45. Rose d'Or Festival Luzern 2005
Interview mit Christopher Lee

Anlässlich des Rose d'Or Festivals in Luzern nahm sich Sir Christopher Lee etwas Zeit um OutNow.CH ein exklusives Interview zu geben. Der berühmte Schauspieler ist unter anderem bekannt als Count Dooku (Star Wars Episode II: Attack of the Clones und Star Wars Episode III: Revenge of the Sith) und Star Wars Episode III: Revenge of the Sith) und Saruman (The Lord of the Rings). OutNow.CH fühlte sich geschmeichelt, seine Excellenz persönlich treffen zu dürfen.
» Original Interview in english
OutNow.CH (ON): Laut der grössten Film-Datenbank im Internet (imdb.com) haben sie in 220 Filmen mitgewirkt ...
Christopher Lee (CL): Nein, es waren sogar mehr als 220 Filme. Ich mache keine Listen. Aber es gibt verschiedene Leute auf der Welt die das tun, sie sind interessiert und erstellten Listen von allen Auftritten vor der Kamera. Sei es bei Filmen, im Fernsehen, in Dokumentationen, in Schwarz-Weiss-Filmen, vor vielen Jahren, in Serien, in Kurzfilmen, in langen Filmen. Es gibt also jede Menge Listen und ich glaube bei mir sind sie auf 280 bis 300 gekommen. Aber ich weiss es nicht, ich weiss es wirklich nicht. Ich weiss nur was die mir sagen.
ON: Ist es schwierig sich an all dieses Erlebte zurückzuerinnern?
CL: Nein, ich kann mich an alles erinnern wo ich dabei war.
ON: Wirklich?
CL: Ja, an alles. Manchmal schreiben die Leute ich hätte bei Filmen mitgemacht, mit denen ich gar nichts zu tun hatte. Sie sagen einfach ich wäre dabei gewesen. Ich kann mich an einen sehr bekannten Film namens The Longest Day erinnern. Überall in Biografien von mir steht, dass ich da mitgespielt habe ... doch das stimmt nicht, ich war nicht dabei. Es muss wahrscheinlich jemand gewesen sein, der mir sehr ähnlich sieht, dass man glaubte ich wäre es gewesen. Aber wenn mich jemand fragt, ob ich in einem gewissen Film mitgespielt habe, sage ich ja oder nein, weil ich es weiss. Das Problem ist, dass gewisse Leute ihre Hausaufgaben nicht machen und einfach etwas schreiben und plötzlich hat man bei Filmen mitgewirkt, obwohl das gar nicht stimmt. Aber es gibt auch einige Filme die ich gemacht habe und besser die Finger davon gelassen hätte.
ON: Können sie mir da ein Beispiel geben?
CL: Nein. Aber aus verschiedenen Gründen sagen mir Produzenten, dass sie gewisse Schauspieler für einen Film gewinnen konnten und diese ihre Verträge schon unterzeichnet haben und du denkst: "Wow, super. Wenn die dabei sind, dann bin ich es auch!" Dann kommt der Tag wenn du zu arbeiten beginnst und du fragst: "Wo sind all die anderen Schauspieler?" Sie sagen dann: "Nun ja, die machen nicht mit." Das kommt ziemlich oft vor.
ON: Welchen von ihren Filmen mögen sie besonders gut?
CL: Nun, da muss man unterscheiden. Ganz klar die erfolgreichsten Filme bei denen ich mitgespielt habe waren: The Lord of the Rings und Star Wars, keine Frage. Und es kommt nicht darauf an wie viel du dafür tust, du kannst einen Tag dabei sein, aber wenn du grossen Erfolg hast ist das sehr wichtig. Nun das sind die erfolgreichsten Filme bei denen ich dabei war. Mein Lieblingsfilm ist einer den du wahrscheinlich hier gar nie zu sehen bekommen hast. Er wurde zum Kultfilm auf der ganzen Welt. Er heisst The Wicker Man. Wenn du in Amerika The Wicker Man erwähnst, machen alle gleich so (Er hebt die Hände und winkt umher) auch in England und Frankreich. Der Dreh war im Jahre 1972 und es ist ein wunderbarer Film. Aber den wichtigsten Film bezüglich der Story, der Herausforderung für mich als Schauspieler und der Verantwortung die ich hatte, war - er ist nun in England auf DVD erhältlich und bald auch in der USA zu haben - als ich nach Pakistan ging um den Gründer von Pakistan zu spielen. Dieser ist so bekannt wie Gandhi in Indien und sein Name war Jinnah, Mohammed Jinnah. Es ist der wichtigste Film für mich. Ich habe also unterschieden: Die erfolgreichsten Filme: Star Wars und The Lord of the Rings. Der beste Film in dem ich als Schauspieler mitwirkte und die beste Story: The Wicker Man. Er wurde zum Kult-Klassiker in Amerika. Der wichtigste Film für mich war Jinnah.
ON: Was ist ihre Meinung zum neusten James Bond?
CL: Ich habe die neusten Folgen nicht gesehen. Ich glaube ich habe mal Teile von einem gesehen. Wie hiess der, der zu Beginn auf dem Fluss in London spielt? Ich glaube ich habe Teile von dem gesehen. Aber die anderen habe ich nicht gesehen. Meine Meinung dazu ist natürlich sehr persönlich, nicht nur weil ich in einem Bond mitgespielt habe, sondern weil Ian Flemming, der Drehbuchautor, mein Cousin ist. Deshalb weiss ich wahrscheinlich mehr über James Bond alles jeder andere auf dieser Welt. Denn Flemming hat mit mir sehr viel darüber gesprochen, wer Bond wirklich ist. Wer war der Charakter - die reale Person - die er für den Charakter von Bond verwendete? Wie war sein Name? Was tat er? Und ich denke von allen Bonds die es je gab ist Pierce Brosnan mit Abstand der Beste für mich ... mit dem Wissen das ich über Bond habe. Er ist dem Charakter den Ian Flemming im Kopf hatte als er das Drehbuch schrieb sehr nahe. Alle die je einen Bond spielten hatten etwas an sich, verschiedene Qualitäten. Aber ich denke Pierce Brosnan ist ganz klar der Beste. Ich habe zwei Filme mit ihm gedreht (Around The World In 80 Days und Death Train) und ich mag ihn sehr gut, er ist ein sehr netter Mensch.
Er spielt sehr gut. Ich weiss nicht, ob er nun im nächsten Teil den Bond nochmals spielt. Man sagt, sie würden einen anderen nehmen, sie sagen er würde zu viel Geld verlangen. Ein wichtiger Punkt beim Film machen: Die Leute sagen, es werden Millionen von Dollar an jemanden gezahlt und was denken sie darüber? Ich sagte: "Wenn Sie den Mann oder die Frau in einen Film stecken und der Film hat einen unglaublichen Erfolg auf der ganzen Welt und spielt hunderte von Millionen Dollar ein, dann sind sie es wert so gut bezahlt zu werden, weil die Leute den Film des Schauspielers wegen schauen. Aber wenn sie Schauspielern Millionen von Dollar versprechen und sie in Filme stecken die nicht erfolgreich sind, bezahlt ihnen das Geld nicht." Ist doch logisch, oder? Aber sie tun es trotzdem, sie bezahlen irgendwelchen Leuten enorme Summen, sehr jungen Leuten, 18 19 20 21 ... sehr sehr junge, hübsche Jungs, hübsche Mädels, aber nichts hinter den Augen, leere Gesichter, es ist sehr traurig und gefährlich für sie. Sie haben die Erfahrung nicht, es fehlt ihnen das Wissen, der Hintergrund und sie werden in eine enorme Produktion mit einem riesigen Budget gesetzt und es klappt nicht, es klappt einfach nicht. Und sie können nicht einmal etwas dafür. Stell dir vor, jemand offeriert dir 5 Millionen Dollar - du würdest sie doch auch nehmen, oder?
ON: Lassen sie uns noch kurz das Thema wechseln. Was können sie unseren Besuchern über ihre Arbeit bei UNICEF berichten?
CL: Nun ich bin kein Botschafter von UNICEF. Das würde heissen, dass man in der ganzen Welt umherreist und dazu bin ich zu alt. Aber ich versuche möglichst wie ein Botschafter zu sein. Ich übernehme so viele UNICEF-Funktionen in verschiedenen Ländern wie ich kann und spreche über UNICEF, erkläre worum es dabei geht. Ich erkläre worum es bei der Rose d'Or dieses Jahr geht und warum sie hier ist. Letztes Jahr war es für etwas anderes, dieses Jahr ist es für die Tsunamiopfer von Sri Lanka, ein anderes Jahr ist es für AIDS, wieder ein anderes Jahr für etwas anderes. Ich versuche soviel wie möglich zu helfen, weil ich sage immer: Wenn du berühmt bist - egal aus welchem Grund - du kannst Fussballer sein, ein Schauspieler, ein Maler, ein Politiker - Gott verbiete es - und du kannst irgendetwas sein, aber wenn du berühmt bist, solltest du versuchen zu helfen. Du hast nicht gehört was Bob Geldof gestern Abend am Rose d'Or Ball gesagt hat? In Afrika kriegt jede Person, jedes Kind grundsätzlich 65 Cents. Was wir versuchen ist, wenn immer möglich, in verschiedenen Ländern Leute zu treffen und ihnen die Situation zu erklären. Man geht entweder zu Essen oder spricht mit Leuten wie dir, über UNICEF, über das was UNICEF macht und darüber warum wir hier in Luzern sind. Das Rose d'Or Festival ist grundsätzlich da um die Fernseh-Preise zu übergeben. Aber das Geld welches die Leute bezahlen um zu diesen Funktionen zu kommen, dieses Geld geht an UNICEF und UNICEF gibt es den bedürftigen Ländern. Zumindest hoffen wir das. Heutzutage ist das Problem, dass du das Geld an die Länder gibst, aber nicht weisst wohin es genau geht. In manchen Ländern geht es direkt in die Tasche der Politiker.
ON: Besten Dank, dass Sie die Zeit für uns hatten.
Wow! Was für eine Persönlichkeit. Hat mich hypnotisiert wie Saruman. Es war eine grosse Ehre, Sir Lee. Vielen Dank!


