedingt noch machen. Ausserdem träume ich nur erfüllbare Wünsche.



