Grounding - Die Letzten Tage der Swissair (2006)

Das Interview mit Michael Sauter und Tobias Fueter (Drehbuchautoren)

Fueter und Sauter

Fueter und Sauter

Der Durchbruch gelang Michael Sauter mit den Drehbüchern zu Achtung, Fertig, Charlie! und Strähl. Seither wirkte er bei zahlreichen Schweizer Spielfilmproduktionen als Autor mit, so etwa bei Mein Name ist Eugen und zuletzt bei Snow White. Bei Grounding war er einer von fünf Co-Autoren. Mit ihm schrieb auch Tobi Fueter am Drehbuch mit. Er realisierte nach dem Studium in New York diverse Kurzfilme und Musikvideos (u.a. Tamy, Martin Schenkel, Adrian Weyermann). 2003 erhielt einen Edi für seinen Kurzfilm für das Winterthurer
Kurzfilmfestival. Seit 2004 führt er Regie bei der erfolgreichen Swisscom-Werbe- Sitcom Beck & Bondi, für die er 2005 mit zwei Edis ausgezeichnet wurde. Einen weiteren bekam er für den Schnitt des Grounding-Trailers. Auch der Schnitt Grounding und Mein Name ist Eugen stammt von Tobi.

OutNow.CH (ON): Insgesamt teilen sich fünf Personen den Credit des Drehbuchautoren. Wer machte da genau was?

Sie teilten sich die Arbeit auf

Sie teilten sich die Arbeit auf

Tobias Fueter (TF): Das lässt sich leicht in Phasen aufteilen. Ganz klassisch fing Jürg Brändli mit dem Schreiben des Buchs für den Film an. Dann gab PC Fueter, der Produzent, den Auftrag das Buch für einen Brainstorm in eine Gruppe mit mir, Michael Sauter und René Lüchinger, dem Bilanz-Chefredaktor, zu geben. Da merkten wir, dass es immer auf der Wirtschaftsebene lief mit Mario Corti als tragischem Helden. Mit dem Fokussieren des Themas Grounding auf nur eine Person wurde das Thema wie zu klein. Da kam mir Traffic in den Sinn, wo ein sehr komplexes Thema wie "Drogenhandel" auch in zwei Stunden Film gepasst hat. Auch das Grounding ist eigentlich "way too big", aber es gibt einen "device" den man benutzen kann, um das zu umgehen. Du nimmst das Grounding als zentrales Element und gruppierst darum herum verschiedene Figuren, die alle einen anderen Zugang zum Thema haben. Plötzlich werden die Figuren klar. Jeder hat seine einzelne klare Funktion. Nun hatten wir mit Corti, Ospel und Mühlemann aber alles Figuren, die eigentlich dasselbe machten. Aber wir hatten kein einziges richtiges Opfer, das unter den Auswirkungen tatsächlich litt. Die Leute, die sich dreissig Jahre für die Firma abrackerten und nun auf der Strasse standen. Stell dir vor, was es für ein Film geworden wäre, wenn man das ausgeklammert hätte. So gingen im letzten und erlösenden Schritt der Regisseur Michael Steiner und Michael Sauter nochmals das ganze Drehbuch durch und haben dann vor allem die soziale Komponente des Dramas rein gebracht.

ON: Alles im Drehbuch musste immer von mindestens zwei verschiedenen Quellen unabhängig voneinander bestätigt werden. Wart ihr beide selber auch an den Recherchen beteiligt?

TF: Jeder ist einmal im Internet gewesen und hat recherchiert.

Michael Sauter (MS): Meistens war es beim Schreiben so, dass man zum Punkt kam, wo man unbedingt wissen musste, was an einem bestimmten Abend während des Groundings genau lief. Da musste dann jeweils jemand vom Produktionsbüro der Sache nachgehen.

TF: Meistens wusste dann René Lüchinger jeweils noch, wer wen kannte und welche Schublade da geöffnet werden musste.

ON: Gleichzeitig gab es bekanntlich auch die Auflagen des Bundesamtes für Kultur. Musstet ihr diese auch beachten beim Schreiben?

MS: Nein. Das betraf vor allem den Produzenten.

ON: Wie hat euch der Film gefallen? Vor allem Michael Sauter hat ihn heute wohl zum ersten Mal gesehen.

Der Lausbub unter den CH-Drehbuchautoren

Der Lausbub unter den CH-Drehbuchautoren

TF: Stimmt. Ich hab ihn beim Schneiden schon tausend Mal gesehen.

MS: Was soll ich sagen? Ich finde es einfach "the best film ever in this country"! (Er lacht).

TF: Obergeil und zwar für jedermann. Nicht nur nur für Swissairler und Wirtschaftsfreaks. Ich will nicht, dass die Leute Berührungsängste haben. Die Leute heute an den Premieren lieben den Film. Aber es schockiert mich, dass sie sagen, er sei besser als erwartet.

ON: Das hört man beim Schweizer Film andauernd. Viele haben Eugen halt immer noch nicht gesehen und merken nicht, dass das Level höher gesetzt wurde.

MS: Das Level ist eben nicht nur höher, sondern sehr hoch!

So sehen stolze Menschen aus

So sehen stolze Menschen aus

TF: Ich bin wirklich stolz. Auf allen Ebenen. Der Film kommt auch nicht mehr kompliziert rüber. Es war ja eigentlich eine furztrockene Materie, aber die Kamera hat einen Hammerjob gemacht.

MS: Auch die Mischung aus Doku und Fiktion hat sehr gut funktioniert.

TF: Alle haben gesagt, ihr spinnt ja. Wenn ihr den echten Ospel neben dem Schauspieler zeigt, wird das in sich zusammenfallen. Und das ist nicht passiert.

MS: Wir haben oft voll auf Risiko gesetzt, das Level extra hoch angesetzt und gesagt, dass schaffen wir.

17.01.2006 / rm