Mein Name ist Eugen (2005)

Die Macher

Ein bisschen sehen sie selber aus wie zwei schon etwas ältere Lausbuben, als sie an der Pressekonferenz neben den jungen Hauptdarstellern ihres neuesten Films Mein Name ist Eugen sitzen. Regisseur und Autor Michael Steiner und Drehbuchschreiber Michael Sauter haben mit Werken wie Nacht der Gaukler oder Strähl vor ein paar Jahren fast im Alleingang bewiesen, dass unterhaltende Schweizer Filme kein Oxymoron sein müssen. Mittlerweile drehten oder schrieben die beiden unabhängig voneinander kommerzielle, erfolgreiche Filme wie den spannenden TV-Film Spital der Angst oder den CH-Blockbuster Achtung, fertig, Charlie!. Es verwundert daher nicht, dass neben Eugen auch ihre zweite Zusammenarbeit, die für den Herbst angekündigt ist, sehnlichst erwartet wird: Grounding, ein Spielfilm um und über die letzten Machtspiele am Swissairhauptsitz im Herbst 2001. Beide Filme setzen auf Themen mit Massenappeal und handwerklich perfekt auf Stromlinienform getrimmte Drehbücher.

Michael Sauter

Michael Sauter
Drehbuch

Michael Steiner

Michael Steiner
Regie, Drehbuch

Doch, dass zwei Menschen alleine keine guten Filme zustande bringen, auch wenn sie auf noch so guten Ideen fussen, ist den beiden durchaus bewusst. Ohne Ehrerbietung an die "Wahnsinnsleistung" der Kinder geht Steiner nicht vom Podium, auf dem er zu den Journalistinnen und Journalisten spricht, die Eugen gerade zum erstem Mal zu sehen bekommen haben. Er betont, dass solches nur möglich war durch zwei Abteilungen, auf die bei dieser Produktion besonderen Wert gelegt wurde: Den Coaches der jüngsten Darsteller, von denen es in Eugen nicht wenige gab und den Verantwortlichen für die Kostüme. Wie schwierig es war, 107 Drehorte in der Schweiz in die Sechziger Jahre zurückzubeamen, weiss wohl nur, wer selber dabei gewesen war.

Eugen darf ruhig als "eine Liebeserklärung an das Land" verstanden werden, sagte Steiner im Hinblick auf die Lieder und Szenerien, die im Film zu hören und sehen sind. Beiden scheint aber auch das Budget von sechs Millionen Franken gefallen zu haben, was Eugen zum teuersten Schweizer Film seit Vollmond vor acht Jahren macht. Damit liess sich so richtig auf den Putz hauen; mit 1000 Liter Wasser und einem Boot, dass drei Stockwerke hindurchsaust. Wenn sie von den Vorbereitungen für diese Szenen sprechen, funkeln die Augen der beiden Hoffnungsträger des Schweizer Films wieder wie die zweier Lausbuben, die den perfekten Streich planen. Eine Freude die auch im OutNow.CH Interview nach der Pressekonferenz zu spüren war.

OutNow.CH (ON): Wie geht man einen "Generationen übergreifenden" Film an? Ist das schwierig zu bewerkstelligen?

Michael Sauter (MSa): Das ist ziemlich easy. Du nimmst ein paar Kinder und deren Eltern. Und schon hast Du einen Generationen übergreifenden Film. Dann fehlt noch Tante Melanie.

ON: Ist nicht auch der Nostalgie-Effekt ein Gimmick, das den Film für ältere Generationen öffnet. Eine Seniorin allein macht noch keinen Generationen übergreifenden Film.

Michael Steiner (MSt): Was heisst schon Nostalgie-Effekt? Es ist einfach ein "Period Piece" (Ein Werk das während einer bestimmer Epoche spielt Anm. der Red.). Die Frage ist, ob man bei Titanic auch von einem Nostalgieeffekt spricht. Oder bei all den anderen Filmen, die in Amerika gedreht werden. Eugen spielt einfach zu dieser Zeit. Wenn das Nostalgie erweckt, ist das gut.

ON: Einen Kondukteur wie in Eugen sieht man aber in amerikanischen Filmen nicht.

MSt: Doch. Einen Kondukteur gibt es in den amerikanischen Filmen auch. Er sieht auch aus, wie einer aus den 60er Jahren, wenn der Film in den Sechzigern spielt.

ON: Genau. Nur hat das Schweizer Publikum daran keine eigenen Erinnerungen, vielleicht an den eigenen Grossvater, der auch noch eine solche rote Tasche hatte.

MSt: Das ist der Punkt. Das ist einfach ein Film. Wenn man sich an etwas erinnert, heisst das einfach, dass die Filme, die vorher gemacht wurden, keine Assoziationen geweckt haben. Das ist der Unterschied. Gäbe es Hunderte von "Period Pieces" aus der Schweiz, wäre das Gefühl nicht da. Man würde einfach sagen, der Film spiele in den 60er Jahren.

ON: Wie wurde entschieden, was aus dem Buch in den Film genommen werden konnte, und was nicht?

MSa: Ich wollte zuerst gar nichts aus dem Buch. Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich liebte das Buch als Kind. Doch als ich es wieder gelesen habe, fiel mir auf, dass das Buch keine Charaktere und keine Geschichte hatte. Es waren einfach Episoden, die wegen der Sprache sehr witzig waren.

MSt: Ich habe dann im Kollegenkreis herumgefragt, an was man sich erinnert beim Stichwort "Mein Name ist Eugen". Erwähnt wurden der Helm, die Sirupflasche und das Kugellager im Huhn. Da war klar, dass diese Elemente sicher rein mussten.

MSa: Und daraus wurde dann eine Geschichte mit Anfang und Ende.

ON: Habt ihr an andere Filme gedacht beim Schreiben des Drehbuchs?

MSa: Eigentlich nicht. Wir haben einfach gedacht, dass wir das einigermassen zeitgemäss machen müssen. Mit Rückblenden mitten in den Szenen und Off-Stimmen. All diese Tricksereien, die sich seit den 90er Jahren auch in Mainstreamfilmen etabliert haben.

MSt: Sich nicht vor modernen Erzählstrukturen scheuen.

ON: Der Anfang des Films erinnert ein bisschen an Amélie. Ist das ein Zufall?

MSt: Jein. Wir wollten einfach einen Anfang, der rockt.

MSa: Eigentlich dachten wir an "James Bond".

MSt: Ich habe auch viel aus Trainspotting rein getan. Die Off-Stimme zum Beispiel. Trainspotting ist sicher ein Film, der mich sehr beeindruckt hat. Der hat vom Thema nichts mit Eugen zu tun, aber in der Struktur gibt es da schon Ähnlichkeiten.

ON: Wo war es am schwierigsten, all die Gaffer vom Set fernzuhalten?

MSt: Eigentlich in allen Städten. In Bern waren es fünfzig Helfer, die die ganze Innenstadt hermetisch abriegelten. In Zürich dasselbe. Wir hatten zum ersten Mal so grosse Sets in der Schweiz und hatten das nach amerikanischem Vorbild organisiert, indem wir quasi Ringe bauten ums Set. Im zweiten Ring durfte man nicht reinlaufen, wenn im Innenring geschossen wurde. Mit diesem System ging es ziemlich gut, die Leute fern zu halten.

ON: Was denkst ihr, wird nach Mein Name ist Eugen die Anzahl Streiche in der Schweiz zunehmen?

MSa: Wir hoffen es. (Er lacht)

ON: Du, Michael Sauter, hast einige Filme in den Startlöchern, deren Releases nur wenige Monate auseinander liegen. Zuerst Snow White im August, dann Eugen einen Monat später und im Oktober noch Grounding. Hat man da noch einen Lieblingsfilm?

MSa: Grounding habe ich noch nicht gesehen, aber der wird sicher gut. Eugen war einfach der lässigste zum machen.

ON: Das sagst du jetzt nur, weil hier und heute für den Film Promotion gemacht wird.

MSa: Nein. Gar nicht. Versetze dich mal in einen Schweizer Drehbuchautor, der normalerweise Filme schreiben muss, die so um eine Million herum kosten dürfen. Da darfst du keine Scheibe kaputt machen. Und plötzlich kommt da ein Film, der in den 60er Jahren spielt, und es brechen Boote durch die Decke. Das ist einfach der "Plausch". Ich hatte grossen Spass daran. Der Film ist jetzt auch wirklich gut geworden. Ich finde Snow White auch einen guten Film. Das ist aber etwas ganz anderes. Es war ein mühsamerer Prozess.

ON: Wieso mühsamer? Da seid ihr ja auch zu zweit gewesen beim Schreiben. Oder lag es einfach am Geld?

MSa: Nicht unbedingt wegen dem Geld. Ich versetze mich extrem gerne in Kinder. Ich finde Kinderlogik lässiger als die Logik einer 20-jährigen Kokserin aus reichem Hause. Da kannst du auch mehr aus dir selber rausholen.

ON: Zeitweise hat man das Gefühl, du bist fast noch der einzige Deutschschweizer Drehbuchautor. Vor allem im kommenden Herbst. Wird man reich dabei?

MSa: Nein.

MSt: Ausser der Bentley vor dem Kino.

MSa: Ah ja, stimmt. Den haben sie mir nachgeworfen. Aber jetzt mal ehrlich. Reich wirst du nicht.

ON: Was steht als nächsten an? Gibt es schon was zu erzählen über Breakout mit Melanie Winiger?

MSa: Nein. Darüber darf ich nicht noch nichts verraten.

22.07.2005 / rm, nd (Text), th (Bilder)