Collateral Damage (2002)
Die Produktionsnotizen
Story | Team | Drehort | Effekte | Schwarzenegger
Gordy Brewer ist ein liebevoller Vater und der perfekte Ehemann. Man muss nur in das Gesicht seines Sohnes Matt blicken, um darin die bedingungslose Bewunderung für seinen Dad abzulesen. Ein anderer offensichtlicher Beleg dafür ist die aufrichtige Sympathie, die ihre besten Freunde im gleichen Masse ihm und seiner Frau entgegenbringen. Gordys Job beim Los Angeles Fire Department bringt es mit sich, dass er sich oft um verängstigte oder verletzte Menschen in Lebensgefahr kümmert. Wenn diese später daran zurückdenken, ist ihnen nicht so sehr seine Kraft in Erinnerung geblieben als vielmehr sein ruhiges und aufrichtiges Mitgefühl.
Beim Thema internationale Politik und Terrorismus allerdings bewegt sich auch Gordy weit weg von seinem gewohnten Terrain. Nach dem Terroranschlag, der ihm seine Frau und seinen Sohn nimmt, vertraut er daher dem CIA-Agent Brandt, der ihn nach Hause schickt und ihm das Versprechen mitgibt, "den Kerl zu kriegen". Doch Wochen vergehen, ohne dass die Ermittler Erfolge verbuchen konnten. In Gordy macht sich Ungeduld breit. Noch stets erkundigt er sich regelmässig nach dem Stand der Ermittlungen, bis man ihm rät, stattdessen lieber zu seinem gewohnten Leben zurückzu-kehren. Gordy erkennt: Wenn der Killer seine gerechte Strafe erhalten soll, muss er die Dinge selbst in die Hand nehmen.
Als Brewer in Kolumbien landet, hat er nicht mehr bei sich als seinen Reisepass und etwas Bargeld, einen vagen Plan und vor allem aber die unerbittliche Entschlossenheit, jenen Mann aufzuspüren, der seine Familie auf dem Gewissen hat. Als er Checkpoint um Checkpoint passiert und immer weiter in das Guerillagebiet vordringt, wird Gordy zum ersten Mal mit der harten Realität des Bürgerkriegs konfrontiert, wird Zeuge von Brutalität und Angst. In seinen flüchtigen Begegnungen mit anderen Reisenden versucht er, sich ihnen mit Blicken und Gesten verständlich zu machen, wobei seine Gegenwart meist misstrauisch beäugt wird. Während er alle Mühen dafür aufbringt, dem "Wolf" auf die Spur zu kommen, bemüht er sich nun gleichermassen, die Zusammenhänge zu verstehen.
"Gordy Brewer ist ein ganz normaler Bürger, ein Mensch aus der Masse", umschreibt Produzent Steven Reuther, inwiefern ausgerechnet seine Durchschnittlichkeit den Feuerwehrmann und Familienvater zum aussergewöhnlichen Filmhelden und Identifikationsfigur für den Zuschauer prädestinieren: "Gordy trägt nicht lediglich seine eigene, sondern auch unsere Unschuld mit sich in den Dschungel. Durch seinen Blickwinkel erleben wir Dinge, die auch für ihn neu sind, und vielleicht stellt er sich die gleichen Fragen, die auch uns beschäftigen." Mit jenem 11. September 2001", fährt Reuther fort "ist 'Kollateralschaden' zu einem Begriff geworden, den wir alle neu überdenken müssen, so wie wir seit jenen tragischen Ereignissen vielleicht auch die Motivation für Gordy Brewers Reise stärker nachfühlen können."
In die Figur des Gordy Brewer flossen jedoch auch die überwältigenden Gefühle ein, die den Filmproduzenten David Foster mitrissen, als er 1988 ein "Nightline"-Special über jene TWA-Maschine schaute, die bei dem Terroranschlag über dem schottischen Lockerbie explodierte und 270 unschuldige Menschen in den Tod riss - Emotionen, die heute nicht an Stärke verloren haben.
"Als ich sah, wie die Angehörigen in Lockerbie eintrafen, war ich am Boden zerstört", erinnert sich Foster. "Ich versuchte, mich in die Rolle der Überlebenden zu versetzen und nachzufühlen, wie sich ihr Leben für immer verändert hatte. Wie würde ich ganz persönlich wohl in einer solchen Situation reagieren? Das war der Ausgangspunkt, der mich damals vor einigen Jahren an dieser Geschichte fesselte, weil sie sich auf diese Fragen konzentriert."
Die Menschen, denen Gordy auf seiner Expedition begegnet, sind wie er von ihrer ganz persönlichen Geschichte getrieben. Auf der Flucht in einem abgelegenen Dorf begegnet Gordy der jungen Mutter Selena und ihrem Adoptivsohn Mauro. Die beiden erinnern ihn an seine eigene verlorene Familie. Selena kam als Jugendliche nach Südamerika, verliebte sich in einen Kolumbianer und nahm das Land - und seine Schwierigkeiten - als ihr eigenes an.
Die von der italienischen Schauspielerin Francesca Neri gespielte Frau ist sehr geheimnisvoll. Ihre Gesprächen mit Gordy lassen eine Tiefe und eine Vergangenheit vermuten, die man jedoch nur ahnen kann. Er sieht in ihr eine Frau, die versucht, ihr Kind in einem Kriegsgebiet aufzuziehen; sie erweckt in ihm den Wunsch, sie und ihren Jungen zu beschützen - so wie er seine eigene Familie schützen würde.
Diese Sorge um andere Menschen erinnert ihn daran, was für ein Mann er früher einmal war, doch dies macht seine Mission nur noch gefährlicher.
Ganz speziell die Tatsache, dass ein Kind involviert ist, beeinflusst Handeln und Reaktionen seiner Figur, erklärt Arnold Schwarzenegger: "Mauro ist der Grund, warum er manchmal nicht so erfolgreich ist wie er wäre, wenn er ganz allein operieren würde. Gordy verspürt den natürlichen Impuls, den Jungen zu beschützen, sogar wenn er Sprengkörper um das Guerilla-Camp installiert. Dass Mauro in der Mitte des ganzen Unternehmens steckt, provoziert einen neuen Konflikt. Das Kind ist ein sehr wichtiger Teil des Films."
Bevor sie mit der Produktion starteten, studierten die Filmemacher den Konflikt in Kolumbien anhand von Dokumentarfilmaufnahmen, die auch als Inspiration für eine besonders aufwühlende Szene dienten. "Es gibt da diese sehr furchteinflössende Szene um eine paramilitärische Strassenblockade; wir entwickelten sie basierend auf dieser Dokumentation", erklärt Andrew Davis. "Wir haben dabei versucht, die Furcht und den Konflikt dieser Menschen deutlich zu zeigen, die sich urplötzlich vor die Entscheidung gestellt sehen, entweder wegzurennen oder sich der Befragung durch den Strassenposten zu stellen. Die meisten von ihnen flüchten in den Dschungel, sofort wird das Feuer auf sie eröffnet. Gordy macht hier eine seine frühen Erfahrungen damit, wieviel Wahnsinn in der Situation steckt, als er versucht, einen Mitreisenden davor zu bewahren massakriert zu werden."
Als Gordy von seiner Verfolgungsjagd aus dem kolumbianischen Dschungel nach Washington, D.C., zurückkehrt, ist er ein anderer Mensch...
Collateral Damage basiert auf einer Idee des Autoren und langjährigen Cutters Ronald Roose, die er seinem Freund und Kollegen David Foster erzählte. Foster, ein verdienter Filmproduzent mit einer langen Liste von Erfolgen, darunter "The River Wild" und "The Mask of Zorro", erkennt eine gute Story, wenn er sie sieht, und favorisierte das Projekt durch seine gesamte Entwicklungs- und Produktionsphase hindurch. In dem Produzenten und CEO von Bel-Air Entertainment Steven Reuther, der seinerseits auf zahlreiche profilierte Filmerfolge wie "Face/Off", "Sommersby" und zuletzt "Rock Star" verweisen kann, fand er schliesslich einen Produktionspartner.
Das Drehbuch verfasste das Brüderpaar und Schreibteam Peter Griffiths und David Griffiths.
Regisseur Andrew Davis, der zahlreiche immens erfolgreiche Filme wie etwa "The Fugitive" oder "A Perfect Murder" drehte, hatte mit Steven Reuther zuvor bereits bei dem internationalen Blockbuster "Under Siege" erfolgreich zusammengearbeitet. Von Beginn an war er ideale Wunschkandidat für den Regiestuhl.
Als Davis an Bord und das Skript fertiggestellt war, stellten die Filmemacher die Besetzung zusammen. Arnold Schwarzenegger war der Erste, der seine Mitwirkung zusagte, nachdem Steven Reuther ihm das Projekt vorgestellt hatte - während einer Sessellift-Fahrt, als die beiden zusammen in Sun Valley Ski fuhren. "Das ist die übliche Art, wie ich von Projekten der Warner Bros. erfahre", schmunzelt Schwarzenegger, "auf dieselbe Weise erfuhr ich auch von 'Eraser' und 'Batman & Robin' - irgendjemand zaubert im Lift plötzlich ein Drehbuch aus seiner Tasche und sagt 'Guck dir das mal an!'"
"Mir gefiel die Action in der Story", erklärt der Darsteller, "aber ebenso sprach mich das dramatische Element und die Frustration, die Gordy durchlebt, an. Für mich sind die Emotionen genauso wichtig wie der Realismus der Geschichte." Selbst ein fürsorglicher Familienvater, konnte sich der Schauspieler auf Anhieb in seinen Charakter hineinversetzen. "Wenn man seine Familie liebt, vermag man sich gar nicht vorzustellen, was man empfinden würde, wenn sie vor den eigenen Augen getötet würden. Es ist daher leicht, die emotionale Ebene des Films zu erfassen. Alles, was man dafür tun muss, ist es sich vorzustellen, schon spürt man, was Gordy vorantreibt."
Schwarzenegger freute sich zudem darauf, einen Feuerwehrmann zu porträtieren: "Ich kann Helden auf der Leinwand geben, aber die wahren Helden sind Männer wie diese, die Tag für Tag tapfer ihren Job verrichten," zollt er den Firefightern Anerkennung. "Auf sehr dramatische Art bewies das der 11. September, als wir zahlreiche Feuerwehrmänner zusammen mit Polizisten und Rettungskräften ihr Leben riskieren - und in manchen Fällen verlieren - sahen, während sie sich bemühten, das Leben anderer zu retten. "Ich habe für sie stets den höchsten Respekt empfunden, und nun ist mein Respekt für sie noch weiter gestiegen. Ich bin mir sicher, dass Feuerwehrleute fortan in den USA und auf der ganzen Welt eine neue Art der Wertschätzung erfahren."
Schwarzenegger avancierte zu einer Kinoikone, indem er Charaktere verkörperte, die in jeder Situation die absolute Kontrolle behalten. Dafür besitzt die Rolle des Gordy Brewer für ihn zusätzliche Tiefe. Obwohl auch Gordy ein Mann der Aktion ist, der einen grossen Entschlusswillen und Widerstandskraft an den Tag legt, ist er gleichzeitig auch ein Mensch, der seinen Weg durch ihm unbekanntes Terrain sucht und mit Trauer, Enttäuschung und Frustration angefüllt ist.
"Arnolds Performance ist ergreifend, er hat einen fabelhaften Job abgeliefert", schwärmt Regisseur Davis von seinem Superstar. "Sein Gordy ist glaubwürdig, leidenschaftlich und smart. Während seiner gesamten Laufbahn hatte Arnold noch niemals zuvor die Gelegenheit, einen realen Helden in einer realistischen Geschichte zu spielen."
"Mit 'Twins' hat Arnold Schwarzegger einige überrascht, weil in ihm zuvor Niemand einen Komödienschauspieler gesehen hatte", ruft David Foster in Erinnerung. "Doch es stellte sich heraus, dass er ein immenses Talent für Komik besitzt. Heute ist das ganz selbstverständlich. Collateral Damage offenbart eine weitere neue Facette seines Talents, wenn er nun einen ganz gewöhnlichen Arbeiter spielt, der sich auf gefährliches Gebiet begibt. Darin steckt mehr als der selbstbewusste, unzerstörbare Arnie-Held, wie wir ihn gewohnt sind. Er ist einfach erstaunlich. Absolut überzeugend!"
"Dieser Arnold ist ein wesentlich anderer", stimmt Produzent Steven Reuther zu. "Er ist weniger der unbesiegbare Held, als den man ihn kennt, sondern ein durchschnittlicher Mann, der einmal einen Job und eine Familie besass, bis er plötzlich aus seinem Alltag gerissen wird und in die Heldenrolle geschleudert wird. Diesmal schöpft er seine Stärke tief aus seinem Inneren, diesmal braucht er dazu kein Maschinengewehr."
Um Hauptdarsteller Schwarzenegger besetzten die Filmemacher die weiteren, kulturell sehr unterschiedlichen Charaktere. "Ich hatte das grosse Glück, mit einer Gruppe ausgewählter Schauspieler arbeiten zu dürfen, darunter die begabte und wunderschöne italienische Schauspielerin Francesca Neri, und Cliff Curtis, ein talentiertes Chamäleon aus Neuseeland, mit Elias Koteas, mit dem ich seit Jahren einen Film drehen wollte und der für mich die gleiche Qualität besitzt wie Robert De Niro oder Robert Duval, sowie mit John Leguizamo, den ich für ein Komik-Genie halte, und dem wie stets magische John Turturro." "Wir hatten ein grossartiges, mitreissendes Ensemble", schwärmt Reuther darüber, wie all diese individuellen Darsteller sich zu einem Cast zusammenfügten.
Die Rolle des CIA-Agenten Brandt übernahm der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler Elias Koteas, der kürzlich mit dem Stück "True West" am Broadway Premiere feierte. Koteas spielt Brandt sehr zugeknöpft - ein Mann, der mehr weiss als er sagt oder zumindest diesen Eindruck erwecken will.
Francesca Neri, die in ihrer Heimat Italien als Star gefeiert wird, sah in der Rolle der Selena jene künstlerische Herausforderung, die sie für sich gesucht hatte. "Collateral Damage ist mein erster Actionfilm", erklärt sie. Genau wie Curtis und einige andere lernte sie von Spanischlehrern und Dialekttrainern den richtigen spanischen Akzent.
Auch für die Filmemacher ist Neri die eindeutige Idealbesetzung. "Selena sollte etwas Europäisches an sich haben, sollte gar nicht unbedingt wie eine Kolumbianerin oder Südamerikanerin wirken", erläutert Davis die Komplexität ihrer Rolle. "Selena ist eine Intellektuelle, die in die politischen Wirren Lateinamerikas gerät. Francesca ist eine wunderbare Schauspielerin, die ihre Leinwandschönheit mit Aufrichtigkeit und Realismus erfüllt, die ihre Rolle und damit den gesamten Film erhöht."
"Francesca besitzt eine unglaubliche Leinwandpräsenz", ergänzt Reuther, "sie ist als Selena perfekt."
In ihrer mysteriösen Art sieht Neri nicht nur den Schlüssel zu Selenas Charakter, sondern ganz allgemein das Geheimnis der Schauspielerei: "Es geht darum, sich zu verwandeln, angefangen von der Art zu sprechen über die Art und Weise, die Hände zu bewegen, bis zur Frisur. Alles. Genauso wichtig wie das, das man betont, kann dabei das sein, was man nicht unterstreicht."
Im Ganzen, schliesst Neri, unterschied sich die Arbeit an einem Hollywood-Actionmovie gar nicht sehr von ihren Aufgaben - weit weniger jedenfalls als sie erwartet hatte: "Es ist im Prinzip nicht anders als einen kleinen Film in Italien zu drehen. Es gibt keinen Unterschied, der wirklich zählte. Unter den Schauspielern entwickelt sich der gleiche Zusammenhalt, das gleiche Gefühl, gemeinsam an etwas zu arbeiten. Wenn man einen Film dreht, wird man so etwas wie eine Familie."
Cliff Curtis mochte nicht nur die Story, er war auch glücklich über die Chance, unter Regisseur Andrew Davis arbeiten und an der Seite von Arnold Schwarzenegger vor die Kamera treten zu können. Den in Österreich geborenen Actionstar würdigt Curtis als eine Inspirationsquelle für nicht-amerikanische Schauspieler, wie auch er einer ist. "Als er damals in Amerika ankam, war er ein Unbekannter und noch dabei, die Sprache zu lernen. Ich bin mir sicher, dass er nicht gerade eine Menge Ermunterung erntete, als er erklärte, er wolle Schauspieler werden. Jedes Mal, wenn ich mir vor Augen hielt, wie absurd es war anzunehmen, ich könne es je nach Hollywood schaffen, dachte ich an ihn und wie er begonnen hat und schöpfte neuen Mut."
Pure Begeisterung hat Curtis auch für Davis übrig: "Er weiss exakt, wie man es anstellt, Action echtes Entertainment zu schaffen. Er besitzt ein grossartiges Gespür für Rhythmus und die Cleverness, neben der nuancierten Handlung auch die politischen Aspekte und Dimensionen so in den Film einzuflechten, dass man gleichzeitig unterhalten wird. Ich habe grosses Vertrauen in Andy."
Schwarzenegger singt ein ähnliches Loblied auf seinen Regisseur: "Andrew Davis inszeniert seine Filme so nah an der Wirklichkeit wie irgend möglich. Wenn die Zuschauer nach seinen Streifen aus dem Kino strömen, trägt sie nicht nur das euphorische Gefühl, gerade grossartige und allerbeste Unterhaltung geboten bekommen zu haben. Sie haben auch mehr erfahren über ein spezifisches, komplexes Thema - in diesem fall die Situation in Kolumbien. Darin ist Davis sehr gut. Ebenso ist er ein Experte darin, Action zu inszenieren oder Spannung zu erzeugen. Ich habe es geliebt, mit ihm zu arbeiten."
John Leguizamo und John Turturro runden die prominente Besetzung ab. Der auf der Kinoleinwand, im Fernsehen und auf der Theaterbühne gleichermassen präsente und für seine schier unglaubliche Wandlungsfähigkeit gefeierte John Leguizamo schlüpfte in die Rolle des impulsiven, aber auch nachlässigen Felix; er überwacht die Kokainproduktion auf der Dschungelplantage, auf der Gordy den ersten Zwischenstopp auf seiner Route weiter ins Innere des Guerilla-Gebiets einlegt.
John Turturro schliesslich, jener renommierte Charaktermime aus Brooklyn, verkörpert in Collateral Damage den kanadischen Auswanderer Armstrong, einen Opportunisten mit vielen Verbindungen, aber ohne Moral. Stets auf seinen persönlichen Vorteil bedacht, arbeitet als Mechaniker für die Rebellen und besitzt daher einen speziellen Pass, mit dem er das von den Widerstandskämpfern kontrollierte Gebiet gefahrlos passieren kann. Gordy benötigt einen solchen Ausweis dringend, weil er nur mit ihm den Wolf aufspüren kann. Doch Armstrong ist nicht bereit, sein Pfand so ohne Weiteres herzugeben...
Die kleine aber wichtige Rolle von Selenas kleinem Sohn Mauro übernahm der junge Schauspieler Tyler Garcia Posey, der während der Dreharbeiten eine ganz besondere Arbeitsbeziehung zu Arnold Schwarzenegger entwickelte.
"Arnold ist grossartig im Umgang mit Kindern", weiss Reuther. "Es war ganz offensichtlich, wieviel Spass das Drehen Tyler machte. Arnold sorgte für, dass er sich bei ihren Szenen stets sehr wohl fühlte und hatte immer einen Joke parat oder etwas anderes, über das man hinterher reden konnte. So schuf er eine Balance zur Düsternis seines Parts, denn Mauro ist ein Junge, in dessen Leben es nicht viel Freude gibt."
Die Wahl des Soundtrack-Komponisten fiel auf den mit Preisen und Auszeichnungen dekorierten Graeme Revell, der einen vielschichtigen und beunruhigenden Score schuf, der der Geschichte von Los Angeles nach Kolumbien und schliesslich Washington folgte.
Seine Suche nach dem "Wolf" führt Gordy Brewer tief in den kolumbianischen Dschungel. Aus praktischen Erwägungen kam es für das Filmteam jedoch nicht in Frage, tatsächlich in Kolumbien zu drehen. Man benötigte eine Location, die das weit entfernte Gebiet glaubwürdig repräsentieren würde, und fand die geeignete Umgebung im mexikanischen Bundesstaat Veracruz. Das landschaftlich vielfältige Gebiet an der Küste des Golfs von Mexiko ist so etwas wie ein topografisches Wunder mit üppiger Dschungelvegetation, dramatischen Wasserfällen, unglaublicher Küstenflächen, weissen Sandstränden und einem eindrucksvollen Vulkan. Veracruz, Xalapa und die Städte und Dörfer der Umgebung haben den perfekten Hintergrund für Gordys Expedtion ins Unbekannte ab.
Allein das Setting sorgt für ein Gefühl der Spannung, wie Schwarzenegger erklärt: "Allein im Dschungel zu sein, birgt bereits seine Gefahren wie Schlangen, Tiere, giftige Insekten, Flüsse und die Angst, die Orientierung zu verlieren und sich zu verirren. Man kann leicht nachfühlen, dass die Umgebung Gordy schon Furcht einflössen würde, auch ohne die zusätzliche Bedrohung durch den Feind. Das Setting bringt eine weitere Intensität in den Film ein."
"Das Gebiet um Xalapa ist herrlich üppig und bot uns die Atmosphäre, die wir benötigten um Kolumbien realistisch nachstellen zu können", erklärt Davis. Seine Verpflichtung gegenüber der Realität betraf jeden einzelnen Aspekt der Produktion, in grossen wie kleinen Details. "Wir mussten eine komplette Kriegszone erschaffen mit Widerstandskämpfern, kolumbianischer Armee, paramilitärischen Todesschwadronen und unschuldigen Menschen, die in einem Bürgerkrieg gefangen sind. Das benötigte einiges an Recherche und Aufmerksamkeit gegenüber Details."
Die eigentlichen Dreharbeiten begannen am 26. September 2000 in Veracruz, einer geschäftigen Hafenstadt am Golf von Mexiko. Von dort zog die Filmcrew in den an einem Fluss gelegenen Ort Alvarado und das Fischerdorf Antigua, bevor die Produktion sie in die Berge führte. Xalapa, zwischen üppigen Kaffeeplantagen auf halbem Wege zwischen Meer und Gebirge gelegen, wurde während des Drehs in Mexiko zum Zuhause von Stab und Schauspielern.
Einen Film solcher Grösse zu drehen, beinhaltet stets logistische Probleme, die hier durch die Abgeschiedenheit der Location noch verstärkt wurden. Der Produktionsumfang war immens, mit einem Team, das beinahe 1000 Mitarbeiter in den USA und Mexiko umfasste, zudem Hunderte von Statisten. Tonnenschwere Ausrüstung musste mit Lastwagen über beinahe nicht passierbare Strassen transportiert werden. Doch brütende Hitze, Feuchtigkeit, unwirtliches Terrain, riesige Insekten und die Bedrohung durch Hurricane "Keith" waren nichts im Vergleich zu der Mühseligkeit einer solch aufwendigen Produktion in dichtem Dschungelgebiet, wo sich Strassen oft als nichts als Lehmpfade entpuppten, die sich in Matsch verwandelten, sobald es regnete - und es regnete sehr viel.
"Collateral Damage stellte in vielseitiger Hinsicht eine Herausforderung dar", erklärt Executive Producer Howard Koch. "Es gibt stets kulturelle und Verständigungsprobleme, wenn man verschiedene Teams kombiniert, wie hier amerikanische und mexikanische, doch die grösste Schwierigkeit des Mexiko-Drehs stellte der Zustand der Strassen dar. Wir mussten unsere eigenen Strassen in den Dschungel bauen, um unser Equipment transportieren zu können. Es war extrem."
Für Produzent David Foster, der einige Monate in Mexiko verbracht hatte als einer der Produzenten von "The Mask of Zoro" mit Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones, war von den Problemen nicht sonderlich überrascht: "Man muss den Preis dafür zahlen, wenn man Wert auf Authentizität legt." "Die Dreharbeiten waren nicht leicht", führt er weiter aus, "die Strassen waren unwegsam, manchmal gar nicht existent. Wasser musste überallhin mitgebracht werden. Aber es ist dennoch eine unglaublich schöne Landschaft mit vielen unberührten Gegenden, die perfekt jene Atmosphäre besass, die wir wollten. Als ich mit Andrew Davis damals auf Motivsuche in Veracruz war, wussten wir beide auf Anhieb, dass wir gefunden hatten, was wir suchten."
Den positiven Aspekt betont Cliff Curtis: "Ich liebe die Arbeit on location! Mexiko war für mich eine Erholung, ich wohnte auf einer herrlichen Hacienda und erlebte eine wunderbare Zeit, bevor ich mich der wilden Natur stellen musste. Ich habe echte Giftspinnen und -schlangen gesehen - bei welchem Job passiert einem das sonst noch?! Deswegen mach ich keinen Schreibtischjob."
Francesca Neri empfand ebenso, wenn auch nicht gerade in Hinsicht auf die Spinnen und Schlangen: "Es ist immer wunderbar, vor Ort zu drehen. Es erlaubt einem, verschiedene Länder kennen zu lernen und mit Menschen zu sprechen, über die man sonst vielleicht nichts wissen würde. Jetzt kann ich immerhin sagen, ich hätte im Dschungel gelebt und gearbeitet."
Mit der grössten Herausforderung sahen sich vielleicht Production Designer Phil Rosenberg, Art Director Richard Reseigne und die Art Departments in L.A. und Xalapa konfrontiert. Zu den Settings gehörten ein Strassenumzug in Xalapa und eine 200 Jahre alte mexikanische Hacienda, die so gestaltet werden mussten, dass sie kolumbianisch wirkten. Eine alte, noch stets bewirtschaftete Kaffee-Plantage diente sowohl als Operationsbasis für den "Wolf" als auch als das düstere Gefängnis, in dem Gordy seinem Gegner das erste Mal seit dem Attentat in Los Angeles von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht.
Viele andere Sets wie das Haus, in dem Gordy von Claudio gefangengehalten wird, und das Guerilla-Camp mussten von Grund auf gebaut werden. "Es war schwierig, für das Verlies einen leeren Platz mit einer echten Mauer zu finden, die gesprengt werden konnte", so Rosenberg. "Es musste so beschaffen sein, dass wir unsere selbstgebauten Gebäude in die Luft jagen konnten ohne die Umgebung zu zerstören. Die mexikanischen Location Scouts haben wirklich aussergewöhnliche Arbeit geleistet, als sie einen solchen Platz aufspürten. Er war perfekt."
Das Haus selbst, im Stil einer zweigeschossigen Hacienda, entstand in fünf Wochen Bauzeit in dem kleinen Gebirgsort Xico. Das Set erforderte aufwendige Recherchen sowie eine enge Kooperation zwischen Rosenberg und Reseigne, dem für die Special Effects verantwortlichen Tommy Fisher und Stunt Coordinator Billy Burton. Wochenlang probierten sie aus, wie die Szene einen möglichst dramatischen Effekt bekommen konnte, ohne dabei ernsthafte Risiken für die Stunt Crew zu erzeugen.
Der Bau des Rebellencamps verlangte ein weitaus drastischeres Vorgehen. Strassen mussten durch den Dschungel geschlagen und mehr als 400 Quadratmeter Bäume und dichte Büsche gerodet werden, bevor das Team überhaupt seine Arbeit aufnehmen konnte. Umgeben von Bergen und zerklüfteter Landschaft mussten mehrere Zeltbaracken, Kochstellen, Tierställe und ein Trainingsplatz für praktische Manöver konstruiert erden.
Collateral Damage wartet mit einer Vielzahl raffinierter und aufwendiger Stunts auf, von der Anfangsszene bis zu dem spektakulären Finale. Bei einigen kommt Feuer zum Einsatz, bei anderen Wasser - aber sie alle sind so, dass es einem den Atem raubt.
Special Effects Coordinator Thomas L. Fisher und der die visuellen Effekte überwachende William Mesa, beide bereits mit Oscars für ihre Arbeit ausgezeichnet, arbeiteten nicht das erste Mal mit Regisseur Andrew Davis zusammen. Die drei hatten bereits bei "Under Siege" ein Erfolgsteam gebildet. Fisher war zudem für die Spezialeffekte bei einigen von Arnold Schwarzeneggers eindrucksvollsten Filmen zuständig, darunter "True Lies", "Terminator 2" und "Total Recall", während Mesa den legendären Zugcrash in Davis' "The Fugitive" zu seinen Erfolgen rechnen darf.
Arnold Schwarzenegger jedenfalls war bereit, alles zu geben, ganz so wie man es von dem Actionstar gewohnt ist. "Obwohl es ein sehr harter Dreh und eine immense Herausforderung war", umreisst er die körperlichen Anforderungen an die Actionsequenzen. "Aber ich trainiere täglich: Herzkreislauf- und Gewichttraining, Stunts, Lauftraining und Klettern. Daher war ich gut vorbereitet. Es war beinahe so, als wäre man plötzlich wieder ein Kind, das grossartigen Spass beim Spielen hat."
Gordy muss im Dschungel ohne die üblichen Waffen auskommen, setzt stattdessen erfolgreich seinen Mut, seinen Verstand und sein Wissen als Feuerwehrmann über alles ein, was die Pyrotechnik betrifft. Einmal gelingt ihm eine spektakuläre Flucht, als er sich in einen tosenden Wasserfall fallen lässt, der ihn mit rasender Geschwindigkeit mitreisst.
Executive Producer Hawk Koch, der während der gesamten Produktion vor Ort war, schildert die Vorbereitungen für eine Schlüsselszene, die ihn von Juni bis zum Dreh Mitte Januar in Anspruch nahmen: "Wir drehten mit 15 Kameras, Hunderte von Statisten und 30 Stuntleute waren im Einsatz, Autos explodierten. Und wir drehten das alles in einer Einstellung - denn bei so etwas hat man keinen zweiten Versuch."
Wie aus Arnold Schwarzenegger ein Feuerwehrmann wurde
Nachdem die Aufnahmen in Mexiko nach zwei Monaten abgeschlossen waren, reisten Schauspieler und Team erschöpft zurück nach Los Angeles. Noch standen einige wichtige Szenen auf dem Drehplan, darunter ein Feuer in einem Mietshaus (das den Film eröffnet), die Bombenexplosion vor dem kolumbianischen Konsulat sowie diverse waghalsige Stunt-Szenen.
Collateral Damage beginnt im wahrsten Sinne des Wortes "heiss", einer eindrucksvollen Szene mit einem Grossfeuer, bei der so ziemlich alles aufgeboten wird von spannend choreographierter Brandbekämpfung und Rettungsversuchen bis hin zu einstürzenden Fussböden. Um die Sicherheit der Schauspieler aber auch die Authentizität der Szene zu garantieren, wurde Captain Stephen Ruda vom Los Angeles Fire Department als technischer Berater engagiert. Eine seiner wichtigsten Aufgaben war es, Schwarzenegger und die anderen Schauspieler die Grundlagen von Taktik und Strategie beim Kampf gegen das Feuer und die richtige Handhabung mit dem Schlauch zu vermitteln. Er erklärte, wie man die Ausrüstung anlegt oder sich gewaltsam Zugang verschafft. Zu seiner Arbeit gehörte auch, darauf zu achten, dass Uniformen und Ausrüstung so realistisch wie möglich waren.
Ruda war auch in die Drehbucharbeit einbezogen und lieferte den Autoren Informationen darüber, wie Feuerwehrmänner in Notfallsituationen kommunizieren und wie sie sich miteinander verständigen. Gewisse Details, die Brandbekämpfer als bekannt voraussetzen, benötigten eine Erklärung wie zum Beispiel dass Feuerwehrmänner in einem brennenden Haus aufgrund der Hitze niemals aufrecht stehen, sondern den Körper zusammenkauern und die Nähe zum Boden suchen. Vor allem aber unterstrich Ruda den Punkt, dass Feuerwehrmänner regelmässig die Sicherheit anderer Menschen über ihre eigene stellen.
Schwarzenegger zeigte sich sowohl von den mentalen als auch körperlichen Anforderungen an den Job beeindruckt. "In dem Anzug und mit ungefähr 50 Kilo Gewicht auf dem Körper durch die Gürtel, Sauerstofftanks, Masken und dem Rest der Ausrüstung, versteht man sehr rasch, dass diese Kerle in hervorragender Kondition sein müssen, damit sie sich überhaupt bewegen, geschweige denn Treppen rauf- und runterrennen zu können. Ich bin für den Film durch Feuer gelaufen, doch das war dank kontrollierter Brände ganz ungefährlich. Da überlegt man, wie Wesen und körperliche Ausdauer eines Menschen beschaffen sein müssen, der das in Wirklichkeit tut in solchen unkontrollierbaren Situation, mit denen Feuerwehrleute ständig zu tun haben."
Captain Ruda kann die Anerkennung nur zurückgeben dafür, wie sehr sich der Schauspieler der Authentizität verpflichtet fühlte: "Er hat sehr interessiert zugehört und soviel gelernt wie er konnte, um seine Rolle so ordentlich wie möglich zu spielen. Ich bin sicher, die Feuerwehr wird sehr stolz auf seine Darstellung von Captain Gordy Brewer sein."

