Achtung, Fertig, Charlie! (2003)

Das Interview mit Michael Koch

Die Militaristen und Rekruten riefen und OutNow.CH folgte ihrer unmissverständlichen Aufforderung. So trafen wir am Morgen vor der offiziellen Schweizer Premiere früh im Technopark in Zürich ein, wurden - nein, (noch) nicht mit Militärküche - mit Gipfeli und Getränken verpflegt und durften die wichtigsten Personen aus und um Achtung, Fertig, Charlie! interviewen...

OutNow.CH: Gratulation auch dir zum gelungenen Film. Wie fandest Du ihn denn?

Michael Koch: Mir hat er sehr gut gefallen. Er hat mich 90 Minuten unterhalten und ich konnte zufrieden aus dem Kino rausgehen.

ON: Wieviele Male hast du ihn denn schon gesehen?

MK: Erst einmal. Heute wird das zweite Mal sein. Aber ich konnte ihn damals nicht als ganzen Film anschauen, da mir immer wieder der Dreh und die gemeinsamen Erlebnisse mit der Crew in den Sinn kamen. Ich bin froh, dass ich heute die Möglichkeit habe, den Film mal ganz ruhig und relaxed.

ON: Wenn du dich selber im Film siehst, erkennst du dann Fehler von dir? Und wenn ja, nervt dich das?

MK: Nerven tuts mich nicht. Es gibt immer so Momente, wo du merkst, dass man Szenen vielleicht anders hätte spielen können. Aber im grossen und ganzen bin ich zufrieden. Aber natürlich ist es ein komisches Gefühl, sich selber auf der Leinwand zu sehen. Schlussendlich ist es aber nicht wichtig, wie ich mich selber finde, sondern wie mich das Publikum findet.

ON: Siehst du auch Filmfehler? Mikros im Bild, jemand der im Hintergrund das Set putzt oder ähnliches?

Naja, ist noch früh am Morgen ...

Naja, ist noch früh am Morgen ...

MK: Man wird halt extrem sensibel und aufmerksam gegenüber solchen Dingen. Nach dem Dreh hab ich die ganze Zeit, als ich zum Beispiel Fernsehen geschaut habe, darauf geachtet. Hängt jetzt ein Mikrofon im Bild oder so. Und wenn man sich darauf konzentriert, dann entdeckt man extrem viele kleine Dinge, die man sonst nicht sieht. Aber bei Achtung, Fertig, Charlie! ist es mir echt nicht aufgefallen.

ON: Aber sich selber auf der Leinwand sehen. Ist das nicht ein komisches Gefühl?

MK: Natürlich ist es komisch. Vor allem wenns eine Grossaufnahme gibt und du genau weisst, dass du damals erst eine halbe Stunde oder so wach warst. Das sind dann komische Dimensionen. Du schaust dich sonst nie so genau an... Aber das ist eine Gewöhnungssache, die mit der Zeit kein Problem mehr darstellt.

ON: Kennt man dich schon auf der Strasse? Wirst du angesprochen oder lässt man dich (noch) in Ruhe?

MK: Nö. Im Moment ist es noch sehr ruhig. Angenehm. Natürlich gibt es hin und wieder Leute, die einen ansprechen, aber das hält sich extrem in Grenzen. Und der Film läuft ja jetzt auch noch nicht im Kino. Vielleicht ändert sich das ganze nachdem der Film angelaufen ist. Wer weiss... Aber ich bekomme Meldungen von Leuten, von denen ich schon lange nichts mehr gehört habe. Die melden sich halt einfach wieder, weil ich jetzt in einem Kinofilm mitspiele.

ON: Erwartest du denn jetzt eine Änderung dieser Situation, wenn der Film einschlagen sollte?

MK: Ich setze mich schon mit diesen Dingen auseinander. Aber das wird sich wohl auch nach dem Filmstart in Grenzen halten. Davor habe ich keine Angst. Auch andere Kollegen, die schon mehr Filme gemacht haben, können hier weiterhin normal durch die Stadt laufen. Also sollte das kein Problem sein.

ON: Was erwartest du denn vom Film an sich?

MK: Ich erwarte eigentlich zwei Sachen. Erstens, dass er das Publikum 90 Minuten unterhalten kann. Dass kein Zuschauer im Kino während des Filmes auf die Uhr schaut oder so. Das andere wäre, dass der Film ein breites Publikum ansprechen soll. Das hoffe ich schwer. Ein anderes Ziel wäre dann ein persönliches. Dass ich schlussendlich sagen kann, dass ich mit mir zufrieden bin und das ganze gut gemacht habe.

ON: Die Zusammenarbeit mit den bekannteren Leuten wie Marco Rima oder Mia Aegerter, wie war das so? Hast du Hilfe gesucht? Wurdest du von ihnen unterstützt?

MK: Nach dem ersten halben Drehtag waren mir die Nachnamen der Personen egal. Das ist auch ein Privileg, wenn du einen Film machst. Am ersten Drehtag fangen alle bei Null an. Sogar die Erfahrenen sind nervös, sie fangen alle beim selben Punkt an. Ich hab mich sehr wohl gefühlt. Man ist mir sehr entgegen gekommen. Ich konnte aber auch selber sehr schnell so reagieren, wie ich das zu allen mache. Und wenn das der Fall ist, dass halt alle Kollegen sind und an einem Strang ziehen, dann ist man auf dem richtigen Weg. Und das war bei uns der Fall. Wir haben genial harmoniert und immer das gleiche Ziel vor Augen gehabt. Wir hatten auch sehr viel Spass. Und wenn das rüberkommt, dann ist unsere Aufgabe erfüllt. Man merkt es dann im abgeschlossenen Projekt, ob die Schauspieler Spass hatten oder nicht. Und vor allem bei einer Komödie ist der Spass auch am Drehort sehr wichtig. Ich war auch positiv überrascht von vielen, die mitgespielt haben. Auch weil die Medien ein völlig falsches Bild vermitteln.

ON: Zum Beispiel?

Gemütliche Plauderrunde ...

Gemütliche Plauderrunde ...

MK: Also, Mike Eschmann der Regisseur hat mir am Anfang gesagt, dass Melanie Winiger meine Partnerin spielen würde. Da kam mir sofort Ex-Miss Schweiz in den Sinn... Und natürlich war ich dementsprechend "begeistert"... Das konnte doch nicht sein, dass ich mit einer Ex-Miss spielen sollte... Aber dann kam sie aufs Set und machte einen vollkommen anderen Eindruck auf mich. Super direkt, sympathisch und voll auf Zack. Da war ich extrem positiv überrascht von ihr... Das sind halt Sachen, die man von Anfang an halt ablegen muss. Alle fangen bei Null an und schlussendlich ist es mit allen super gelaufen.

ON: Die Stimmung am Set, war die militärisch streng oder hat Marco Rima die Crew immer wieder zum Lachen gebracht?

MK: Es war schon eher das zweite. Marco war halt, ein bisschen böse ausgedrückt, der Pausen-Clown. Das gab extrem lustige Szenen. Einerseits waren damit auch die Statisten super unterhalten und natürlich war dann das Arbeitsklima entsprechend super. Und diese gewisse Lockerheit braucht es beim Arbeiten. Ich war halt eher der, der immer sagte: "Jetzt hört mal auf, konzentriert euch wieder" oder so. Da gab es auch mal eine richtige Auseinandersetzung, weil immer gelacht wurde. Da hab ich Marco mal quer über den Platz angefahren, er soll doch mal aufhören zu lachen... Aber das hat sich dann wieder erledigt und das Problem wurde ausdiskutiert. Also "no big deal"... Es braucht halt einfach beides. Einerseits die Konzentration und natürlich andererseits die Lockerheit. Es ist halt extrem wichtig, dass du mit deinem Energiehaushalt gut umgehen kannst. Da musst du zum Beispiel zwei Stunden warten und dann genau auf Kommando eine Szene spielen. Du musst halt genau auf den Moment da sein und deine Leistung abrufen können. Und das braucht nun mal Konzentration. Andererseits musst du halt einfach immer locker bleiben, denn der Zuschauer sieht eine Verkrampfung des Schauspielers recht schnell.

ON: Wie war das mit der heiklen Szene mit Melanie Winiger? Wie kann man sich auf so was vorbereiten? Oder ist es einfach "Augen zu und durch"?

MK: Ja, es war Samstag morgen. Am Freitag abend hatten wir noch ein Bergfest oder so. Es war kalt in der Küche und beide hatten keine Kleider mehr an... Im Film kommt es ganz anders rüber, als es in Wirklichkeit war. Es ist noch spannend, wenn man die Szene im Film sieht und daran denkt, wie es denn wirklich war. Für mich wars halt einfach eine Szene, wo ich wusste, dass die Szene zwar speziell sein würde, aber schlussendlich doch gleich schwer oder einfach wie andere Szenen. Im Gegenteil. Ich hatte mit anderen Szenen mehr Mühe. Man muss halt einfach Vertrauen haben in den Partner, Sachen ansprechen die einem nicht passen und dann gehen solche Szenen relativ schmerzlos über die Bühne. Und die ganzen Auflagen, die man in diesen Szenen hat. "Geh dorthin, mach das, steht so" und so weiter. Da kommt gar kein spezielles Feeling auf.

ON: Aber Angst oder Scham war kein Thema?

MK: Ehm, klar. Die ersten 2-3 Sekunden denkst du halt schon, dass es ein bisschen komisch ist. Und du guckst auch.... Da schauen auch diverse Leute zu und deine Privatsphäre ist offengelegt. Das ist am Anfang vielleicht komisch. Aber dann hab ich mir halt immer wieder gesagt, dass es ein Job sei und ich das jetzt machen muss. Und schlussendlich gings ohne grosse Probleme.

ON: Im Film heiratest du mit 20 Jahren. Wäre das auch im Privatleben bei dir möglich?

MK: Der Hochzeitsfrack und der Kampfanzug waren zwei Sachen, wo ich recht Mühe damit hatte. Und das im ersten Kinofilm... Nein, ich mach Zivildienst und habe überhaupt nicht vor, zu heiraten. Das brauch ich momentan überhaupt nicht.

ON: Der Dreh ist fertig. Der Film steht. Hast du noch Kontakt zu den anderen Kollegen?

Prost!

Prost!

MK: Es ist recht unterschiedlich. Mit vielen habe ich noch guten Kontakt und freue mich auch auf eventuelle neue Projekte mit ihnen. Und natürlich für die Promotion des Filmes sehen wir uns immer wieder. Es war aber schon so, dass am letzten Drehtag, nachdem man doch sechs Wochen extrem intensiv zusammengearbeitet hat, gemischte Gefühle da waren. Einerseits kann man sich so für neue Projekte begeistern, andererseits wars halt wirklich eine geile Zeit. Zudem kamen Leute aus dem Wallis und aus Frankreich. Da sieht man sich halt nach Abschluss der Dreharbeiten vielleicht wieder weniger. Aber einige Kontakte gibt es natürlich immer noch.

ON: Zukunftspläne von dir? Gibt es Pläne fürs Fernsehen oder sogar einen zweiten Teil von Achtung, Fertig, Charlie!

MK: Ich glaube einen zweiten Teil haben wir uns mit dem VBS wohl verscherzt... Aber vielleicht findet man sich hier doch noch... Aber auch sonst sind ein paar Sachen reingeflattert, die recht interessant sind. Aber spruchreif ist noch gar nichts. Natürlich möchte ich gerne im Bereich Film oder Theater weiter machen. Vor allem, da ich ja vom Theater her komme. Ich möchte halt verschiedene Sachen machen. Der Film jetzt war halt eine Teenie-Komödie. Jetzt hoffe ich auf etwas ganz anderes. Vielleicht ein Dogma-Projekt oder so. Da bin ich recht offen und freue mich, auf alles was kommt.

ON: Welche Frage kannst du nicht mehr hören und möchtest sie hiermit endgültig und für alle Zeiten beantworten?

MK: Diese.... Nein, es kommen ja immer wieder in etwa die gleichen Fragen. Das ist ja auch logisch. Eine Frage, die aber in jedem gottverdammten Interview vorkommt ist diese: "Konntest du dich denn entscheiden, zwischen Mia (Aegerter) und Melanie (Winiger)? Wer küsst denn besser?" Und dann nervt das natürlich gewaltig. Fragt mich dann doch ob ich gerne Birchermüesli habe oder was anderes. Das ist so eine Frage, die ich einfach nicht beantworten kann und will. Klarstellen kann ich sie nicht, aber sie taucht halt immer wieder auf. Und es wäre extrem geil, wenn solche Fragen nicht immer kommen würden...

ON: Pop-Up Time! Nenn uns das erste, was dir zu den folgenden Stichworten einfällt:
RS

MK: Ich bin mega glücklich, dass ich Zivildienst mache...

ON: Marco Rima

MK: Sehr gute und entspannte Zusammenarbeit

ON: Melanie Winiger

MK: Sehr gute Zusammenarbeit. Durch dass, das ich sie im Film häufig als Partnerin hatte, wurde diese Zusammenarbeit halt recht intensiv. Ich war aber extrem überrascht von ihr und sie macht ihre Sache super.

ON: American Pie

... und noch nettes Gruppenfoto zum Schluss.

... und noch nettes Gruppenfoto zum Schluss.

MK: Hab ich nur Teil 1 gesehen.

ON: Schweizer Kino

MK: Ich sehe recht viel Potenzial und ich hoffe, dass sich da noch einiges tun wird. Ich bin überzeugt, dass da noch was kommen wird.

ON: Internet

MK: So komme ich sehr gut zu meinen Informationen.

ON: m&m's

MK: Habe schon lange keine mehr gegessen. Das ist so eine Zugfahrt von Basel nach Zürich. Ein Päckli m&m's...

ON: Interview-Marathon

MK: Am Anfang noch okay, gegen Schluss dann recht anstrengend.

ON: Schweiz

MK: Super. Ich gehe zwar nächstens nach Deutschland, aber komme gerne wieder zurück.

ON: OutNow.CH

MK: Top!

ON: Danke vielmals fürs Interview und weiterhin viel Erfolg.

War es die fehlende Erfahrung oder die Uhrzeit? Anfangs schaute Michael Koch bei den Antworten immer an uns vorbei an die Wand. Warum wohl? Das hat sich dann nach 4-5 Minuten gelegt und er wurde sichtlich lockerer und entspannter. Wir hatten einen sympathischen Eindruck des Jungschauspielers und hätten schlussendlich noch gerne länger geplaudert. Es wäre ihm zu gönnen, wenn er den endgültigen Durchbruch schaffen würde...

05.09.2003 / muri, pj