The Illusionist (2006)
Interview mit Neil Burger
Neil Burger ist der Autor und Regisseur von The Illusionist mit Edward Norton, Paul Giamatti und Jessica Biel. Sein Drehbuch basiert auf der Kurgeschichte "Eisenheim the Illusionist" des Purlitzerpreisträgers Steven Millhauser. Obwohl er schon in den 1980er Jahren mit Filmen begann, ist dies erst sein zweiter Spielfilm nach der Mockumentary Interview with the Assassin. Burgers Kostümfilm wurde zum Eröffnungsfilm des Zurich Film Festival 2006 erkoren worden. Deshalb kam er nach Zürich, wo OutNow.CH ihn in einem Hotelzimmer traf - nur wenige Stunden vor der Premiere am roten Teppich.
OutNow.CH (ON): Wie bist du auf Steve Millhousers Kurzgeschichte "Eisenheim - The Illusionist" gestossen?
Neil Burger (NB): Das war 1990 oder 1991, etwa um die Zeit, als die Kurzgeschichte publiziert wurde. Ich erinnere mich zwar nicht weshalb, aber ich las sie da zum ersten Mal. Ich wusste, dass es ein guter Film werden würde, doch die Umsetzung war mir vor 16 Jahren leider noch verwehrt gewesen.
ON: Was im Speziellen faszinierte dich an der Geschichte?
NB: Es war dieses Gefühl, mit etwas Unerklärlichem konfrontiert zu werden und wie dies deine Wahrnehmung verändern kann. Es handelt sich um eine wahre Geschichte aus jener Zeit mit einem unheimlichen Anstrich - nichts ist so wie es scheint!
ON: Musstest du die Geschichte in irgendeiner Weise verändern, um daraus einen Film machen zu können?
NB: Ziemlich viel sogar. Die Geschichte ist wirklich recht kurz - nur um die 20 Seiten lang. Und, obwohl sie gut verfilmbar und wunderschön ist, besitzt sie nicht unmittelbar eine für eine Verfilmung erforderliche Struktur. Also erfand ich die Figur der Sophie und den Kronprinzen. Ich tat dies, da die Geschichte damit endet, dass Eisenheim wegen "Verwischens der Unterscheidung von Kunst und Realität" verhaftet wird. Das ist eine sehr fetzige Idee, aber dennoch zuwenig, um den emotionalen Höhepunkt des Filmes daran festzumachen. Ich wollte die Idee beibehalten und sie gleichzeitig grösser und opernhafter machen.
ON: Zwischen der Magie des Kinos und der Magie auf einer Bühne besteht ein Unterschied. Hat Edward Norton einige Zaubertricks eigenhändig ausgeführt?
NB: Das Schwierige ist, dass das Kino einen ja auch verzaubert bzw. manipuliert und zudem viele die Tricks erahnen - die Zuschauer wissen heutzutage ungemein viel über digitale Effekte und über Methoden des Editings. Deswegen wollte ich, dass alle Tricks im Film auf den realen magischen Tricks der damaligen Zeit basieren. Folglich sind alle kleinen Tricks, die Edward Norton oder der Junge vollführen, echt - sie lernten wie sie funktionieren. Ansonsten versuchten wir entweder die Illusionen auf jene Art entstehen zu lassen, wie sie damals vollbracht wurden oder sie auf der Bühne "in camera" aufzubauen - ohne CGI. Damit sind wir meistens erfolgreich gewesen. Manchmal konnten wir jedoch aus Budget- oder Zeitgründen nicht alles gemäss unseren Plänen durchführen. Der Orangenbaum, zum Beispiel, ist nur zur Hälfte mechanisch. Der Rest ist CGI.
ON: Für viele der Schauspieler war es die erste Erfahrung in einem Kostümfilm. Wie gingen sie damit um?
NB: Sie mochten es. Edward, Paul und Jessica erzählten mir, dass sie sich wohl fühlten in diesen Kostümen. Natürlich sind Paul und Edward Schauspieler, die für gewöhnlich ihre Rollen "von innen nach aussen" darstellen. In diesem Fall hingegen half es ihnen sehr, sich mit diesen schweren wollenen Kleidern zu verkleiden. Jessica ging es genauso. Sie trug während der ganzen Zeit über ein Korsett. Und das ist nun wirklich kein sehr angenehmes Kleidungsstück.
ON: Wie empfandest du das den Filmdreh in Europa?
NB: Wir drehten in Prag, einer wunderschönen Stadt, die Wien (die eigentliche Stadt in der Kurzgeschichte) sehr gut repräsentiert. Wohin man auch hinschaut, man glaubt sich im 19. Jahrhundert zu befinden - das war sehr hilfreich für die Schauspieler und mich. Und obwohl jede aufgenommene Szene mühevoll der Zeit angepasst werden musste, machte es Spass.
ON: Der Film sieht sehr speziell aus auch von den Farben her.
NB: Als ich das Drehbuch schrieb, wusste ich, dass ich den Stil eines selbstgekurbelten Films rüberbringen möchte - ähnlich der Technik, die bei den alten Stummfilmen wie Nosferatu verwendet wurde. Jene Filme haben eine schaurige Athmosphäre. Und nicht nur, weil mein Beispiel ein Vampirfilm war. Das Erscheinungsbild hat etwas sehr irritierendes. Wir wollten, dass unser Film einen solchen Touch erhält. Deshalb benutzte ich diese alte Filmtechniken wie Vignettierung, Blende schliessen und Flimmern. Dasselbe mit den Farben. Der Film spielt im Wien des 19. Jahrhunderts. Dem wollten wir so nahe wie möglich kommen, aber dennoch sollte das Visuelle auch träumerisch und mysteriös wirken. Die Autochromplatte entspricht einem frühen farbfotografischen Prozess. Die Aufnahmen von damals sahen unterschiedlich aus, da der Prozess sehr instabil war. Dennoch gibt es solche, die sind unglaublich schön. Und auf diesen basiert der Film.
ON: Welche Bedeutung hat es für dich, dass der Film am Zürich Film Festival gezeigt wird?
NB: Das ist wunderbar und sehr aufregend - es ist eine Ehre für mich, dass mein Beitrag das Festival eröffnen darf. Zürich ist eine wunderbare Stadt, die nun ein junges Filmfestival aufweist. Es ist spannend, ein Teil einer wachsenden und sich noch formenden guten Sache wie das Filmfestival zu sein. Und ich bin noch nie in Zürich gewesen.





