Achtung, Fertig, Charlie! (2003)

Das Interview mit Marco Rima

Die Militaristen und Rekruten riefen und OutNow.CH folgte ihrer unmissverständlichen Aufforderung. So trafen wir am Morgen vor der offiziellen Schweizer Premiere früh im Technopark in Zürich ein, wurden - nein, (noch) nicht mit Militärküche - mit Gipfeli und Getränken verpflegt und durften die wichtigsten Personen aus und um Achtung, Fertig, Charlie! interviewen...

OutNow.CH: Gratuliere zum lustigen Film. Wie hat er dir gefallen?

Marco Rima: Heute abend sehe ich ihn zum ersten Mal... Ich wollte das noch ein bisschen aufschieben und heute das Feeling der feuchten Hände bei der Premiere geniessen... Ich kenne natürlich die Art des Filmes, die genialen Bilder des Kameramanns Roli Schmid und ich glaube auch dass Mike Eschmann toll inszeniert hat. Ich freu mich riesig auf heute Abend.

ON: Wenn du dich auf der Leinwand siehst, was löst das in dir aus? Siehst Du Fehler von dir oder Szenen, die du besser anders gespielt hättest?

MR: Das ist das "gemeine" am Film. Wenn das Zeugs mal im Kasten ist, kannst Du nichts mehr daran ändern. Darum wird die heutige Vorstellung für mich wohl eine Qual. Obwohl ich mich selber nicht so gerne anschaue. Wenn ich aber Zeit finde, den Film ein paar Mal zu schauen, dann gibt es sicher Bereiche, wo ich Fehler sehe oder natürlich auch immer wieder begeistert von mir bin... Aber das gehört dazu. Darum liebe ich zum Beispiel auch die Bühne. Da hast du jeden Abend wieder die Chance, etwas zu verbessern...

ON: Hat man den "Jungen" während des Filmdrehs helfen müssen? Hast du als "alter Hase" da Tipps abgegeben und unterstützt?

Nicht den Hundeblick, bitte! :)

Nicht den Hundeblick, bitte! :)

MR: Nein, was die schauspielerische Umsetzung anging, überhaupt nicht. Aber was ich für wichtig empfunden habe, war sicherlich, dass ich am Anfang halt gesagt habe, dass auch ich hier zum "ersten" Mal drehe. Ich koche wie alle anderen auch mit Wasser und bin wie ihr auch ein Neuling in diesem Projekt. Beim darauf folgenden Projekt mit Ruth Maria Kubitschek kam dann das gleiche wieder vor. Da hat sie gesagt, dass sie schon so viele Filme gedreht hätte, aber dass auch sie bei jedem Film wieder von Null anfangen muss. So geht auch der Respekt voreinander nicht verloren, aber die Angst verschwindet. Man weiss, dass man einen Kollegen, einen Filmpartner mit sich hat, den man einfach "finden" muss. Und da ist jeder am Anfang am suchen. Egal ob erfahren oder nicht. Und sowieso sind alle immer nervös...

ON: Was erwartest du denn schlussendlich vom Film?

MR: Als ich das Buch gelesen habe, wusste ich, dass es einfach ein unterhaltendes Movie in einem hochexplosiven Umfeld, sprich Armee, geben wird. Das ist eine reine Unterhaltungskomödie. Der Tiefgang, die Aussage, Sinn oder Unsinn der Armee, das ist alles kein Thema. Sondern man will halt einfach die Leute begeistern für eine gute schweizer Komödie. Und ich habe den Eindruck, dass das durchaus gelingen könnte.

ON: Was ist denn deine Ansicht zu der Situation mit dem VBS? Ist das ärgerlich oder halt schlussendlich Gratiswerbung?

MR: Da muss man aufpassen. Man kann nicht alle Leute vom VBS in den gleichen Topf werfen. Innerhalb vom VBS gibt es sicherlich politische Strömungen und da wird sich schnell mal distanziert von etwas, das eine Angriffsfläche für Kritik schafft. Also distanziert man sich grundsätzlich mal von so etwas. Das passiert aber überall. Bei Grossbetrieben oder Firmen ist das nicht anders. Einerseits ist es natürlich gute Werbung für den Film, andererseits ist es bedauerlich, weil die Armee ja auch Grösse bewiesen hat, indem sie uns die diversen Sachen zur Verfügung gestellt haben. Sie haben auch gezeigt, dass sie sich selber auf die Schippe nehmen können. Das macht ja eigentlich dann auch so eine Institution sympathisch. Schwach fand ich aber die Aussage von Bundesrat Samuel Schmid, obwohl der den Film gar nicht gesehen hatte. Das war schwach. Aber grundsätzlich ists natürlich gute Werbung. Da gab es ja innerhalb der Presseberichte zwei bis drei Themen, wo man zuviel darauf rumgeritten ist. So nach dem Motto: "Das ist der Film und fertig". Es geht ums Onanieren, Sex und Kiffen. Fertig. Und das stimmt halt einfach nicht. Der Film bietet klar mehr als nur das. Aber mit dem muss man leben. Aber wenn der Zuschauer den Film nichtprofessionell betrachtet, dann wird er "dä Plausch" haben. Mein Sohn (13) freut sich zum Beispiel tierisch auf den Film.

ON: Wieviel Marco Rima ist in deiner Filmrolle? Hast du Erinnerungen an deine Militärzeit in die Figur einfliessen lassen?

Jawoll, er kann auch ernst sein.

Jawoll, er kann auch ernst sein.

MR: Natürlich fliesst das mit ein. Seien das Erfahrungen die Du einbringst oder, und so mache ich das jeweils, die Frage: Wie wäre ich, wenn ich dieser "Reiker" wäre. Wie sieht sein Umfeld aus? Warum ist er so, wie er ist? Wieso kann er väterlich sein oder Verständnis haben? Und die Figur hat schon auch mit mir selber etwas zu tun. Vor allem in den emotionalen Szenen, wie am Schluss mit Melanie Winiger, da geh ich sehr nah an mich selber.

ON: Für einmal spielst du nicht den Clown. Wie war das denn für dich? Du hast im Film nicht wirklich die "Lachrolle".

MR: Das war bewusst so. Das war der Anreiz für mich, an diesem Film mitzuarbeiten. Am Anfang war der Kommandant noch anders beschrieben, als ich ihn gespielt habe. Ich habe natürlich gerne mitgemacht, aber ich wollte gegen mein Image gehen, das mir immer wieder aufgedrückt wird. Ich wollte mich auch als Schauspieler zeigen und nicht als Clown. So wie ich in Deutschland auch schon sogenannte "ernste" Rollen gespielt habe. Gute Komik bedarf einer gewissen Ernsthaftigkeit. Die Figuren, die ich in den Programmen jeweils spiele, leben von ihren Nöten. Die kommen in Situationen, wo sie überfordert sind und genau das erzeugt Lacher. Aber die Figur selber, für die ist das tragisch. Zum Beispiel die Helikoptergeschichte, die ich jeweils erzähle. Da ist der Hubschrauber gestartet und ich musste auf die Toilette. Das war für mich extrem nicht lustig. Aber durch das, dass jeder diese Situation kennt, wird sie dann wieder lustig. Aber für die Figur selber, ist es eigentlich eine ernste Sache. Darum hab ich auch kein Problem mit ernsten Rollen. Ich würde es auch begrüssen, wenn bei uns mehr Gegen-Besetzt würde, wie in Amerika oder England. Dass man Komödianten in ernsten Filmen einsetzt und umgekehrt anspruchsvolle, ernste Schauspieler in Komödien bringen könnte. Da gibt es viele Beispiele von sogenannt ernsten Schauspielern, die hervorragend in einer Komödie besetzt sind, weil sie halt einfach ihre Persönlichkeit in die, dann halt komische, Figur bringen. Das finde ich genial.

ON: Aber schlussendlich erwartet jeder von Marco Rima, dass er den Clown spielt...

MR: Vor vielleicht 10-15 Jahren hätte ich vielleicht noch das Gefühl gehabt, speziell lustig sein zu müssen. Das passiert ab und zu noch heute beim Fernsehen, wenn einem gesagt wird: "Also, mach mal...". Und dabei möchte ich mich doch auch von der anderen Seite zeigen. Mein Vater hat mal gesagt: "Zeig Dich, so wie Du bist. Und wenn dann der Moment für einen Witz kommt, dann mach's einfach..." Und das trifft es eigentlich recht gut. Ich stelle auch fest, dass vor allem bei Interviews, ich mich immer wieder selber reflektieren muss. Aber den Druck zum lustig sein, den hab ich nicht mehr.

ON: Was wäre deine Traumrolle?

Einfach ein netter Kerl, nicht?

Einfach ein netter Kerl, nicht?

MR: Es gibt im Moment ein paar Projekte, die am laufen sind. Eins in Deutschland und zwei in der Schweiz. Das sind dann jeweils meine Traumrollen. Das eine hat mit einem Kommissar zu tun, der viel Humor beweist, aber eigentlich in einem schwierigen Umfeld zuhause ist. Das bedarf dann auch einer anderen Form von Emotionalität. Die anderen zwei Geschichten sind beides Komödien. Ich mag eigentlich Komödien, die Emotionen erzeugen. Die Leute weinen, lachen und sind gefesselt vor Spannung. Das wäre mein Traum.

ON: Okay... Pop-Up Time! Nenn uns das erste, was dir zu den folgenden Stichworten einfällt:
Militär

MR: Ich akzeptiere natürlich, dass es das gibt, aber ich würde gerne über Sinn und Unsinn der Armee diskutieren. Ich bin überzeugt, dass man mit guten, kreativen Leuten diese Armee zu einer besseren Form gestalten könnte.

ON: Humor

MR: Sehr anspruchsvoll

ON: Essen

MR: Liebe ich über alles. Bin aber momentan (mal wieder) auf Diät...

ON: Marcocello

MR: Sprungbrett, für alles was ich gemacht habe. Ich bin Marcello Weber heute noch dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte und dann 14 geniale Jahre mit ihm hatte.

ON: Internet

MR: Da bin ich eine Pfeife. Ich kanns kaum bedienen. Ich surfe auch fast nicht. Das mach ich lieber am Meer...

ON: m&m's

OutNow.ch, AAACHTUNG! Abtreten!

OutNow.ch, AAACHTUNG! Abtreten!

MR: Ich liebe die.... Ich liebe die... Ich muss mich jedes Mal beherrschen, dass ich nicht im Kino alles leer kaufe...

ON: Hollywood

MR: Grosser Name. Aber kein Ziel für mich.

ON: OutNow.CH

MR: Das ist die geilste Internetseite, die ich kenne. Vor allem die Tatsache, dass ihr das in eurer Freizeit macht, finde ich sackgeil. Kompliment...

ON: Okay, hier hast du den Cheque... ;-)
Danke fürs Interview!

Marco Rima hat in diesem relativ "ernsten" Interview gezeigt, dass er mehr kann, als nur das "Kalb" spielen. Obwohl seine Gestik während des Interviews zum schmunzeln anregte, so hatten wir doch das Gefühl, dass er Spass an unseren Fragen hatte und so ein richtig guter Dialog entstehen konnte. Auch wenn er den Clown mal nicht spielt, so bringt er halt die Leute alleine durch seine Präsenz immer wieder zum schmunzeln. Sympathisch, der gute Marco...

05.09.2003 / muri, pj