Alice in Wonderland (2010)
Alice im Wunderland
Interview mit Richard Zanuck

Er kam 1934 auf die Welt, wurde in eine der berühmtesten Familien Hollywoods geboren, übernahm als junger Mann die Leitung der Fox-Filmstudios und machte sich einen Namen als Produzent in der Welt des Films. Richard Zanuck hat bei Alice in Wonderland zum wiederholten Mal mit Regisseur Tim Burton zusammengearbeitet. Er hat sich unseren Fragen gestellt und vor dem eigentlichen Interview erwähnt, dass sein Familienname aus der Schweiz kommt, er Skifahren in St. Moritz liebt und jedes Mal, wenn er dort ist, einen Blick ins Telefonbuch wirft, um eventuell einen weiteren „Zanuck“ zu finden. Bisher jedoch leider erfolglos.
OutNow.CH (ON): Alice in Wonderland war und ist noch immer sehr erfolgreich. Wie erklärst du dir diesen Erfolg? Allein mit dem 3D-Effekt kann es ja nicht getan sein.
Richard Zanuck (RZ): Da gibt es viele Gründe, aber so richtig erklären kann das niemand. Es liegt unter anderem sicher daran, dass die Geschichte sehr bekannt ist, schon über 130 Jahre auf dem Buckel hat und schon viele Mal auf Theaterbühnen oder als Film gespielt wurde. Die Zuschauer sind mit Alice und ihren Abenteuern aufgewachsen und haben eine spezielle Beziehung zur Geschichte. Dazu kommt, dass Tim Burton ein sehr kreativer Mensch ist und immer wieder neue Aspekte aus der bekannten Geschichte herausholt. Ausserdem hat er eine riesige Fangemeinschaft, braucht bei Schauspielern wie Johnny Depp oder Alan Rickman keine grosse Überredungskunst und berührt mit seinen Filmen die Menschen. Zu guter Letzt spricht auch der Name „Disney“ viele Leute an, was für die Vermarktung sehr wichtig ist. In Japan strömen zum Beispiel viele junge Frauen ins Kino, die sich mit der Titelfigur des Films sehr gut identifizieren können. Dort ist es schon fast „a cultural thing“...
ON: Was für einen Einfluss hat dann der 3D-Effekt?
RZ: Versteh mich nicht falsch, 3D ist fantastisch und jeder will das auch sehen. Aber die meisten Kinosäle zeigen Alice in Wonderland noch im „normalen“ 2D und der Film ist trotzdem sehr erfolgreich.
ON: Ist 3D die Zukunft des Kinos?
RZ: Nein, das glaube ich nicht. Im Moment sind alle begeistert von 3D und viele Produktionen werden aufgebessert und nachgedreht deswegen. Aber es bleibt dabei, wenn die Geschichte fehlt, nützen auch die besten Effekte nichts. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass momentan eine Überbeanspruchung von 3D vorhanden ist, was über kurz oder lang zu einer Übersättigung führen kann. Ausserdem klappt nicht jeder Film in 3D. Ich habe vor vielen Jahren Driving Miss Daisy produziert. Solche Filme machen in 3D einfach keinen Sinn. Die Story ist das elementare Teil einer jeden Produktion. Und so soll es auch bleiben.
ON: Alice in Wonderland ist bereits deine fünfte Zusammenarbeit mit Tim Burton. Was macht den Mann so speziell?
RZ: Er ist ein Künstler. Einer, der gerade eben eine viermonatige Ausstellung im Museum of Modern Art in New York hinter sich hat. Ein Genie, ein Visionär und halt einfach ein brillanter Filmemacher. Es ist eine grosse Ehre für mich, mit einem solchen Mann zusammen zu arbeiten, der stets neue Sachen ausprobiert und sich auf einem künstlerischen Niveau bewegt, das selten geworden ist. Ich habe mit allen grossen Namen in Hollywood zusammen gearbeitet, aber Tim Burton spielt künstlerisch einfach in einer eigenen Liga.
ON: Du hast für Driving Miss Daisy einen Oscar erhalten. Wo hast du den in deinem Haus platziert?
RZ: *lacht* Er steht direkt vor mir. In meiner Bibliothek, neben den anderen Auszeichnungen. Schön geputzt und abgestaubt in der Vitrine.
ON: Nun stelle ich dir ein paar Pop-Up-Fragen und du sagst einfach deinen ersten Gedanken dazu: Mad Hatter
RZ: Johnny Depp
ON: Tim Burton
RZ: Mad Hatter *lacht*
ON: Der beste Film aller Zeiten
RZ: *überlegt* Kann ich nicht beantworten. Das ist wie mit dem Kind im Süsswarenladen. Eine Entscheidung ist fast unmöglich.
ON: Schweiz
RZ: I love St. Moritz!
Somit war unsere Interviewzeit auch schon verstrichen. Gerne hätten wir länger mit Richard Zanuck geplaudert und mehr über die Geheimnisse aus Hollywood oder die Ecken und Kanten von Tim Burton gehört. Vielleicht ein anderes Mal...




