xXx 2: State of the Union (2005)
xXx 2 - The Next Level
Interview mit Simon Kinberg

Die schreiberische Gilde hat's schwer in Hollywood. Sie werden nicht wirklich gut behandelt, müssen so manchen Film aus der Misere ziehen und selten kommt mal einer gross raus. Einer, der allerdings auf einem sehr guten Weg ist, in Hollywood gross Karriere zu schlagen, ist Simon Kinberg. Er wurde ans Set von xXx 2 gerufen, schrieb Mr. And Mrs. Smith und hat seine Finger in den Scripts für The Fantastic Four oder im neusten Teil der X-men.
Grund genug für OutNow.CH, sich ans Telefon zu hängen und dem sympathischen Engländer, der inzwischen in Hollywood lebt, ein paar Fragen zu stellen.
ON: Hallo Simon. Danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast.
SK: Hey, hallo. Kein Problem. Frag einfach mal drauf los.
ON: Du hast an der Columbia Universität das Filmprogramm abgeschlossen. Kannst du uns was über dieses Programm erzählen?
SK: Es ist das beste Programm für Schreiber in den USA. Es geht nicht ums Regie-führen, wie zum Beispiel in New York. Der Fokus ist wirklich das Geschichten erzählen und das Schreiben von Filmstories.
ON: Wie ist deine Karriere eigentlich gestartet? Wie bist du zum Drehbuchautor geworden? Hat Hollywood mal an deine Tür geklopft?
SK: *g*, nun ja... Ich denke, du musst an deren Türen klopfen... Ich hatte recht viel Glück. Ich hatte gerade die Filmschule abgeschlossen und mein Professor hat das Script gemocht, dass ich geschrieben hatte. Er hat mir geraten, das Teil nach Hollywood zu schicken und, glücklich für mich, die haben's gekauft. Es war das letzte Jahr an der Schule und meine Abschlussarbeit war die Geschichte von Mr. and Mrs. Smith und die Leute in Hollywood mochten es. Es war einfach nur Glück.
ON: Es scheint so, als ob Autoren in Hollywood nicht besonders geschätzt werden. Wie viel Macht hat ein Schreiber in Hollywood?
SK: Das ist richtig. Die Studios verstehen den Prozess des Schreibens nicht und drum sind die Autoren sehr auswechselbar. Es kommt vielfach darauf an, wie deine Beziehungen sind. Wenn der Regisseur denkt, dass es klappt, dann bist du drin. Dann wollen sie dich. Es geht wirklich fast alles über Beziehungen. Als wir xXx 2 machten, war es vor allem Rob Cohen, der sich für mich entschied. Als er dann das Projekt verliess, wollte das Studio mich auch ersetzen, musste sich aber den Wünschen der Schauspieler und Produzenten beugen, die mich behalten wollten. So konnte ich mit meiner Geschichte fortfahren.
ON: Was ist eine gute Story? Was braucht ein guter Autor?
SK: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, jeder Film braucht eine gute Story. Klar. Eine Kombination aus persönlichen Erfahrungen und Gefühlen. Wenn dein Herz zum Beispiel gebrochen wird, dann kannst du das mit einflechten in eine grössere Story. Das ist das optimale. Nicht als hauptsächliche Geschichte, aber als guter Teil des Filmes. Es ist also vor allem eine Frage der Kombination.
ON: Was war die Herausforderung beim Schreiben von xXx 2?
SK: Die war recht gross. Das Grösste für einen Autor ist es natürlich ein Sequel, also eine Fortsetzung, zu schreiben. Vor allem, wenn das Original recht erfolgreich war. Es ist aber auch immer eine Herausforderung, um das Studio zu überzeugen, einen zweiten Teil zu machen, der ja eigentlich ein bisschen anders sein soll. Und xXx 2 ist total anders als der erste Teil. Es hat eine andere Geschichte, ein anderes Genre. Es ist mehr ein politischer Thriller mit viel Action. Ist gut für die Filmserie und hat riesigen Spass gemacht.
ON: Wie oft hast du denn den Film eigentlich schon gesehen und wie findest du ihn selber?
SK: Ich bin sehr zufrieden. Es ist politisch interessant und hat viele Explosionen. Die Kombination stimmt. Bis jetzt hab ich zwei Versionen des Filmes gesehen. Eine "Editors-Edition" und den "Directors Cut". Sie sind beide wirklich gut und ich mag den Film. Es hat gute Charaktere drin. Normalerweise ist bei einem solchen Film die Action grosser als die Schauspieler. In xXx 2 ist es umgekehrt.
ON: Wer ist der bessere Schauspieler für einen xXx-Film? Ice Cube oder Vin Diesel?
SK: Hehe, das ist nicht einfach. Ich denke Ice Cube war besser für den zweiten Teil. Weil es einfach roher und realistischer ist, als der erste Teil. Vin Diesel war perfekt für den ersten Teil, der ein bisschen glatter war als die Fortsetzung. Man brauchte auch verschiedene Charaktere, weil die Filme ja auch verschieden sind. Der zweite Teil ist, wie gesagt, roher und realistischer. Aber sehr unterhaltsam.
ON: Wird es einen dritten Teil des Filmes geben? Wenn ja, wie müsste der dann sein und wer sollte die Hauptrolle spielen?
SK: Das muss das Studio entscheiden. Ich weiss, dass bereits Gespräche geführt werden, aber definitiv ist noch nichts. Falls es zu einem dritten Teil kommt, würde ich es gerne sehen, wenn er ähnlich dem zweiten Teil werden würde. Roh und bodenständig. In der Hauptrolle wurde ich gerne eine Frau sehen. Vielleicht Jennifer Garner. Oder sie machen einen Martial-Arts-Film mit Jet Li. Das wäre cool...
ON: Besteht die Gefahr, dass du der Mann für Fortsetzungen wirst?
SK: Absolut. Ich sollte nicht derjenige sein, der einen Film wie XXX 3 schreiben sollte. Ein Sequel zu schreiben ist aber sehr interessant. Die Figuren sind bereits bekannt und du musst sie nicht nochmals vorstellen. Es ist eine andere Erfahrung. Und du hast eine stärkere Bindung zum Original. Es ist wie dein Baby. Eine Fortsetzung zu schreiben ist wie wenn man das Kind eines anderen babysitten muss...
ON: Erzähl bitte von den Unterschieden deiner Arbeit an The Fantastic Four, Mr. and Mrs. Smith oder X-Men 3. Was war da jeweils genau zu tun. Konntest du die Geschichten von Grund auf neu schreiben oder war es mehr ein korrigieren des bestehenden Drehbuchs?
SK: Also, die Geschichte über die Smiths ist meine. Von A-Z. *g*. Ich habe die Geschichte in den letzten 5 Jahren entwickelt und wir haben gerade erst die Fotographie abgeschlossen. Da hatte ich meine Ruhe beim Schreiben. Klar, du erhältst immer wieder Ideen von allen Seiten. Von Schauspielern oder sonstigen Leuten am Set. Sie kommen zu dir um Sachen zu besprechen und manchmal haben sie auch richtig gute Ideen. Aber ich bin sehr stolz auf den Film und es wird ein Riesenspass.
Als ich zum Set von The Fantastic Four kam, war's nur noch ein Monat hin, bis sie mit den Dreharbeiten anfingen. Es gab bereits ein Drehbuch und die Action war auch schon beschlossen. Aber die Figuren brauchten mehr Tiefe. Und das war's auch, was ich zu machen hatte. Ich musste die Charaktere etwas aufmotzen.
Mit X-Men 3 war es wieder was anderes. Die ersten beiden Filme waren ja sehr erfolgreich und setzen natürlich die Autoren und Verantwortlichen des dritten Teils unter enormen Druck. Ich hatte ein paar Ideen und die Leute da mochten sie. Ich war der erste Schreiber und wir werden sehen, was noch alles passiert, bis der Film dann in die Kinos kommt.
ON: Was kannst du über Mr. and Mrs. Smith sagen? Was erwartest du?
SK: Meine Erfahrungen sind natürlich sehr hoch. Gerade will ich so viel Zeit mit der Entwicklung der Figuren und der Geschichte verbracht habe. Das Drehbuch ist aber sehr gelungen. Etwas anders als normal, aber ich hoffe, das Publikum wird's es mögen.
ON: Nicole Kidman verliess den Cast und wurde durch Angelina Jolie ersetzt. Warst du enttäuscht?
SK: Nein. Ich denke, Angelina ist die bessere Wahl für die Rolle. Nicole ist eine wundervolle Schauspielerin, aber kannst du sie dir in einem Nahkampf vorstellen? In physischer Action? Im Film gibt es Faustkämpfe mit Brad Pitt und ich kann mir nicht vorstellen, dass Nicole das getan hätte. Dazu kommt noch die richtig sexuelle Chemie der beiden Hauptdarsteller, die man am Set fühlen konnte. Ebenfalls denke ich, dass Nicole "zu kalt" für diese Rolle ist. Es musste einfach passen, weisst du. Nimm Ice Cube und xXx 2 zum Beispiel. Das passt optimal. Der Unterschied zum ersten Teil ist total sichtbar. Er war die perfekte Wahl.
ON: The Fantastic Four ist einer der am meist erwarteten Kinofilme dieses Jahr. Was kannst du uns über die Geschichte sagen?
SK: Die Geschichte ist grundlegend über 4 normale Leute, welche The Fantastic Four werden und ein fünftes Mitglied der Crew, der ihr Erzfeind, Dr. Doom, wird. Es ist die Entwicklung der "normalen" Menschen zu Superhelden. Die Geschichte legt sehr viel Wert auf die Charaktere und auf die Gefühle der Zuschauer. Sie haben wirklich Zeit damit verbracht, den Charakteren Tiefe zu verleihen. Und natürlich hat es Actionszenen, die man nirgendwo anders auf dem Markt sieht. Viel bessere Sachen, als man im Trailer zu sehen bekommt. Es ist wirklich unglaublich. Auch in xXx 2 hat's Action, die man noch nicht gesehen hat. Das mag das Publikum. Coole Action in einem realistischen Umfeld. Das Publikum wird geschockt sein.
ON: Es war zu lesen, dass der Film zu nahe an The Incredibles von Pixar war und ein paar Szenen geändert werden mussten. Was kannst du uns darüber sagen?
SK: Nun, du scheinst deine Aufgaben wirklich gemacht zu haben. Erstmal, The Incredibles ist ein fantastischer Film. Aber er nimmt sich die Freiheit von vielen Helden aus dem Marvel-Universum ein bisschen zu nehmen. Du siehst X-Men, The Fantastic Four und andere. Wir haben diesen Film gesehen, bevor wir "unseren" gestartet haben. Und ja, wir mussten ein paar Anpassungen machen. Details, aber. In einer Szene rettet zum Beispiel eine Figur eine Katze von einem Baum. Beide Filme hatten die gleiche Szene, also haben wir sie geschnitten. Aber grundsätzlich sind beide Filme sehr verschieden. Der Look, die Charaktere, einfach viele Dinge unterscheiden sich. Also besteht da keine Gefahr.
ON: Alle Welt wartet auf X-Men 3. Um was geht's in diesem dritten Teil? Was kannst du uns über "Phoenix" sagen?
SK: *g*, leider darf ich nicht viel sagen. Wir dürfen eigentlich noch gar nicht über den Film reden. Aber "Phoenix" wird ein Teil der Geschichte sein.
ON: Ist es die Hauptgeschichte?
SK: *g*, ich kann es dir leider wirklich nicht sagen. Und wenn ich's täte, müsste ich dich anschliessend erschiessen... Aber es wird neue Charaktere geben.
ON: Wen?
SK: Hahaha, du gibst nicht auf, oder? Sorry, aber ich kann's nicht sagen. Ich kann nicht mal die Namen der Figuren sagen, aber zwei der Neuen werden grosse Rollen im Film spielen. Es wird sicher dunkler und cooler werden als die ersten beiden Teile. Es ist Harry Potter and the Prisoner of Azkaban für diese Filmreihe. Es ist mehr für die Erwachsenen...
ON: Was sind deine nächsten Projekte?
SK: Nun, X-Men 3 ist ein Job, der mich ausfüllt für die nächsten Monate. Wenn das abgeschlossen ist, werde ich Vater. Meine Frau ist schwanger und wir erwarten ein Baby. Also ich hoffe, dass ich dann viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann und drum ein paar Monate frei nehmen kann.
ON: Wir machen am Ende des Interviews jeweils ein paar Pop-Up-Fragen. Bereit?
Argonauts
SK: Ein Projekt, an dem ich mit Dreamworks gearbeitet habe. Leider ging das Studio in eine andere Richtung als ich erhofft hatte. Also bin ich ausgestiegen.
ON: Internet
SK: Ein Ort, in dem ich zuviel Zeit verbringe. Sehr gefährlich für einen Autor, aber ich mache alle meine Recherchen im Internet. Ich checke auch die Seiten wo über Filme berichtet wird, an denen ich gerade arbeite.
ON: Script Doctor
SK: Gute Sache um einen Fuss in die Tür von Hollywood zu stecken. Aber die Studios behandeln die Autoren nicht sehr gut, wie ich schon erwähnt habe. Ich versuche auch immer mit dem Original-Autor in Kontakt zu bleiben, wenn ich ein Drehbuch übernehme. Es ist hart, aber man verdient gut daran.
ON: Hollywood
SK: Der beste und schlechteste Platz auf der Welt.
ON: X-men
SK: Mein Lieblingscomic. Sehr mystische Figuren. Beste Comic-Adaption, die ich gesehen habe.
ON: Le Samourai
SK: Alter, französischer Film. Vielleicht der beste Film aller Zeiten. Für mich auf alle Fälle. Es ist unglaublich cool und handelt von einem Killer, der eine Nacht Zeit hat, aus der Stadt zu entfliehen. Einfach toll.
ON: Elektra
SK: Fantastischer Comic. Gute, starke Charaktere. Es hätte auch ein guter Film werden können. Jennifer Garner spielt sehr gut. Ich hab nur etwa eine Woche am Script gearbeitet, aber ich denke, das Studio hat einen Fehler gemacht, den Film leichter zu machen. Eigentlich war es eine dunkle und mysteriöse Geschichte.
ON: The lost years of Merlin
SK: Fantastische Bücher. Ich hab das erste Buch adaptiert. Es hat einige Elemente aus einem Harry Potter-Film drin. Aber ich glaube, auch Excalibur oder Gladiator haben Einfluss. Es ist aber mehr ein Film für die Erwachsenen.
ON: Schweiz
SK: Ich war noch nie da, höre aber, dass es ein sehr schönes Land sein soll. Die Leute seien sehr nett. Ich kenne ein paar Schweizer und die sind alle sehr nett.
ON: Lieblings-Schauspieler/in?
SK: Puh, ich kann's nicht wirklich sagen. Vielleicht Steve McQueen, Alain Delon oder Leute wie Brad Pitt in Filmen wie Fight Club. Als Schauspielerinnen würde ich Frauen wie Rita Hayworth oder Nicole Kidman nennen. Aber schlussendlich ist es die Rolle an sich, die entscheidend ist.
ON: xXx
SK: Sehr cool und aufregend. Eine Möglichkeit ein Genre zu erfinden, das eine neue Generation anspricht. Die Kids wollen das wegen der Action sehen und die Erwachsenen wegen der Geschichte. Es ist ein dreckiger James Bond. Und ein cooler noch dazu. Weisst du, ihr Europäer habt den Original-007. Wen haben wir? Wir mussten was erfinden, was den Amerikaner anspricht. Mit Autos, "Attitude" und Gewalt... *g*.. Und Spass...
ON: OutNow.CH
SK: Interessante Fragen. Nette Jungs.
ON: Danke für deine Zeit, Simon. Das war's schon.
SK: Kein Problem. Habt Spass an den Filmen.





