Murderball (2005)
Pressekonferenz mit Mark Zupan
Von wegen aggressiv - Mark Zupan, einer der Protagonisten im Dokumentarfilm Murderball, beantwortet an der Pressekonferenz selbst die dümmsten Fragen der Journalisten. Für ihn waren die Dreharbeiten keine Zusatzbelastung, im Gegenteil: er hat in der Filmcrew neue Freunde gefunden. Diese haben ihn während den zweieinhalb Jahren Drehzeit beinahe ohne Unterbruch begleitet. Für Zupan gab es keinen Unterschied zwischen off- und on-camera, denn Ehrlichkeit war für ihn eine Grundvoraussetzung für den Filmdreh.
Das Filmteam sollte jede Frage direkt an ihn stellen, und er blieb ihnen keine Antwort aus - selbst in vermeintlich heiklen Fragen über Beziehungen und Sex. Das ist zugleich auch die Kernaussage des Filmes: Trotz ihrer Behinderungen sind es normale Menschen, die sich ohne grosse Hilfe durch das Leben schlagen können. "It is not humiliating, it is reality." - obwohl an den Rollstuhl gefesselt, sind sie normal wie jeder andere.
Im Sport wird dies besonders klar. Die in den Siebzigern in Kanada erfundene Sportart "Murderball" verbreitete sich in den Neunzigern weltweit unter dem marketingtechnisch praktikableren Namen "Wheelchair Rugby". Wie in anderen Teamsportarten auch ist es den Spielern wichtig, für ihr Land zu gewinnen. Im Film wird dies besonders durch die stetige Rivalität zwischen Team USA und Team Kanada portraitiert. "Respekt ist zwar wichtig", meint Zupan, "doch dieser muss man sich erst verdienen", und spricht darauf auf die internen Streitereien mit dem Ex-Teammitglied Joe Soares an.
Auf den Kommentar eines Journalisten, dass ihm die Aggressionen und Behinderungen der Spieler einen Brechreiz auslöste und er den Kinosaal vorzeitig verlassen musste, erwiderte Zopan, dass er dies nicht verstehen könne. In anderen Sportarten sei der Ergeiz genau ausgeprägt. Die Behinderungen mögen zwar für Aussenstehende schlimm sein, ihm und seinen Teammitspieler haben sich aber durch den Sport verwirklichen können. Aus der Behinderung ist inzwischen eine akzeptierte Tatsache, ja gar ein "good thing" geworden.
Aus den über 200 Stunden Filmmaterial ist eine 86 minütige Dokumentation geworden, mit der Zopan sehr zufrieden ist. Sie zeigt sein wahres Leben, und vor allem, dass der Sport Murderball "a real thing" ist. Er hofft, dass es den Nichtbehinderten hilft, Menschen mit Behinderungen besser zu verstehen und ihnen einige brennende Fragen beantworten kann. OutNow.CH meint: Ziel mehr als erreicht!



