Achtung, Fertig, Charlie! (2003)

Das Interview mit Mike Eschmann

Die Militaristen und Rekruten riefen und OutNow.CH folgte ihrer unmissverständlichen Aufforderung. So trafen wir am Morgen vor der offiziellen Schweizer Premiere früh im Technopark in Zürich ein, wurden - nein, (noch) nicht mit Militärküche - mit Gipfeli und Getränken verpflegt und durften die wichtigsten Personen aus und um Achtung, Fertig, Charlie! interviewen...

OutNow.CH: Zuerst mal Gratulation zum Film

Mike Eschmann: Merci. Mal schauen wie der läuft.

ON: Ihr habt ja am Anfang auf dem Internet nach Leuten gesucht...

ME: Genau.

ON: Wie waren die Erfahrungen dabei? Würdest du das wieder so machen?

Gehts nachher noch zum Strand?

Gehts nachher noch zum Strand?

ME: Sofort. Es war bei diesem Projekt ein wenig speziell, weil ich die Rekruten sehr authentisch besetzen wollte und dadurch mussten wir einen öffentlichen Aufruf machen, um nach Schauspielern zu suchen. Und dafür war das Internet natürlich perfekt.

ON: Wie viele haben sich da gemeldet?

ME: Es haben sich etwa 500 gemeldet. Dann haben wir mal aussortiert und so 120 haben wir schliesslich gecastet. Und von denen haben wir die 7 ausgewählt, 7 Rekruten.

ON: Im Film sieht man recht viel Product Placement. Natels vor allem. Braucht das ein Schweizer Film von den Finanzen her oder wäre es auch ohne möglich?

ME: Da wäre wohl der Produzent der richtige Ansprechpartner. Aber es ist sicher so, dass das zur Restfinanzierung recht viel hilft. Wir hatten ja ein sehr kleines Budget. Wir haben am Schluss 1.8 Millionen gehabt und für einen Spielfilm ist das sehr wenig. Das ist heute in der Schweiz das Budget eines TV-Movies. Dadurch waren wir froh um jeden Franken, den wir gekriegt haben. Ich habe darauf geschaut, dass es nicht zu offensichtlich ist. Einmal habe ich es ein wenig übertrieben, aber bewusst.

ON: So das es wieder lustig ist?

ME: Genau.

ON: Haben die Produzenten viel Einfluss genommen oder haben sie euch freie Hand gelassen?

ME: Nein. Überhaupt nicht. Das ging sehr diskret über die Bühne. Sie haben uns einfach Dinge gezeigt die man rein nehmen könnte und wir haben geschaut, dass wir es einflechten können, ohne dass es peinlich wird.

ON: Ich glaube es ist Szene 50, wo Korporal Weiss seine Rekruten vom Baumstamm rüttelt und diese ins Wasser stürzen. Führte das zum einen oder anderen bösen Blick von Seiten der Schauspieler?

ME: Nein. Das ist super gelaufen. Wir hatten sowieso eine total gute Stimmung und gerade die jungen Leute haben alles gegeben. Denen war alles recht.

ON: Die waren nicht nachträglich?

Von Regisseur zu Regisseur

Von Regisseur zu Regisseur

ME: Nein, nein. Man sieht ja auch gewisse Szenen, wo Melanie so recht verrückte Sachen machen musste. Wir haben zwar schon mit Stuntleuten gearbeitet, aber mehr oder weniger war es den Schauspielern recht, wenn sie ins Wasser fallen mussten.

ON: Gab es viele Stunt-Einsätze?

ME: Es gab einige beim Schluss, bei der Feldübung, dort hatten wir einen Stuntmen der viele Sachen gemacht hat. Die ganz gefährlichen Sachen. Das ging auch recht gut, wegen den Uniformen. Da sieht man nicht so gut, wer dahinter steckt.

ON: Die Stimmung auf dem Set war also gut. Ist man da also nicht immer gleich nach Hause nach dem Dreh?

ME: Es klingt halt immer ein bisschen komisch, wenn man das Journalisten sagt. Aber es war wirklich ein ganz spezieller Dreh. Das hat sicher auch damit zu tun gehabt, dass so viele Junge dabei waren, die zum ersten Mal Film machen. Und die waren halt jeden Tag voll begeistert und haben sich nicht am Abend im Hotelzimmer eingeschlossen, wie das Profis oft tun. Und auch die Profis die wir hatten waren sehr umgänglich. Mit Marco Rima oder mit Mia war natürlich immer voll Party. Es war also recht schwierig nach diesen sechs Wochen Dreh sich wieder zu verabschieden. Es war recht hart. Melanie hatte am letzten Tag eine Szene, bei der sie hätte glücklich scheinen sollen, aber sie war eher am Weinen zwischen den Texten.

ON: Es waren auch recht lange Drehtage, nicht?

ME: Ja, und halt sechs Wochen lang. Es ist auch eine sehr intensive Arbeit.

ON: Mit welcher Figur würdest du dich am ehesten identifizieren im Film?

ME: Ich mich selber? Mit dem Rekrut Weber [Kaya Inan, der Verfasser von "Plan Bluntschi"].

ON: Hast du spontan eine Idee für einen Werbespot für die Schweizer Armee?

Mike lacht...

ON: Es darf auch ein Spot mit zwei "t" sein.

ME: Ich würde niemals einen Werbesport für die Schweizer Armee machen. Das wäre ausserhalb meines Bereichs. Und auch bei diesem Film war mir immer wichtig, dass wir eine Geschichte erzählen und die Armee in diesem Sinne als Background benutzen, als Gefäss worin das Ganze spielt. Ich habe also nie politisch Stellung beziehen wollen. Ich selber habe ja nie Militär gemacht. Ich wollte einfach eine interessante Geschichte erzählen und fand das Gefäss der Armee sehr interessant, weil da sehr verschiedene Charakteren zusammenkommen.

ON: Aber du hast es nicht bereut, nie die RS gemacht zu haben?

ME: Nein. Überhaupt nicht. Ich machte ziemlich viel Research für das Ganze und muss sagen, es ist schon eine ziemlich harte Sache. Ich glaube, man kommt bald mal an seine Limite. Natürlich kommt es darauf an, in welcher Abteilung man ist. Da habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es schon sehr verschieden ist. Ob z.B. ein WK ist, oder ob es Füsiliere sind. Mit Piloten hatten wir auch zu tun. Das sind dann die hoch Motivierten. Aber es ist sicher nicht meine Welt. Ich finde einfach toll, dass man als Regisseur in verschiedene Welten eintauchen kann. Und diesmal war es halt die Militärwelt.

ON: Wie ging es mit dem VBS? Die haben ja sehr viel beigetragen, mit Fahrzeugen und so und nachher gab es dann einen regelrechten Zwist. Einige Militärs hatten ja gar keine Freude...

Nicht so nachdenklich ....

Nicht so nachdenklich ....

ME: Das war eine seltsame Geschichte. Die ganze Zusammenarbeit war wirklich super. Wir haben ja immer ganz offen kommuniziert. Haben das Drehbuch gezeigt. Sie haben uns sogar Inputs gegeben. Wir hatten Leute auf dem Set, nicht direkt vom VBS, aber vom Militär, die uns beraten haben. Und das war eine super Zusammenarbeit. Und dann später irgendwie, kriegte das VBS mal einen Rohschnitt und da haben offensichtlich intern irgendwelche Leute den Film gesehen, denen es gar nicht goutiert hat. Also das war vor allem ein internes Problem. Für mich ist das jetzt eigentlich abgehakt.

ON: In der RS haben die eigenen Freiheiten nicht viel Platz. Aber am Schluss vom Film sieht man, wie Teamgeist aufkommt und was erreicht wird. Gebt ihr da den Rekruten was auf den Weg, als Motivation, dass es eben doch ein bisschen Spass machen kann?

ME: Für mich war das eine dramaturgische Sache. Es war wichtig, dass die Gruppe am Schluss zusammenfindet. Es war weniger gedacht, das es wegen dem Militär ist. Ich glaub auch nicht, dass es so ist im Film. Sondern sie kommen zusammen um gegen die Grenadiere zu kämpfen. Und von meiner Seite her, ist es weniger ein Statement über die Armee. Eher dass, wenn junge Leute zusammen was erleben, sie etwas erreichen können, wenn sie sich als Gruppe finden. Aber klar, man kann sagen, im militärischen Kontext, dass sie jetzt militärisch motiviert sind. Aber das finde ich also absolut nicht.

ON: Ich habe hier noch ein paar Stichworte, zu denen du einfach kurz sagen kannst, was dir in den Sinn kommt.
Marco Rima

ME: Genialer Schauspieler

ON: Melanie Winiger

ME: Sehr emotional, sehr bedacht und lässt sich als Schauspielerin zu 100% auf Situationen in der Geschichte ein. So verdient Julia Roberts Millionen. Sie ist sehr talentiert.

ON: American Pie

ME: Teil 1: Super Film

ON: Schweizer Film

ME: Schwieriges Thema. Ich finde die ganzen Diskussionen über dieses Thema meistens mühsam. Ich bin Schweizer, habe in London studiert, dann in Los Angeles. Ich schaue amerikanische, deutsche und schweizer Filme. Ich glaube in der heutigen Welt, die so klein geworden ist, kann man nicht mehr spezifisch von einem Schweizer Film sprechen. Ich finde einfach, dass man Filme machen kann, und die sollten aber ganz verschieden sein können. Achtung, Fertig, Charlie! ist vielleicht ein Beispiel für ein Genre, das in der Schweiz noch nie bedient worden ist. Ich finde es sollte alles Platz haben.

ON: Hollywood

Schon bald wieder zurück in Hollywood?

Schon bald wieder zurück in Hollywood?

ME: Dort habe ich meine Wohnung und wohne schon Jahre dort, habe dort studiert. Bin jetzt aber schon seit zwei Jahren hier in Zürich für dieses Projekt. Ich kenne Hollywood sehr gut und sehe es von einer sehr realistischen Seite. Ich habe eine kleine Firma dort. Wir entwickeln Drehbücher. Es ist eine normale Stadt die einfach cool ist und wo meine Freunde sind.

ON: Internet

ME: Ganz eine tolle Plattform mit sehr viel Zukunft. Auch im Bereich Film, wo sich in den nächsten paar Jahren Einiges tun wird.

ON: Vielen Dank fürs Interview.

ME: Bitte.

05.09.2003 / pf, nd