56. Internationale Filmfestspiele Berlin 2006
Die Filmreviews
Welche Filme wir uns angesehen haben und was wir von ihnen halten: Unsere Selektion der Berlinale-Filme mit Fakten, Eindrücken und Meinungen.
Die Filme im Internationalen Wettbewerb:
Liebe und Drogen - kann das auf die Dauer klappen? Zumindest Candy und Dan sind guter Dinge. Zumindest zu Beginn...
Rubén ist El Custodio, der Bodyguard des Ministers für Planung. Ein spannender Beruf? Regisseur Rodrigo Moreno meint nein.
Oskar Röhlers Verfilmung des Skandalromans von Houellebecq mit deutscher Starbesetzung.
Charlotte verlässt ihren Freund, Veronica wartet auf eine Geschlechtsumwandlung und Hündchen Miss Daisy frisst Pizza - eine Seifenoper aus Dänemark.
20 Angeklagte, 20 Anwälte, 76 Anklagepunkte: der grösste Prozess in der Geschichte der Amerikanischen Justiz und Jackie DiNorscios Show!
Ein Triebtäter darf nach 9 Jahren wieder raus ins Leben. Für seine beklemmende Darstellung bekam Jürgen Vogel einen Silbernen Bären.
Jasmila Zbanics Film über Sarajevo und die Narben des Krieges wurde von der internationalen Jury mit dem Goldenen Bären 2006 prämiert.
Auch das pan-asiatische Schauspieleraufgebot kann nicht verhindern, dass Ratanaruangs neuer Filme um einiges weniger interessant ist als The Last Life in the Universe.
Als sich der One-Night-Stand als seine Tochter offenbart, muss Polizist Shing sein Leben neu zurechtbüscheln.
Isabelle Huppert bringt die korrupte Männerwelt Frankreichs hinter schwedische Gardinen.
Im Iran ist live Fussball gucken reine Männersache, zumindest offiziell. Doch auch die Mädchen wollen ins Stadion - schliesslich geht's um die Quali zur WM.
Freche Cowboys, hübsche Country Girls, ein schnüfflender Detektiv, eine geheimnisvolle Frau und ein unerschüttlicher Moderator - Zutaten eines vergnüglichen Abends.
Ein junges deutsches Mädchen stirbt in den 70er Jahren nach mehreren Exorzismen an Entkräftung. Requiem zeigt, wie es überhaupt soweit kam.
Drei pakistanische Unglücksraben geraten in Gefangenschaft und werden auf dem US-Stützpunkt Guantànama in Kuba festgehalten.
Die Geschichte eines unsterblich verliebten Paares, bei welchem sich Romeo gleichzeitig in eine andere verliebt und Julia nichts davon weiss.
Die rauhe Geschichte eines Wiener Bettlers, der von neureichen Jugendlichen im Vollrausch in Tschechien auf einer Parkbank ausgesetzt wird.
Bewegendes kanadisches Drama über eine Autistin, ihre tote Tochter und Kuchen aus Schnee - mit einer genialen Sigourney Weaver.
In einem kleinen iranischen Dörchen sind die Winter hart. Genauso, wie das Leben. Ob der Gang in die Fremde das erhoffte Glück mit sich bringt?
Capote (ausser Konkurrenz)
Zum Abschluss der Berlinale kam ein weiterer grosse Oscarfavorit an die Spree. Philip Seymour Hoffman brilliert im Biopic über Truman Capote.
Terrence Malick verfilmt die Pocahontas-Saga - ohne aber das Kind beim Namen zu nennen. Der Name des Indianer-Fräuleins hört man im ganzen Film nie.
Kitschige Komödie, in der die Realität in einer kindlichen Traumwelt versinkt. Gael García Bernal mal anders.
Syriana (ausser Konkurrenz)
George Clooney brachte mit Syriana politisch Brisantes nach Berlin und wirkte dabei viel weniger verkrampft als seine Kollegen, die sich auch gerne zu Reizthemen äussern.
Ein maskierter Rächer versucht nach jahrelanger Planung ein faschistisches Regime zu stürzen und eine Revolution anzuzetteln.
Ein Sklave macht unfreiwillig Karriere: Als er sein Schicksal selber in die Hand nimmt, liegt ihm plötzlich eine Prinzessin zu Füssen. Asiatisches Popcorn-Kino ohne Tiefgang.
Die Filme im Panorama:
Mord im Knast: Shiro wird erdrosselt aufgefunden, Jun gesteht die Tat. Doch der Inspektor zweifelt. Bildstarkes Werk des Japaners Takashi Miike.
Der MTV-Komiker lädt zur Open-Air-Party. Highlight: Die Reunion der Fugees.
Auf der Suche nach seiner Mutter kommt Patrick "Kitten" Braden an vielerlei Orte, ausser auf Pluto.
Tom und Barry Howe haben den Punkrock in Fleisch und Blut. Fleisch und Blut, das sie teilen: Die Zwillinge sind am Unterleib zusammengewachsen.
Nach einer seiner Wahlreden wird Berlusconi Topolino entführt. Die Geiselnehmer wollen einen fairen Justizprozess gegen den ungeliebten Bürgermeister erzwingen.
Die 17-jährige Camille und der über 40-jährige Blaise haben sich gefunden. Doch kann eine solche Beziehung gutgehen? Ausser ihnen glaubt jedenfalls niemand daran.
Eine Frau im Körper eines Mannes. Ein Mann im Körper einer Frau. Jesus in Marias Magen. Moodyssons Container kann man nicht beschreiben.
Berlin-Neukölln brutal. Im neuen Buck ist Schluss mit lustig.
Menschen aus Berlin: Die Winterversion von Sommer vorm Balkon.
Softporno aus Kanada mit einer schönen Darstellerin und einem weniger schönen Darsteller.
So entstand Drawing Restraint 9: Eine Dokumentation über den amerikanischen Künstler Matthew Barney und sein jüngstes Projekt.
Es bebt an der Zürcher Goldküste: Der gemütliche Grillabend wird zum verhängisvollen Drama. Eine Charakterstudie aus dem Banker-Milleu.
Auch in Neuseeland gibt es Familienfeste.
(Fast) die ganze Wahrheit über das beliebteste Pin-Up aller Zeiten. Nicht nur für Sadisten und Masochisten interessant.
Vier Monate vor dem Mauerbau hört die DDR-Jugend in Dresden immer noch Rock'n'Roll.
Ein junger Student sucht Rat beim Psychologen: in drei Tagen will er sich umbringen. Doch der Psychologe stösst selber bald an seine Grenzen, denn nichts ist, wie es scheint.
Eine Tschuttimanschaft aus lauter Homosexuellen hat es auch in Island nicht leicht.
Wer bezahlt für die tiefen Preise von Wal-Mart? Eine kritische Doumentation über den grössten Retailer der Welt.
Die Filme im Berlinale Special:
Der Jefe der Dominikanischen Republik war wohl ein Arschloch.
Die Hysterie um den Final der Fussball-WM ist global und erreicht wirklich die gesamte Menschheit.
Lüpfiges Docutainment über die legendären New York Cosmos: Die Fussballmanschaft, bei der Beckenbauer und Pélé zusammen kickten.
Szenenwechsel gefällig? Die Komödie Quatre Etoiles bringt den Berlinalebesucher aus dem garstigen Winter an die Croisette im sommerlichen Cannes.
Filmemacher Lenz auf Eskapaden in Zermatt. Ein weiterer Schweizer Film in Berlin, der trotz ständigen Matterhorn-Inserts keine CH-Klischees verbreitet.
Die Schweiz mal mittendrin statt nur dabei. Fredi M. Murers Vitus feierte Weltpremiere im Berlinale-Rahmenprogramm und wurde fleissig gekauft von ausländischen Verleihern.
03.03.2006 / neh, rm, rs, th