Alien Quadrilogy (2003)
Alien Quadrilogie
Das Interview mit H.R. Giger anlässlich des Releases der Alien Quadrilogy
16.30 Uhr war es. Zeit für den Anruf des Monats. Und zwar beim Schweizer Künstler, Surrealist und Schaffer des Alien, H.R. Giger. Nach einigen kurzen Begrüssungsworten und einigen Fragen über OutNow.CH gings dann auch gleich los:
OutNow.CH: Herr Giger, können Sie sich erinnern, wie viele Male sie die Alien-Filme schon gesehen haben?
H.R. Giger: Oh, das ist extrem schwierig. Ich sehe immer wieder Teile davon. Seien es Ausschnitte vom Alien selber oder sonstige kurze Sequenzen. Aber den ersten Teil habe ich sicherlich über 30 Mal gesehen. Ich muss auch sagen, dass Ridley Scott einen wunderbaren Film geschaffen hat und jetzt mit dem "Director's Cut", wo ein paar Korrekturen vorgenommen wurden, gefällt mir der Film fast noch besser.
ON: Und ist es Ihnen noch nicht zuviel geworden?
HRG: Nein, sicher nicht. Ich sehe solche Filme sehr gern. Und wenn man dann noch irgendwie darin verwickelt ist, ist es doppelt interessant.
ON: Und welcher der Filme gefällt Ihnen nun am besten? Schon das Original, oder?
HRG: [schmunzelt] Eigentlich gefallen mir alle Teile sehr gut. Vielleicht könnte ich den dritten Teil als am wenigsten gelungen bezeichnen. Aber Teil 4 hat dann wieder eine gute Portion Humor und gefällt mir auch sehr gut. Aber, wie gesagt, eigentlich sind alles Hammerfilme und gefallen mir alle.
ON: Wie lange hat es denn eigentlich gedauert, bis das finale Alien-Monster entwickelt worden war? Das macht man ja nicht von heute auf morgen.
HRG: Also eigentlich hatte ich die Figur schon vorher entwickelt. 1976. Sie ist ein Teil meiner Bilder "Necronom 4" und "Necronom 5". Daraus stammt die Figur eigentlich. Ich hatte damals eine Ausstellung und konnte das Buch "Necrononicon" 1977 herausbringen. Das Buch wurde dann diversen Personen gezeigt und Ridley Scott fuhr sofort auf das Alien ab. Er war voll begeistert und so begann dann eigentlich unsere Zusammenarbeit.
ON: Wenn man von Ihnen spricht, fallen einem meistens die beiden Figuren aus Alien oder Species ein. Ist es nicht etwas bedauerlich, wenn ein so grossartiger Künstler im grossen und ganzen auf zwei Figuren reduziert wird?
HRG: Nein, nein. Absolut nicht. Die beiden haben es verdient, Gesprächsthema zu sein. Ich bin riesig Stolz auf beide Figuren und wenn man beim Betrachten dieser beiden Geschöpfe an mich denkt, ist das wunderbar. Vor allem natürlich das Alien hat eingeschlagen. Und das trotz der damals vergleichsweise altmodischen Technik. Wenn man die heutigen Filme sieht, dann dachte man damals, man würde bereits mit dem Mass aller Dinge arbeiten, im Bereich der Special-Effects. Aber es kam genau so, wie es sollte und ich mir das vorgestellt habe. Ridley Scott war dann natürlich dabei, als ich die Figur modellierte. Ich musste nur eine Hälfte machen. Die andere Seite wurde dann, genau nach Vorbild, von jemand anderem vollendet. Aber wenn so ein bekanntes Wesen mit einem in Verbindung gebracht wird, dann ist das Top! Ich kann hervorragend damit leben. [schmunzelt]
ON: Gab oder gibt es Figuren, die von Ihnen zwar modelliert wurden, aber schlussendlich den Durchbruch doch nicht schafften, oder gar nicht in die jeweiligen Filme aufgenommen wurden?
HRG: Nein. Ich möchte auch gar nicht mehr gross so Figuren machen. Ich schaue das Alien als mein Adam an und die Figur aus Species als Eva. Von dem her ist alles da. Vielleicht könnte mal noch ein Kind dazu kommen. Aber ich denke, eher nicht.
ON: Gibt es weiterhin Anfragen aus der Filmbranche für Figuren von Ihnen?
HRG: Nein, da ich auch kein grosses Interesse mehr an Figuren habe. Ich gestalte lieber Landschaften. Die sind interessanter, vielfältiger und aufregender. Auch muss man mit einer Figur das nötige Glück haben, um sie bekannt machen zu können. Ich bin halt eher an Kunst interessiert. An Dekoration, zum Beispiel. Aber ich wurde schon oft gefragt, warum ich mich eigentlich mit so "Kinderzeugs" wie Figuren oder Monster abgebe. Tja, das ist es halt, was mir gefällt. Surrealismus.
ON: Wo steht eigentlich Ihr Oscar? Hat der einen besonderen Platz?
HRG: Ehm, der steht ganz normal in einem Gestell mit anderen komischen Sachen. Mit Ritualgegenständen, Totenköpfen und ähnlichem. Das Exemplar, dass wir in Gruyères ausgestellt haben, ist übrigens eine Fälschung. Das haben wir selber gegossen. Das Original steht hier in Zürich...
ON: Wie finden Sie eigentlich Filme wie Lord of the Rings? Gefällt Ihnen solch bombastisches Kino?
HRG: Der Film ist genial, super, Hammergut. Das Dekor ist so reichhaltig. Einfach nur genial. Gewaltig. Überhaupt mag ich Filme von Peter Jackson. Bad Taste zum Beispiel. Der ist absolut genial. Oder auch der andere... Wie heisst der bloss... "Meet the ...." Ich kann mich nicht an den Namen erinnern. Moment... [überlegt] Meet the Feebles! So heisst er. Hab's grad auf der Kassettenhülle nachgeschaut. Der ist auch absolut genial. Natürlich gehört Science-Fiction zu meinen Lieblingssparten in Sachen Film. Gerade letzthin hab ich Final Fantasy gesehen und war voll begeistert. Sogar meine Katze hat auf den Film und die Farben reagiert, was sie sonst nicht macht. Sonst reagieren meistens nur die Hunde, aber bei diesem Film war die Katze ganz angespannt und hat auf den Bildschirm geschaut. Komisch, nicht? Wie wenn diese Tiere da irgendwelche Gespenster sehen würden.
ON: Haben Sie Vorbilder? Oder welche gehabt? Welche Künstler beeindrucken Sie?
HRG: Uff, das ist schwer. Das sind so viele und so verschiedene. Da wäre zum Beispiel Dali, der für jeden Künstler irgendwodurch ein Vorbild ist. Ob man's will oder nicht. Den habe ich sogar einmal persönlich getroffen. Hat mächtig Eindruck hinterlassen. Dann könnte man noch Ernst Fuchs nennen, der sehr inspirierende Werke geschaffen hat. Eventuell noch Andy Warhol. Den fand ich auch gut. Leider hab ich ihn nicht persönlich treffen können. Da kam was dazwischen... [Anm.: Der Tod von Andy Warhol]. Dann noch Dado, wenn Ihnen das was sagt.
ON: Da muss ich leider passen...
HRG: Der ist wirklich speziell und sehr gut. Und natürlich Joel-Peter Witkin. Der war ein sehr Spezieller....
ON: Was steht als nächstes an? Irgendwelche Projekte in Aussicht? Filme? Ausstellungen?
HRG: Ja, ich habe demnächst viele Ausstellungen am laufen. Die sind aber hauptsächlich erst nächstes Jahr. Da muss ich noch Bilder beschaffen. Ausserdem bin ich momentan an diversen Zeichnungen in 3-D. Dann habe ich angefangen mit einer speziellen Technik Giesskunst zu machen und habe in Deutschland etwas ganz faszinierendes gefunden. Das haben Müllwagen so ein Teil hinten dran, dass den Müll in den Wagen schiebt. Das ist faszinierend. So etwas gibt es in der Schweiz nicht. Da hat es Kreise, Quadrate, Röhren. Irgendwie skulpturengleich. Aus verschiedenen Teilen und Bildern bin ich gegenwärtig daran, so ein Teil zusammen zu giessen. Das ist absolut faszinierend. Wenn es fertig ist, dann kommen wir auf etwa 2,5 Meter Höhe und 1,5 Meter Breite. Das würde ich dann gerne ans Haus hängen. Macht sicher einen Bombeneindruck. Aber ich weiss noch nicht, ob ich das dann auch darf....
ON: Dann habe ich zum Schluss noch ein paar Stichworte, wo Sie bitte einfach aus dem Bauch heraus sagen, was Ihnen bei den folgenden Begriffen in den Sinn kommt.
"Traumberuf"
HRG: [nach einigem Überlegen] Filmregisseur oder Künstler
ON: "Hollywood"
HRG: Nicht sehr positiv. Geld. "äs verhebed ned"...
ON: "Internet"
HRG: Notwendig.
ON: "Bücher"
HRG: Grossartig. Könnte nicht ohne sie leben.
ON: "Kino"
HRG: Kann Kunst ersetzen.
ON: "Schweizer Film"
HRG: Hat an einem kleinen Ort Platz. Bis auf ein paar Dokumentarfilme kann ich mich nicht so dafür begeistern.
ON: "Science-Fiction"
HRG: Zukunft. Mein Interessengebiet.
ON: "Schweiz"
HRG: Gut zum Geld verdienen [lacht]. Nein, ein Ort, wo man Ruhe finden kann. Ich liebe die Schweiz.
ON: "Alien"
HRG: Alptraum. In jeder Hinsicht.
ON: "Interviews"
HRG: Jemand hat mal gesagt, es gehe nicht ohne. So scheint es zu sein.
ON: "Der Rest Ihres Tages"
HRG: Wunderbar. Ich liebe jeden Tag aufs neue.
ON: Tja, das wars dann auch schon. Ich bedanke mich herzlich dafür, dass Sie so super Auskunft gegeben haben.
HRG: Der Dank ist auf meiner Seite. Das waren gute Fragen. Vor allem die Stichwörter fand ich super.
ON: Nochmals herzlichen Dank und noch viel Erfolg bei Ihrem weiteren Schaffen.
Zugegeben. Man hört und sieht viel von H.R. Giger. Aber lachen hab ich ihn noch selten gesehen. So war auch meine Erwartung ziemlich gemischt. Als ich den Meister dann aber am Telefon hatte, verflog aller Zweifel und das Gespräch wurde interessant, witzig und sehr sympathisch. Und auch wenn er in seiner Kunst immer die dunkle Seite bevorzugt, so hat er einen aufgestellten und überaus freundlichen Eindruck hinterlassen. Danke noch mal!

