Saint-Jacques... La Mecque (2005)
Saint Jacques - Pilgern auf Französisch
Interview mit Coline Serreau
Die Gespräche mit den Vertretern der Hochkulturmedien hatte Coline Serreau alle bereits hinter sich, als OutNow.CH den letzten Interviewtermin vor der Deutschschweizer Premiere in Zürich wahrnahm. Die aufgeweckte Französin machte sich noch einmal frisch für unseren Fotografen und interessierte sich brennend für die geschossenen Bilder. Da sie keine aktuellen Portraits von sich hatte, wollte sie die Gelegenheit gleich nutzen, und auf unsere zurückgreifen. Einen Wunsch, den wir ihr gerne erfüllt haben.
In die Schweiz kam die Regisseurin, die mit Drei Männer und ein Baby einen Welthit landete, wegen ihres neusten Films Saint Jacques - La Mecque: Ein Film über unfreiwillige Pilger auf dem Jakobsweg, welcher im kleinen bestens unterhält und im grossen auch noch Schlaues über die Welt zu sagen hat, in der wir leben.
OutNow.CH (ON): Bist du selber schon mal nach Santiago de Compostela gepilgert?
Coline Serreaux (CS): Nicht zum eigentlichen Zweck. Für das Location Scouting für den Film sind wir die Strecke aber in etwa vier mal abgewandert. Ich wandere zwar gerne, aber diese Strecke habe ich bisher noch nicht gemacht.
ON: Was war der ursprüngliche Kern der Geschichte von Saint Jacques...La Mecque? Der Jakobsweg oder die drei Geschwister.
CS: Beides war von Anfang an dabei. Es sollte eine Allegorie auf unsere Gesellschaft werden.
ON: Repräsentiert die Pilgergruppe nur die französische Gesellschaft?
CS: Nicht nur die französische Gesellschaft. Man könnte sagen, dass es mit der Familie beginnt, dann das Land, danach ganz Europa und schliesslich die Welt, die Kriege darin und so weiter.
ON: Könnte man das noch ein bisschen genauer haben?
CS: Die Erklärungen zu finden, überlasse ich lieber dem Publikum. Wenn man es nur als Film über eine Familie sehen will, ist das für mich auch ok. Ich muss nicht alles vorkauen.
ON: Was ist denn die Rolle der Holländer im Film? Einfach nur ein Störfaktor oder steckt da auch ein bisschen das französische Verhältnis zum Rest von Europa dahinter?
CS: Nein. Die sind einfach sehr laut. Die Franzosen sind im Ausland manchmal auch sehr laut. Das ist nicht direkt gegen die Holländer gerichtet.
ON: Was hat es mit dem Geschäftsmann von France Telecom auf sich?
CS: Das wird hoffentlich als ein etwas grösserer Seitenhieb auf die Geschäfstleute von heute verstanden - vor allem die jungen. Es gibt Heerscharen, die wie der im Film agieren. Man sieht sie ständig. In den Zügen, in Flugzeugen, überall.
ON: Nehmen die schnellen Dialoge schon im Stadium des Scripts Formen an oder entwickelt sich das erst mit den Schauspielern?
CS: Es gibt in meinem Film keine Spur von Improvisation. Alles steht schon im vorraus auf den Seiten des Scripts. Alles wurde auch geprobt in den zwei Monaten vor dem eigentlichen Drehbeginn für jeweils vier Stunden am Tag.
ON: Wurden die Landschaften auch bewusst ausgesucht?
CS: Dafür gingen etwa vier Monate drauf. Es war keine Zuckerschlecken, die geeigneten wunderschönen Drehorte zu finden. Das Hauptproblem war das Licht. Eine Landschaft ist nur in einem bestimmten Lichtverhältnis schön. Das war schwierig zu bewerkstelligen, weil uns nur Naturlicht zur Verfügung stand - und das lässt sich bekanntlich nicht steuern. Alles musste geplant sein, weil ein Ort vielleicht nur zwischen acht und elf Uhr der richtige war. Ausserdem ändert die Sonneneinstellung das Jahr über. Wurde im Juni gescoutet, war beim Dreh im August das Licht schon wieder ein bisschen anders. Filmen als astronomisches Problem.
ON: Oft wart ihr beim Dreh ja inmitten vom Nirgendwo. Das ist sicher auch logistisch nicht einfach?
CS: Für jede Szene gab es einen anderen Drehort. Teilweise wurde das Material von Eseln transportiert, weil die Wagen da nicht hinkamen. Wir arbeiteten aber auch mit einer sehr kleinen Crew mit nur dem allernötigsten. Es gab ein Lager, wo das ganze Equipment bereitstand, worauf wir für einen der Drehs zurückgriffen.
ON: Schon zwei deiner Filme sind oder werden von den Amerikanern nochmals gedreht. Wieso ist das deiner Meinung nach nötig?
CS: Der amerikanische Markt verschliesst sich dem ausländischen Film fast komplett. Das ist eine Realität, der man sich stellen muss. Gleichzeitig brauchen sie aber Ideen. Sie haben zwar selber welche, können aber mehr gebrauchen. Deshalb kaufen sie einfach ein, was ihnen gefällt.
ON: Jetzt da Chaos als Remake mit dir auf dem Regiestuhl in Vorbereitung ist, gibt es bei der Arbeit mit den Amerikanern etwas besonderes zu beachten?
CS: Das hängt ganz davon ab, mit wem man zusammenarbeitet. Chaos war zuerst mal bei HBO, welche dem Regisseur einige Freiheiten lassen. Nun gab es aber einen Wechsel an der Spitze des Studios und der Neue sträubt sich erstmal die Projekte seines Vorgängers weiterzuführen. Deshalb ist das Remake bis auf weiteres auf der Warteliste. Meryl Streep ist aber immer noch interessiert.
ON: Ist auch Aishwarya Rai noch interessiert?
CS: Auch sie ist immer noch dabei. Eine wunderbare Schauspielerin. Aber in einem Jahr werden wir mehr wissen. Der Wechsel bei HBO hat den Film ein bisschen verzögert.





