Elementarteilchen (2006)
Das Interview mit Moritz Bleibtreu (Bruno)
Berlin ist ihm viel zu wild, seine Wurzeln bleiben nach wie vor in Hamburg, wo die Welt noch immer dieselbe ist. Moritz Bleibtreu ist einer der bekanntesten deutschen Schaupieler. Bekannt wurde das Multitalent in diversen TV-Spielfilmen, sowie durch Streifen wie Knockin' On Heaven's Door, Das Experiment, oder noch früher durch Lola rennt, mit dessen Filmpartnerin Franka Potente er nun wieder auf der Leinwand zu sehen ist. Obwohl er sein Metier nach wie vor in Deutschland sieht, schnupperte er kürzlich Hollywoodluft in Spielberg's neustem Kind, Munich.
OutNow.CH (ON): Nach Agnes und seine Brüder arbeitest du nun schon zum zweiten Mal mit Oskar Roehler zusammen. Hat dir die Zusammenarbeit so gefallen?
Moritz Bleibtreu (MB): Ja, ich bin ein grosser Freund von solchen Teams, die sich auf Anhieb verstehen. Ich halte sehr viel davon, weil ich immer unheimlich von so einer Arbeit profitiere. Bei diesem Film zum Beispiel merkt man, dass man gar nicht mehr miteinander reden musste. Das wichtigste an einem Regisseur ist, dass er seine eigene Wahrheit und seine eigenen Möglichkeiten hat, und das hat Oskar. Es gibt wenig Leute in Deutschland, die so eine eigene Weltanschauung haben wie Oskar. So lernt man auch jeden Tag wieder etwas neues über die Welt, weil er sie aus anderen Augen sieht. Das ist sehr spannend.
ON: Hast du das Drehbuch oder den Roman zuerst gelesen? Und wann sind bei dir die Würfel gefallen, wo du sagtest, ja, das mach ich?
MB: Oskar hat mir davon erzählt als er am vorbereiten war, das war noch während der Dreharbeiten von Agnes und seine Brüder. Er hat dann gefragt, ob mich das interessieren würde. Ich dachte zuerst, das geht gar nicht. Doch ich war schwer beeindruckt, als ich das erste Drehbuch las. Unabhängig davon, wieviel Freiheit sich der Film nimmt, Dinge anders zu machen als im Roman. Alleine davon, dass eine Filmstruktur entstanden ist, die so gut funktioniert. Das finde ich schon eine Leistung. Wenn es in Deutschland einen Preis für das beste adoptierte Drehbuch gäbe, hätte Oskar diesen Preis sicher gewonnen.
ON: Die Parallelen zu der Figur in Agnes und seine Brüder sind ja schon sehr stark vorhanden.
MB: Absolut. Das war bei der Rollenauswahl ein ganz entscheidender Punkt. Agnes und seine Brüder ist ein bisschen wie ein Blueprint für Elementarteilchen, wie zwei Seiten derselben Medaille. Und da hab ich mich auch das erste Mal geziert, ich wusste gar nicht, ob das auch richtig ist, und ob das überhaupt einer sehen will. Diese Gedanken habe ich aber bald wieder verworfen.
ON: Hattest du Scheu vor den Szenen im Swingerclub?
MB: Ja, da braucht es ein bisschen Überwindung. Ich fand es schon unangenehm. Doch ich hatte Riesenglück, mit meiner grossartigen Kollegin Martina Gedeck, die mal, davon abgesehen dass sie das hinreissend spielt, mir auch echt total geholfen hat. Aber es ist etwas, woran ich mich nie gewöhnen werde.
ON: Themawechsel. Deine letzten Rollen waren eher ernster Natur. Gibt es bald wieder eine Rolle im Stil von Knockin on Heaven's Door?
MB: (lacht) Da musst du nicht mich fragen, sondern die deutsche Filmindustrie. Es ist halt nun mal so, dass es in Deutschland richtiges Genrekino nun mal immer noch nicht gibt, und man es sich als Schauspieler gar nicht so aussuchen kann, welche Genres man nun spielt. Es ist ja nicht so, dass ich mir sage, so jetzt mach ich mal einen ernsten Film, dann wieder mal eine Komödie. Das würde ich natürlich gerne, wenn das ginge. Es ist für mich einfach wichtig, in Filmen zu spielen, die etwas zu erzählen haben.
ON: Nun die Keywords. Antworte möglichst kurz und möglichst schnell auf die folgenden Wörter.
ON: Spielberg.
MB: Noch nie jemanden gesehen, der so viel Spass beim Filmemachen hat, wie er.
ON: Schweiz
MB: Sehr nett. Es gibt in Zürich ein Lokal, im dem man geiles Zürcher Geschnetzeltes bekommt.
ON: Internet

Winntertyp Bleibtreu
MB: Der Hammer! Fürs Schreiben und Recherchen eine Offenbarung.
ON: Swingerclubs
MB: Keine Ahnung davon. Aber jedem das seine.
ON: Berlin
MB: Tolle Stadt, aber mir zu wild.





