3. Zurich Film Festival 2007
Die Eindrücke
Man schaut sich ja nicht nur Filme... Alles was die OutNow.CH-Crew sonst noch erlebte. Kurz und bündig niedergeschrieben. Merkwürdigkeiten, Lob und Tadel und was uns sonst noch gerade so durch den Kopf ging.
Freitag, 5. Oktober - Ein Junior ganz gross

The Man of the Festival
Die drei Gründungsmitglider des ZFF haben unterschiedliche Rollen. Was Karl Spoerri eigentlich das ganze Festival hindurch so macht ausser Hände schütteln, verschliesst sich mir. Nadja Schildknecht ist die grinsekatzige Augenweide, welche die Sponsoren umsorgt. Ein Spitzenmanagers der Festival unterstützenden Grossbank bekommt sogar den extra speziellen Service, wie man der Sonntagspresse entnehmen konnte. Der Mann für die Front ist hingegen Antoine Monot Jr., der sich nicht zu schade ist, an den Eingängen in die Kinos Flyer für den Publikumspreis zu verteilen. Gebetsmühlenartig erklärt er auch vor jedem Film, dass die Jury den Saal frühzeitig verlassen wird, weil sie nicht durch die Fragen aus dem Publikum (Neudeutsch: das Q&A) beeinflusst werden möchte. Das hat er, nachdem schon mehr als die Hälfte des Festivals rum ist, schon so intus, dass er es auch dann noch verkündet, wenn gar keine Regisseurinnen anwesend sind, denen man Fragen stellen könnte.
Zu Höchstform läuft er auf, wenn der Film bereits vorüber ist. und er als Mikrofonhalter/Übersetzer/Moderator der Q&As fungiert. Überragend, wie er die Stimmung auflockert, wenn die Filmemacher ein bisschen nervös sind. Grandios, wie er einspringt, wenn die Frage falsch oder gar nicht verstanden wurde. Superb, wie aus dem einfachen Akt der Übersetzung eine Kömodie machen kann. Ausgelebte Lakonie der Spitzenklasse, der man nur vorwerfen könnte, dass er sich damit ein bisschen zu sehr in den Vordergrund spielt. Da es aber eins der Highlights jeder Vorstellung ist, und seine Stimme dabei oft an eine US-Trailer-Voice erinnert, darf man ihn ruhig als Man of the Festiva bezeichnen. Er ist es schliesslich auch, der mit seinen Connections die dt. Starschauspieler in die Jury oder an den roten Teppich holt. (rm)
Donnerstag, 4. Oktober - Nach dem Film ist vor dem Film
Über das Abschalten beim Abspann
Während der Nachspann bei vielen Kinozuschauern einfach als musikalische und optische Untermalung für den Vorgang des Kinosaal-Verlassens dient, ist er für andere eine Gelegenheit, den soeben erlebten Film nochmals Revue passieren zu lassen und sich zu überlegen, warum man ihn nun klasse, mittelmässig oder übel gefunden hat.
Dieses Ritual wird am Zurich Film Festival jäh unterbrochen. Sekunden nach Anlaufen des Abspanns gehen nämlich die Lichter halb an, der Sound wird abgeklemmt und irgendein armer Tropf wird vor die Leinwand gehetzt. Der arme Tropf ist, wie sich zeigt, der Regisseur des Films, der nun für Zuschauerfragen zur Verfügung steht. Da es sich dabei nun um einen durch und durch normalwüchsigen Herrn handelt, ragt er natürlich teilweise in die Leinwand hinein, auf welcher noch immer stumm der Abspann läuft. Durch den Regisseur hindurch.
Liebes ZFF: Möglicherweise erachtet ihr es als grosse Ehre für den Regisseur, wenn er als Projektionsfläche für den Abspann seines eigenen Films dienen darf? Ich bezweifle dies allerdings. Vielleicht habt ihr auch Angst, dass euch die Schäfchen abhanden kommen, während der Abspann läuft, und der Regisseur seine Fragerunde dann vor leeren Rängen durchführen muss? Schaut, das ist nun mal so an einem Festival. Die einen bleiben, die anderen gehen. Wissen tun ja alle, dass da noch was kommt, schliesslich wurde es am Anfang gesagt. Oder ist es einfach der gedrängte Zeitplan? Nun, dann lasst euch gesagt sein: Der Abspann ist vollwertiger Teil des Filmes. Und das sollte in Zukunft bei der Programmplanung mit einbezogen werden. Filmfreunde und der gequälte Regisseur werden's Euch danken. (ebe)
Mittwoch, 3. Oktober - Jurygepflogenheiten I

Was die Jury des Festivals so treibt
Zwei Tage und drei Filme; das Zurich Film Festival hat mich so sehr im Griff, dass ich kaum mit "Filme verdauen" nachkomme. Erschwerend dazu kommt noch, dass mich eine leichte Paranoia ergriffen hat, als ich beim dritten Kinobesuch feststellen musste, dass ich schon wieder in der Bankreihe vor der Jury sitze. Ist schon etwas nervig, wenn ein gewisser Altmeister der Schweizer Musikszene im Viertelstunden Takt davon flitzt, um die Anrufe auf seinem heftig vibrierenden Handy entgegen zu nehmen.
Interessant sind auch die Fragen, die das Zürcher Publikum den anwesenden Regisseuren stellt. Hier hat sich eine kleine Hitliste der beliebtesten Fragen herauskristallisiert: auf Platz 3 "Sind das bekannte Schauspieler oder Laiendarsteller?", auf Platz 2 "Wie lange haben Sie daran gearbeitet?" und auf Platz 1 die wohl populärste Frage des durchschnittlichen Bünzli-Schweizers "Wie viel hat's gekostet?". Nun ja, um das ganze nächstes Mal noch straffer zu organisieren, könnte das Festivalkomitee ja gleich einen Fragenkatalog zusammenstellen und den vorab verteilen. Dann müssten die Jurymitglieder auch nicht -- während die Jungregisseure zum wiederholten Male die ewig gleichen Fragen beantworten -- draussen vor dem Kino rumlümmeln. (kybusan)
Mittwoch, 3. Oktober - Jurygepflogenheiten II
Assimilation à la ZFF
Eine der Eigenheiten der Zürcher Schickimickeria sind die Anzahl Küsschen auf die Wange. Drei müssen es sein - also immer ein bisschen mehr als anderswo. Das führt oft zu Beulen am Kopf oder Schlimmeren, wenn man sich zum ersten Mal mit einem Ortsfremden so nah kommt, denn der ist sich die Tripleschmatzer nicht gewohnt und hat nach zweien bereits gerne wieder seine Ruhe. Entwarnung kann in dieser Hinsicht bei der Jury des ZFF gegeben werden. Das OK hat vorgesorgt und die vier Ausländer in der Jury schon so oft geherzt, dass die Küsserei bereits ohne Komplikationen über die Bühne geht. Gut zu beobachen vor der Vorstellung von Lagerfeld Confidential. Das erklärt dann auch, warum die Film, in denen die Jury mitdrin sitzt mit leichter Verspätung beginnt. (rm)
Dienstag, 01. Oktober. - Zuschauerschwund?

Wo sind sie geblieben?
Den Bildern des Star-TV-Berichtli zu Folge, war das Le Paris nicht gerade sehr gefüllt am Montag abend zur Galapremiere von 42plus? Da wären wohl an einem normalen Kinomontag mit verbilligten Ticket fürs reguläre Programm ein paar Nasen mehr im Saal gewesen. Woran liegts? Haben die Zürcher schon den Festival-Overkill? Sind sie nach dem supergloriosen Eröffnungsabend schon so verwöhnt mit Promis, dass da ein, zwei Macherinnen eines österreichischen Films im Abendkleid schon nicht mehr ziehen? Verteilt sich dieselbe Anzahl Kinobegeisterter wie vor einem Jahr jetzt einfach auf mehrere Säle? Zumindest 2006 waren die Abendvorstellungen am ZFF immer rappelvoll. OutNow.CH ist gespannt, welche Zuschauerzahlen am Ende des Festivals kommuniziert werden. Wird der angepeilte Zuschauerrekord wirklich erreicht? Hier hat's Bilder vom 42plus-Galaabend (einfach ein bisschen scrollen) (rm)
Sonntag, 31. Sept. - Heute Ruhetag
Doch am Sonntag sollst du ruh'n
Unglaublich aber wahr. Heute ging Niemand von OutNow.CH ins Kino. (rm)
Samstag, 29. Sept. - Zurich ohne Ü

English Only
Kleine Verwirrung am Kinoschalter. Was ist denn nun eine "german-speaking premiere"? Als eine ältere Dame, die es offenbar auch nicht so geil findet, dass sich das Zürcher Film Festival ohne ü-Pünktchen schreibt, sich sich beim Kitag-Fräulein erkundigt, ob die Bezeichnung "german-speaking premiere" im Programmheft bedeutet, dass der nächste russische Film mit deutschen Untertiteln gezeigt wird, weiss es keine Antwort. Soviel zum Thema: Heute kann eh jeder Englisch, deshalb braucht es keine Untertitelung in einer Landessprache am Zurich Film Festival. (rm)
Tag, Freitag. 28. Sept. - Fäh-Fähns

Unser Mann in Hollywood
Kaum im Festivalzelt, trifft man schon einen Regisseur. Nicht gleich Oliver Stone, aber zumindest ein Schweizer in Hollywood. Nein, auch nicht Marc Forster, dessen Filme wohl immer noch eine Schuhnummer zu gross sind für eine Weltpremiere in Zürich, sondern Claudio Fäh, ein anderer Mann aus den Bergen. Charmant wie sich sein Urner Dialekt mit Moviemaking-Floskeln vermischt. Er erzählt uns brühwarm von den Dreharbeiten zu Starship Troopers 3 in Südafrika. Die wichtigsten Scoops hat db in einem Newsbeitrag zusammengefasst. (rm)
Donnerstag, 27. Sept. - Promis en Masse
Das Festival ist eröffnet
Von der Roten Teppich Sause zu Eröffnung berichtet maz/blitzkurier. Und db schoss die Bilder dazu. (rm)
Donnerstag, 27. Sept. - Ätschi-Badge
No Badge - No Fun
Die Akkrediterungsmisere geht weiter. Eine Stunde bevor die ersten OutNower im Festival-Zelt eintreffen, um sich persönlich vor Ort zu akkreditieren, gibt die Badgeproduktionsmaschinerie den Geist auf. Es wird also immer noch nichts mit der Akkreditierung, und wir werden auf morgen vertröstet. Zum Glück ist die Eröffnungsfeier auf Basis einer Einladung. (rm)
Freitag, 21. Sept. - Das Pre-Meeting

Gut geplant, ist halb geguckt
Man merkt, dass Zürich gleich um die Ecke liegt. Ganze sieben Mitmenschen wollen sich Zeit nehmen für das Festival. Einige haben sogar Ferien beim regulären Arbeitgeber eingereicht. Das schreit nach geordneter Koordination. Wer bekommt einen Festival-Badge? Welche Filme sind grundsätzlich wichtig? Wer schreibt schlussendlich zu welchem Film etwas? Hat jemand Lust auf Interviews? Am grossen Tisch im OutNow.CH-Büro wird debatiert - und zu fast allem eine Lösung gefunden. Nur dass die Online-Akkreditierung eine knappe Woche vor Festvalbeginn schon geschlossen wurde, trübt die Vorfreude. (rm)
