Meine schöne Bescherung (2007)
Interview mit Heino Ferch

Heino Ferch
Heino Ferch aus Bremerhaven ist ein gestandener Bühnenschauspieler. Er agierte unter anderem am Schillertheater Berlin, an der Mailänder Scala, am Burgtheater Wien und als Gast bei den Salburger Festspielen. Vor allem auch seine Fernsehrollen machten den Schauspieler populär. Event-Movies wie Der Tunnel, Das Wunder von Lengede und Die Luftbrücke konnten auf seine Mitarbeit bauen. Bei Meine schöne Bescherung gehörte er zu den treibenden Kräften. Er war einer der ersten, die für eine Rolle zusagten, und war sich auch nicht zu Schade für den Promotionsbesuch in Zürich. OutNow.CH traf ihn dabei wenige Stunden vor der Schweizer Premiere.
OutNow.CH (ON): Warum dauerte es so lange, bis man sich auch in Deutschland an den Weihnachtsfilm über eine dysfunktionale Familie wagte?
Heino Forch (HF): Es musste zuerst einmal ein Autor auf die Idee kommen, eine solche Geschichte zu verfassen.
ON: Was unterscheidet Meine Schöne Bescherung von den amerikanischen Weihnachtsfilmen?
HF: Der Film hebt in sich insofern ab, dass hier nicht irgendwelche Comicfiguren aus dem Untergrund auftauchen und wunderbare Dinge in Manhattan erleben. Es ist ein Film für Erwachsene mit schwarzem Humor. Nicht etwas, wo man jetzt mit seiner neunjährigen Tochter anschauen würde. Es hat diesen Touch von Billy Wilder, wo die Komik über das Drama funktioniert. Meine Figur muss mit allen Konsequenzen leben, hält die rechte Wange auch noch hin, wenn ihm links schon eine reingehauen wurde. Sie stellt sich immer neuen Bedingungen in dieser "polynuklearen Familienstruktur", die sich in unserer Gesellschaft eingefahren hat und hier sehr überspitzt dargestellt ist.
ON: Was reizte am Mitwirken in einem Ensemblefilm?
HF: Ich habe zuerst laut gelacht über den schwarzen Humor, als ich das Drehbuch las. Es war aber auch schnell klar, dass ich sechs Wochen meist mit 15 Schauspielern auf dem Set hocken würde. Aber ich bin teamfähig und gliedere mich gerne in ein Ensemble ein. Auch wenn jetzt Martina Gedeck und ich quasi das Hauptpaar darstellten, waren wir alles tolle Schauspieler, die sich mit Lust und Geduld an die Arbeit machten..
ON: Konnte bei der Arbeit oft improvisiert werden?
HF: Nein. Das Buch ist das Buch. Bei einer Komödie ist der Pfad der Balance viel schmaler als beim Drama. Da muss alles sitzen. Es gab aber Momente, wo wir das fiktive Leben der Figuren ausschmückten. Zum Beispiel als Jan Eva fragt, wie es ihrem Vater gehe, und sie antwortet, der sei doch tot.
ON: Mit Kindern zu drehen, gilt allgemein als schwierig. Wie verhielt es sich bei Meine Schöne Bescherung?
HF: Diese Kinder hatten bereits Erfahrung. Und wir hatten einen unglaublich guten Kindercoach. Mit Kindern darf und kann man nicht allzu lange arbeiten aus Kinderschutzgründen. Das bedeutet für die Produktion manchmal etwas mehr Stress. Aber ich muss hier nochmals ein Lob aussprechen für die optimale Betreuung der Kleinen.
ON: Kannten sie das schwedische Original?
HF: Nein, ich kannte In Bed with Santa nicht. Ich habe zuerst unser Drehbuch bekommen. Um die Beziehungslinien zu klären haben wir bei der Vorarbeit vieles mit den Schauspielern durchinszeniert.
ON: Wie feiert man im Hause Ferch Weihnachten?
HF: Nicht wie im Film, aber auch mit Freunden und Familie. Ich schaue, dass ich meine ideale Dosierung an Jingle Bells und Maroni bekomme, aber es darf kein Karneval werden, wo man sich eine Maske aufsetzen muss. Ich mag es, wenn ich mich in Ruhe absetzen kann.
ON: Stört es sie eigentlich, dass man ihnen "der deutsche Bruce Willis" sagt?
HF: Eine gewisse Ähnlichkeit besteht da ja. Ich glaube, es war ein Schreiber aus der Gala, der mich vor langer Zeit mal den "Bruce Willis aus Bremerhaven" nannte. Und das bleibt dann halt.




