46 Oku Nen No Koi (2006)

Big Bang Love, Juvenile A

Das Interview mit Masanobu Ando ("Shiro Kazuki")

Masanobu Ando

Masanobu Ando

Googelt man im Web nach Masanobu Ando, fallen die inhaltlich aussagekräftigen Resultate ziemlich kläglich aus - es sei denn, User und Computer sind der japanischen Schrift mächtig. Während die Internet Movie Database gerade mal das Geburtsdatum und den Geburtsort des Schauspielers - 19. Mai 1975, Kanagawa, Japan - verrät und eine Filmographie von zweiundzwanzig Werken listet, weiss die freie Enzyklopädie Wikipedia immerhin auch noch, dass Ando für seine Rolle in Takeshi Kitanos Kids Return den "Film Academy of Japan's Best New Actor Award" gewann. Je nach Quelle wird der vielseitige Schauspieler zudem wahlweise als die japanische Version von Brad Pitt, Leonardo DiCaprio oder Johnny Depp bezeichnet.

In der direkten Begegnung merkt man von all dem nichts. Der sympathische junge Mann spricht leise, wirkt ruhig und distanziert, fast schon scheu. In der Fragestunde, die dem Berlinale-Screening von Big Bang Love, Juvenile A folgte, war Ando so nervös, dass er sich beim Sprechen verhedderte und dem Publikum via Übersetzerin mit einem verschämten Lächeln mitteilen liess, dass er vor lauter Aufregung den Faden verloren habe.

Das persönliche one-to-one Interview mit Masanobu Ando kam überraschend zustande. Ob man auch noch mit einem der Schauspieler sprechen möchte, fragte man uns im Anschluss an das Gespräch mit dem Big Bang Love-Regisseur Takashi Miike. Klar wollten wir! Und stellten unsere Fragen mangels Vorbereitung improvisiert und aus dem Stegreif.

» The Interview in Englisch.

OutNow.CH (ON): Was hat dich dazu bewogen, die Rolle des Shiro Kazuki zu übernehmen?

Japans Johnny Depp

Japans Johnny Depp

Masanobu Ando (MA): Ich bin ein grosser Bewunderer von Takashi Miike und seiner Arbeit als Regisseur. Mit ihm zusammenzuarbeiten, war schon lange ein Wunsch von mir und ich war deshalb total glücklich, als ich für die Rolle des Shiro Kazuki gecastet wurde. Als ich zum ersten Mal das Drehbuch las, wirkte das dann allerdings ziemlich abstrakt und ich war etwas unsicher, ob und wie ich diese Rolle spielen sollte. Nach und nach gelangte ich dann aber zur Überzeugung, dass es eine spannende Sache sein würde, meinen Körper zum Darstellen dieser Rolle einzusetzen und dass diese Art des Spielens eine wunderbare Methode ist, um etwas auszudrücken.

ON: Gibt es Parallelen zwischen dir und Shiro Kazuki?

MA: Shiro Kazuki und ich sind vollkommen verschieden. Shiro ist sehr wild und er wird oft plötzlich und ohne ersichtlichen Grund handgreiflich. Seine Art zu Leben und seine Art zu Denken sind ganz anders als mein Lebens- und Denkstil. Während der Dreharbeiten, als ich Shiro verkörperte, fing ich jedoch plötzlich an, genau wie Shiro zu reagieren; das ging ganz automatisch und instinktiv. So gesehen war ich während der Dreharbeiten ein ganz anderer Mensch, als ich sonst bin.

ON: Deine Rolle forderte ziemlichen Körpereinsatz - wie hast du dich darauf vorbereitet?

Ando in Big Bang Love

Ando in Big Bang Love

MA: Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, sah es ehrlich gesagt gar nicht danach aus, dass ich körperlich viel leisten müsse. Takashi Miike veränderte dann allerdings nach und nach das Skript und forderte mich auf, meinen Körper stärker einzusetzen. Da ich vor den Filmarbeiten intensiv trainiert hatte, war ich zum Glück auch stets fähig, das zu tun, was Herr Miike von mir verlangte. Es war ehrlich gesagt gar nicht mal so schwer für mich, den körperlichen Anforderungen zu genügen. Das Spannende an der Sache ist, dass ich im Laufe der Dreharbeiten immer mehr so zu reagieren begann wie Shiro Kazuki, der Charakter den ich darstelle: sehr schnell und instinktgeleitet. Ich glaube, Takashi Miike wusste, dass ich den körperlichen Anforderungen gewachsen sein würde; vielleicht, weil er mich in einem meiner früheren Filme gesehen hat, worin ich einen Ninja spiele und körperlich sehr viel leisten muss. Herr Miike wusste deshalb, dass ich diese Dinge tun konnte.

ON: Gibt es eine Wunschrolle, die du mal spielen möchtest?

Das Ziel im Blick

Das Ziel im Blick

MA: Ich habe nicht eine eigentliche Wunschrolle, aber es gibt viele Personen, japanische Regisseure und Filmemacher, mit denen ich gerne einmal zusammenarbeiten würde. In meinem nächsten Projekt beispielsweise arbeite ich mit Shinya Tsukamoto (japanischer Regisseur mit Kultstatus, Anm. d. Red.) zusammen, und das ist tatsächlich die Erfüllung eines Traumes. Dann möchte ich in Zukunft natürlich auch sehr gerne wieder mit Takashi Miike zusammenarbeiten und ebenso auch wieder mit Takeshi Kitano. Es ist für mich ausserdem das erste Mal, dass ich bei der Berlinale mit dabei sein kann und ich würde in den kommenden Jahren natürlich gerne wieder nach Berlin an die Filmfestspiele zurückkehren.

ON: Welchen Rat gibst du als junger und bereits erfolgreicher Schauspieler jemandem, der mit Erfolg ins Filmbusiness einsteigen möchte?

MA: Ich glaube nicht, dass ich bereits ein erfolgreicher Schauspieler bin. Mir wäre es deshalb lieber, wenn jemand mich dabei beraten würde, wie ich eine erfolgreiche Karriere aufbauen kann.

ON: Vielen Dank für das Gespräch.

12.02.2006 / rs