Die Weisse Massai (2005)
Interview mit Corinne Hofmann, der echten weissen Massai
Die weisse Massai in Buchform war 1998 der Durchbruch für Corinne Hofmann, welche ihre Erlebnisse im so genannten Busch von Afrika und ihre Beziehung zu einem stolzen Massai-Krieger schriftlich festhält. Die Geschichte einer Frau aus der "Zivilisation", die sich nun anstatt mit Mehrwertsteuer und Chäschüechli plötzlich mit Ziegen, einer kleinen Hütte und einer ganz anderen Kultur auseinandersetzen muss. Diesem Bestseller folgten nochmals zwei Bücher ("Zurück aus Afrika" und "Wiedersehen in Barsaloi"). Das erste Buch wurde jetzt von Regisseurin Hermine Huntgeburth mit Nina Hoss in der Titelrolle verfilmt.
Mit Freude sind wir der der Einladung zu einem kurzen Gespräch mit Corinne Hofmann in der Zürcher Innenstadt gefolgt.
OutNow.CH (ON): Erstmal Gratulation zu einem sehr speziellen und schönen Film, der mir - der das Buch damals richtiggehend "gefressen" hat - ein bisschen zu einfach daherkam. Wie sind sie denn zufrieden mit dem Resultat?
Corinne Hofmann (CH): Im Grossen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit dem Film. Es ist wirklich nur ein ganz kleiner Teil davon, mit dem ich nicht so ganz glücklich bin. Bevor ich den Film sehen konnte, spürte ich Angst und die heftigen Gefühle kamen wieder hoch, aber unterdessen, nachdem ich den Film sehen konnte, kann ich gut damit leben. Es hat sehr viele starke Szenen drin, wie zum Beispiel die Totgeburt. Das ging mir auch auf der Leinwand unwahrscheinlich nah. Natürlich hat es kleine Details, die man raus schneiden musste und die ich jetzt vermisse. Wie bei der angesprochenen Szene, wenn im Film das Auto nur dreimal eine Panne hat, aber in Wirklichkeit die Pannenserie viel grösser war. Aber man kann natürlich keine 30 Pannen zeigen, in einem Film. Das ist klar. Aber die Entschlossenheit der Hauptfigur, der Kämpferin, wurde sehr gut umgesetzt. Überhaupt, die Schauspieler sind wirklich hervorragend. Vor allem natürlich Nina Hoss, der man in jeder Szene ansieht, dass sie nicht nur 100%, sondern 200% in ihre Rolle steckt. Ihr zu zuschauen, war wie eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Beim männlichen Hauptdarsteller, Jacky Ido hatte ich anfänglich meine Bedenken. Denn immerhin hat er keine Beziehung zum Stamm meines Ex-Mannes, sondern ist ein Stadtmensch und wohnt in Paris. Er spielt auch nicht ganz so nah an der Person, wie Nina Hoss, aber das ist auch gut so.
ON: Als sie damals das Buch schrieben, war da der Gedanke einer Verfilmung schon im Hinterkopf?
CH: Natürlich kam das auch zur Sprache, aber hauptsächlich war es eine Freundin, die mir sagte: "Du musst nur warten, irgendwann werden wir zusammen im Kino sitzen und den Film über dich gucken". Natürlich tat ich das damals als Hirngespinst ab, aber was daraus geworden ist, sieht man ja jetzt.
ON: Wenn man von ihren Erlebnissen hört oder liest, dann kommen die diversen Medien ziemlich schnell auf ein einziges Thema zu sprechen - Sex. Dabei ist das doch nur ein Thema unter vielen. Wie reagieren sie auf solche Reduzierungen der Presse? Nervt das?
CH: Es ist in der Tat ziemlich nervig und mühsam. Man reduziert die kulturellen Unterschiede auf eine Sache und die Neutralität gegenüber dem ganzen Thema fehlt total. Diese fetten Titel in den verschiedenen Zeitungen gefallen mir nicht, die das ganze wirklich nur auf diese eine Sache reduzieren. Ich habe damals die Erlebnisse offen und ehrlich beschrieben und finde diese Reduktion extrem schade. Es gibt viele andere Geschichten, auch über die Dreharbeiten, wie zum Beispiel, dass viele Statisten, die am Film mitgeholfen haben, noch nie einen Fernseher gesehen haben und trotzdem mit Herzblut bei der Sache waren. Oder dass Jacky Ido in der Garderobe immer mit äusserster Sorgfalt kostümiert wurde und schlussendlich das "okay" von den Stammes-Ältesten einholen musste, dass er jetzt für einen Massai-Krieger richtig angezogen sei.
ON: Warum heisst denn die Hauptfigur im Film nicht "Corinne", sondern "Carola"?
CH: Das war ein bisschen der persönliche Schutz, den ich mir raus genommen habe. Natürlich auch für die Personen, die im Film charakterisiert werden. Ich bin zwar Stolz auf den Film, hatte aber natürlich auch anfänglich Angst. Das Buch kam zu 100% von mir, da konnte ich absolut dahinter stehen. Beim Film ist das nicht so. Das ist nicht "mein" Film.
ON: An wen ist Die weisse Massai als Kinofilm gerichtet? Wie sieht das Zielpublikum aus?
CH: Eigentlich ist es natürlich ein Film für alle Interessierten. Ich nehme auch an, dass die Frauen in der Überzahl sein werden, wenn man die Kinobesucher aufteilen würde. Allerdings sind auch viele Männer begeistert von den Geschichten, wie sie mir in E-Mails mitteilen. Mails kommen von knapp 12-Jährigen bis zu solchen, die über 80 Jahre alt sind. Das Buch wird also quasi durch die Familie gereicht. Meist fängt die Frau an, der Mann siehts und will auch mitreden und am Schluss lesen noch die Kinder und die Grosseltern mit. Also würde ich mal sagen, dass auch der Film eigentlich ein Familienfilm geworden ist. Das ist doch schön, oder?
ON: Was passiert eigentlich mit Corinne Hofmann, wenn alle Geschichten aus dem Busch erzählt sind? Was bringt die Zukunft, wenn Die weisse Massai nichts mehr zu erzählen hat?
CH: Ach, da habe ich eigentlich keine grosse Angst und beschäftige mich auch nicht gross damit. Ich habe in Afrika gelernt, den Tag zu leben, wie er kommt und keine unnötigen Gedanken an die Zukunft zu vergeuden. Ausserdem ist ja mein drittes Buch gerade auf den Markt gekommen, die Lesungen fangen jetzt dann an, der Film läuft ab September in den Kinos und was danach kommt, wird man sehen. Ich bin offen für alles. Vielleicht schreibe ich weiter, vielleicht reise ich wieder oder jemand offeriert mir einen Vertrag beim Fernsehen für eine Reiseshow oder so was. Man weiss ja nie, was kommt.
ON: Zum Schluss haben wir jeweils noch Pop-Ups vorbereitet, mit denen ich sie jetzt einfach mal konfrontiere:
Massai
CH: Stolz
ON: Schweiz
CH: Reich und wunderschön
ON: Ziegen
CH: Ich liebe Ziegenfleisch (lacht)
ON: Zivilisation
CH: Angenehm
ON: Medien
CH: Braucht es wohl
ON: Rot
CH: Die Farbe des Kriegers
ON: Der perfekte Mann
CH: Sorry, aber ich glaube den gibt es gar nicht (lacht)
ON: Wenn ich nochmals 26 Jahre alt wäre...
CH: ... dann würde ich alles nochmals genau so machen
ON: Filmbusiness
CH: Neuland
ON: OutNow.CH
CH: Da schau ich definitiv mal rein
Die Tücken der Technik haben bei diesem Interview unbarmherzig zugeschlagen. Und nachdem die leeren Batterien des Aufnahmegerätes verflucht wurden und schnell nach Alternativen gesucht werden musste, bewies Frau Hofmann eindrucksvoll, dass sie den Umgang mit der Presse gewohnt ist und dabei ihren Humor und ihre Lockerheit keinesfalls verloren hat. Nicht jeder hätte so verständnisvoll reagiert. Darum geht unser spezieller Dank an die Original-Weisse Massai, dass sie trotz der Panne ausführlich, interessant und sehr sympathisch Auskunft gegeben hatte. Natürlich hätten wir noch länger plaudern wollen, aber wir sind ja schliesslich nicht die einzigen, die Corinne Hofmann in Beschlag nehmen können...






