Grounding - Die Letzten Tage der Swissair (2006)

Das Interview mit Hanspeter Müller ("Mario Corti")

Hanspeter Müller

Hanspeter Müller

Hanspeter Müller-Drossaart ist,
bekannt aus Film, Fernsehen und Theater. Er war schon in zahlreichen Schweizer Produktionen in grossen
Rollen zu sehen. So etwa bereits 1991 in Brandnacht von Markus Fischer
oder 1998 in Vollmond von Fredi Murer, Zwischen 1999 und 2001 spielte er in
Lüthi und Blanc, bevor er dem Ruf des Wiener Burgtheaters folgte und die Schweiz
verliess. Inzwischen ist er wieder zurück, agierte in Big Deal, Sternenberg und
Jeune homme. Bald zu sehen sein wird er als kiffender Bundesrat im neuen Film, der von Ruth Waldburger produziert wird. In Grounding spielt Müller-Drossaart den Swissair Konzernchef Mario Corti.

OutNow.CH (ON): Weisst du noch, wo du warst, als das Grounding stattgefunden hat? Oder wie du das miterlebt hast?

Hanspeter Müller (HM): Nein, aber das sind ja grad zwei Fragen auf einmal. Aber ich weiss es nicht mehr. Ich bin das schon oft gefragt worden, wie du dir vorstellen kannst. Denn es gibt ja diese journalistische Norm, welche Fragen man stellen darf. Ich weiss es aber echt nicht. Ich könnte zwar nachgucken in meiner Agenda, wo es sicher steht, aber irgendwie hab' ich Scheu davor. Aber vielleicht guck' ich jetzt wirklich mal nach. Wie es war, weiss ich aber noch genau. Es war sehr irritierend und verunsichernd, und es schien so, als würde man mir etwas wegnehmen.

Ja. Mit Salami, bitte.

Ja. Mit Salami, bitte.

ON: Wenn man so die Schweizer Filme der letzten Zeit anguckt, Sternenberg, Ferienfieber, Jeune Homme, Grounding und bald Remo und der Bundesrat, es scheint keinen Film ohne dich zu geben.

HM: Doch, in Snow White oder Vitus bin ich nicht dabei...

ON: Okay, es gibt ein paar wenige. Aber an was liegt's, dass du momentan so durchstartest?

HM: Das liegt an verschiedenen Faktoren. Es wird erstens mehr produziert. Dann machen viele Regisseure, die ich kenne, momentan Filme. Christoph Schaub kenne ich auch sehr gut und es ergibt sich dann halt meistens, dass man auch mit diesen Leuten wieder Filme dreht.

ON: Hast du Herrn Corti schon mal getroffen? Hat er Einfluss auf die Rolle gehabt oder kennst du ihn halt einfach aus dem Fernsehen?

HM: Du machst es mir nicht einfach, denn das waren schon wieder drei Fragen auf einmal. Aber ich kann die ohne weiteres beantworten. Nein, ich hab ihn nicht getroffen und wollte das auch nicht. Aus dem einfachen Grund, dass wir beide nicht in einen Loyalitätskonflikt kommen. Er mag mich, ich mag ihn und dann darf er das nicht mehr schlecht finden, was ich mache. Und umgekehrt. Ich wollte diese Nähe nicht vor dem Film. Das ist eine Frage des Respekts gegenüber einer Person, die man darstellt. Und Einfluss hat er insofern gehabt, dass er existiert. Denn wäre er nicht so geworden, wie er ist, und hätte er nicht diese Situationen zu bewältigen gehabt, hätte ich auch nichts zum darstellen gehabt.

ON: Wer hat in deinen Augen Schuld am Grounding?

Ohne Maske, verstehen sie sich bestens.

Ohne Maske, verstehen sie sich bestens.

HM: Wenn man die Schuldfrage ansprechen will glaube ich, dass es ein Zusammenwirken von vielen verschiedenen Interessen der Gesellschaft war. Wir Schweizer, und auch die Leute, die wir in wichtige Ämter gewählt haben und die für unser Land schauen sollten, haben einfach zu wenig gut geschaut, dass die Swissair genügend kontrolliert wird. Die Frage, wer denn überhaupt nach der Swissair schaut, wurde viel zu wenig gestellt. Es wurde zuwenig hinterfragt und sich darum gekümmert. Und dass es schliesslich soweit kommen musste, war wohl eine Zusammenarbeit respektabler und personeller Interessen, sowie Fähigkeiten und ein grosses Vakuum in der demokratischen Kontrolle.

ON: Also sind wir eigentlich alle ein bisschen schuld daran?

HM: Ja, denn jahrelang haben wir geglaubt, dass die da oben schon wissen, wie man eine Fluggesellschaft zu führen habe, und dass die das sicher nicht falsch machen. Und dabei sieht man, dass dort seit Jahren schon gemauschelt wird.

ON: Von all deinen Filmen, ist Grounding der Wichtigste?

HM: Es ist ganz ein Wichtiger, das ist klar. Denn wenn ich sehe, wie er bezüglich der Filmerzählung in unserem Land einen neuen Maasstab setzt, dann ist das ein sehr wichtiger Film. Ob's der wichtigste Film für mich persönlich war, kann ich nicht sagen. Natürlich finde ich alle meine Arbeiten wichtig, weil immer jemand dahinter steht, der etwas erzählen will.

Mit Toupet in Jeune Homme

Mit Toupet in Jeune Homme

ON: Du hast Jeune Homme gleich vor Grounding gedreht. War das der Grund, warum du da eine solch auffällige Perücke tragen musstest?

HM: Das ist ja selbstredend so. Ich komme aus der Produktion und habe eine Glatze. Und da man nicht will, dass sich Personen ähneln, müssen halt Perücken her. Vor Jeune Homme hab' ich noch einen Film fürs Fernsehen gedreht, Der Keiler, und auch dort waren Perücken notwendig. Mario Corti hat sich also ausgewirkt auf meine anderen Rollen.

ON: Dann hab ich noch ein paar Pop-Up-Fragen.

ON: Swissair

HM: Vorbei

ON: Schweizer Film

HM: Steigt auf

ON: Kiffende Bundesräte

HM: Ist auch eine Möglichkeit (Er grinst)

ON: Swiss

HM: Leider einfach ein Brand der Lufthansa

ON: Krisenmanagement

HM: Kann man besser machen

Gestatten, Mario Corti.

Gestatten, Mario Corti.

ON: Flugangst

HM: Mischt sich meist mit Fluglust

ON: UBS

HM: Ich werde mein Privatkonto dort auflösen und zwar, weil's keine Zinsen mehr gibt.

ON: Super Mario

HM: (Er lacht.) Ehm, ein Spiel für Kinder

ON: OutNow.CH

HM: Hab ich zum ersten Mal gesehen. Aber sehr sympathisch. Hast du eine Visitenkarte? Dann guck' ich mir das mal in aller Ruhe an.

17.01.2006 / muri