The Ring Thing (2004)

Das Interview mit Christoph Silber

"Wer hat's erfunden?" fragte der Mann in der Bonbonwerbung die Völker dieser Erde. Die Antwort lautet dann jeweils: "Die Schweizer". Viele Fans behaupten dasselbe mit Stolz von The Ring Thing. Sie alle liegen falsch. Die erschütternde Wahrheit wurde von OutNow.CH gnadenlos aufgedeckt. Ein Deutscher hatte die Idee zum Film. Wie Schuppen fällt es einem Augen, wenn man Autor Christoph Silber zuhört. "Ein Märchenreich voll schöner Wunder, eine eigenartig liebenswerte und faszinierend bizarre Welt voll seltsamer Wesen, die in fremden Sprachen sprechen und deren Gesetze und Kultur man als Aussenstehender nie ganz begreifen wird - all das ist Mittelerde". Nur ein Ausländer denkt so bei seinem ersten Besuch in der Schweiz. Silber tat genau dies und fand Menschen hier, die ihm halfen, seine Vision zum Leben zu erwecken. Er ist sich aber seiner Schuld bewusst, wie die folgenden Antworten zeigen, die er OutNow.CH per E-Mail zukommen lassen hat.

OutNow.CH (ON): Wieviel Mal hast du den fertigen Film schon gesehen?

Christoph Silber (CS): Überhaupt noch nicht. Man wollte mir wohl den Schock ersparen. Ich habe allerdings einiges von den Dreharbeiten mitbekommen und Muster angeschaut.

ON: Wie stösst man als Deutscher zu einem Projekt wie The Ring Thing dazu?

Mittelerde.CH

Mittelerde.CH

CS: Dominik Kaiser von Elevator fragte mich, ob ich eine Idee für eine Low Budget Comedy fürs Schweizer Kino hätte. Hatte ich dann auch. Es ist also alles meine Schuld.

ON: Einige der OutNow.CH User bezweifeln, dass bei den Dreharbeiten zu The Ring Thing überhaupt ein Drehbuch im Spiel war. Du solltest als Autor kompetent dazu Auskunft geben können.

CS: Das wird einem bei unseren Vorbildern wie Scary Movie wohl kaum anders gehen. Ziel war ein Trashfilm. Dabei fällt natürlich vieles vom Dialog weg, einfach weil das Team sehr schnell und unter extrem schlechten Bedingungen arbeitet - eben trashig.

ON: Bist du selber zufrieden mit dem, was jetzt im Kino als Endprodukt gezeigt wird?

CS: Zufriedenheit ist ein grosses Wort. Film, zumal Low Budget, lebt immer aus Kompromissen. Wie gesagt, die allerletzte Version kenne ich nicht. Auf jeden Fall hat mich der Enthusiasmus aller Beteiligten sehr gefreut, und ich bin stolz, dass wir diesen Film allen Unkenrufen zum Trotz auf die grosse Leinwand bekommen haben.

ON: Verstehest du Schweizer Dialekte? Wenn ja, könntest du die verschiedenen Idiome auch unterscheiden?

CS: Als Autor hat man ein gewisses Sprachgefühl, will sagen das meiste glaube ich schon zu verstehen. Aber letzten Endes musste ich mich da ganz auf den Schweizer Co-Autor André Küttel verlassen, denn sprechen oder gar selbst schreiben kann ich Schweizerdeutsch nicht.

Rackaroll in Action

Rackaroll in Action

ON: Wie war es, deinen Plot zum ersten Mal mit Schweizer Dialogen zu hören?

CS: Erkennt man seine Arbeit da noch wieder? Ich fand es - sorry, liebe Schweizer - spontan vor allem niedlich. Habe allerdings bedauert, dass einige Texte und Szenen rausgeflogen sind, die ich sehr mochte. Aber so ist das nun mal.

ON: Wer kam auf die Namen der Figuren wie Rackaroll und Grmpfli?

CS: Für die Namen und die Geschichte nehme ich alle Schuld auf mich. Danksagungen und Morddrohungen bitte an meine Agentur in Berlin.

ON: Du bist ein sehr gläubiger Mensch? Wie kommst du mit dem Humor in The Ring Thing zurecht?

CS: Na, jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Christen lachen auch. Sie haben genau genommen viel mehr zu lachen als andere Leute. Zugegeben, manche Sachen im Film sind natürlich ziemlich ins Platte abgerutscht. Aber es ist ja auch keine Kirchenpredigt, sondern eine Kinokomödie.

ON: Was macht ein Script Consultant beim Überarbeiten des Buches zu Good Bye Lenin? Ich habe gehört, du seist der einzige Ostdeutsche innerhalb des Schreibprozesses gewesen?

Silber im Selbstgespräch

Silber im Selbstgespräch

CS: Script Consultant ist ein falscher Eintrag bei der IMDb. Ich war nach Achim von Borries und Hendrik Handloegten der letzte Co-Autor von Good Bye Lenin - wir haben alle denselben Credit - und habe gemeinsam mit dem Regisseur die Endfassungen des Buches geschrieben. Als einziger Ostdeutscher hatte ich da sehr viel einzubringen, sowohl was die Haltung der Figuren, die Dramatik der Familiengeschichte als auch die witzigen Details anging.

ON: Du sagtest, dass du nach deiner Arbeit für Alarm für Cobra Elf nicht mehr für das Fernsehen schreiben wolltest. Dein Lebenslauf umfasst aber ausser Good Bye Lenin und The Ring Thing sehr wenige weitere Werke. Kannst du vom Drehbuch schreiben leben?

CS: Falsche Information - ich habe nur gesagt, dass ich nicht mehr für Actionserien schreiben und mich überwiegend auf Filme konzentrieren wollte. Ich war Co-Autor bei diversen deutschen TV-Filmen, Chefautor einer Sitcom, bin Consultant für ein grosses englisches Kinoprojekt mit Emma Thompson und mache demnächst meine erste eigene Regie. Es gibt also genug zu tun - und es reicht ganz gut zum Leben.

ON: Zum Schluss geben wir unseren Interviewgästen jeweils ein paar Stichworte und bitten sie, das zu vermerken, was ihnen als erstes in den Sinn kommt.

CS: Was habt ihr denn für mich ausgedacht?

ON: Käsefondue

CS: ...werde ich nie mehr ohne Schuldgefühle essen können.

ON: Langsamkeit

CS: ...brauche ich dringend, und zwar so schnell wie möglich.

ON: Jesus

CS: ...lebt.

ON: Trash

CS: ...recycelt man am besten im Kino.

ON: Gwendolyn Rich

CS: ...hat ein sehr nettes Lächeln.

ON: Besten Dank für das Interview.

21.12.2004 / rm