Hot Fuzz (2007)
Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
Das Interview mit Edgar Wright

Edgar Wright
Edgar Wright war 2007 in Cannes nicht in offizieller Mission unterwegs, denn keiner seiner Filme wurde dort gezeigt, oder nahm am Wettbewerb teil. Auf die Frage, was er dort tue, antwortete der Englische Autor/Regisseur der "romantischen Zombiekomödie" Shaun of the Dead, er würde seinen Freund Quentin Tarantino unterstützen. Für diesen hatte er nämlich einen der vier berüchtigten Fake-Trailer für Grindhouse produziert. Wie wir alle wissen, landete sein Teilabschnitt "Don't" leider nicht in der Cannes-Version von Death Proof, welche man schlussendlich auch in den Schweizer Kinos sehen konnte. Da Wright gerade aus Amerika zurückgekommen war, wo er seinen letzten Film Hot Fuzz promoted hatte, hatte er trotzdem eine Menge zu erzählen. OutNow.ch setzte sich deshalb für einige Minuten i einem der Strandhäuser auf der Croissette zu ihm. Hier das Interview mit einem wahren Filmfreak.
OutNow.CH (ON): Könntest Du einem Nicht-Muttersprachler erklären, was Hot Fuzz bedeutet?
Edgar Wright (EW): Fuzz ist eine alte amerikanische Bezeichnung für die Polizei, die bereits in einigen Filmen verwendet wurde. Ich denke, sie stammt aus den 30er Jahren in New York, als die überwiegend Irischen Polizeikräfte Schnäuze und Bärte trugen, und die Leute sagten, hier kommt der "Gesichts-Flaum" (Fuzz = eig. Flaum). Ich fand schon immer, dass dies ein cooler Name für die Polizei ist. Wenn ich ein Polizist wäre, würde es mich nicht stören, so genannt zu werden.
ON: Gibt es andere Filme, die diesen Ausdruck in ihrem Titel verwenden?
EW: Ja. Fuzz ist die Adaptation einer Ed McBain Geschichte mit Burt Reynolds und Raquel Welch, die 1972 ins Kino kam. Und Superfuzz (dt. Titel Der Supercop) ist ein italienischer Film mit Terence Hill. Aber Hot Fuzz bedeutet eigentlich gar nichts. Es ist einfach ein Titel, der aus zwei Wörtern besteht, so wie er bei all diesen Actionfilmen anzutreffen ist. Wir gingen sogar so weit, dass jedes Kapitel auf der DVD einen eigenen Zwei-Wort-Titel hat: Extreme Service, Administrative Decision, Total Bullets und so weiter. Wenn es ein Steven Seagal Film gewesen wäre, hätte es drei Wörter benötigt.
ON: Woher kommt deine Faszination für Polizeifilme?
EW: Zu der Zeit, als ich aufwuchs, gab es in Grossbritannien nicht allzu viele Polizeifilme, nur einige Fernsehserien. Und die Gegend, aus der ich kam, war ziemlich ruhig. Wenn ich also Filme im Fernsehen schaute wie Dirty Harry oder Bullit, war mir das so fremd wie ein Science Fiction Film. Es war so weit entfernt von meinen Lebenserfahrungen.
ON: Du hast Hot Fuzz in der Stadt gedreht, wo du aufgewachsen sind. Gibt es im Film irgendwelche Angehörige von dir zu sehen?
EW: Meine Mutter ist zu sehen. Sie spielt eine der Offiziellen des "Städtchen des Jahres"-Komitees. Auch mein alter Drama-Lehrer aus der Schule ist dabei. Und der Typ, der die lebendige Statue spielt ist einer meiner alten Freunde, der bereits in meinen Amateurproduktionen zu sehen war.
ON: War die Stadt stolz, dass du zurückgekommen sind, oder empfanden es die Leute eher als eine Störung ihres Alltags?
EW: Ich denke ein wenig von beidem. Die Leute waren aufgeregt und auch ein bisschen amüsiert über die Störung. Der fertige Film gefiel ihnen aber.
ON: War es schwierig, Schauspieler wie Timothy Dalton und Jim Broadbent für die Produktion zu begeistern?
EW: Jim Broadbent kam bei den BAFTA-Awards von selbst zu uns. Nachdem er Shaun of the Dead gesehen hatte, teilte er uns mit, dass wir es ihn wissen lassen sollten, falls wir je eine Rolle für ihn hätten, also schrieben wir eine für ihn. Timothy Dalton wurde durch seinen Agenten angefragt. Da er Shaun of the Dead mit seinem Sohn in Amerika gesehen, und den Film geliebt hatte, sagte er zu.
ON: Wieso Timothy Dalton? In der Schweiz kennt man ihn fast nur als James Bond?
EW: Ich dachte schon immer, dass er ein brillanter Schauspieler ist. Und man hat ihm nicht in vielen Filmen die Möglichkeit gegeben, witzig zu sein. Der Film, in dem ich ihn am meisten mochte, war Flash Gordon. Timothy ist ein sehr berühmter Schauspieler, der komischerweise in den letzten zehn Jahren zu wenig besetzt wurde. Es war toll mit ihm zu arbeiten und ich hoffe das sieht man im Film.
ON: Kamst Du eigentlich während deiner Recherche bei der Polizei wirklich mit Leuten in Berührung, die so waren wie Nicholas Angel?
EW: Ja. Tatsächlich ist der Bruder eines meiner besten Freunde genauso wie er. Viele Prinzipien, sehr fleissig, universitärer Hintergrund, Vegetarier, fährt Fahrrad... So eine Art Superbulle im wahrsten Sinne des Wortes.
ON: Gab es irgendwelche Kommentare von der Britischen Polizei?
EW: Soweit ich gehört habe, haben sie den Film geliebt. Ich habe mit vielen Polizeioffizieren gesprochen, die wir interviewt haben. Auf der britischen DVD ist sogar ein Kommentar von zwei richtigen Polizisten drauf, der urkomisch ist.
ON: Deine Zusammenarbeit mit Simon Pegg begann mit Spaced. Die Serie kam nie auf auf einer dt. DVD heraus oder ins deutschsprachige Fernsehen. Weisst du wieso?
EW: Nein. Anders als bei Shaun oder Hot Fuzz haben wir da nicht wirklich viel Kontrolle, wie die Sachen verteilt werden. Ich weiss nicht einmal, in welchen Ländern Spaced gezeigt wurde, und in welchen nicht.
ON: Um das Interview zu beenden, würde ich dir gerne einige Stichworte liefern, und du sagst mir einfach, was dir darauf als erstes in den Sinn kommt.
EW: Wort-Assoziierungen. Ok!
ON: Liebligs-Bullenfilm
EW: Dirty Harry
ON: Jerry Bruckheimer.
EW: Unterschätztes Genie
ON: Simon Pegg
EW: Einer der nettesten Typen im Geschäft
ON: Das Festvial von Cannes
EW: DIE Party-Zentrale
ON: Britischer Humor
EW: Die Komödie der Unbeholfenheit
ON: Das Internet
EW: Süchtig machend
ON: Die Schweiz
EW: Sehr sauber. Ich war da, vor einigen Jahren in Montreux, als Spaced für die Goldene Rose nominiert war.




