The Brothers Grimm (2005)

Die Gebrüder Grimm

Interview mit Lena Headey

Lena Headey

Lena Headey

Obwohl Lena Headey, geboren in London 1976, nun seit vierzehn Jahren als Schauspielerin arbeitet, ist sie jenseits der englischen Grenzen noch immer ein unbeschriebenes Blatt. Etwas das sich bald ändern wird: Mit ihrer Rolle in Terry Gilliams neuem Film The Brothers Grimm wird sie wohl endlich den Status erlangen, den sie verdient hat. Im Film hilft sie als toughe Angelika den beiden Brüdern das Geheimnis des verwunschenen Waldes aufzudecken. OutNow.CH hatte die Möglichkeit, mir ihr in Venedig zu sprechen.

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Fast so schlimm wie eine PR-Tour

Fast so schlimm wie eine PR-Tour

OutNow.CH (ON): Ist das hier deine erste grosse PR-Tour?

Lena Headey (LH): Ja. Es ist ziemlich verrückt und geistig ermüdend. Das klingt jetzt vielleicht lahm, aber es ist schrecklich. Man will cool bleiben und ein bisschen unterhaltend und interessant wirken. Aber nach neunzehn verschiedenen Räumen weiss man einfach nicht mehr, was man sagen soll. Dabei bin ich nicht mal betrunken.

ON: Ist es der schlimmste Teil des Berufs?

TG: : (beschämt) Ja. Zwar - früh aufstehen ist noch schlimmer.

ON: Wie gefällt dir Venedig im Vergleich zu anderen Festivals?

LH: Ich bin gestern um vier Uhr aufgestanden und steckte dann seit sieben Uhr in diesen Presseräumen fest. Abends dann die Party. Ich hab also nicht viel mitbekommen. Ich denke aber, dass es wunderbar ist. Ich sehe einfach nur euch mit euren gelben Notizblöcken. Die sind sicher ein Teil von eurem Kult. Alle müssen gelbe Notizblöcke haben. Das macht mich ganz verrückt.

ON: Dann hoff ich mal, dass wir nicht allzu böse sind

LH: Das seid ihr natürlich nicht. Für euch ist es ja dasselbe. Ihr sitzt hier auch nur rum und stellt den Leuten immer dieselben Fragen, während dessen ihr auch am Strand hängen könntet.

Lena als Angelika

Lena als Angelika

ON: Lass uns deine Karriere ein bisschen genauer anschauen. Du hast zwar viel Interessantes gemacht, gehörst aber noch nicht zu den allzu bekannten Gesichtern. Wie kam es dazu, dass dich Terry Gilliam gecasted hat?

LH: Ich weiss es nicht. Ich denke, es ist eins dieser wilden Dinge, die gerade dann passieren, wenn einer an dich denkt, weil du gerade da bist. Es entzieht sich total meiner Kontrolle, wenn du weisst, was ich meine.

ON: Wie lief das Screen Testing ab?

LH: Schrecklich. Ich war ziemlich neben den Schuhen. Ich traf Heath, Matt und Terry alle zur selben Zeit. Ich dachte mir: "Oooookay."

ON: Kann man beschreiben wie Terry Gilliam arbeitet? Teilt er seine Visionen mit, erklärt er viel?

LH: Er macht das. Man muss ihm aber an den Fersen kleben. Er ist ein Wirbelwind. Man bekommt die Informationen on the go. Man setzt sich nicht hin und diskutiert alles von A bis Z. Einen intimen Moment mit ihm gibt es nur selten. Aber das macht es so interessant. Man muss einfach in die Sache vertrauen und viel improvisieren.

ON: Für viele ist er ein Held. Wann hast du das erste Mal von ihm gehört?

LH: Meine Eltern waren Monty Python Freaks. Ich hatte deshalb den Overkill. Meine allerersten Erinnerungen sind deshalb nicht allzu gut. Mein erstes Aufeinandertreffen mit ihm war The Fisher King.

ON: Deine Rolle im Film ist eher mysteriös.

LH: Nun, Angelika scheint sowohl in der Realität als auch in der Fantasie zu existieren. Sie ist einfach Teil des ganzen Mixs.

Auf der Suche nach Fröschen

Auf der Suche nach Fröschen

ON: Hast du echt den Frosch geleckt?

LH: Ich habe die Kröte geleckt.

ON: War es eine richtige Kröte?

LH: Ja. Es waren einige. Das kann ich dir versichern.

ON: Wie war es mit Heath and Matt zusammen zu arbeiten?

LH: Sie sind ganz unterschiedlich, aber beide ziemlich hässlich. Deshalb habe ich auch die Kröte geküsst. Entweder Matt, Heath oder eben die Kröte. (Sie lacht) Jemanden musste das Mädchen ja küssen! Nein, ich denke, dass sie wunderbare und brilliante Schauspieler sind. Und sie haben sich sehr gut verstanden untereinander. Es sind Typen wie du und ich.

ON: Beide Gebrüder Grimm stehen auf deine Figur im Film. Wen würde Angelika vorziehen?

LH: Ich persönliche denke sowieso, dass sie homosexuell ist. Das ist eher so ein Familiending mit den Grimms. Sie denkt einfach, dass es ziemlich Deppen sind und geniesst die Zeit mit ihnen.

Lena Headey

Lena Headey

ON: Was ist dein Lieblingsmärchen?

LH: Meins war schon immer "Three Billy Goats Gruff" mit dem Troll (Hör dir das Märchen hier in Englischer Sprache an.) Ich mag deformierte, seltsame Dinge in meinen Märchen. Eine Kindheit ohne Märchen könnte ich mir nicht vorstellen. Die sind viel zu wichtig.

ON: Wo hast du die Schauspielerei erlernt?

LH: Ich habe weder als Schauspielerin noch als Reiterin eine Ausbildung genossen. Alles war deshalb neu für mich, aber das ist, was ich am Job so liebe. Das Learning by doing. Ich arbeite nun schon seit vierzehn Jahren und hab schon einiges getan.

ON: Hast du noch andere Pläne neben der Schauspielerei?

LH: Ich hoffe, dass ich in etwa zehn Jahren auch selber Regie führen werde. Ich denke, dass es immer Möglichkeiten für alles gibt. Ich bin dummerweise ungebildet, und habe deshalb diesen Makel. Aber, man weiss ja nie.

ON: Hast du schon mal Regie geführt? Bei einem Kurzfilm vielleicht?

LH: Nein. Nicht wirklich. Einen Kurzfilm zu finanzieren ist, in London fast unmöglich. Es gibt kein Interesse an Kurzfilmen.

ON: Du hast aber schon Ideen?

LH: Natürlich. Darüber werde ich aber nichts erzählen.

ON: Wie ist die Situation in England? Ist es eine gute Zeit für Filme im Moment?

LH: Nein. Vor etwa zehn Jahren hatte sich das Britische Kino selbständig machen können. Dann fingen wir an, die dicken amerikanischen Blockbuster zu machen, was ein grosser Fehler war. So wurden all die Steuervorteile und die Anreize zunichte gemacht. Jetzt versuchen sie, alles wieder aufzubauen und neue Möglichkeiten zu kreieren. Ich denke, Etwas wird innerhalb der Industrie wiedergeboren werden. Es wird sicher aufregend, aber im Moment passiert da noch nicht viel. Noch entwickelt sich keine Industrie.

ON: Gibt es jemanden, mit dem du zusammen arbeiten möchtest?

Shane Meadows

Shane Meadows

LH: Ja, es gibt dem englischen Schauspieler Shane Meadows, den ich liebe. Er ist brilliant. Und Pedro Almodovar. Der ist verdammt fantastisch! Ich müsste jedoch spanisch lernen. Die beiden sind Momentan auf meiner Wunschliste.

ON: Was schaust du dir selber gerne an, wenn du dich überhaupt für Filme interessierst?

LH: Alles. Ich bin sehr vielseitig. Manchmal hole ich mir auch Blockbuster ins Haus, bin dann sehr enttäuscht und frage mich, warum ich es schon wieder getan habe. Momentan gibt es tonnenweise Filme, die ich im Kino sehen möchte. Aber die unabhängigen Kinos verschwinden mehr und mehr, was sehr enttäuschend ist. Bald gibt es in London nur noch diese grossen Kinokomplexe.

Mit John Malkovich in Ripley's Game

Mit John Malkovich in Ripley's Game

ON: Hast du kürzlich etwas gesehen, das dir Eindruck machte?

LH: Ich habe gerade Harold and Maude gesehen. Einen Film, den ich schon lange sehen wollte.

ON: Hat er dir gefallen?

LH: Ah, ich liebte ihn. Ich ging richtig mit. Ein richtiger Klassiker.

ON: Für welche Themen interessierst du dich als Schauspielerin am meisten?

LH: Die interessantesten Dinge sind die kleineren psychologischen Beziehungen. Ich mag dunkle Stoffe.

Aberdeen Poster

Aberdeen Poster

ON: Gibt es einen Film von dir, der dies alles vereint?

LH: Nun ich habe Aberdeen gedreht über eine ziemlich zerrüttete Familie.

ON: Was steht als nächstes an?

LH: Ich weiss es nicht. Ich war gerade in Los Angeles, habe mich durch ein paar Castings gekämpft. Ich warte noch auf Antworten.

ON: In wievielen Ländern hast du schon gearbeitet?

LH: Norwegen, Italien, Spanien, England. Ich arbeite mich langsam durch Europa.

ON: Arbeitest du auch in Amerika?

LH: Nein. Hauptsächlich Europa.

ON: Aus eigenen Stücken, oder hat sich das einfach so ergeben?

LH: Ich denke ein bisschen von beidem. Es hat sich einfach nicht ergeben und es gibt Dinge, die mich einfach nicht interessieren, die mich aber rüber gebracht hätten.

In Venedig

In Venedig

ON: Wieviel Zeit hast du in Prag verbracht?

LH: Das waren fünf Monate. Es ist eine wunderbare Stadt. Nach einer Weile wird es einem aber zu klein. Man kennt sich. Ich habe die Zeit dort aber sehr genossen.

ON: Du bevorzugst also die grossen Städte in deinem alltäglichen Leben.

LH: Ich liebe halt London einfach. In grossen Städten kann man anonym bleiben. Das sage ich nicht, weil ich berühmt bin. Ich will einfach nicht den Leuten über den Weg laufen, die ich nicht sehen will. Man kann einfach besser sich selber sein.

10.09.2005 / mazemaster, andri, rm