Neuchâtel International Fantastic Film Festival 2005
NIFFF 2005: Die Programm-Highlights
Das fünfte Neuchâtel International Fantastic Film Festival eröffnet mit der Europapremiere zum 18. (und vielleicht letzten) Godzilla-Movie Godzilla: Final Wars und schliesst mit dem ausser Konkurrenz laufenden Hitchhiker's Guide to the Galaxy. Dazwischen laufen zahlreiche filmische Perlen, noch nie gesehene asiatische Filme, Horror-Streifen und eine ganze Menge Kurzfilme - Spass und Unterhaltung ist garantiert. Nur wenige der Filme werden den Weg in die Schweizer Kinos finden - ein weiterer Grund, sich einen Festivalpass zu holen...
Auch dieses Jahr werden in vier Kategorien Preise verteilt. Der Méliès d'Or der European Fantastic Film Festival Federation wird den besten Fantastischen Film küren. Nominiert ist, neben sechs anderen, The Machinist. Juryvorsitz hat John Howe!
Die Leitung der International Competition hat Nicolas Roeg. Er wird zusammen mit den anderen Jurymitgliedern den Besten der zehn Nominierten mit der "Narcisse" von H.R. Giger küren.
Unter der Bezeichnung New Cinema From Asia laufen die zehn nominierten Filme aus dem asiatischen Raum. Skuril-bizzarer Horror ist vorprogrammiert!
Emanuelle Delle Piane wird schliesslich mit ihrer Jury die besten Kurzfilme in den Kategorien Swiss Shorts Competition und European Shorts Competition präsentieren.
Im Rahmenprogramm laufen weitere fantastische Filme. So läuft in der Gruppe Films of the 3rd Kind beispielsweise der bereits in Cannes mit einigem Ekel präsentierte Film Feed, welcher uns die Zwangsverfütterung von Gänsefett näherbringt... Wer sich nicht unbedingt für Magenumdreher interessiert, findet mit rund 20 Titeln der Retrospektive Invaders from Marx eine Zeitreise hinter den eisernen Vorhang. Kitschig-utopische Werke aus der DDR und der UDSSR, düstere SF aus der Tschechoslovakei oder auch ein sexy-parodistischer Beitrag aus Polen warten auf ihre Entdeckung durch den Festivalbesucher.
Der bekannteste Gast dürfte der Filmemacher Terry Gilliam (Twelve Monkey) sein. Er wird Auskunft zu seinem neusten Film The Brothers Grimm geben. Aus Japan kommen Kiyoshi Kurosawa (Cure, Seance), Ryuhei Kitamura (Azumi, Godzilla: Final Wars) und wahrscheinlich auch Takashi Shimizu. Weiter angekündigt hat sich SF-Schriftsteller Brian Aldiss, dessen Kurzgeschichte Steven Spielberg zu A.I. inspirierte, sowie Deak Ferrand mit einer Ausstellung seiner Matte Paintings, die er für Produktionen wie Matrix Revolutions, Lord of the Rings, Hellboy und Van Helsing zeichnete.
» Das komplette Programm [nifff.ch]
Die Filme des internationalen Wettbewerbs in der Übersicht:
Irland 2005
Regie: Stephen Bradley
Nathan liebt Jessica. Aber er stirbt leider, nachdem er ihr die Liebe gestanden hat. Kein Problem für seine Mama. Die erweckt ihn mit ein bisschen Voodoo wieder zum Leben. Als Zombie geht's zurück in den Unterricht. Bald beisst sich Nathan nicht nur durch den Pflichtstoff sondern auch in die Hälse der Klassenkameraden. Die Infektion breitet sich aus. Boy eats Girl bietet ein Wiedersehen mit Samantha Mumba aus The Time Machine - und da der Film an einer irischen Schule spielt, gibt's neben all den Gedärmen auch noch lecker Schuluniformen zum gucken. Doppelyammie!
Belgien 2004
Regie: Fabrice Du Welz
Ein Alleinunterhalter ist auf dem Weg zur nächsten Hochzeitsfeier als sein Auto mitten in der Wildnis den Geist aufgibt. Er übernachtet in einem abbruchreifen Hotel, das von einem psychisch angeschlagenen Mann namens Bartel geführt wird. Bartel kommt noch nicht ganz damit zurecht, dass seine Frau das zeitliche gesegnet hat und denkt bald, der Fremde sei seine verstorbene Gattin. Nichts bleibt unversucht, den armen Musikanten bei sich zu behalten. Ein weiterer Eintrag ins Filmbuch mit den crazy Landeiern, die nichts Besseres zu tun haben als Fremdlinge zu foltern.
Japan 2004
Regie: Ryuhei Kitamura
Die 28. und endgültig letzte Verfilmung des Seemonsters von Tokio unter der Regie von Ryuhei Kitamura (Azumi). Ganze zehn Monster greifen die grössten Städte dieser Welt an und bringen die UNO-Truppen an den Rand des Wahnsinns. Plötzlich tauchen riesige Flugobjekte am Himmel auf und brutzeln die Monster in Sekundenschnelle mit dem Laser weg. Die "Xiliens", wie sich die ausserirdischen Retter nennen, schlagen der Menschheit einen Friedensvertrag vor. Godzilla schläft derweil noch still im ewigen Eis der Antarktis.
Frankreich 2004
Regie: Lucile Hadzihalilovic
Irgendwo tief im Wald werden kleine Mädchen im Ballett und den Naturwissenschaften unterrichtet. Im Wald selber dürfen sie nur auf bestimmten Pfaden laufen. Vor allem dürfen sie aber das Gelände unter keinen Umständen verlassen. Liest sich ein bisschen wie The Village ist aber "gfürchiger", findet ein befriedigenderes Ende und Marion Cotillard spielt mit.
Japan 2004
Regie: Takashi Miike
Ein Plot ist schwer auszumachen in diesem Zweistünder von Takashi Miiko, der immer wieder die Grenzen der Gewalt in Kino kitzelt. Soviel sei verraten: Izo wird 1865 gekreuzigt (das heisst die erste Blutfontäne sprudelt nach 2 Minuten), stirbt aber nicht, sondern geistert als Todesgespenst durch die Weltgeschichte. In der Folge hat er grösste Mühe seine Wut zu beherrschen, mit desaströsen Auswirkungen auf alles, was seinen Weg kreuzt. Let the bodycount begin!
Kanada 2004
Regie: Daniel Roby
Thierry hasst Frauen mit weisser Haut. Noch mehr hasst er Rothaarige. Trotzdem verliebt er sich Hals über Kopf in Claire, die genau diese Charakteristiken ihr eigen nennt. Als der Literaturstudent merkt, dass Claires Schwester seinen besten Freund im Puff attackiert hat, ist er ihr schon fast verfallen. Ein Filmdébut aus Montréal, das die Krebsliga genauso erfreuen wird, wie die Freunde seltsamer Geschichten.
Japan 2004
Regie: Takashi Shimizu
Ein Kameramann filmt per Zufall einen Selbstmord. Der Schrecken im Gesicht des Opfers will ihm nicht mehr aus dem Kopf und er spürt den Grund dafür in den Tokioter U-Bahnschächten auf. Der Japaner Takashi Shimizu drehte diesen Film in nur acht Tagen zwischen Ju-On und seinem US-Remake The Grudge. Wie immer darf man sich hier auf gut japanisches Gegrusel freuen und auch wegen den Dialogen werden sich die Nackenhaare wieder sträuben.
Russland 2004
Regie: Timur Bekmambetov
Die Balance zwischen den guten und den bösen Mächten dieser Erde ist wieder einmal in Gefahr. Ein tausendjähriger Waffenstillstand kommt in Moskaus Strassen ins Wanken, als sich der vor langer Zeit prophezeite Auserwählte blicken lässt. Der Kassenschlager hat an den russischen Kinokassen für das beste Einspielergebnis eines einheimischen Streifens aller Zeiten gesorgt und sogar Spider-Man 2 und The Return of the King hinter sich gelassen. Kein Wunder sind die beiden Sequels zu den Romanen von Sergei Lukyanenko schon in Planung. Der US-Trailer verspricht aussergewöhnliche Bilder, lässt statt der Handlung aber die Effekte für sich sprechen.
Schweden 2004
Regie: Mikael Hafström
Vor 100 Jahren wurden an einem schwedischen Internat drei Schüler ermordet. Der Mörder ertränkte sich im See, aber seine Leiche wurde niemals gefunden. Die Geschichte wurde zur Grusellegende und zum alljährlichen Feiertag (!) erkoren. Als eine Studentin eine Arbeit über die Vorfälle schreibt, kommt sie hinter das Geheimnis der Morde. Und bald schon sterben weitere Studis. Ein Teenieslasher mit den üblichen Standards, bis auf die Tatsache, dass die Protagonisten Schwedisch sprechen und nordische Legenden zum Zug kommen. Denn dunkle Seen gibt es nicht nur beim "Camp Crystal Lake".
VR China 2005
Regie: Bingjian Zhang
Der eher für Komödien bekannte Chinese You Ge ist erstmals in einem übernatürlichen Thriller zu sehen. Er spielt einen Fotografen, der nach einem Unfall zu halluzinieren beginnt, er habe seine Frau umgebracht. Da die Zensur in China verbietet, Geister auf der Leinwand zu zeigen, musste sich der Regisseur etwas einfallen lassen. Suffocation basiert auf den japanischen Horrorromanen gleichen Namens. Ein Labyrinth aus Bildern, sureal und schwer zu interpretieren.
Die Kategorie "New Cinema from Asia" in der Übersicht:
Hong Kong 2004
Regie: Oxide Pang Chun
Eines Tages spaziert die junge Kunststudentin Jiney an einem tödlichen Autounfall vorbei. Obwohl sie zuerst geschockt über den Anblick einer blutigen Frauenleiche ist, zückt sie ihre Kamera, um einige Bilder zu schiessen. Von diesem Tag an, übt der Tod eine seltsame Faszination auf Jiney aus und sie wählt ihn von nun an als Hauptmotiv ihrer künstlerischen Fotografien. Sie beginnt mit dem Fotografieren von toten Tieren, doch schnell findet sie heraus, dass die Fotos des Autounfallopfers viel beeindruckender gewesen waren... Starke Nerven sind Vorausetzung für diesen atmosphärischen und verstörenden Thriller aus Honkong.
Japan 2005
Regie: Isshin Inudo
Die Psyche des besten Freundes der Menschen wird in diesem schrägen japanischen Machwerk von Isshin Inudo etwas genauer unter die Lupe genommen. Ja, die Vierbeiner haben schliesslich auch ihre Problemchen, erotischen Fantasien und komplizierten Beziehungskisten. Hier werden sie auf amüsante Art und Weise aufgedeckt.
Thailand 2004
Regie: Tanit Jitnukul
Thailand gilt zwar immer noch nicht als grosse Kino-Nation, hat aber mit diesem kreativen Horrorleckerbissen einen interessanten Beitrag zu bieten. In Nans Familie herrscht Idylle. Alle verstehen sich, und das Zusammenleben unter einem Dach könnte nicht besser funktionieren. Doch plötzlich erkrankt ihr Bruder an einer unbekannten, mysteriösen Krankheit und ihre Mutter verhält sich so, als würde sie ihre eigene Tochter nicht wiedererkennen. Geht da alles mit rechten Dingen zu oder lastet da eventuell, wie es in einem solchen Film ja nicht abwegig wäre, ein Fluch über dem Haus der Familie?
Philippinen 2004
Regie: Chito S. Roño
Joy findet im Bus einen Spiegel. Keinen gewöhnlichen Spiegel, nein, einen sogenannten Bagua-Spiegel, der Harmonie in die Umgebung bringen sollte, in der er sich befindet - ein Feng-Shui Objekt eben. Doch statt Harmonie gibt's Unheil und die ersten Fmailienmitglieder sterben. Philippinischer Horrorfilm, der auch ohne blasse, langhaarige Mädchen als Spukgestalt auskommt.
Japan 2004
Regie: Tetsuo Shinohara
Diese rabenschwarze Komödie aus Japan dürfte sowohl für Gelächter als auch für Zähneknirschen sorgen. Die Midori Gang ist eine Gruppe geschiedener Frauen mittleren Alters. Als eines ihrer Mitglieder von einer anderen Gang brutal ermordet wird, schwören die Midoris blutige Rache, was in einen unterhaltsamen Teufelskreis ausartet.
Hong Kong 2004
Regie: Toe Yuen
Bereits 2003 sorgte diese asiatische Animationskuriosität am NIFFF für begeisterte Zuschauer. Grund genug für die Veranstalter des Festivals den kultigen MacMug dieses Jahr zurückkehren zu lassen. MacMuc ist Held einer Honkong-Zeichentrickserie. Das NIFFF zeigt drei Episoden der Abenteuer des rosaroten putzigen Schweines. Mit Figuren wie dem "Excreman" und anderen verspricht diese Vorführung Toilettenhumor auf höchstem, schweinischem Niveau. Ein Sauspass!
Philippinen 2004
Regie: Erik Matti
Letztes Jahr hat Erik Matti das NIFFF-Publikum mit seiner Spiderman-Persiflage Gagamboy und seinem symphatischen Erscheinen am Festival begeistert. Dieses Jahr wird sein erster Horrorfilm gezeigt. Ein grosses Haus, eine Familie bei einer Beerdigung und eine ganze Menge dieser roten Flüssigkeit sind Hauptdarsteller in diesem The Excorcist-mässigem Schocker.
Thailand 2004
Regie: Matthew Sakdhiweerakolä
Oui ist eine Waise. Ihre Eltern wurden ermordet und so muss die junge Frau zu ihrer Tante ziehen, die eine Druckerei besitzt. Ihre Tante beauftragt sie damit, auf ihren Enkel, den kleinen Arm, aufzupassen. Dieser hat ein Geheimnis, das er Oui anvertraut: "I see dead people". Neben seinen Beziehungen zu Geistern, scheint mit dem Junge auch sonst etwas nicht ganz zu stimmen. Der Umgang mit Arm ist nicht gerade ideal für Oui, die noch immer an Halluzinationen als Auswirkungem des Traumas leidet, welches sie seit dem Mord an ihren Eltern mit sich trägt. Eine Geistergeschichte aus Thailand.
Südkorea 2005
Regie: Sang-soo Im
Dieser Thriller mit einer gehörigen Portion Politsatire aus Südkorea sorgte in seinem Entstehungsland bereits für heftigen Zündstoff und musste sogar um 4 Minuten gekürzt werden. Zu sehr könne man die Fiktion und die Realität verwechseln, argumentierten die Gegner des Streifens. Nach der Aufführung in Cannes, wird dieser kontroverse Film über das Attentat auf den Diktator Park Chung-Heui im Jahe 1979 nun auch in Neuchâtel zu sehen sein. Der militärische Herrscher, der die Reichen reicher werden liess und die Menschenrechte unter seinem harten Regime immer wieder einschränkte, wird in diesem link(ischen) Film offensichtlich stark kritisiert.
Japan 2004
Regie: Takashi Miike
Kultregisseur Takashi Miike hat mit Zebraman seinen ersten familienfreundlichen Film inszeniert. Ein grosser Schritt für den Meister der extremen Gewalt. Die Superheldenkomödie Zebraman erzählt die Geschichte eines Vaters und Lehrers namens Shinichi, der mit seinem Leben nicht zufrieden ist und gerne mehr erreichen würde. Er träumt davon, als Zebraman das Verbrechen zu bekämpfen. Dieser Held war Hauptfigur einer nach nur wenigen Episoden abgesetzten TV-Serie aus der Kindheit Shinichis. Er entschliesst sich also, im selbst gemachten Zebrakostüm seinen ersten Gegner, den "Krabbenmann" zu bekämpfen. Doch als die Erde von Ausserirdischen bedroht wird, warten auch grössere Aufgaben auf den frischgebackenen Superhelden. Eine schräge Komödie, die bestimmt kein Auge trocken lässt.
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09.06.2005 / ma, rm, th