Anuk - Der Weg des Kriegers (2006)
Das Interview mit Luke Gasser

Luke Gasser
Mit Anuk versucht sich Luke Gasser, der neben Filmen auch noch recht erfolgreich Musik produziert, an einer Geschichte aus längst vergangenen Tagen und hat einige bekannte Gesichter in den Cast aufnehmen können. In urzeitlicher Umgebung tummeln sich Rocksängerin Doro Pesch oder der Barde Stephan Eicher und helfen der Titelfigur, die entführten Stammesfrauen von einer feindlichen Gruppierung zu retten. Und wer bei all dem Getümmel, den Kämpfen und schönen Panoramabildern der Innerschweizer Bergwelt ein bisschen aufpasst, kriegt auch noch die Freundin von Baschi zu sehen.
Doch woher kommt der Name Anuk? Wie schafft es ein Schweizer, eine deutsche Hardrockerin in einem Film zu besetzen? Wer sollte sonst noch mitmischeln? Dies und warum der Film nur entfernt etwas mit Indianern zu tun hat, erklärte uns Luke Gasser im Interview, das er via Handy direkt aus seinem Auto gab. Und während Anuk im Film nur mühsam vorankommt und diverse Hindernisse zu bewältigen hat, lief das Gespräch, trotz Strassenverkehr, recht flüssig.
OutNow.CH (ON): Verarbeitest du in Anuk dein Flair für Indianderfilme?
Luke Gasser (LG): Das ging natürlich nicht 1:1. Die Indianer lebten ja nicht in der Steinzeit. Es gibt Verwandtschaften, die sich auch durch die Bronzezeit halten, aber Anuk ist kein Indianerfilm. Die Kleider sind ähnlich, ein ethnologischer Einfluss ist vorhanden, und ich hab versucht, ein bisschen von meinem Flair einzubringen, aber es ist kein Indianer-Film.
ON: Wie habt ihr die Namen der Figuren, wie zum Beispiel Anuk, entwickelt? War das in einer lockeren Runde mit Schnaps oder sind da geschichtliche Hintergründe vorhanden?
LG: Die Namen sind natürlich allesamt erfunden.
ON: Die Drehzeit war nur 18 Tage. Reicht das locker für einen Film wie Anuk oder war es stressig?
LG: Nein, es war natürlich ein riesiger Stress. Wir hatten leider auch nur ein begrenztes Budget und mussten so den Film innert kürzester Zeit abdrehen. Ausserdem sollten uns die wandernden Touristen nicht unbedingt beim Drehen über die Schulter gucken, und so hatten wir dann halt Drehtage von 12 bis 16 Stunden. Es war wirklich sehr anstrengend, aber die ganze Crew arbeitete sehr konzentriert und produktiv. Alle machten mit und zogen am gleichen Strick, was natürlich sehr wichtig ist, wenn du einem solch harten Drehplan folgen musst.
ON: In Anuk kommen viele bekannte Gesichter vor. Wie schwierig war es, die Herrschaften für den Film zu begeistern?
LG: Also, die "bekannten" Leute waren sehr schnell begeistert. Allen voran Doro Pesch, die sofort an Bord war, weil ihr einfach die Geschichte und die Figuren so gut gefielen. Sie wollte auch nicht gross Geld dafür, sondern fand das Drehbuch überzeugend und hat sich dann bereit erklärt, mitzumachen. Marc Storace habe ich an einem Benefizkonzert getroffen. Auch er wollte unbedingt dabei sein. Und zwar in einer Rolle, die ihm gefällt und auch ein bisschen zu ihm passt. Das haben wir mit dem Schamanen gut getroffen. Für mich als alter "Krokus"-Fan natürlich eine tolle Sache. Stephan Eicher kenne ich schon 13 Jahre. Wir wollten schon lange einmal etwas gemeinsam machen, und da hat sich dieser Film angeboten.
ON: Katy Winter spielt ebenfalls eine Rolle im Film. Wollte da ihr Freund Baschi nicht auch gleich vor die Kamera?
LG: (lacht) Nein, von ihm haben wir keine Anfrage erhalten und ich weiss auch nicht, ob wir eine Rolle für ihn gefunden hätten.
ON: Hätten noch mehr bekannte Stars mitmachen sollen? Wen hättest du dir noch im Film vorstellen können?
LG: Wir hatten eine Anfrage an Lemmy Kilmister von "Motörhead" am laufen, der er sich auch persönlich angenommen hatte. Er ist sehr interessiert an der Weltgeschichte, und das Treffen mit ihm war unwahrscheinlich cool. Als wir dann eine Zeit lang nichts hörten, fragten wir beim Management nach und dort wurden uns dann Gagenbeträge um die Ohren geknallt, das glaubst du nicht. Da aber Lemmy uns eine persönliche Zusage gemacht hatte, war das Management machtlos, und wir hätten eigentlich mit dem Drehen beginnen können. Aber dann kam Lemmys Zusammenbruch dazwischen, und wir mussten die Verpflichtung streichen.
ON: Gab es terminliche Probleme bei den Dreharbeiten mit den Musikern? Mussten die nicht Konzerte spielen oder sonst auftreten?
LG: Nein, die waren immer dabei. Doro Pesch hatte Plattenaufnahmen, die sie verschieben konnte und die sie dann, als eine Art Gegengeschäft, mit uns fertig produzierte. Stephan Eicher haben wir aus Belgien einfliegen lassen, aber sonst gab es absolut keine Probleme mit den Verpflichtungen der Gaststars.

Kein Freund vom SF.
ON: Ist Anuk eine Basis für eine Filmreihe? Oder ist die Geschichte abgeschlossen?
LG: Geplant ist nichts in dieser Richtung. Aber du hast Recht, die Möglichkeit für Entwicklungen ist definitiv gegeben. Sogar für eine TV-Serie. Aber in Leutschenbach beim Schweizer Fernsehen wollen sie keine solchen Sachen produzieren. Die scheinen echt überfordert mit einem Thema wie diesem, und kaufen lieber ausgelutschte Sendeformate aus dem Ausland ein. Ich sag niemals nie, aber momentan ist in Sachen Fortsetzung nichts geplant, obwohl viele Ideen herumgeistern, wie sich das Ganze entwickeln könnte.
ON: Was fehlt, damit deine Filme ein breiteres Publikum erreichen? Ist es wirklich nur eine Frage des Geldes oder bist du zufrieden, so wie es ist?
LG: Halt erstmal. Fremdes Land lief im Luzern im Capitol 1! Es läuft schon in guten Bahnen, so wie es ist. Wir haben grossen Aufwand in die Bildqualität gelegt und der Film kommt einfach besser, wenn man ein geeignetes Kino dafür hat. Aber der Filmvertrieb hat seine eigene Politik und ist ein riesiges Gemischle. Die Verleihfirma versucht, den Film bestmöglich unterzubringen, hat aber gegen die grossen Konkurrenzprodukte wie James Bond: Casino Royale einen harten Stand. Aber auf einer grossen Leinwand fetzt der Film noch mehr. Das ist klar.
ON: Was für einen Film würdest du drehen, wenn du ein "Hollywood-Budget" zur Verfügung hättest? Wäre es dann noch ein Luke-Gasser-Film?
LG: Natürlich wäre es noch immer ein Luke Gasser-Film, aber halt einfach in einer komplett anderen Liga. Wenn du viel Kohle hast, reden dir viele Leute in die Arbeit rein. Da hat vielleicht ein Ridley Scott noch die Kontrolle, aber der grosse Rest nicht. Ausserdem gibt es keine Autorenfilme in dieser Grössenordnung, und der Regisseur hat noch nicht mal ein Recht auf den Schnitt des Filmes. Es ist wirklich ein völlig anderes Niveau. Allerdings bleibt natürlich der Grundsatz, dass es verboten ist, eine Idee nicht zu verwirklichen. Und mit 20 Millionen Dollar würde auch die Idee von Anuk ein bisschen anders umgesetzt werden.
ON: Was steht als nächstes Projekt an?
LG: Es hat ein paar Projekte in der Pipeline, die sind aber noch nicht spruchreif. Erst wollen wir jetzt mal Anuk an den Mann bringen, dann sehen wir weiter. In Deutschland und Österreich sind Verhandlungen über Veröffentlichungen im Gang, und wir haben festgestellt, dass Doro Pesch in Südamerika und Spanien eine grosse Nummer ist. Darum werden wir auch dort versuchen, den Film zu veröffentlichen. Dann wird Anuk an vielen Festivals laufen, und wenn das alles vorüber ist, schauen wir weiter. Aber das dauert noch ein Weilchen.
ON: Dann versuchen wir uns doch mal an den Pop-Ups. Mal schauen, was dir so in den Sinn kommt.
LG: Ok.
ON: Indianer
LG: Sehr spannende Geschichte. Interessante Kultur. Sehr ästhetisch.
ON: Schweizer Fernsehen
LG: Sehr wenig Platz für Spezielles. Immer mehr internationale Sendungen.
ON: Berge
LG: Wunderbar. Näher am Himmel. Unglaublich inspirierender Weitblick.
ON: Internet
LG: Hab ich nicht. Ist ein zweischneidiges Schwert. Schon fast anarchisch.
ON: Hollywood
LG: Als Ort nicht interessant. Aber eine kreative Stadt mit Potenzial und falscher Fassade.
ON: Coiffeur
LG: Nicht mein Ding.
ON: Film oder Musik?
LG: Beides.
ON: Lieblingsfilm?
LG: Also der grösste Film ist für mich Lawrence of Arabia. Der Lustigste: Life of Brian. Der Spirituellste: Jesus Christ Superstar. Der Faszinierendste: The Black Robe und der abgefahrenste Film ist Arizona Dream
ON: Schweizer Filmszene
LG: Spannend. Es läuft viel. Leider viel gleichzeitig. Aber sehr attraktiv. Die Leute merken, dass auch Schweizer gute Filme machen können.
ON: OutNow.CH
LG: Da ich ja kein Internet habe, kenne ich euch nur vom Hörensagen. Aber da hört man nur Gutes.



