Forum Movies - News
Beitrag Internationale Kurzfilmtage Winterthur 2005
Internationale Kurzfilmtage Winterthur 2005 ![]() Basler Fans in 'Wir sind dir treu'. Letzten Sonntag gingen die 9. Kurzfilmtage Winterthur mit der Preisverleihung zu Ende. An vier Tagen wurden im Casinotheater und dem Kino Palace internationale Filme aus verschiedenen Genres gezeigt, die als einzigen gemeinsamen Nenner ihre kurze Dauer vorweisen konnten. Doch auch da gab es mit Laufzeiten von neunzig Sekunden bis zur halben Stunde ziemliche Unterschiede. Dass sich in dieser kürzesten filmischen Form viele Themen abdecken lassen, zeigten die Programmblöcke. Nicht nur die Firmen, die von 1910 bis 1970 Industriefilme in Auftrag gaben, heissen heute meist internationaler. Eine ABB, die Novartis und weitere finanzieren heutzutage Corporate Films als teil der integrierten Kommunikationsmassnahmen. Diese Arbeiten sind heute noch bei vielen Filmemachern verpönt, was aber früher nicht viel anders gewesen sein dürfte. Denn Informationen zur Urheberschaft sind oft nicht mehr eruirbar und es ist nur schon ein Glück, wenn die Filme nicht komplett verschollen oder zerstört sind. Eigentlich schade, denn sie bilden einen nicht zuletzt historisch äusserst interessanten Rückblick auf eine Zeit, wo die Vollbeschäftigung dank riesiger Fabriken, wo noch Arbeit von Hand verrichtet wurde, leicht erreicht werden konnte. Mit weniger Ernst, dafür umso witziger ging man bei den Mockumentaries zu Werke. "Fakten? Fakten? Fakten?" hiess der zweiteilige Block mit nicht ganz ernst gemeinten Dokumentarfilmen. Eine Form, die mit Drop Dead Georgous und C'est arrivé près de chez vous auch als Langfilm funktioniert. Zu sehen waren unter anderem in Mondo Ford neue Erkenntnisse zum Kennedymord, die ein Italiener namens Ricardo Fratelli herausfand, der dann aber unter mysteriösen Umständen selber verstarb: Ein durch und durch absurder Zusammenschnitt aus Archivaufnahmen von Nessie, Big Foot und anderen, dessen Off-Kommentar nur allzu leicht als Dialoge aus einem Italienisch-Sprachkurs zu erkennen war. In 30 Minuten entpuppte sich die vermeintliche Transsexualität eines holländischen Bauerns als "Transrassuelle Erkrankung". Dank einer künstlich verstärkten Pigmentierung der Haut und psychiatischer Begleitung konnte sich der arme Mann schon bald mit "seinen" Stammesgenossen in Zentralafrika verbrüdern. Auch Musicals und politische Filme, welche während der 68er-Bewegung in den USA entstanden waren, fanden als spezielle Sektionen Aufnahme ins Programm der Kurzfilmtage 2005. Die Preise wurde jedoch im Internationalen Wettbwerb und für die besten Schweizer Filme vergeben. In der überraschend polyglotten Auswahl innerhalb der "CHurzfilme" - japanische und gleich zweimal rumänische Dialoge kamen darin vor - gingen die von Suissimage und der Schweizerischen Autorengesellschaft gestifteten 5000 Fr. ex aequo an Filme mit sehr schweizerischen Themen. Frohe Ostern von Ulrich Schaffner thematisierte den ewigen Kampf gegen den bünzlischweizerischen Lebenswandel und wirkte dabei selber etwas bieder in der Machart. Beängstigend und faszinierend zugleich zeigte Michael Koch in Wir sind dir treu die Schweizer Fussballfankultur jenseits von Holiganismus anhand einer Studie der Schlachtenbummler in der Muttenzer Kurve des Basler St. Jakob-Parks in einem Spiel gegen den FC Zürich. Auch der Förderpreis für herausragende Regietalente im Wert von 8000 Fr., gestiftet vom Schweizer Fernsehen, ging gleich an zwei Filme. Ele & Jagger ist eine nicht chronologisch erzählte Jugendliebe zwischen einem argentinischen Mädchen vom Lande und einem Mick Jagger Look- und Singalike. Der Jury schien die Unverbindlichkeit von Regisseur Juan Ramón Ojuez zu gefallen, lobte sie doch "dass die eigentliche Erzählung zwischen den Bildern passiert". Die Flagge für den Animationsfilm hielt die Britin Leigh Hodgkinson hoch. In der surealen Bildercollage von Stalk treffen sich menschenäugige Häschen zum vegetarischen "meet and eat". Der Hauptpreis des internationalen Wettbewerbs ging an an den kürzesten Film, Specialized Technicians Required: Being Luis Porcar. Ein Film aus Spanien, einem Land, dass auch eine riesige Synchronisationsindustrie für Filme am Leben erhält. Luis Porcar ist die spanische Stimme des US-Schauspielers John Malkovich. Ihn sieht man praktisch nie, hört ihn aber umso öfters im Kino. Regisseur Manuel Saiz drehte die Verhältnisse und schaffte es, Malkovich zur Teilnahme an seinem Film zu übereden. Nun hört man den Amerikaner und sieht den Spanier, der in einer starren Einstellung in einem Büro von seiner Arbeit erzählt. Gemäss Jury "eine elegante Stellungsnahme zur heutigen Filmwelt: über künstlerische Leistung, technische Präzision und globalisierte Vermarktungsstrategien." Die Kurzfilmtage Winterthur finden auch im nächsten Jahr wieder statt. Das zehnjährige Jubiläum wird einen Tag länger dauern und vom 8. bis 12. November abgehalten werden. Quelle: OutNow.CH |

