Jo Siffert - Live fast, die young (2005)
Interview mit Men Lareida (Regisseur)

Men Lareida
Der Churer Men Lareida absolvierte die Filmausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst. 1998 hat er mit dem dokumentarischen Filmessay Pofonok - einem Film übers Boxen - abgeschlossen. Seither ist auf dem freien Markt tätig, hat Drehbücher geschrieben und arbeitet als Filmtechniker. Über seine Industriefilme möchte er lieber nicht reden. Das Rennfahrerportrait Jo Siffert - Live fast, die young ist sein erster grosser Film. OutNow.CH hat mit ihm über die Recherche in Estrichen, Rennfahrer früher und heute und Ulrich Giezendanners Ideen gesprochen.
OutNow.CH (ON): Joe Siffert - Live fast die Young hat viele sehr interessante Archivaufnahmen, die quasi die Grundlage des Films bilden. Wie bist du an diese herangekommen?
Men Lareida (ML): Dieser Fund hat die Form des Films stark beeinflusst. Der Film wäre sicher anders geworden ohne die Aufnahmen. Ich mag Sport und ich mag Krimis. Deshalb hatte ich viel Spass beim Durchstöbern von Dachstöcken und Kellern. Ich habe die Leute so lange genervt, bis sie mit den Sachen rausgerückt sind.
ON: Waren das Zufallsfunde? Die Aufnahmen standen nicht am Anfang des Projektes schon bereit, sondern kamen erst im Verlauf der Recherche dazu?
ML: Es hat sich so ergeben. An das sehr schöne Filmmaterial aus Amerika, das Heini Mader oder seine Frau gedreht haben, kam ich, als er mir anrief, ich solle mit einem grossen Koffer in seine Fabrik im Kanton Waadt kommen. Dann hat er mir das 8mm-Material übergeben.
ON: War es ansonsten schwierig, Jo Sifferts Angehörige und Freunde zum mitmachen im Film zu bewegen?
ML: Es gab verschiedene Reaktionen. Viele merkten schnell, dass ich nur wusste, wie ein Rennauto aussieht, aber nicht viel mehr. Es gab deshalb ein paar, die mir sagten: "Lerne du erst einmal, was ein Kolben und was ein Zylinder ist und komme dann wieder." Generell alle haben mich auch gefragt: "Warum gerade jetzt ein Film über Siffert? Lass uns in Ruhe!" Es war für diese Leute auch emotional schwierig gewesen, sich noch einmal damit zu befassen. Schlussendlich habe ich aber eigentlich offene Türen eingerannt.
ON: Warum hat es sehr wenig überlebende Rennfahrer aus dieser Zeit im Film?
ML: Es kommen ein paar vor, zum Beispiel Peter Gigg. Warum nicht mehr hat einen einfachen Grund. Alle Leute, die ich traf waren im Grunde sehr umgänglich und nett und sagten alle: "Joe Siffert? Super, kein Problem. Komm ruhig vorbei." Bis Anwälte oder Berater ins Spiel kamen.
ON: Wärst Du selber gerne Rennfahrer geworden?
ML: Ich bin Velofahrer, bin sehr fasziniert von der Mechanik des Velos und habe kein eigenes Auto. Durch diesen Film habe ich die Möglichkeit gehabt, ein paar Mal sehr schnell Auto zu fahren. Das hat mir enormen Spass gemacht. Früher als Kind wollte ich gerne Rennfahrer werden, klar. Abgesehen, dass ich zu gross bin - ich passe gar nicht richtig in die Autos rein - hat bei mir halt doch der letzte Zwick gefehlt. Ich bin halt schlussendlich doch ein "Schisshaas".
ON: Was unterscheidet einen Jo Siffert von Ayrton Senna und Michael Schuhmacher, die beide später kamen?
ML: Ich weiss definitiv zu wenig über die anderen beiden. Du nimmst jetzt natürlich drei Spitzenfahrer. Die beiden anderen waren aber viel erfolgreicher als Siffert. Senna war wohl ein Typ, den einfach alle mochten. Schuhmacher ist ein sehr interessanter Mensch für mich. Er schafft es, seit es ihn gibt, immer nur einen Teil seiner Persönlichkeit zu präsentieren, und das macht er mit einer rigorosen Konsequenz. Ein herausragender Champion ist er auf jeden Fall.
ON: Woher stammt der Easy-Listening Soundtrack im Film? Ich glaube nicht, dass der auch auf einem Dachboden entdeckt wurde. Da gibt es tatsächlich eine Band.
ML: Genau. Das ist tatsächlich eine Band. Da kriegst du aber Probleme mit dem Musiker, wenn du diese Art von Musik Easy Listening nennst. Der Musiker heisst Netz Measchi. Die Band heisst Stereophonic Space Sound Unlimited. Von denen gibt es schon diverse Platten. Ich kannte deren Musik. Ich wollte unbedingt komponierte Filmmusik, die nach Musik von gestern tönt.
ON: Welche Art von Etikette würdest Du denn dem Sound geben?
ML: Easy Listening. Wenn mich der Musiker aber fragen würde, müsste ich abstreiten, es so genannt zu haben. (Er lacht) Es ist einfach Musik, die sich an den klassischen Soundtracks aus den 70ern orientiert.
ON: Dein Film ist der einzige Schweizer Film, der am Festival von Locarno auf der Piazza Grande gezeigt wird. Was löst es aus, wenn man als einziger die Schweiz vertreten muss vor 7000 Leuten?
ML: Ich hoffe, der Film wurde nicht ausgewählt, weil es ein Schweizer Film ist, sondern weil es ein guter Film ist. Ein Film sollte eigentlich eine Sprache sprechen, die man überall versteht.
ON: Zum Schluss gibt es wie fast immer die so genannten Popup-Fragen.
Formel 1
ML: Ein aufregender, absoluter Riesenblödsinn.
ON: Steve McQueen
ML: Ein scharfer Hund, der genau wusste, bei wem er abschauen musste.
ON: Ulrich Giezendanner
ML: Ich glaube, das ist ein erfolgreicher Transportunternehmer.
ON: Zu seinen Formel 1 - Plänen hast du nichts zu sagen?
ML: Das ist einfach typisch für seine Partei. Ich möchte aber etwas dazu sagen. Ich verstehe den Wunsch wirklich. Ich habe auch viel Kontakt mit Menschen, die heute in der Schweiz Rennen fahren. Ich verstehe, dass diese ihren Sport im eigenen Land ausüben wollen. Wenn mir Herr Giezendanner einen Ort in der Schweiz zeigen kann, wo ein Formel 1 - Rennen möglich wäre, könnten wir darüber reden. Auf meiner Prioritätenliste steht so eine Rundstrecke nicht zuoberst. Ich hätte lieber zuerst ein richtiges Filmstudio.
ON: Jung sterben oder alt werden.
ML: Alt werden, logischerweise.
ON: OutNow.CH
ML: Ich bin gespannt, was ihr über mich schreiben werdet.



